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Veröffentlicht am 02.09.2025

Eine Norddeutsche im Schwabenland

Nur ein Sterbenswort
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Ich mag die Krimis von Britt Reißmann, so auch ihren neuen Krimi "Nur ein Sterbenswort", den ich als Hörbuch gehört habe. Es ist der erste Band um Kommissarin Meike Masur.

Kommissarin Meike Masur kommt ...

Ich mag die Krimis von Britt Reißmann, so auch ihren neuen Krimi "Nur ein Sterbenswort", den ich als Hörbuch gehört habe. Es ist der erste Band um Kommissarin Meike Masur.

Kommissarin Meike Masur kommt aus Stralsund und hat ihre neue Stelle in Stuttgart angetreten. Sie hat Heimweh, kommt mit der schwäbischen Sprache nicht klar, stürzt sich aber trotz allem mit vollem Einsatz in ihren neuen Fall. Eine Schauspielstudentin wird in ihrer Wohnung erdrosselt aufgefunden, es gibt keine Hinweise auf einen möglichen Täter oder eine Täterin. So erforscht Meike das Umfeld des Opfers Katie und stößt dabei auf ein Synchronstudio, eine ehemalige Besetzung von Katies Rolle, einen Universitätsprofessor mit Vergangenheit und viel Schweigen.

Der Schreibstil von Britt Reißmann ist wie gewohnt gut zu lesen. Sie schildert die Perspektiven aus der Sicht von Meike und der eines Unbekannten, der in seiner Kindheit Schreckliches erlebt hat. Der Spannungsbogen ist gut aufgebaut und bietet immer wieder Überraschungen. Eine Protagonistin hätte ich immer wieder gerne mal geschüttelt, weil sie so naiv war. Mehr kann und will ich nicht zum Inhalt sagen, sonst wäre die Spannung weg. Das Ende und damit die (logische) Auflösung kam für mich dann doch überraschend. Gut dargestellt wird die mühsame Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei.

Katja Pilaski liest das Hörbuch mit angenehmer Stimme und gibt den Charakteren dadurch Leben. Abgesehen davon, dass ihr Schwäbisch noch verbesserungswürdig ist, hat es mir Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Daher habe ich das Hörbuch in recht kurzer Zeit durchgehört.

Auf jeden Fall eine Hörempfehlung, nicht nur für Fans von Britt Reißmann und sehr gute 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Ich seh' etwas, was Du nicht siehst

Was du siehst
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"Was du siehst" von Laura Maaß ist ein Liebesroman, aber keinesfalls eine Schnulze!

Im Jahr 1967 lebt Ruth in Ost-Berlin. Sie ist schwanger und ihre große Liebe Tom ist verschwunden. Er hat nur einen ...

"Was du siehst" von Laura Maaß ist ein Liebesroman, aber keinesfalls eine Schnulze!

Im Jahr 1967 lebt Ruth in Ost-Berlin. Sie ist schwanger und ihre große Liebe Tom ist verschwunden. Er hat nur einen Zettel zurückgelassen mit der kurzen Nachricht "Warte auf mich". Ruths Vater wirft sie hinaus, als sie bei ihm Unterstützung sucht und reist sie hochschwanger ins Griese Land. Dort lernt sie die ebenfalls schwangere Hannah kennen. Sie ziehen ihre beiden Kinder gemeinsam groß, auch Jule und Andi werden Freunde und verlieben sich. Dann fällt die Mauer und Jule spürt einem Geheimnis hinterher.

Dieser Roman hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin versteht es sehr gut, Geschichte, Familiengeschichte und auch Landschaften mit leisen Tönen zu verbinden. Das Spiel "Ich seh' etwas, was du nicht siehst, und das ist....." , das Jule und Andi in ihrer Jugend immer auf dem Weg zur Schule gespielt haben, zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und schlägt sich auch in den Kapitelüberschriften nieder. Bereis diese Kapitelüberschriften spiegeln Freude, Glück, Verzweiflung und vieles mehr wieder. Und so ganz nebenbei erfahren die Leserinnen auch viel über das Leben in der ehemaligen DDR, den Mauerfall und das Leben in Mecklenburg-Vorpommern nach dem Mauerfall.

Es ist ein leiser Roman und gerade das macht ihn lesenswert. Maaß kommt ohne Kitsch daher und es steht auch viel zwischen den Zeilen. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter an Liebhaber
innen von leisen Tönen. Gute 4 Sterne gibt es von mir!!

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Eine Frau auf dem Weg zu sich selbst

Die Passantin
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"Die Passantin" ist ein weiteres Buch von Nina George, das mich gefesselt und nachdenklich gemacht hat.

Jeanne, eine bekannte und beliebte Schauspielerin, entschließt sich kurz nach dem Check-In dazu, ...

"Die Passantin" ist ein weiteres Buch von Nina George, das mich gefesselt und nachdenklich gemacht hat.

Jeanne, eine bekannte und beliebte Schauspielerin, entschließt sich kurz nach dem Check-In dazu, den Flieger doch nicht zu besteigen. Dann geschieht das Unwahrscheinliche: das Flugzeug rast in ein Bergmassiv, alle Passagiere sind tot. Auch Jeanne steht auf der Liste., sie beschließt unterzutauchen und alles hinter sich zu lassen. Vier Jahre später sieht sie auf der La Rambla in Barcelona ihren Ehemann Bernard in Begleitung einer Frau. Soll sie sich zu erkennen geben? Wird er sie erkennen? Warum ähnelt ihr diese Frau?

Nina George behandelt in diesem Roman intensiv die Gefühle von Jeanne Patou, einen Namen, den ihr ihr Mann gab. Er hat über ihr Leben bestimmt, ihre Karriere, ihre Gefühle. Dabei hat er sich immer das genommen, was er wollte. Jeanne trifft in Barcelona auf Frauen in einem Frauenhaus, die ähnliche und doch völlig andere Schicksale erlitten haben. . Zwischen den Frauen gibt es Solidarität, etwas was Sella (wie sie sich nun nennt) so noch nicht kannte. Ich habe Sella begleiten dürfen in Ratlosigkeit, Schmerz, Wut und Erkenntnis.

Der Schreibstil von Nina George hat mir schon immer gefallen, in diesem Roman ist er besonders eindrücklich. Die Beschreibungen der männlichen Vorstellungen und Handlungsweisen machen ebenso nachdenklich wie der Weg von Jeanne zu sich selbst. Die Sprache ist klar, gleichzeitig feinfühlig aber auch deutlich und prägnant.

Ein Roman, den ich nicht nur Frauen empfehle. Ein Roman, den es lohnt zweimal gelesen zu werden. Gute 4 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Nicht für Frauen!!

Im Leben nebenan 
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Das Debüt von Anne Sauer mit ihrem Roman "Im Leben nebenan" ist ein höchst interessantes Experiment.

Wie lernen im Verlauf dieses Romans eine Person in zwei verschiedenen Welten kennen. Da ist Toni. Sie ...

Das Debüt von Anne Sauer mit ihrem Roman "Im Leben nebenan" ist ein höchst interessantes Experiment.

Wie lernen im Verlauf dieses Romans eine Person in zwei verschiedenen Welten kennen. Da ist Toni. Sie lebt mit Jacob zusammen, beide wollen ein Kind. Toni quält sich durch Kinderwunschkliniken, lebt und liebt nach Terminkalender. Als sie dann schwanger wird, erleidet sie eine Fehlgeburt. Und da ist Antonia, . Sie wacht auf, hat ein Baby und keine Ahnung, woher das Baby kommt. Sie ist doch Toni... Dann kommt ihr Mann und sie erkennt in ihm Adam ihre Jugendliebe. Was ist passiert? Wo ist Jacob? Warum hat sie plötzlich ein Kind?

Die Autorin versteht es sehr gut, die Unterschiede zweier Leben zu beschreiben. An einer Stelle des Lebens anders abbiegen und schon ist das Leben ein völlig anderes. Antonia ist völlig überfordert mit einem Kind, müsste sie es nicht eigentlich innig lieben? Toni ist völlig überfordert mit dem Versuch, ein Kind zu bekommen. Sauer beschreibt hier sehr genau auch das Umfeld einer Frau mit Kinderwunsch. Sagt sie, sie wolle Kinder, aber es klappt nicht, wird sie bemitleidet. Sagt sie, sie will keine Kinder, muss sie sich rechtfertigen. Muss eine Frau sich diesen Prozeduren unterziehen, weil ihr Partner unbedingt ein Kind will?

Beide Leben dieser einen Frau werden aus ihrer jeweiligen Perspektive und mit Rückblicken in die Vergangenheit erzählt. Chantal Busse liest das Hörbuch mit sehr viel Empathie und einer äußerst angenehmen Stimme. Dabei kann man Antonia und Toni trotzdem gut auseinander halten, auch wenn die einzelnen Kapitel nicht passend betitelt wären. Ich konnte mich in beide Frauen gut hineinversetzen und mochte auch beide.

Ein Roman, der Fragen aufwirft. Nicht nur das "was wäre wenn", sondern auch ein Blick auf die Gesellschaft und ihre Erwartungen gegenüber Frauen. Ein Roman, der auch von Männern gelesen werden sollte. Wie fühlen sich Frauen, wenn sie nach einer Geburt wieder alleine mit einem Baby zu Hause sind und die Hormone zusätzlich verrückt spielen? Wie fühlen sich Frauen, die sich allem unterziehen, was für einen erfüllten Kinderwunsch nötig ist und trotzdem immer wieder scheitern?

Das Ende des Hörbuchs war mir etwas rätselhaft, da blieb einiges offen. Daher ziehe ich einen halben Punkt ab, den ich aber auf Plattformen, die nur ganze Punkte "dulden", wieder aufrunde.

Eine Hörempfehlung nicht nur wegen der großartigen Sprecherin!

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Die Potsdam-Konferenz

Schwestern des brennenden Himmels
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"Schwestern des brennenden Himmels" ist der neue historische Roman von Hanna Caspian. Er spielt direkt nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Berlin und hat als Hintergrund die Potsdamer Konferenz, in der ...

"Schwestern des brennenden Himmels" ist der neue historische Roman von Hanna Caspian. Er spielt direkt nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Berlin und hat als Hintergrund die Potsdamer Konferenz, in der sich Churchill, Truman und Stalin über das Schicksal der Stadt Berlin und Deutschlands einigen sollen. Zu welchem Ergebnis sie geführt hat, nämlich zu einem geteilten Deutschland, dürfte allen Lesenden bekannt sein.

Ann Miller ist die Hauptprotagonistin. Als Mitglied des britischen Teams ist sie für die Betreuung von Winston Churchill und seiner Tochter zuständig und soll für deren Wohlfühlfaktor sorgen. Ann hat ein Geheimnis, das weder die Briten noch ihre Kolleginnen und schon gar nicht der GI Jackson erfahren dürfen, in den sie sich verliebt hat. Sie will im russisch besetzten Potsdam ihre Verwandten aufspüren, allen voran ihre Cousine Charlie, in deren Schuld sie sich fühlt.

Man merkt Hanna Caspian in diesem Roman an, dass sie Politikwissenschaftlerin ist. Sie versteht es, den Lesenden Geschichte näher zu bringen und sie in die damalige Zeit zu versetzen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch das Miterleben menschlicher Schicksale während und nach dem Krieg und aus verschiedenen Sichtweisen. Sie schildert sehr bildhaft, das Leben in den zerstörten Städten Berlin und Potsdam und die Beschreibung der Besatzungsmächte erweckt Geschichte und das damit verbundene Leid mit Leben. Einmal angefangen konnte ich den Roman nicht mehr weglegen. Auch die zarte Liebesgeschichte zwischen Ann und Jackson zeigt die Konflikte der verschiedenen Nationen auf, ohne dabei kitschig zu wirken.

Ein empfehlenswertes Buch, über Täter, Opfer und Politik nicht nur für politisch Interessierte! 4,5 Sterne für diesen Roman, aufgerundet auf 5!

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