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Veröffentlicht am 27.07.2025

Die Suche nach dem perfekten Vater

Ein guter Plan ist die halbe Liebe
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Lydia Schmölzls Roman "Ein guter Plan ist die halbe Liebe" nimmt die Leser:innen mit auf eine ungewöhnliche Reise durch die Gedankenwelt der Protagonistin Roxy. Die Geschichte dreht sich um die eigenständige ...

Lydia Schmölzls Roman "Ein guter Plan ist die halbe Liebe" nimmt die Leser:innen mit auf eine ungewöhnliche Reise durch die Gedankenwelt der Protagonistin Roxy. Die Geschichte dreht sich um die eigenständige 35-jährige Frau, die sich mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass ihre "biologische Uhr" tickt und sie sich entscheiden muss, ob sie noch Kinder haben möchte.

Roxy, eine erfolgreiche Personalchefin, präsentiert sich als kalkuliert und berechnend in ihrem Vorhaben, einen Vater für ihr Kind zu finden, ohne dabei eine traditionelle Beziehung eingehen zu wollen. Die Idee, potenzielle Väter einem Test zu unterziehen, mag auf den ersten Blick witzig erscheinen, jedoch kam mir diese Herangehensweise sehr fragwürdig vor.

Der Roman ist in Roxys Ich-Perspektive verfasst und flüssig geschrieben, mit einem Hauch von Humor und Wortwitz. Trotzdem gerät die Geschichte mMn an einigen Stellen ins Stocken und lässt die Leser:innen mit dem Eindruck zurück, dass etwas Wesentliches fehlt.

Die Figuren des Romans sind weitgehend gut ausgearbeitet, aber die Hauptfigur Roxy wirkt zeitweise zu selbstbezogen und berechnend, was es mir schwer machte, eine emotionale Bindung zu ihr aufzubauen. Ihr Verhalten gegenüber den potenziellen Vätern und ihr Fokus auf Kontrolle und Rationalität machen sie auch nicht gerade sympathisch.

Trotz der originellen Grundidee und des flüssigen Schreibstils fand ich die Umsetzung steigerungsfähig - ich hatte mehr erwartet. Mir fehlten oft mehr Tiefe und Emotionen sowie eine stärkere Entwicklung der Hauptfigur.

Insgesamt bleibt "Ein guter Plan ist die halbe Liebe" ein Buch, das mit einer interessanten Ausgangssituation beginnt, aber leider keine Begeisterung bei mir auslösen konnte. Eine nette Unterhaltung für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Skurrile Reise durch die DDR-Geschichte

Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge
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"Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge" entführt die Leser:innen auf eine skurrile Reise durch das Leben eines älteren Herren, der sich aufmacht, ein lang gehütetes Geheimnis zu lüften. Das Ehepaar ...

"Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge" entführt die Leser:innen auf eine skurrile Reise durch das Leben eines älteren Herren, der sich aufmacht, ein lang gehütetes Geheimnis zu lüften. Das Ehepaar Tsokos präsentiert dabei einen flüssigen und gut lesbaren Schreibstil.

Die Geschichte dreht sich um Heinz Labensky, einen Mann, der sein Leben im Seniorenheim "dahinvegetiert". Er war nie ganz der hellste und hat sein Leben lang den Osten nie verlassen. Ein unerwarteter Brief von der Tochter seiner Jugendliebe Rita bringt plötzlich Bewegung in sein monoton gewordenes Dasein. Heinz entschließt sich spontan zu einer Reise nach Warnemünde, um endlich Antworten auf Fragen zu bekommen, die sein Leben seit Jahrzehnten begleiten. Während seiner Fahrt im Flixbus teilt Heinz seine Geschichten und Erinnerungen, wobei die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.



Hervorheben muss ich wirklich den humorvollen und lebendigen Schreibstil der Tsokos, der durch Heinz' liebenswerte Art geprägt ist. Die Dialoge während der Busfahrt werden humorvoll und mit Esprit beschrieben, wodurch die Geschichte mit ihren skurrilen Elementen unterhaltsam bleibt. Die Reise durch die DDR-Geschichte bietet interessante Einblicke in die Vergangenheit, wobei die Perspektive von Heinz Labensky, vor allem wegen seiner "Lernschwäche" und oft eigenen Interpretation der Dinge, eine einzigartige Sichtweise darstellt.

Allerdings habe ich das Buch nicht ganz lesen können, weil es mir ab der Mitte zu langatmig und verworren war. Vielleicht kenne ich mich zu wenig mit typischen DDR-Dingen und -Ereignissen aus, vielleicht war Heinz' Schwadronieren doch zu viel. Ich konnte der Story gar nicht mehr folgen, habe ständig den Faden verloren und wusste irgendwann nicht mehr, worum es überhaupt geht.

Ich konnte mich mit keiner Figur identifizieren und fand Heinz' Naivität auch oft anstrengend.

Die skurrile Erzählweise und der ungewöhnliche Protagonist können aber ein sehr unterhaltsames Leseerlebnis bieten, wenn man sich für DDR-Historie und Kuriositäten interessiert.

Wegen des schönen Schreibstils gebe ich trotz "schwieriger" Story drei Sterne.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Kommt langsam in Fahrt, in sich stimmig

Gestehe
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In Henri Fabers Thriller „Gestehe“ geht es um eine Welt voll Korruption und Intrigen. Die Geschichte folgt dem Ermittler Jo, genannt „Jacket“, der nach einem spektakulären Fall, in dem er quasi im Alleingang ...

In Henri Fabers Thriller „Gestehe“ geht es um eine Welt voll Korruption und Intrigen. Die Geschichte folgt dem Ermittler Jo, genannt „Jacket“, der nach einem spektakulären Fall, in dem er quasi im Alleingang einen Organhändlerring zerschlagen hat, zum Presseliebling und Aushängeschild der Polizei geworden ist, sowie dem zweiten Hauptprotagonisten Mo, dem einzigen Polizisten (mit Migrationshintergrund), der sich als kompetent erweist, während seine Kollegen durch Inkompetenz und Rassismus auffallen.

Die Handlung ist geteilt, einerseits aus Mos Perspektive, andererseits aus der Sicht von Jacket, und schließlich kommt ab und zu ein ominöser Dritter zu Wort, der immer zu wissen scheint, wer als nächstes stirbt. Das Perfide an der Sache: Es ist die Stimme aus Jackets neuem Roman, in dem er offenbar schon geschrieben hat, was geschehen ist – bevor es wirklich passiert.

Leider blieb die Spannung lange Zeit auf der Strecke, ich empfand die ersten zwei Drittel des Buches als sehr langatmig, erst auf den letzten 150 Seiten wird es rasanter. Die Geschichte an sich ist aber gut durchdacht, eventuell hätte man etwas Komplexität rausnehmen können, damit es spannender wird. Neben ihren persönlichen Problemchen muss das Team nun also herausfinden, wer in Wien Menschen ausweidet. Vor allem Jacket nimmt hier gerne mal den unkonventionellen Weg und fragt sich zunehmend, ob er langsam verrückt wird.

Die Figuren sind facettenreich beschrieben, insbesondere Jacket, der anfangs maximal unsympathisch wirkt und am Ende eine erstaunliche (aber eher unrealistische) Wandlung durchmacht.

Die Storyline bietet einige überraschende Wendungen, die teils jedoch konstruiert wirken, am Ende aber zu einer schlüssigen Auflösung führen (mit der:m Täter:innen konnte ich mich nur so semi anfreunden - ohne zu viel verraten zu wollen mag ich dieses Element der "Lösung" in Thrillern/Krimis nicht so gerne).

Der Schreibstil von Henri Faber ist angenehm und der Roman lässt sich gut lesen. Trotz einiger überraschender Wendungen und actionreicher Szenen kann „Gestehe“ meiner Meinung nach jedoch nicht vollständig als Thriller klassifiziert werden. Die gesellschaftspolitischen Themen, die im Buch angesprochen werden, verleihen der Geschichte eine zusätzliche Tiefe, aber es dauert zu lange, bis die Spannung an Fahrt gewinnt. Wer einen eher gediegeneren Thriller mit ein paar packenden Momenten sucht, ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Hat Längen und Lücken

Never Safe - Wann wirst du sicher sein?
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Das Buch fing richtig gut an und ich habe es gekauft, nachdem ich die ersten ca. 30 Seiten überflogen hatte. Leider konnte sich diese Spannung nicht halten und es ging in eine andere Richtung, als ich ...

Das Buch fing richtig gut an und ich habe es gekauft, nachdem ich die ersten ca. 30 Seiten überflogen hatte. Leider konnte sich diese Spannung nicht halten und es ging in eine andere Richtung, als ich erwartet hatte. Dass Kara 20 Jahre nachdem sie ihre grausam ermordete Familie gefunden hat, mysteriöse Nachrichten bekommt, die - so vermutet sie - von ihrer damals verschollenen Schwester stammen, klang erstmal sehr spannend. Dazu kommt noch, dass ausgerechnet jetzt ihr Halbbruder - der damals für die Tat verantwortlich gemacht wurde - nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird.

Leider kam es nicht zum "die zwei endlich wiedervereinten Schwestern decken gemeinsam auf, was damals wirklich geschah"-Plot. Die Nachrichten spielten nur noch eine untergeordnete Rolle, obwohl ich gerade die Idee so spannend fand. Stattdessen verbündet Kara sich mit einem "nervigen" (man weiß, worauf es hinausläuft) Reporter, der ein Buch über den Fall schreiben will und zufällig auch persönlich involviert ist, weil sein Vater vor 20 Jahren starb, als er Kara gerettet hat.

Dieser Reporter wiederum hat einen "Informanten", der Dinge für ihn ermittelt - wie und woher erfährt man leider nicht, es ist für die Story aber natürlich praktisch, dass aus dem Nichts Hinweise kommen. Da fragt man sich auch, warum nach 20 Jahren plötzlich SO viele neue relevante Informationen kommen, die damals einfach niemanden interessiert zu haben scheinen.

Es wird ständig aus wechselnden Perspektiven erzählt, was teilweise verwirrend ist. Vor allem, weil manche Personen nicht wirklich relevant für die Ereignisse sind, bzw. hätten sie keine eigene Perspektive gebraucht (z. B. die Tante und deren Freund, Chad und seine Frau).

Ich finde es komisch, dass am Ende nicht alles wirklich sinnvoll aufgeklärt wurde. Dass die einzelnen Protagonist:innen jeweils nicht alles wissen/ermitteln können und mit einem "das werden wir wohl nie erfahren" zurückbleiben - okay. Aber für die Leser:innen ist das wirklich nervig, weil die Story so rückblickend einfach nicht richtig durchdacht wirkt und einige Dinge einfach keinen Sinn ergeben, weil sie nicht logisch sind. Als hätte die Autorin am Ende selbst gemerkt, dass manches nicht passt, aber keine Lust gehabt, es an anderen Stellen im Buch so zu ändern, dass es passt.

Warum zum Beispiel war auch ein Peilsender am Auto von Mia Long? Woher hätte Marlies Vater (Name schon wieder vergessen) wissen sollen, dass Jonas sich an sie wendet? Wieso war er auch vor dem Krankenhaus und hat sie beobachtet? Warum waren überhaupt so viele Familienmitglieder vor dem Krankenhaus?

Und vor allem: Woher hatte Marlie Karas Handynummer?? Warum hat sie nicht versucht, sich mit ihr zu treffen? Warum ruft sie mit komisch verstellter Stimme an?!

Die ganze "Erklärung", dass Marlie 20 Jahre unter falschem Namen mehr oder weniger bei ihrem Vater eingesperrt war wirkt auch absolut unglaubwürdig. Ständig wird gesagt, dass die Ereignisse und Bilder der Familienmitgliefer permanent in den Medien waren, aber da hat sie niemand erkannt? Und sie ist einfach dageblieben, obwohl sie wusste, was er getan hat?

Das Buch lässt sich gut lesen, der Schreibstil ist flüssig. Es hat aber einige Längen und meiner Meinung nach zu viele inhaltliche Lücken, die am Ende nicht sinnvoll aufgeklärt werden.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Gute Botschaft - drastische Umsetzung

Nichts
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Das Buch handelt sehr eindringlich von der Frage der Bedeutung im Leben/dem Sinn des Lebens. Lohnt sich das Leben gar nicht, weil am Ende Nichts eine Bedeutung hat?

Der genaue Inhalt wurde ja schon hunderte ...

Das Buch handelt sehr eindringlich von der Frage der Bedeutung im Leben/dem Sinn des Lebens. Lohnt sich das Leben gar nicht, weil am Ende Nichts eine Bedeutung hat?

Der genaue Inhalt wurde ja schon hunderte Male besprochen. Ich persönlich fand die Entwicklung der Kinder zu extrem. Natürlich kann man sich fragen, ob der Inhalt so krass im Gedächtnis bleiben würde, wenn sich die "bedeutungsvollen" Dinge nicht immer weiter gesteigert hätten. Nur Sandalen oder Fahrräder wären wohl auch zu profan. Aber dass Siebtklässler (!) auch vor Vergewaltigung, Verstümmelung und sogar zweifachem Mord nicht zurückschrecken - und auch zwischendurch gerne mal gewalttätig sind - kommt mir doch sehr drastisch vor.

Vielleicht liest man das Buch (ähnlich wie bspw. "Herr der Fliegen") eher wie eine Art Parabel. Wie weit würden Menschen gehen, um dem vermeintlich sinnlosen Leben Bedeutung beizumessen?

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