Profilbild von Theaterfreundin

Theaterfreundin

Lesejury Star
offline

Theaterfreundin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Theaterfreundin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2025

Das Leben an der rauen Küste von Main

Die Hummerfrauen
0

Das Buch hat mich sofort mit dem ersten Satz eingefangen: Der Hummer wird mich überleben, hatte Ann einmal gesagt. Als sie starb, saß er neben ihr auf dem Kopfkissen.
Der Hummer heißt Mr. Darcy und lebt ...

Das Buch hat mich sofort mit dem ersten Satz eingefangen: Der Hummer wird mich überleben, hatte Ann einmal gesagt. Als sie starb, saß er neben ihr auf dem Kopfkissen.
Der Hummer heißt Mr. Darcy und lebt in einem Aquarium bei Ann an der Küste von Main in Stone Harbor. Im Frühling 2000 findet der Hummerfischer Ellis Jones eine junge Frau am Strand und bringt sie zu Ann, da er findet Ann wäre die richtige Person um sich um sie zu kümmern. Die junge Frau ist Mina, sie hat mit ihrer Familie viele Sommer ihrer Kindheit auf Eagle Island verbracht. Jetzt ist sie hierhergefahren, weil ihr Bruder tödlich verunglückt ist und sie nicht weiß wie sie mit der Trauer fertig werden soll. An der Küste von Main war Mina das letzte mal glücklich.
Die Hauptprotagonistinnen sind Ann, die älteste Hummerfischerin von Stone Harbor. Julie hatte einen schweren Unfall und hat sich im Ort und einem Fischerboot zurück ins Leben gekämpft. Mina hat viele glückliche Sommer ihrer Kindheit mit Sam, einem Fischerkind verbracht. Die beiden waren unzertrennlich. Mina begegnet Sam wieder, die beiden werden ein Paar.
Beatrix Gerstberger erzählt uns nicht nur die Geschichte dieser drei Frauen, sie bringt uns auch die raue, teilweise sture Art der Menschen an der Küste nah. Wenn es darauf ankommt, merkt man, dass sie das Herz auf dem rechten Fleck haben. Durch die bildhafte Beschreibung entsteht die Landschaft vor unseren Augen.
Ann und Julie sind für Mina da, sie fragen nicht viel, beobachten und sind zur Stelle, wenn es drauf ankommt. Der Roman erzählt von der Liebe in all seinen Facetten, von Verlust, der Trauer und dem Umgang damit, von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen den drei Frauen. Im Buch heißt es: Ich kann dir nichts über das Meer beibringen. Du spürst es oder eben nicht. Am Ende ist es mit dem Meer wie mit dem Leben, man muss alles allein herausfinden. Andere können dich auf dem Weg nur begleiten.
Mehr muss man nicht sagen. Lesen sie selbst und begleiten sie die drei Frauen auf ihrem Weg und erhaschen sie einen Blick in ihre Vergangenheit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2025

Zwei Frauen auf dem Weg zu sich selbst

Tage wie Salzwasser
0

Die Mathematikerin Atlanta ist schwanger und wartet auf dem Bahnsteig auf die Ankunft ihres Freundes Maltes. Doch Malte kommt nicht, stattdessen erhält sie die Nachricht, dass er tot ist, er hat sich selbst ...

Die Mathematikerin Atlanta ist schwanger und wartet auf dem Bahnsteig auf die Ankunft ihres Freundes Maltes. Doch Malte kommt nicht, stattdessen erhält sie die Nachricht, dass er tot ist, er hat sich selbst umgebracht. Ihre Welt bricht völlig auseinander. Zufällig findet sie vier Adressen die er auf einem Zettel notiert hat und beschließt diese Personen aufzusuchen.
Enza ist Radhändlerin und hat ein sehr inniges Verhältnis zu ihrer Mutter Hilde. Hilde erkrankt schwer und drängt Enza dazu zur Schwester ihres verstorbenen Vaters nach Sizilien zu fahren.
Der Zufall treffen sich die beiden sehr unterschiedlichen Frauen aufeinander. Die gemeinsame Reise auf einem Motorrad Richtung Süden beginnt. Ich bin kein Freund von Road-Movies, doch hier schafft die Autorin es mich von Beginn an zu fesseln. Zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Frauen begeben sich auf eine Reise, die eine auf der Suche nach Antworten und die andere wird von ihrer Mutter dazu gedrängt. Nach und nach öffnen sie sich der Anderen. Sita Maria Frey bringt uns Atlanta und Enza und ihre Gefühlswelt unprätentiös und feinsinnig näher. Mein merkt deutlich, dass der Weg das Ziel ist. Am Ende des Buches sind sie angekommen, auf jeden Fall bei sich selbst.
Ich habe das Buch mit dem für sich fesselnden Schreibstil sehr gerne gelesen, die Protagonisten konnte ich mir gut vorstellen. Bei den einzelnen Stationen und Fahrten auf den verschiedenen Fortbewegungsmitteln war ich immer mit dabei. Vor allem die Beschreibung der Reisestation Barcelona und die Annäherung der beiden Hauptprotagonistinnen bleiben bei mir Gedächtnis. Ein beeindruckendes Debüt, von der Autorin wünsche ich mir mehr Bücher.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.11.2024

Die Schatten der Vergangenheit und der Blick in die Zukunft

Lass uns tanzen, Fräulein Lena
0

Niebüll 1946: Lena und ihre Schwester Margot sind Flüchtlinge und leben jetzt in Schleswig-Holstein. Von den meisten Einheimischen werden sie kritisch beobachtet. Lena arbeitet als Übersetzerin bei den ...

Niebüll 1946: Lena und ihre Schwester Margot sind Flüchtlinge und leben jetzt in Schleswig-Holstein. Von den meisten Einheimischen werden sie kritisch beobachtet. Lena arbeitet als Übersetzerin bei den Briten, Margot geht zur Schule. Es ist kein einfaches Leben, aber mit Lichtblicken. Für Lena sind das die sonntäglichen Spaziergänge mit Rainer und Margot lernt gerne, ihr Lieblingsfach ist Mathematik.

Dieses Buch ist der Nachfolgeband von I love you, Fräulein Lena. Auch ohne diesen Band gelesen zu haben, findet man sich gut in das Geschehen ein. Hanna Aden gelingt es mit einem flüssigen Schreibstil uns in die Zeit nach dem Weltkrieg zu versetzen. Die Verhältnisse müssen neu geordnet werden. Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge mit ihren verstörenden Erlebnissen müssen sich zurechtfinden und diese verarbeiten. Von vielen Dingen ist zu wenig da, zu wenig Essen, Wohnraum und vieles mehr. Manches handeln wird von Neid und Missgunst bestimmt. Und dann der Blick in die ungewisse aber hoffentlich bessere Zukunft.

Die Autorin lässt die Protagonisten authentisch agieren. Ich habe gerne die Wege von Lena, Rainer, Erwin, Margot, Doro und allen anderen verfolgt. Gerne möchte ich wissen, ob es Lena gelingt ihren Traum vom Studium zu verwirklichen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.11.2024

Ein Traum und seine Verwirklichung

Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 1)
0

Zürich 1826: Der kleine Rudolf Sprüngli sorgt sich um seine kranke Mutter und geht zum Apotheker Flückinger um ihr von seinen Ersparnissen Medizin zu kaufen. Der Apotheker gibt ihm Schokolade und die Mutter ...

Zürich 1826: Der kleine Rudolf Sprüngli sorgt sich um seine kranke Mutter und geht zum Apotheker Flückinger um ihr von seinen Ersparnissen Medizin zu kaufen. Der Apotheker gibt ihm Schokolade und die Mutter wird wieder gesund. Von diesem Moment an steht für Rudolf fest, er möchte Schokolade herstellen. Nach der Schule beginnt er bei seinem Vater David eine Ausbildung, er lernt feinste Backwaren herzustellen, aber seinen Traum vergisst er nicht. Nach Abschluss der Ausbildung geht er auf Wanderschaft, bei einer seiner Stellen lernt er wie Schokolade hergestellt wird. Während der Zeit seiner Wanderschaft kauft sein Vater David das Geschäft in dem er bisher gearbeitet hat und gibt ihm den Namen „Sprüngli & Sohn“. Nach Rudolfs Rückkehr arbeiten Vater und Sohn Seite an Seite. Das ist nicht immer einfach, da beide unterschiedliche Ansichten über die Führung des Geschäftes haben.

Lisa Graf erzählt uns die Geschichte der Familie Sprüngli in einem flüssigen, lebhaften Schreibstil. Alle Protagonisten, gleich ob David oder Rudolf, seine Mutter Elsbeth oder seine Frau Katharina, sowie die vielen anderen, die im Leben von Rudolf eine Rolle spielen, sind anschaulich beschrieben und wir können sie uns gut vorstellen. Die Autorin beschreibt nicht nur die Umsetzung des Traumes von Rudolf und den nicht immer einfachen Weg dorthin, sondern wir erfahren auch eine Menge über die Zeit in der die Geschichte stattfindet.

Ich habe das Buch genossen und es mit Freude gelesen, ein Stück Schokolade war oft dabei und ich freue mich schon auf die Fortsetzung mit der Familie Lindt. Für alle die gerne Familiengeschichten lesen kann ich das Buch empfehlen, allein das Cover ist ein Schokoladentraum.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.10.2024

Eine emotionale Spurensuche

Tage mit Milena
0

Annika und Hendrik leben in Lübeck. Sie betreibt einen Laden – Oelkers & Söhne, Schreibwaren und feines Papier, er liebt es an der frischen Luft zu arbeiten und verkauft Blumen und Gemüse aus eigener Produktion. ...

Annika und Hendrik leben in Lübeck. Sie betreibt einen Laden – Oelkers & Söhne, Schreibwaren und feines Papier, er liebt es an der frischen Luft zu arbeiten und verkauft Blumen und Gemüse aus eigener Produktion. Eines morgens betritt eine junge Frau den Laden, Annika beobachtet sie dabei wie sie eine Karte stiehlt, aber sie spricht sie nicht darauf an. Irgendetwas löst diese junge Frau in ihr aus. Dann kauft die junge Frau Sekundenkleber. Kurze Zeit später bemerkt Annika, dass die Autos stehen und hupen. Sie wird neugierig und schaut nach, was da los ist. Eine Klimaaktivistin hat sich auf einer Kreuzung festgeklebt, es ist die junge Frau die bei ihr im Laden war. Annika wird durch diese Aktion an ihre eigene Jugend erinnert. Sie war in den 1980er Jahren in Hamburg in der Hausbesetzerszene aktiv und möchte Luzie, die Klimaaktivistin vor sich selbst schützen und nimmt sich ihrer an.
Katrin Burseg führt uns nach und nach in das Geschehen ein und wir lernen die beiden Hauptprotagonisten kennen. Schnell merken wir, dass es beiden schwer fällt sich zu öffnen. Sie verbergen etwas. Annika erinnert sich an ihre Zeit in Hamburg, die nicht glücklich endete, daher möchte sie Luzie davor schützen, falsche Entscheidungen zu treffen. Beide machen sich gemeinsam auf und die Reise in Annikas Vergangenheit beginnt. Die Autorin beschreibt sehr gut die Zeit in den 1980er Jahre, sie entsteht vor unseren Augen. Für Annika ist es eine emotionale Reise in die Vergangenheit und für Luzie eine Reise zu sich selbst.
Die Autorin beschreibt die Charaktere sehr gut, die Geschichte wird in einem flüssigen Schreibstil erzählt. Man wird angeregt über die zurückliegende Zeit und über die Klimaaktivisten von heute nachzudenken. Ich habe mich gefragt, wie weit einzelne Personen für die Erreichung ihrer Ziele gehen. Ein nachdenkliches Buch, es hat mir gut gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere