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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2025

Spannend erzählter Krimi mit Fokus auf den Charakteren

Eisenblume
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In Frida Skybäcks zweiten Band rund um die schwedische Ermittlerin Frederika Storm und ihrem Ermittlungspartner Henry Calment, bekommen beide es diesmal mit einem Cold Case aus dem Jahr 1987 zu tun. Nach ...

In Frida Skybäcks zweiten Band rund um die schwedische Ermittlerin Frederika Storm und ihrem Ermittlungspartner Henry Calment, bekommen beide es diesmal mit einem Cold Case aus dem Jahr 1987 zu tun. Nach dem grausigen Fund einer Leiche in der ehemaligen Psychiatrie in Lund, kommt schnell der Verdacht auf, dass es sich um eine/r der vermissten Patienten von damals handeln muss. Doch wo ist die andere verschwundene Person? Was ist damals wirklich in Lund passiert?

Passend zum Leichenfundort in einer Psychiatrie beginnt der Krimi gleich atmosphärisch, düster und spannend. Auch spätere Beschreibungen der damaligen grausamen psychiatrischen Behandlungsmethoden tragen zu dieser Stimmung bei.

Erzählt wird die vielschichtige Handlung, die einige Überraschungen besonders zum Ende hin bereithält, aus unterschiedlichen Perspektiven und anhand kurzer Kapitel, wodurch das Interesse an der Geschichte konstant hochgehalten wird.
Die Spannung leidet jedoch etwas zur Mitte hin, da das Erzähltempo etwas an Fahrt verliert und erst wieder zum Schluss hin an Fahrt aufnimmt.

Die Charakterdarstellungen sind gut, besonders in Henry und Fredrikas Gedanken- und Gefühlswelt taucht man ein und lernt die beiden so als Mensch näher kennen. Dazu trägt auch die Nebenhandlung rund um Frederika bei, die parallel zu den Ermittlungen auf der Suche nach ihrer Mutter ist.
Frederikas Angewohnheit bei den Ermittlungen Grenzen zu überschreiten, lässt sie wiederum in keinem so guten Licht darstellen.
Hinzu kommt, dass der Fokus manchmal fast mehr auf Henry und Frederik als Personen als auf dem eigentlichen Rätsel liegt, wodurch der Kriminalfall an sich leicht ins Hintertreffen gerät.

Trotz kleiner Schwächen im Erzähltempo und im Handlungsaufbau, ist "Eisenblume" von Frida Skybäck ein spannend und besonders in Bezug auf das Thema Umgang mit psychiatrischen Patienten respektvoll erzählter Kriminalroman, der Lust auf weitere Bände rund um das schwedische Ermittlerduo macht.
Wer Freude an glaubwürdig und bildhaft erzählten Kriminalfällen mit toller Charakterbeschreibung hat, wird Gefallen an dem neusten Band der Frederika-Storm-Reihe finden!

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Detailreicher historischer Krimi

Gesetz des Midas – Wiener Abgründe
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Mit dem dritten Band rund um den geheimen Sonderermittler Leopold Kern taucht man wieder in das historische Wien am Ende des 19. Jahrhunderts ein.
Kern ermittelt im Auftrag von Polizeipräsident Marx unter ...

Mit dem dritten Band rund um den geheimen Sonderermittler Leopold Kern taucht man wieder in das historische Wien am Ende des 19. Jahrhunderts ein.
Kern ermittelt im Auftrag von Polizeipräsident Marx unter den Ziegelarbeitern, denn ein mysteriöser Mordfall an einem Arbeiter der Ziegelfabrik wirft Fragen auf. Im Laufe seiner Ermittlungen taucht Kern in ein gefährliches Geflecht von Macht, Gier und Gewalt und begibt sich selbst in Gefahr.

"Gesetz des Midas - Wiener Abgründe 3" ist ein ruhiger erzählter Kriminalfall, der vor allem durch seine detailgetreuen Beschreibungen der damaligen Zeit überzeugen kann, auch wenn manchmal etwas zu beschreibend.
Unter der Feder des Autors erwacht das Wien zur Jahrhundertwende mitsamt seinen Bewohnern aus den verschiedene Gesellschaftskreisen zum Leben. Wer sich für realistische historische Darstellungen von gesellschaftlichen Entwicklungen und damaliger Lebensumstände interessiert, wird auf jeden Fall gefallen an dem Krimi finden.
Dazu kommt noch ein gut durchdachter und glaubwürdig erzählter Kriminalfall, der typische Ermittlerarbeit und spannende Momente miteinander vereint.

Unterschiedliche Erzählperspektiven und relativ kurze Kapitel sorgen für eine gewisse Spannung im eher gemächlich erzählten Krimi.
Auch die Personenzeichnung trägt dazu bei, dass das Interesse an der Geschichte hochgehalten wird. Besonders die Figur des Leopold Kern kann durch seine Vielschichtigkeit überzeugen.

Für Fans der Reihe und Liebhaber atmosphärisch gut erzählter historischer Krimis lesenswert!

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Komplexer Sci-Fi-Politthriller mit stilistischen Schwächen

Die Schatten der Solaren Union
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Eryx Vails Sci-Fi-Politthriller „Die Schatten der Solaren Union“ liegt eine vielversprechende Idee für eine nahe nicht-utopische Zukunft zugrunde, die jedoch nicht gänzlich überzeugen kann.

Auch die Solare ...

Eryx Vails Sci-Fi-Politthriller „Die Schatten der Solaren Union“ liegt eine vielversprechende Idee für eine nahe nicht-utopische Zukunft zugrunde, die jedoch nicht gänzlich überzeugen kann.

Auch die Solare Union ist nicht vor politischen Nachwehen gefeit, die stark an heutige Zeiten erinnern lässt, denn der Populist Julius Marek versucht, mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen die Massen für sich zu gewinnen. Ihm gegenüber steht die pragmatische Idealistin Selena Veyra, die Vizepräsidentin der Solaren Union. Politische Machtspiele und Intrigen stehen folglich im Fokus der Geschichte, aber auch die Liebe und menschliche Dramen kommen nicht zu kurz. Vail gelingt es hier, eine klug konstruierte Handlung zu spinnen, die trotz des futuristischen Settings bemerkenswert zeitgemäß wirkt, da auf beunruhigende Weise aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen widergespiegelt werden. Leser, die Freude an politischen Intrigen, persönlichen Dramen und spannenden Momenten haben, finden hier sicherlich ihren Reiz.

Trotz der vielversprechenden Prämisse erschwerte Vails ausführlich beschreibender Schreibstil mir anfangs das Eintauchen in die Handlung. Einerseits wird viel Wert auf Details gelegt, andererseits werden die Charaktere und deren Gedanken- und Gefühlswelt eher beschrieben als gezeigt, wodurch man nicht so richtig nah an die handelnden Personen herankommt.

„Die Schatten der Solaren Union“ ist ein Sci-Fi-Thriller, der eine packende Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Macht und den Herausforderungen demokratischer Systeme liefert. Literarisch sollte man jedoch nicht zu viel erwarten, inhaltlich regt der erste Band der Dilogie durchaus zum Nachdenken an.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Eine geheimnisvolle Geschichte, die sich Zeit lässt

Der dunkle Sommer
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Vera Buck weiß, wie man fesselnde Thriller oder Spannungsromane schreibt!
Auch "Der dunkle Sommer" ist von Anfang bis Ende flüssig und stimmungsvoll geschrieben, die Handlung braucht jedoch ein bisschen, ...

Vera Buck weiß, wie man fesselnde Thriller oder Spannungsromane schreibt!
Auch "Der dunkle Sommer" ist von Anfang bis Ende flüssig und stimmungsvoll geschrieben, die Handlung braucht jedoch ein bisschen, bis sie an Fahrt aufnimmt.

Erzählt aus der Sicht von Tilda und Enzo in der Gegenwart sowie der von Franka in der Vergangenheit, wird man nach und nach in die Geheimnisse des verlassenen sardinischen Dorfes eingeweiht.
Am Anfang des Buches lernt man die Architektin Tilda kennen, die für 1 € ein Haus im Geisterdorf Botigalli auf Sardinien erwirbt. Außer dem alten Silvio wohnt niemand mehr in dem Dorf. Der Journalist Enzo besucht ihn immer wieder, um ihm sein Geheimnis zu entlocken. Um welches Geheimnis handelt es sich und wie sind Franka, Tilda und Enzo damit verbunden? Schnell wird jedoch klar, dass ein Deckmantel des Schweigens über den Ereignissen liegt, die dazu geführt haben, dass das Dorf nach einem Massaker verwaist ist. Und als Theas Bruder verschwindet, spitzt sich die Lage gefährlich zu.

Die Prämisse des Buches klingt zunächst vielversprechend.
Am Anfang braucht die Handlung jedoch etwas an Zeit, um in Schwung zu kommen. Die Beschreibung des Settings und die Einführung bzw. Charakterisierung der wichtigsten handelnden Personen liegen deutlich im Fokus, was auf Kosten der Spannung geht.
Zum Ende hingeht dann alles etwas zu schnell und besonders die Verbindung zwischen Tilda und Franka sowie die Folgen des Aufdeckens der Geheimnisse rund um das Geisterdorf werden zu schnell und oberflächlich abgehandelt.
Eine bessere Balance zwischen spannenden Szenen und inhaltlicher Entwicklung hätte dem Lesefluss sicherlich gutgetan.

Gut gelungen ist hingegen die Personenzeichnung.
Dank der wechselnden Ich-Perspektiven ist man nah am Gedanken- und Gefühlsleben von Tilda, Enzo und Franka dran und erhält so ein differenziertes und lebendiges Bild der Charaktere.
Auch schafft die Autorin ein atmosphärisches Bild von einem heißen Sommer auf Sardinien zu schaffen und der verschwiegenen Stimmung unter den Bewohnern.

Nicht nur für Fans von Vera Buck lesenswert!

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Selbstfindung mit Humor und Selbstreflexion

Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein
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In "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" von Nicole Jäger begibt man sich gemeinsam mit der Autorin auf eine Reise ans Meer, die jedoch viel mehr eine Reise zur eigenen Selbstfindung und zum Glücklichsein ...

In "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" von Nicole Jäger begibt man sich gemeinsam mit der Autorin auf eine Reise ans Meer, die jedoch viel mehr eine Reise zur eigenen Selbstfindung und zum Glücklichsein ist. Dabei gewährt Jäger einen schonungslos ehrlichen Einblick in ihr Seelenleben.

Nicole Jäger ist als Stand-Up-Comedian auf den Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Hause. Auch wenn sie mit Humor ihr Geld verdient, ist ihr Leben nicht immer eitel Sonnenschein. Aufgrund ihres Gewichts und wie dies in der Gesellschaft wahrgenommen wird bzw. welche Vorurteile damit verbunden sind, ist sie stark von Selbstzweifeln, Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Körper und einem geringen Selbstwertgefühl sowie Ängsten geprägt.
Eingewoben in ihre persönliche Erzählung sind auch Kindheitserinnerungen und kurze Einblicke in ihren beruflichen Alltag als Comedian. Im Mittelpunkt steht aber eindeutig ihr Weg zu innerer Zufriedenheit mit sich selbst und der Umgang mit Scham. Mit Humor und Selbstreflexion nähert sie sich hierbei der eigenen Selbstfindung an und dem Weg zum Glück, der voller Höhen und Tiefen ist.
Dass sie dabei auch schmerzvolle Gedanken und Gefühle nicht ausspart, macht das Buch nahbar und authentisch.

Da die Erzählung nicht geradlinig ist und manche Themen nur angeschnitten werden, geht jedoch an der ein oder anderen Stelle etwas an Tiefe verloren. Dennoch regt das Buch zum Nachdenken über Selbstwahrnehmung, Zufriedenheit und gesellschaftliche Vorstellungen an.

Insgesamt lernt man in "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" Nicole Jäger fernab ihrer Bühnenpersönlichkeit näher kennen, und zwar als eine von Ängsten und Unsicherheiten geprägte Frau, die man gerne auf ihrem Weg zum persönlichen Glück begleitet.
Humorvoll, authentisch und kurzweilig liest sich ihre Reise und nicht nur für Fans von Nicole Jäger interessant!

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