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Veröffentlicht am 11.10.2025

Die Liebe geht nicht immer den leichtesten Weg

Der Friesenhof
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Das Cover des Romans passt sehr gut zur Thematik um den Handel mit Ostfriesentee und zugleich bietet es einen großen Wiedererkennungswert, da es im gleichen Stil gestaltet ist, wie das des ersten Teils ...

Das Cover des Romans passt sehr gut zur Thematik um den Handel mit Ostfriesentee und zugleich bietet es einen großen Wiedererkennungswert, da es im gleichen Stil gestaltet ist, wie das des ersten Teils dieser Reihe. Leider hat es, bedingt durch eine Erkrankung der Autorin, recht lange gedauert, bis nun dieser zweite Teil folgte, sodass ich erst wieder etwas in die Handlung hineinfinden und mit den Personen vertraut werden musste.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Schwestern, die früh ihren Vater, das Familienoberhaupt, verloren haben und nun zusammen mit der Mutter und deren Tante den Bauernhof der Familie in Ostfriesland führen. Eine der Schwestern hat einen polnischen Arbeiter geheiratet, der, während des Zweiten Weltkrieges auf den Hof kam, was im Dorf nicht gut ankommt. Die älteste der Schwestern ist auf dem Papier noch mit einem überzeugten Nationalsozialisten verheiratet, der nach Kriegsende mit ihrer Mitgift ins Ausland geflohen ist, um einer Bestrafung zu entgehen, und Frau und Kinder zurückgelassen hat. In diesem zweiten Teil geht es nun überwiegend um Gesa, die für einen Tee Großhändler arbeitet und eine heimliche Affäre mit dessen verheirateten Sohn Keno hat. Außerdem zieht Gesa auch noch ihren eigenen Teehandel auf, um langfristig unabhängig zu sein und wird dabei von Keno und ihrer Familie unterstützt. Aber natürlich ist Konfliktstoff vorprogrammiert.

Ich fand es sehr schön, endlich Gesa und ihre Familie "wiederzutreffen" und zu erfahren, wie es ihnen weiter ergangen ist. Alle Schwestern sind authentisch und alle auf ihre Art sympathisch, selbst die älteste, obwohl sie immer sehr auf ihren Ruf im Dorf bedacht ist. Die Autorin schreibt gewohnt gut nachvollziehbar und schafft es, einige der Probleme in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu veranschaulichen. Auch die Einblicke in den Teehandel und den Ausflug nach Hamburg fand ich sehr interessant. Am Ende gab es auch noch überraschende Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Da sich nicht alle Handlungsstränge vollständig aufgelöst haben, könnte ich mir vorstellen, dass es auch noch einen dritten Teil der Teehändlerinnen-Saga geben wird, was mich freuen würde.


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Veröffentlicht am 28.07.2025

Nachtaktiv

Der Schlaf der Anderen
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Der neue Roman von Tamar Noort beschäftigt sich mit dem Thema Schlaflosigkeit. Janis ist gelernte Pflegefachkraft und arbeitet mittlerweile nachts in einem Schlaflabor. Dort begegnet ihr die Lehrerin Sina. ...

Der neue Roman von Tamar Noort beschäftigt sich mit dem Thema Schlaflosigkeit. Janis ist gelernte Pflegefachkraft und arbeitet mittlerweile nachts in einem Schlaflabor. Dort begegnet ihr die Lehrerin Sina. Sie ist Mitte 40, Mutter zweier Schulkinder und ihr Mann ist ebenfalls Lehrer an ihrer Schule. Sie leidet an Schlafstörungen, die sie mit starkem Medikamenten in den Griff zu bekommen versucht. Ihr neuer Hausarzt schickt sie dann aber ins Schlaflabor. Sie bricht die Untersuchung dort mitten in der Nacht ab und so läuft sie mit Janis durch ihre nächtliche Heimatstadt und sie kommen auf verrückte Ideen.

Mir hat die Geschichte gut gefallen. Insbesondere in Sina konnte ich mich sehr gut hineinversetzen, da ich selbst Lehrerin bin und das, was man über ihren Alltag und ihre Arbeit erfährt, sehr treffend ist. So geht es in dem Roman eigentlich gar nicht nur um Schlafstörungen, sondern auch um vieles, was in unserer Gesellschaft im Argen liegt, zum Beispiel, was Überlastung durch die Arbeit, Mental Load oder die Gleichbehandlung beider Geschlechter angeht. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut, sie findet immer wieder tolle sprachliche Bilder, um etwas auszudrücken. Aber auch insgesamt ist der Roman flüssig lesbar.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Zurück ins Leben

Noch fünfzig Sommer mehr
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Das Cover lässt einen leichten Sommerroman mit einer wildromantischen Küste als Schauplatz vermuten. Dem ist aber nicht so, viel mehr stehen große Verluste und die Bewältigung der Trauer im Mittelpunkt ...

Das Cover lässt einen leichten Sommerroman mit einer wildromantischen Küste als Schauplatz vermuten. Dem ist aber nicht so, viel mehr stehen große Verluste und die Bewältigung der Trauer im Mittelpunkt der Handlung.

Eleni ist bei ihren Großeltern in einem einsamen Haus im Wald, unweit der Küste in der Bretagne aufgewachsen, seit sie ein Kleinkind war. Bei ihnen verbrachte sie eine glückliche Kindheit. Den Tod der Großeltern hat sie aber nur schwer verkraftet und lebt als junge Frau seht zurückgezogen in deren Haus, bis sie Théo an sich heranlässt, der zu ihrer großen Liebe wird und dann viel zu früh stirbt. Eleni ist verzweifelt und zieht sich wieder vollkommen zurück, bis sie plötzlich Pflanzen und kurze Botschaften mit Erinnerungen an glückliche Zeiten erhält und keine Idee hat, wer dahinter stecken könnte. Doch sie bewirken, dass sie sich wieder mehr nach draußen wagt und weniger gehen lässt.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Sie war ungewöhnlich und ich bin mir nicht sicher, ob sie sich in der Realität wirklich genauso zutragen hätte können, aber sie zeigt, wie Eleni, wenn auch sehr langsam zurück ins Leben findet, obwohl sie viele leidvolle Erfahrungen machen musste. Das beschreibt die Autorin sehr einfühlsam. Eleni als Protagonistin war mir sympathisch, sodass ich mit ihr gelitten habe und auch die Schauplätze konnte ich mir durch die anschauliche Erzählweise gut vorstellen.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Der Traum vom Dolce Vita

Teddy
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Wie das Cover bereits vermuten lässt, spielt der Roman Ende der 60er Jahre. Teddy Carlyle hat für die damalige Zeit spät geheiratet und zieht mit ihrem Ehemann, der für die amerikanische Botschaft arbeitet, ...

Wie das Cover bereits vermuten lässt, spielt der Roman Ende der 60er Jahre. Teddy Carlyle hat für die damalige Zeit spät geheiratet und zieht mit ihrem Ehemann, der für die amerikanische Botschaft arbeitet, nach Rom. Von Italien erhofft sie sich Dolce Vita und Glamour, ihr Ehemann scheint darauf aber wenig Lust zu haben. Zugleich hat sie wenig Mitspracherecht, was die Gestaltung des gemeinsamen Lebens und das Geldausgeben angeht, obwohl sie selbst ein gewisses Vermögen mit in die Ehe gebracht hat. Als sie ohne ihren Mann auf einer Feier in der Botschaft ist, schießt ein Paparazzi eine kompromittierende Aufnahme von ihr und dem amerikanischen Botschafter und Teddy hat eine Menge Probleme zu lösen.

Ich fand die Zeitreise ins Rom Ende der 60er Jahre sehr unterhaltsam und es war interessant, mehr über das Leben von Teddy als Diplomatengattin zu erfahren, das in der damaligen Zeit nicht so glamourös war, wie man meinen könnte. Teddy wirkt teilweise etwas naiv, nichtsdestotrotz muss man sie einfach mögen und leidet mit ihr mit, wenn sie sich in ungute Situationen manövriert. Was die Handlung angeht, gibt es immer wieder überraschende Wendungen. Der Schreibstil ist gut nachvollziehbar und anschaulich. Ich habe das Hörbuch gehört und fand die Sprecherin passend gewählt. Man konnte ihrer Vortragsweise gut folgen und ihre Stimme harmonierte mit dem Erzählten.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Fernwandern abseits der Massen

Wilde Berge des Balkan
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Bei diesem Buch hat mich das Cover mit den drei Frauen in der atemberaubenden Gebirgslandschaft direkt angesprochen. Auch das Gebiet, das sie bewandern, fand ich sehr spannend, da man sonst eher wenig ...

Bei diesem Buch hat mich das Cover mit den drei Frauen in der atemberaubenden Gebirgslandschaft direkt angesprochen. Auch das Gebiet, das sie bewandern, fand ich sehr spannend, da man sonst eher wenig über dieses Gebirge am Rande Europas mitbekommt. Ich selbst fände es zwar auch reizvoll, dort unterwegs zu sein, aber ich hätte wohl zu viel Respekt vor Begegnungen mit Bären oder frei laufenden Hunden.

Der Grund, warum sich die drei Bergfreundinnen für den Dreiländer-Wanderweg am Balkan „High Scardus Trail“ entschieden haben, ist dessen geringe Frequentierung durch andere Wanderer und die dadurch verbliebene Wildnis. Allerdings hätte ich es dann authentischer gefunden, wenn die Wanderung ohne ein Team aus Redakteur:innen und Kameramännern erfolgt wäre, sondern wirklich nur für ein Buchprojekt mit selbst geschossenen Bildern. Auch, dass die Übernachtung mehrmals in Dörfern erfolgte, wenn auch in einfachen Unterkünften, nahm dem Ganzen irgendwie etwas den "Allein in der Wildnis"-Charakter mit Selbstversorgung und ausschließlich Zeltübernachtung.

Nichtsdestotrotz sind die Erfahrungen der drei Fernwanderinnen sehr interessant und es macht sie sympathisch und authentisch, dass sie eben keine so extremen Wanderprofis sind, dass ihnen nichts Angst macht und sie nicht mit dem ein oder anderen Wehwehchen zu kämpfen haben, bei immerhin 10.000 Höhenmetern und 175 Kilometern. Die einzelnen Etappen werden tagebuchähnlich abwechselnd von den drei, doch recht unterschiedlichen, Frauen, beschrieben, was für Abwechslung sorgt. Zwischendurch gibt es zudem noch Interviews mit starken Frauen, die in der Region im Tourismus tätig sind und natürlich eine gute Anzahl farbiger Fotos, die einen Eindruck von der durchwanderten Gegend bieten. Am Ende folgen dann noch einige handfeste Tipps für Wanderungen am Balkan.

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