Wenn Yoko zur John wird und die Hölle losbricht
JohnWusste ja nicht, dass ich mit einem Krimi mal ins Schwitzen komme, ohne auch nur einen Meter gelaufen zu sein. „John“ von Bernhard Aichner hat mir den Schädel durchgepustet wie ein Sturm über eine verlassene ...
Wusste ja nicht, dass ich mit einem Krimi mal ins Schwitzen komme, ohne auch nur einen Meter gelaufen zu sein. „John“ von Bernhard Aichner hat mir den Schädel durchgepustet wie ein Sturm über eine verlassene griechische Klippe. Die Geschichte beginnt ruhig – fast zu ruhig – und man denkt sich: Na, wenn das mal gutgeht. Spoiler: Natürlich geht’s nicht gut. Und genau das ist so genial daran. Yoko alias John lebt das entspannte Inselleben, doch im Hintergrund lauert die Vergangenheit wie ein schlecht gelaunter Mafiaboss mit Sonnenbrand.
Der Schreibstil ist wie ein Espresso nach zehn Bier – kurz, stark, manchmal bitter, aber mit Nachdruck. Aichner ballert einem seine Sätze um die Ohren, als hätte er einen Taktstock aus Rasierklingen in der Hand. Dialoge? Knapp. Gedanken? Düster. Atmosphäre? So dicht, dass man sie schneiden könnte – mit einem griechischen Brotmesser.
Trotz der Spannung bleibt Zeit für schräge Details, schrullige Nebenfiguren und einen unterschwelligen Humor, der einem manchmal das Lächeln ins Gesicht tackert, obwohl man eigentlich gerade die nächste Katastrophe wittert. Die Identitätsfrage, das Spiel mit Schuld und Flucht, zieht sich durch wie ein roter Faden aus Stacheldraht.
Natürlich bleibt ein kleiner Kritikpunkt: Manchmal fühlt sich das Ganze ein bisschen zu gewollt cool an – wie ein Typ in Lederjacke bei 40 Grad im Schatten. Aber hey, der Stil ist halt Aichner. Und dafür liebe ich ihn.
Vier Sterne von mir – weil der fünfte irgendwo auf der Flucht verloren gegangen ist.