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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2025

"Der dritte Mann" ... nur ein geschicktes Ablenkungsmanöver?

Das Haus am Gordon Place
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Bei „Das Haus am Gordon Place“ handelt es sich um einen spannend verfassten Kriminal- als auch Spionageroman, der kaum einen Wunsch offenlässt. Immer wieder entführt die Autorin ihre Leser mal in die Gegenwart ...

Bei „Das Haus am Gordon Place“ handelt es sich um einen spannend verfassten Kriminal- als auch Spionageroman, der kaum einen Wunsch offenlässt. Immer wieder entführt die Autorin ihre Leser mal in die Gegenwart und dann wieder zurück nach Wien im Jahr 1948. Im letzteren treffen wir auf die junge Daphne Parson, die in einem der vielen unterirdischen Tunnel für den britischen Geheimdienst arbeitet. Doch auch die Russen haben ihre Finger mit im Spiel und schon bald wird Daphne in eine Situation hineinkatapultiert, die einen tödlichen Ausgang hat … auch in der Gegenwart geht es nicht ohne Tote ab, denn in der Wohnung von Prof. Hunt, die einst genannter Daphne Parson gehörte, wird ein Mann tot gefunden, der eindeutig Opfer eines Mordes wurde. Was also verbindet diese beiden Zeitschienen? Und wie passen die Dreharbeiten zu dem berühmten Film „Der dritte Mann“ ins Bild?

Karina Umbach, die schon für ihre Recherche Arbeiten zu den Büchern über Queen Victoria und „Das Buch Alice“ bekannt geworden ist, hat auch hier wieder eine hervorragende Arbeit geleistet. Geschickt verbindet sie Fakt und Fiktion und knüpft daraus einen rasanten Agentenkrimi, der seine Leser spielerisch bei der Stange hält. Tiefe Einblicke in das Leben einer Spionin und noch viel mehr runden die Story ab und dafür vergebe ich gerne vier von fünf Sternen. Sehr hilfreich fand ich übrigens auch das Nachwort der Autorin, in dem sie ein wenig erklärt, was wahr und was erfunden ist. Von mir eine Empfehlung.

Veröffentlicht am 13.08.2025

Der Krieg ist ein Monster ...

Bis ans Meer
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Dieser Roman spielt auf zwei Zeitebenen und stellt in der ersten Zeitschiene Frieda und ihre kleine Tochter Erika in den Vordergrund. Bei bitterkalten 30 Grad flüchten die Beiden vor der anrückenden Roten ...

Dieser Roman spielt auf zwei Zeitebenen und stellt in der ersten Zeitschiene Frieda und ihre kleine Tochter Erika in den Vordergrund. Bei bitterkalten 30 Grad flüchten die Beiden vor der anrückenden Roten Armee, während Friedas Mann Karl an der Front kämpfen muss. Doch auch Frieda kämpft, mit der Kälte, dem Hunger und der Angst. Aber sie hat ein festes Ziel vor Augen, sie, Erika und Karl werden sich wiedersehen und bis an das Ende ihrer Tage lieben. Daraus schöpft sie die Kraft zum Überleben …

Jahrzehnte später fragt sich Friedas Enkelin, Erikas Tochter, woher ihre Bindungsängste ruhen. Inzwischen selbst schwanger verschließt sie sich vor dem Vater ihres Kindes, den sie doch eigentlich liebt. Das alles macht ihr Angst und sie sucht nach Antworten. Die Antworten findet sie schließlich in einem Stapel alter Briefe, den ihre Mutter ihr übergibt und die ihr die Vergangenheit offenbaren. Seite für Seiten stößt sie darin auf eine dramatische Geschichte, die neben einer großen Liebe auch einen ungeheuerlichen Verrat preisgibt. Traurig und tief berührt beginnt sie nun auch über sich selbst und ihr eigenes Leben nachzudenken …

In kurzen Kapiteln lässt uns die Autorin Peggy Patzschke teilhaben an einer Story, die auf wahren Tatsachen beruht – sie beschreibt nämlich die ihrer eigenen Familie. Eindringlich und bildhaft erzählt lässt mich das Buch nachdenklich und berührt zurück. Hier vergebe ich gerne solide vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 31.07.2025

Vögel, Wellen und Wind auf wundersame Weise zu einem Ganzen verwoben ...

Sommergäste
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Mit diesem eindrucksvollen zweiten Roman setzt die Autorin Agnes Krup der eigenwilligen Schriftstellerin Willa Cather ein Denkmal. Vieles hat die Protagonistin Charlotte Overbeck mit ihr gemeinsam. Im ...

Mit diesem eindrucksvollen zweiten Roman setzt die Autorin Agnes Krup der eigenwilligen Schriftstellerin Willa Cather ein Denkmal. Vieles hat die Protagonistin Charlotte Overbeck mit ihr gemeinsam. Im Sommer des Jahres 1925 reist Charlotte mit ihrer Freundin und zugleich Sekretärin Ellen nach Rockcliff Isle. Als sie von Bord des Schiffes gehen, ist eigentlich alles wie immer, außer dass sie diesmal auf Crawford Maker treffen, der ihnen mit einem riesigen Vogel in den Händen entgegentritt. Ellen, die ihr Kunsttalent in der Bildhauerei verewigt, ist sofort fasziniert, als sie erfährt, dass Crawford ein Taxidermist ist und es kaum erwarten kann den riesigen – in dieser Region eigentlich nie vorkommenden – Albatros zu präparieren. Sie besucht ihn in seiner Werkstatt und die Beiden fühlen sich sofort verbunden … so verbunden, dass er sie bittet, ihn auf einer afrikanischen Expedition zu begleiten. Wie wird sie das mit sich und ihrem engen Verhältnis zu Charlotte vereinbaren?

In einer sehr feinfühlig erzählten Geschichte verwebt Agnes Krup das sonderbar anmutende Dreierverhältnis zwischen Charlotte, Ellen und Crawford mit einer gehörigen, äußerst interessanten Portion Vogelkunde. Ohne je langweilig oder gar kitschig zu wirken, dürfen wir teilhaben an der Selbstfindung verbunden mit Freude und aber auch Schmerz der drei Protagonisten. Ich fieberte auf das Ende, um zu erfahren, für welchen Lebenswerg sich die Charaktere entscheiden und als Charlotte schließlich zu Ellen sagt: „Verbrenn alle meine Briefe“ da wusste ich, dass sich der Kreis zwischen der fiktiven Charlotte und realen Willa Cather geschlossen hatte. Von mir gibt es meeresrauschende vier wohlverdiente Sterne. Ich bin nun sehr neugierig auf den Debutroman „Mit der Flut“, der – wie kann es anders sein – auch auf meinem SuB liegt. Wie schön, ich freue mich darauf!

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Mikroplastik ... es ist wirklich fünf Minuten vor Zwölf !!!

Partikel
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Wer kommt denn auf die Idee, sich auf Mikroplastik im Körper testen zu lassen? Mir wäre das ja nie im Traum einfallen bevor ich dieses Buch zur Hand genommen hatte, obwohl das auch ein Thema ist, mit dem ...

Wer kommt denn auf die Idee, sich auf Mikroplastik im Körper testen zu lassen? Mir wäre das ja nie im Traum einfallen bevor ich dieses Buch zur Hand genommen hatte, obwohl das auch ein Thema ist, mit dem sich die Firma, für die ich arbeite, am Rande beschäftigt. Aber wer käme denn auch auf den Gedanken, dass so viele Menschen davon betroffen sind und dass es so krank machen kann!?

In dem Buch „Partikel“ treffen wir auf die junge Journalistin Melissa, die für eine Online-Zeitung schreibt. Sie hat sich durchaus Gedanken zu der Thematik gemacht, denn ihre kleine Nichte ist hautnah davon betroffen und droht deshalb an ihrem Leberleiden auch daran zu sterben. Als auf einer von Melissa besuchten Hochzeitsfeier mehrere Gäste erkranken, einige sogar sterben, stellt sich heraus, dass auch das die Folgen des Verzehrs eines mit Mikroplastik verseuchten Fischs sind. Dieses Ereignis zieht schließlich weite Kreise und bald geht es um viel mehr, unter anderem um illegalen Plastikmüllexport, schonungslose politische Machenschaften und skrupellose Geschäftsleute. Als schließlich Melissas kleine Nicht Zoe spurlos verschwindet, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit …

Mit seinem aus verschiedenen Perspektiven erzählten Thriller versucht der Autor seine Leser auf die Missstände aufmerksam zu machen, die nicht nur in seinem Buch, sondern auch in der Realität mehr als präsent sind. Durch eingestreute Briefe, Zeitungsartikel und ähnliches appelliert er an unseren Verstand und will wachrütteln.

Dennoch hat Harlander in meinen Augen mit seiner Dramatik und den wilden Hetzjagden ganz im Stil eines amerikanischen Actionfilms ein wenig überzogen. Während er es schafft, den Spannungsbogen ziemlich durchgehend hochzuhalten, hat es bei mir mit vier Sternen nicht ganz zur Bestnote gereicht. Eines hat der Autor jedoch ganz wunderbar geschafft, nämlich mir klar zu machen, dass ich mir als ganz kleines Licht weiterhin Gedanken machen muss, wie man dem vielen Plastikmüll entgegenwirken kann. Ich werde den Sog nicht aufhalten, aber wenn alle kleinen Lichter mitmachen, strahlen wir hell und können vielleicht wieder ein wenig Hoffnung für die Zukunft geben.

Veröffentlicht am 30.07.2025

An manchen Stellen etwas realitätsfremd, dennoch sehr spannend ...

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Mit „Die Kollegin“ präsentiert der Heyne Verlag mal wieder einen Thriller mit dem unverwechselbaren Farbschnitt der gerade so in Mode zu sein scheint. Diesmal lernen wir die Kolleginnen Natalie Farrall ...

Mit „Die Kollegin“ präsentiert der Heyne Verlag mal wieder einen Thriller mit dem unverwechselbaren Farbschnitt der gerade so in Mode zu sein scheint. Diesmal lernen wir die Kolleginnen Natalie Farrall und Dawn Schiff aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven kennen. Schnell wird klar, dass nicht viele Liebe zwischen den Beiden fließt, doch als Dawn eines Morgens nicht zur Arbeit erscheint, macht Natalie sich Sorgen und fährt zu Dawns Wohnung. Was sie dort vorfindet, erschüttert sie zutiefst und sie fragt sich mehr als einmal, was hier passiert sein mag. Bis sie nach und nach selbst dank ihrer eigenen dunklen Geheimnisse in die Schusslinie gerät …
Der Anfang dieses Thrillers ließ mich als Leserin noch locker durchatmen, dennoch fühlte ich mich durch den flüssigen Schreibstil gut unterhalten. Doch mit der zweiten Buchhälfte präsentiert uns die Autorin so manchen Twist, den ich so nicht kommen sah und das Tempo zieht an. Wie schon beim für mich ersten Buch von Freida McFadden "Wenn sie wüsste", fand ich einige Stelle etwas überzogen und unrealistisch und so kann ich nicht ganz die Bestnote vergeben. Aber für spannungsgeladene vier von fünf Sternen reicht es locker. Bin schon gespannt, was die Autorin sonst noch so alles für uns Thrillerleser in petto hat!