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Veröffentlicht am 15.08.2025

Bist du Jäger oder Beute?

Asa
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In „ASA“ beschreibt Zoran Drvenkar wortgewaltig das Leben des Mädchens Asa und die Geschichte ihrer Familie. Ist der Roman eine Familiensaga, ein Thriller oder ein Rachefeldzug? Eigentlich alles, vor allem ...

In „ASA“ beschreibt Zoran Drvenkar wortgewaltig das Leben des Mädchens Asa und die Geschichte ihrer Familie. Ist der Roman eine Familiensaga, ein Thriller oder ein Rachefeldzug? Eigentlich alles, vor allem aber ist er eine Erzählung, die unter die Haut geht. Nichts für schwache Nerven und nichts zum nebenbei lesen!

Wir lernen zu Beginn die Titelheldin als Vierzehnjährige kennen, die vor ihren Jägern flieht. Dazu springt sie in ein Eisloch in einem zugefrorenen See. Sie macht es ihren Jägern nicht leicht, die Asas Initiation nur überleben, weil diese sich an die Regeln hält. Dreißig Jahre und einige Tragödien später lauert sie ihrem Paten, einem erfolgreichen internationalen Waffenhändler auf. Trotz seiner Bodyguards bekommt er die Quittung für seine Taten. Ein weiterer Erzählstrang führt den Leser ins Jahr 1902. Marten verlässt Berlin Richtung Osten. In einem kleinen schlesischen Dorf lässt er sich nieder. Hier beginnt der Aufstieg der Familie Kolbert. Schreckliche Erlebnisse während des Ersten Weltkriegs lassen in Marten die Idee reifen, dass nur der Starke überlebt. „Du darfst nie die Beute, sondern musst immer der Jäger sein“, lautet seine Devise. Fortan werden die Jugendlichen der Familien, die die Kolberts um sich scharen, hart trainiert. „Die Prüfung“, eine Initiation der Jugendlichen, wird zur bestimmenden Tradition. Zwei Generationen später nehmen die Kolberts eine Teufelin in ihre Familie auf und die rohe Gewalt triumphiert ...

Asa ist ein komplizierter Charakter. Einerseits austrainiert, zäh, stur, findig, mutig, gnadenlos. Die geborene Kämpferin. Andrerseits verfügt sie über eine geheime Seite, die lieben und beschützen will. Der Verrat ihrer Familie und der Tod eines sehr geliebten Menschen lässt sie eskalieren. Auch jede der anderen Figuren hat ihre eigene Motivation und Hintergrundgeschichte, die sie zu dem macht, was sie ist.

Zoran Drvenkars Sprache ist flüssig und packend. Seine eher sachliche Erzählweise steht im Gegensatz zur aufwühlenden Handlung. Immer wieder streut der Autor vorweggenommene Informationen in den Text ein „L. hat von diesem Zeitpunkt an noch eineinhalb Jahre zu leben“ (S. 524), die die Spannung zusätzlich erhöhen. Zeitebenen und Handlungsorte wechseln häufig, ebenso die Perspektive. Der Roman kann nicht einfach einem bestimmten Genre zugewiesen werden kann, was ihn noch fesselnder macht.

Anfänglich habe ich mich mit dem Buch schwergetan. Es ist sehr düster und voller Gewalt. Zu lesen, was speziell Kindern und Jugendlichen angetan wird, muss man ertragen können. Aber dann bin ich in den Sog der Erzählung eingetaucht und habe das Buch innerhalb weniger Tage gelesen. Ich bin begeistert von „ASA“, musste das Buch aber immer mal wieder beiseitelegen, wenn Grausamkeit und Gewalt eskalierten. Der durchgehend düstere, teilweise beklemmende Grundton, die Blicke in tiefste menschliche Abgründe, Verrat, Skrupellosigkeit und Blutdurst spielen eine große Rolle. Noch nie konnte ich Rachedurst so gut verstehen. Dabei ist Asa kein Kampfroboter. Sie beweist innere Stärke, hat sich ihre menschliche Seite bewahrt und den moralischen Kompass nie ganz verloren.

Jedem, der mit der Gewalt klarkommt, kann ich dieses Buch empfehlen.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Die dritte Runde

Erebos 3
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Das mysteriöse Computerspiel Erebos zwingt Nick Dunmore erneut in seine Rolle als Dunkelelf Sarius. Die dritte Runde kann beginnen … Ursula Poznanski hat eine fesselnde Fortsetzung der Erebos-Reihe geschrieben, ...

Das mysteriöse Computerspiel Erebos zwingt Nick Dunmore erneut in seine Rolle als Dunkelelf Sarius. Die dritte Runde kann beginnen … Ursula Poznanski hat eine fesselnde Fortsetzung der Erebos-Reihe geschrieben, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat.

Nach seiner letzten Begegnung mit dem Computerspiel hat Nick Rechner und Handy ersetzt, trotzdem nimmt Erebos überraschend Kontakt zu ihm auf. Dafür wählt es den idealen Zeitpunkt: Nick ist völlig pleite und seine Freundin Emily befindet sich zur Fortbildung in New York. Mit fieser Erpressung und gehörigem Druck erreicht Erebos sein Ziel, Sarius ist zurück im Spiel! Dieses Mal fordert der Bote den Dunkelelfen auf, eine Horde um sich zu scharen. Die nächste Herausforderung soll ein Wettkampf zwischen fünf dieser Teams sein. Nick gründet die Horde der „Galgenvögel“ mit einem Raben als Wappentier. Doch worum geht es? Sarius und sein engster Vertrauter und Mitspieler Victor alias Squamato bekommen scheinbar sinnlose Aufträge im Real Life und kryptische Hinweise, bspw. zeigen ihre Handys kurz falsche Uhrzeiten an. Erebos Bote raunt von Vorzeichen und einer großen Gefahr. Nicks Unbehagen wächst, er ahnt, dass der Spieleinsatz dieses Mal extrem hoch ist. Doch erst als er das Zahlenrätsel löst und die Bedeutung des Auges einer blutrünstigen Göttin entschlüsselt, wird ihm die schreckliche Tragweite dieses Wettkampfs klar. Es geht um Leben oder Tod!

Nick Dunmore, mittlerweile Berufsfotograf, steht erneut im Fokus der Geschichte, die auch aus seiner Perspektive erzählt wird. Zurzeit steckt er in einer schweren finanziellen Krise, da er sich zwar künstlerisch weiterentwickelt hat, dies aber nicht in materiellen Erfolg ummünzen kann. So wird er eine leichte Beute für Erebos. Nick ahnt zwar, was auf ihn zukommt, doch gleichzeitig kann er die Anziehungskraft des Spiels auf ihn nicht leugnen. Doch er hintergeht Emily. Ihr hat er versprochen, sich nie mehr auf die Machenschaften des Boten einzulassen. Dafür plagt ihn sein Gewissen.

Erebos hat sich weiterentwickelt, doch sein Grundprinzip gilt unverändert: Es beobachtet, belohnt, bestraft, manipuliert und macht vor dem realen Leben der Gamer nicht halt. Die anderen Protagonisten außer Victor gewinnen erst im dramatischen Endkampf an Tiefe. Nicks Gegenspieler sind abgrundtief böse, skrupellos und planen Unvorstellbares in der realen Welt.

Ursula Poznanski schreibt gewohnt flüssig und bildhaft. Ihr gelingt es mühelos, Nicks Dilemma verständlich zu machen. Schnell hat sie nicht nur ihn, sondern auch die Leser wieder in den Bann von Erebos gezogen. Wie in den anderen Bänden findet die Handlung abwechselnd in der Spielwelt und im realen Leben statt. Die Autorin macht deutlich, wie tief wir in Problemen stecken, wenn unsere liebgewonnenen Geräte und digitalen Dienste gehackt werden.

Mich hat Nicks drittes Erebos-Abenteuer bestens unterhalten. Während des packenden Showdown habe ich mit ihm und seinen Freunden mitgefiebert. Es ist spannend am Ende zu erfahren, wer hinter welcher Maske steckt und einige Überraschungen sind dabei garantiert. Ich bin begeistert von Poznanskis Fantasie und Inspiration, die erneut ein fesselndes großes Abenteuer in buntem Ambiente garantieren. Da das Gehirn hinter Erebos nicht enthüllt wird, hoffe ich zuversichtlich auf eine vierte Runde.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Wer rettet Estraora vor dem ewigen Eis?

Die Prinzen des Winters
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In einer kalten Schneelandschaft beginnt die Geschichte des Feuermädchens Eyra und der drei Winterprinzen. Mit „Die Prinzen des Winters: Eisfunken“ startet K. T. Steen ihre Eisfeuer-Saga. Die Autorin steht ...

In einer kalten Schneelandschaft beginnt die Geschichte des Feuermädchens Eyra und der drei Winterprinzen. Mit „Die Prinzen des Winters: Eisfunken“ startet K. T. Steen ihre Eisfeuer-Saga. Die Autorin steht für spannende und romantische High Fantasy. Mit dem Auftaktband ihrer neuen Reihe konnte sie mich sofort begeistern.

Eyra ist ein Feuermädchen, das früh die Mutter verlor, und vom Vater wegen einer neuen Frau verlassen wurde. Seither sorgt sie allein für ihren kranken jüngeren Bruder Naran. Auch vor kleineren Diebstählen schreckt sie nicht zurück, um zu überleben. Eyra hasst die Winterelfen, allen voran den Schneekönig und ihren mächtigen Orden, die Estraora, das einstige Land der Feuermenschen, erobert und in eine Schneewüste verwandelt haben. Die Bevölkerung wird vom Schnee betäubt und krank gemacht. In dieser Situation trifft sie auf zwei mysteriöse Winterelfen und erhält kurz darauf eine Einladung ins Schloss der Winterkönigin. Es findet erneut eine Brautschau für die drei Prinzen statt und mit Eyra ist erstmals ein Feuermädchen zur Teilnahme aufgefordert worden. Widerstrebend folgt sie der Einladung. Sie würde zwar niemals einen Winterelfen heiraten, aber der Anführer des „Roten Zugs“, einer Widerstandsbewegung der Feuermenschen, bittet sie, den legendären Eiskristall, die Machtquelle der Eiskönige, aus dem Schloss zu stehlen. Dies erweist sich als unerwartet schwierig. Einer der Prinzen, Saul, ist wesentlich sympathischer als vermutet und bietet ihr an, Naran den besten Heiler der Winterelfen zu schicken. Eyra befindet sich in einem Zwiespalt. Kann sie die möglicherweise rettende Hilfe für den geliebten Bruder ausschlagen? Ist sie andrerseits stark genug für die äußerst gefährlichen magischen Prüfungen des Palastes? Und was bedeutet das Kribbeln in ihrem Bauch, wenn sie mit dem stets finster blickenden Prinzen Lazar zusammen ist?

K. T. Steen schreibt flüssig und sehr bildhaft. Ihre Figuren überzeugen. Die Hauptcharaktere sind sympathisch und loyal, ihre Antagonisten zielstrebig und äußerst raffiniert. Mir gefällt besonders, dass Eyra, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, sich weiter entwickelt. Ihre Loyalität gegenüber Naran ist berührend. Sie ist ein starke, junge Frau, die es geschafft hat, sich und ihren schwerkranken Bruder allein durchzubringen. Die Prinzen sind sehr divers, was nach Lesen des Prologs nicht verwundert. Ihnen fehlt noch etwas an Tiefe, was in den Folgebänden sicher korrigiert wird. Meine Lieblingsfigur ist die Fee Fayette, Eyras Ziehschwester, einerseits sprunghaft und unzuverlässig, andrerseits bereit, ihr Leben für ihre Geschwister zu riskieren.

Der Auftakt der Saga hat mich schnell gefesselt. Das Worldbuilding der Autorin überzeugt. Originelle Einfälle wie sprechende Schneeamseln als Boten, Hippogryphe als Haustiere oder Magie, die durch ihre unterschiedliche Farbe gekennzeichnet ist, illustrieren Eyras Welt. Bald wird klar, warum es so bedeutsam ist, dass Eyra drei Magiearten beherrscht, was für ein Feuermädchen eigentlich unmöglich ist. Auch eine Liebesgeschichte entwickelt sich, aber mehr will ich nicht verraten. Nach einigen Verwicklungen und Wendungen, die ordentlich für Spannung sorgen, endet die Geschichte mit einem üblen Cliffhanger. Natürlich muss ich unbedingt wissen, wie es weitergeht …

Für Fans von spannender Fantasy, in der auch Romantik ihren Platz findet, ist "Eisfunken" genau das richtige Lesefutter.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Wer tötete „die Pariserin“?

Gefährliche Aussicht
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Julie Dubois lässt Kommissarin Marie Mercier in „Gefährliche Aussicht“ bereits zum fünften Mal im pittoresken Saint-André ermitteln. Als großer Fan der Reihe war ich schon sehr gespannt auf ihren neuen ...

Julie Dubois lässt Kommissarin Marie Mercier in „Gefährliche Aussicht“ bereits zum fünften Mal im pittoresken Saint-André ermitteln. Als großer Fan der Reihe war ich schon sehr gespannt auf ihren neuen Fall und wurde nicht enttäuscht.

Frühsommer im Périgord. Endlich Wochenende! Michel ist zu Besuch und Tante Léonie plant ein opulentes Feinschmeckermenü. Der Anlass des Festessens ist geheim, aber die Teilnahme von Marie und Michel unbedingt erwünscht. Beim Einkaufen im Dorf erfährt die Kommissarin, dass Patricia, die vor einem Jahr von Paris nach Saint-André gezogen ist, einen Unfall hatte. Sie macht sich Sorgen um die Hochschwangere, wird aber von Michel und Léonie abgelenkt. Dann erhält Marie eine bestürzende Nachricht. Patricia ist gestorben! Schnell stellt sich heraus, dass bei ihrem Sturz nachgeholfen wurde. Marie und Kollege Richard nehmen die Ermittlungen auf. Mehrere Personen geraten in den Fokus der Polizei. Da sind die renitenten Nachbarn, die nicht akzeptieren wollen, dass Patricia und ihr Mann ein seit Jahren leerstehendes Anwesen gekauft haben, um es zu renovieren und darin zu leben. Auch die Handwerker könnten ein Motiv haben, denn das gelieferte Baumaterial stammt möglicherweise aus dubiosen Quellen. Patricias Partner ist ein reicher, geschiedener Mann. Hegt jemand einen Groll gegen ihn oder die neue Frau an seiner Seite? Wer tötet eine Hochschwangere, fragen sich nicht nur Marie und Richard? Die Ermittlungen gestalten sich zäh, bis ein zweiter Mord geschieht.

Julie Dubois schreibt gewohnt flüssig und versteht es, die Leser zu fesseln. Ihre Charaktere überzeugen, ob Kollegen, Dorfbewohner oder Familienmitglieder. Mit dem Wissen der Insiderin fängt sie die lokale Atmosphäre und das südfranzösische Ambiente gekonnt ein. Eingestreute Redewendungen wie „chanter en yaourt – Joghurt singen“ amüsieren mich immer wieder aufs Neue. Mir gefällt, dass die Autorin auch Probleme anspricht, bspw. die Thematik um den iranischen Hilfsarbeiter Arash, der die Einwanderung seiner Familie nicht gefährden will. Oder die Ressentiments der Einwohner gegenüber Fremden, allen voran reichen Parisern. Auch Marie ist teilweise betroffen, hat sie doch lange in der Hauptstadt gelebt. Und dann noch der deutsche Vater ...

Der Autorin gelingt erneut ein für mich unwiderstehlicher Mix aus Krimihandlung, Familiengeschichte und Lokalkolorit. Die leckeren Rezepte nicht zu vergessen! Dieses Mal gibt es auch Neues von Maries Lieben: Georges hat sich getraut! Nach Jahrzehnten der Verehrung hat er seiner großen Liebe einen Heiratsantrag gemacht. Léonie ist überglücklich und Marie freut sich über das späte Glück ihrer Großtante. Eine Freude, die ich gern teile. Jedes Mal bedauere ich es, wenn das aktuelle Buch wieder viel zu schnell gelesen ist.

Auch dieses Mal wurde das Verbrechen aufgeklärt und alle offenen Fragen beantwortet. Für das nächste Buch kündigen sich private Veränderungen an, aber Marie als Kommissarin bleibt uns glücklicherweise erhalten.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle Fans von Wohlfühlkrimis und französischem Savoir-vivre.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Wenn die Vergangenheit nicht ruht

Das geheime Zeichen
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Der frisch gebackene Hausbesitzer Roland Wilkes erlebt eine böse Überraschung. Als er sein gerade gekauftes Domizil renovieren will, stößt er auf die buchstäbliche "Leiche im Keller". Kommissarin Evelyn ...

Der frisch gebackene Hausbesitzer Roland Wilkes erlebt eine böse Überraschung. Als er sein gerade gekauftes Domizil renovieren will, stößt er auf die buchstäbliche "Leiche im Keller". Kommissarin Evelyn Holm und ihr bewährtes Team finden schnell heraus, dass die Tote vor ca. 30 Jahren eingemauert wurde. Die mit verrostetem Draht gefesselten skelettierten Unterarme legen den Schluss nahe, dass sie einem Mord zum Opfer fiel. Doch erst das bei den menschlichen Überresten gefundene Medaillon verschlägt der Kommissarin den Atem. Das eingravierte Symbol verfolgt sie seit ihrer Kindheit und sorgt zuverlässig für Albträume.

Dreißig Jahre zuvor: Viola, eine talentierte junge Künstlerin, wünscht sich nichts sehnlicher als von ihren Bildern leben zu können. Gerade drücken sie wieder Mietschulden, als sie zufällig eine frühere Mitschülerin trifft, die es offensichtlich weit gebracht hat. Anna, so ihr Name, stellt Viola einen Karriereschub in Aussicht, falls sie von einem geheimnisvollen "Club" als Mitglied akzeptiert wird. Der gemeinsame Plan gelingt und Viola wird als Neuzugang des Netzwerks zugelassen. Umgehend bekommt sie eine Vernissage und verkauft ihre ersten Bilder. Sie könnte überglücklich sein, wäre da nicht ihre Beobachtung, dass Anna jemanden vorsätzlich vergiftet und so im Auftrag des "Clubs" für mehrere Tage schachmatt gesetzt hat. Zwar überlebt das Opfer knapp, aber Viola will nur noch eins: Raus aus diesem Club! Sie weiß nicht, wem sie trauen kann und gerät leider an die Falschen ...

Zwei Zeitschienen, zwei Schicksale? Der Autorin gelingt es mühelos, die beiden Erzählstränge zusammenzuführen. Ein verbindendes Element ist dabei das Titel gebende geheime Zeichen, das die junge Kommissarin seit ihrer Kindheit unheilvoll verfolgt - wie eine schwelende Erinnerung an die Ermordung ihrer Eltern. Die Erzählung gewinnt ständig an Tempo, Spannung und, ja, Grauen. Dass das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven, der von Evelyn, als Kind und Erwachsene, und der von Viola erzählt wird, verleiht dem Roman noch zusätzliche Tiefe und Spannung. Überhaupt schreibt Saskia Calden flüssig und anschaulich. Die beiden Zeitebenen passen schlüssig. Genauso wie ihre gelungenen Charaktere, die individuell und glaubwürdig angelegt sind.

Zum Teil waren Kopfkino und Nervenkitzel schwer auszuhalten, aber ich bin auch nicht die abgebrühte Thrillerkonsumentin. Doch die Geschichte hat mich so gepackt, dass ich einfach weiterlesen musste. Zwar erzählt die Autorin unkaschiert, sie beschreibt Psychoterror und Gewalt schockierend anschaulich, doch dabei steht immer die Erzählung im Mittelpunkt. Es handelt sich nicht um bloßen Thrill für wohlige Gänsehaut. Was mich nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass ich leider zu keiner Zeit daran zweifelte, dass es derart abscheuliche Machtmenschen und ihre perfiden Netzwerke tatsächlich gibt.

Von mir bekommt das Buch die volle Punktzahl und eine Empfehlung an alle Fans nervenaufreibender Thriller, die den Blick in tiefste menschliche Abgründe nicht scheuen.

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