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Veröffentlicht am 31.07.2025

Morbider Humor trifft auf düstere Geheimnisse

Wednesday – Romanfassung zur ersten Staffel
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Ich höre Addams - und schon werden alle möglichen Emotionen in mir hervorgerufen. Wie ich als Kind die animierte Serie mit meiner jüngeren Schwester geguckt habe. Wie wir uns vor dem eiskalten Händchen ...

Ich höre Addams - und schon werden alle möglichen Emotionen in mir hervorgerufen. Wie ich als Kind die animierte Serie mit meiner jüngeren Schwester geguckt habe. Wie wir uns vor dem eiskalten Händchen geekelt haben, aber zugleich total fasziniert davon waren. Wir haben die Filme geguckt, mit den Stofftieren gekuschelt und Jahre später als Erwachsene die Serie geguckt. Uns begleiten die Addams also schon unser ganzes Leben. Natürlich müssen wir nicht darüber reden, dass auch die Romanfassung zur ersten Staffel geschmökert wurde...

Seite 1 aufgeschlagen, zack war ich wieder mittendrin. Ich liebe die Art von Wednesday einfach. Ihren Sarkusmus, die spritzigen Sprüche, ihre dunkle Seele, aber auch die Momente, die deutlich machen, wie sehr sich das junge Fräulein nach Liebe sehnt (auch wenn sie das niemals zugeben würde, hust).

Nun sind wir also wieder an der Nevermore Academy (übrigens ein echtes Schloss in Rumänien), dem ehemaligen Internat von Wednesdays Eltern und zugleich Schauplatz des Geschehens. Wie gern wäre ich selbst dort gewesen! Wahrscheinlich wäre ich auch eher eine Außenseiterin gewesen, eine Streber-Schülerin, die gemeinsam mit Wednesday mysteriöse Vorkommnisse entdeckt und, naja, Mordfälle auflöst.

Zitat Wednesday: "Bücher, in denen sich nicht mindestens fünf bestialische Morde ereignen, sind meiner Meinung nach so öde, dass sie gar nicht erst geschrieben werden sollten."

Isso!

Wer die Serie wie ich in einem Rutsch durchgesuchtet hat (oder einfach gesehen hat), wird hier sicherlich nichts Neues erfahren. Es ist trotzdem schön, noch einmal in Wednesdays Gedanken abzutauchen und die verschiedenen kleinen Abenteuer mitzuerleben. Außerdem dient das 448-Seiten-Werk als nette Auffrischung in Vorbereitung auf die zweite kommende Staffel. Seht es als eine Art Einblick in die Welt von Wednesday Addams, die niemals langweilig wird.

Der Roman überzeugt allein dadurch, dass er Wednesdays inneren Monolog vertieft. Ihre scharfen Dialoge werden zu einer komplexen Gedankenwelt voller Schlussfolgerungen und Überlegungen. Mejia fängt Wednesdays Stimme perfekt ein – jede Beobachtung wirkt wie ein Tagebucheintrag, der mit Tinte so schwarz wie ihre Seele geschrieben wurde. Wir sehen, wie sie die Welt verarbeitet und sich mit Freundschaften oder romantischen Gegebenheiten auseinandersetzt. Ob sie ihre Mitschüler analysiert, Intrigen spinnt oder mit dem Chaos menschlicher Beziehungen kämpft – der Roman präsentiert eine brillante und überraschend vielschichtige Wednesday.

Fazit: Morbider Humor trifft auf düstere Geheimnisse - dieses Buch muss man einfach gelesen haben. Es ist seltsam, schaurig und die perfekte Unterhaltung für alle, die es etwas dunkler mögen. Für Fans ist dieses Buch ein Muss, das die berechnende Fassade Wednesdays durchbricht und ihren Intellekt, ihren Witz und ihre unerwartete Verletzlichkeit offenbart.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Spannend, unterhaltsam und voller guter Ideen

Aqua obscura
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Normalerweise meide ich Anthologien eher, weil mir bei den meisten Kurzgeschichten die Tiefe fehlt. Hier hat mich zum einen das Cover fasziniert, zum anderen die Autor/innen, die vertreten sind.

Auf ...

Normalerweise meide ich Anthologien eher, weil mir bei den meisten Kurzgeschichten die Tiefe fehlt. Hier hat mich zum einen das Cover fasziniert, zum anderen die Autor/innen, die vertreten sind.

Auf knapp 200 Seiten bekommen wir hier mehr geboten, als ich tatsächlich erwartet hatte. 17 Geschichten voller Abenteuer, Geheimnissen und Figuren, die so abwechslungsreich gestaltet wurden, dass es zu keiner Zeit langweilig wurde. Dieses Werk strotzt nur so vor kreativen Ideen, und man merkt jeder einzelnen Story an, dass sich der/die Verfasser/in im schriftstellerischen Handwerk heimisch fühlt. Der Clou hierbei ist, dass sich alles rund ums Wasser dreht. So finden wir Geschichten, die im, am, unter und auf ebenjenem Element angesiedelt sind.

Bei Anthologien ist es klar, dass einem nicht jede Erzählung gleich gut gefällt, mich hat jedoch überrascht, wie oft man meinen persönlichen Geschmack getroffen hat. Die Leserschaft erwartet eine kunterbunte Sammlung von faszinierenden Geschöpfen, die einen zum Gruseln oder Schmunzeln bringen.

"Allein stehe ich an der Spitze des Turmes, während um mich herum die schwarze See zu pulsieren beginnt. Groteske Gliedmaßen erheben sich aus den Tiefen und bringen das Wasser zum Schäumen. Ein unbändiges Rauschen hallt durch die eiskalte Luft." (Zitat aus: Der schwarze Turm)

Die schwarz-weißen Illustrationen peppen das Ganze positiv auf.

Auch für jene Leser/innen, die überlicherweise weniger zu Anthologien greifen, ist diese Lektüre eine Empfehlung. Die Kurzgeschichten sind kurzweilig, unterhaltsam, spannend und voller guter Ideen. Mir hat das Buch tolle Lesemomente beschert.

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Skandinavischer Feinschmeckerkrimischmaus

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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Ein Mordfall, der ins Rotlichtmilieu führt, weckt gleich das Interesse zweier Ermittler. Tomas Berg, psychisch am Boden und irgendwie zwielichtig, nimmt für die schwedische Polizei die Ermittlungen auf. ...

Ein Mordfall, der ins Rotlichtmilieu führt, weckt gleich das Interesse zweier Ermittler. Tomas Berg, psychisch am Boden und irgendwie zwielichtig, nimmt für die schwedische Polizei die Ermittlungen auf. Gleichzeitig stürzt sich die Kriminaljournalistin Vera Berg Hals über Kopf in gefährliche Recherchen, um DIE Story abzuliefern. Doch können sie es jeder für sich schaffen, den Fall zu lösen, oder überleben sie nur, wenn sie zusammenarbeiten?

Da der erste Teil, „Sommersonnenwende“, in meinem Kopf immer noch sehr präsent ist, habe ich mich enorm über den Folgeband gefreut. Aber auch für diejenigen, die mit Band 2 in die Reihe des Autorenduos einsteigen, sollte es kein Problem sein, sich direkt zurechtzufinden. Zwar setzt „Wintersonnenwende“ genau da an, wo der erste Teil aufhört, für das Verständnis des eigentlichen Falles ist das aber nicht weiter dramatisch. Die persönlichen Entwicklungen aus dem Vorgänger werden so weit aufgefrischt, dass sich die Handlung grundsätzlich erschließt. Schöner ist es aber sicherlich, der Reihe nach zu beginnen.

Engman und Selåker verstehen sich aufs Beste darin, ihre Leserschaft ab der ersten Seite zu fesseln. Schon sehr lange habe ich keinen Krimi gelesen, der so spannend und tiefgründig erzählt wird. Nicht nur die Haupt- und Nebenfiguren, speziell Tomas und Vera, sind super differenziert und realistisch gezeichnet. Auch die ständigen Perspektivwechsel und Zeitsprünge sind gekonnt aufeinander abgestimmt und lassen das Buch unglaublich kurzweilig erscheinen.

Die Story selbst ist klug durchdacht und wird aus vielen Blickwinkeln betrachtet, sodass sich nach und nach ein detailliertes Bild der Geschehnisse zusammensetzt. Gut geplante Twists halten bis zum Schluss das Spannungsniveau hoch und bringen letztlich eine Wendung ans Licht, die ich so nicht erwartet habe. „Wintersonnenwende“ ist ein absoluter Krimiknaller!

Fazit: Was für ein mega spannendes Buch. Coole Wendungen, authentische Figuren, ein sogartiger Schreibstil - ab aufs Sofa, einkuscheln und loslesen!

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Sehr emotionale Reihenfortsetzung

Teufelsgabe (Ewert Grens ermittelt 4)
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Nach seinem letzten Fall in "Engelsgabe" war Kommissar Ewert Grens am Ende seiner Kräfte. All die menschlichen Enttäuschungen konnte er psychisch nicht mehr ertragen. Nur langsam kehrt er nun in sein altes ...

Nach seinem letzten Fall in "Engelsgabe" war Kommissar Ewert Grens am Ende seiner Kräfte. All die menschlichen Enttäuschungen konnte er psychisch nicht mehr ertragen. Nur langsam kehrt er nun in sein altes Leben zurück.

Die Story beginnt elf Monate vorher, als noch alles verloren schien.

Zitat Pos. 137:
"An jenem Abend schloss Kriminalkommissar Ewert Grens seine Bürotür von innen ab, drehte die Musik ganz laut, und keine der Stimmen, die draußen auf dem Flur der Mordkommission seinen Namen riefen, drang zu ihm durch."

Die Szene ist schwer zu ertragen und man verfolgt geschockt den Moment und fragt sich, wie diese Reihe hier noch weitergehen soll.
Mühsam kämpft Grens sich zurück in sein altes Leben und bekommt von seinem Chef nur 7 Tage auf Probe, um zu beweisen, dass er dieser Art von Arbeit (psychisch) noch gewachsen ist.

Als dann ein außergewöhnlicher Mord geschieht, sieht Grens darin seine Chance. Doch schnell entpuppt sich die Ermittlung als äußerst kompliziert und Grens rennt die Zeit davon. In seiner Verzweiflung engagiert er seinen alten Freund Piet Hoffmann, der bereits öfter als ehemaliger Krimineller der Polizei geholfen hat. Doch dieses Mal ist es ein Alleingang - ohne offizielle Rückendeckung, und auch für Piet wird es sehr gefährlich.

Der Schreibstil ist spannend und die Mordfälle wirklich außergewöhnlich. Auch hat mir die Beschreibung der 2-Klassengesellschaft und ihre Auswirkungen auf die Kinder, die in diesen Gegenden in Schweden aufwachsen, gut gefallen. Das Thema ist sicherlich weltweit interessant und wichtig.

Das Ende war dann wie ein Abschied und hat mich ein wenig traurig gestimmt. Ob es hier noch einen weiteren Teil geben wird, ist für mich unklar. Ich würde mich jedoch sehr darüber freuen

Fazit: Eine sehr emotionale Reihenfortsetzung, in der die Psyche und Traumata ein großes Thema sind. Mir hat der Krimi gefallen.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Wunderschöne Beschreibungen, kreative Plotideen

When The Moon Hatched
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Raeve hat in Gedanken schon Lebewohl gesagt, da wird sie ausgerechnet von dem Kerl gerettet, den sie eigentlich hasst. Als hätte das Leben es jemals gut mit ihr gemeint, ist sie tatsächlich hin- und hergerissen, ...

Raeve hat in Gedanken schon Lebewohl gesagt, da wird sie ausgerechnet von dem Kerl gerettet, den sie eigentlich hasst. Als hätte das Leben es jemals gut mit ihr gemeint, ist sie tatsächlich hin- und hergerissen, ob der Tod nicht die bessere Variante für sie gewesen wäre. Wie soll sie jemandem vertrauen wie Kaan? Und später dann die viel wichtigere Frage: Wie wird sie ihm jemals wieder entkommen?

Auf der einen Seite hat die Autorin eine sagenhafte Welt geschaffen. Es ist viel Liebe in die Beschreibungen der sozialen Gesellschaft, der Umwelt und der Personen geflossen. Vor meinem inneren Auge sind tolle Bilder entstanden - ohne dass es den Lesefluss gestört hat oder erzwungen wirkt.

Auf der anderen Seite sind für einen ersten Teil viele Fragen offen geblieben. Ich habe nicht so viel über Raeve erfahren, wie ich es gerne hätte. Eventuell kommt dies erst noch in den Folgebänden, und es ist für den Verlauf der Handlung wahrscheinlich nicht wichtig, viele oder alle Details zu kennen. Dennoch bekommt man nur einen groben Überblick über ihre Vergangenheit, vor allem wie und warum sie zur Rebellin geworden ist. Was haben die Königreiche miteinander zu tun, wie sind diese miteinander verbunden?

Die einzelnen Charaktere sind gut durchdacht und haben eine interessante Dynamik miteinander. Raeve, die so viel Wut in sich trägt. Kaan, dessen Bild sich im Laufe der Geschichte wandelt und der tatsächlich sehr vielschichtig ist. Gerade diese beiden Figuren durchleben einige Emotionen und haben mich berührt. Nicht unbedingt Gänsehautfeeling verursacht, denn Raeve mit ihrer großen Klappe wirkt weder bezaubernd noch bemitleidenswert. Doch man kann mit ihr wunderbar lachen und weinen, ihren Zorn spüren oder einfach die Einsamkeit in einer Welt voller Menschen nachempfinden.

Fazit: Starkes Fantasy-Epos mit teilweise wunderschönen Beschreibungen, kreativen Plotideen - und Drachen. Drachen gehen immer! Ich hatte jedoch oft das Gefühl, nur die Spitze des Eisbergs zu erklimmen, und bin deshalb gespannt, welchen Tiefgang die Fortsetzung für mich bereithält.

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