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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2017

Klasse Schwedenthriller

Die Fährte des Wolfes
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Zack Herry ist tagsüber aufsteigender Stern in der schwedischen Kripo. Nachts zieht er durch die Clubs und gewisse Pülverchen durch die Nase. Ein gefährliches Doppelleben, das ihm alles abverlangt. So ...

Zack Herry ist tagsüber aufsteigender Stern in der schwedischen Kripo. Nachts zieht er durch die Clubs und gewisse Pülverchen durch die Nase. Ein gefährliches Doppelleben, das ihm alles abverlangt. So wie sein neuester Fall: gleich vier Mitarbeiterinnen eines thailändischen Massagesalons wurden auf bestialische Weise ermordet.

Eigentlich bin ich kein Fan von Autorenduos, da ich bisher damit regelmäßig auf die Nase gefallen bin. Kallentoft und Lutteman haben mich jedoch sehr positiv überrascht und einen überzeugenden Thriller abgeliefert. Nordisch düster, mit einer sympathischen, aber irgendwie kaputten Hauptfigur. Zack ist noch relativ jung, trotzdem schon ziemlich fertig. Ermittler mit Drogenproblemen und ganz, ganz schlimmer Kindheit sind jetzt nichts neues auf dem Thrillermarkt, trotzdem hat mich die Figur überzeugt, weil die Autoren diesen altbekannten Eigenschaften ein neues, überzeugendes Gewand verpasst haben. Ich würde mich auf jeden Fall auf weitere Bände mit Zack einlassen. Der Fall entwickelt sich sehr spannend, es gibt immer wieder ungeahnte Überraschungen und Wendungen. Die Ermittlungen sind logisch aufgebaut und führen Zack hin zu menschlichen Abgründen; oft brutal, blutig und mitunter auch recht eklig. Sicherlich kein Thriller für den gemäßigteren Krimileser. Mir hats gefallen ; ) Der Erzählstil ist oft entsprechend derb, manchmal geradezu sachlich nüchtern, insgesamt aber immer passend zur Handlung. Mich hat „Die Fährte des Wolfes“ derart gefesselt, dass ich das Buch am Stück weglesen musste. Ein toller Serieneinstieg, der definitiv Lust auf mehr macht.

Veröffentlicht am 04.08.2017

Grace

alias Grace
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Mitte des 19ten Jahrhunderts wird die 16jährige Grace Marks wegen Mordes an ihrem Dienstherren verurteilt. Ihr Komplize landet am Galgen, sie selbst im Gefängnis. Doch ist Grace wirklich schuldig? Immer ...

Mitte des 19ten Jahrhunderts wird die 16jährige Grace Marks wegen Mordes an ihrem Dienstherren verurteilt. Ihr Komplize landet am Galgen, sie selbst im Gefängnis. Doch ist Grace wirklich schuldig? Immer wieder kommen Zweifel auf. Jahre später befasst sich der Nervenarzt Dr. Simon Jordan mit ihrem Schicksal…

Margaret Atwood hat sich den realen Fall von Grace Marks vorgenommen und daraus eine meisterhafte Erzählung gemacht. Sie lässt Grace ihre Geschichte berichten und man ist als Leser schnell für das junge Mädchen eingenommen. Eine sympathische Figur, die allerlei Scheußliches erlebt. Immer wieder muss man sich in Erinnerung rufen, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, auch wenn Atwood die Lücken in der Historie natürlich füllen musste. Schuldig oder nicht, das ist die große Frage, die jedoch immer wieder in den Hintergrund rückt. Denn Atwood thematisiert u.a. die gesellschaftlichen Strukturen, die Frauenrolle im 19ten Jahrhundert und auch den Umgang mit den „Irren“ in dieser Zeit. Interessante Thematiken also, die sich rundum gelungen mit Grace’s Geschichte verbinden. Unterlegt wird das fiktive Geschehen mit vielen Zeitungsausschnitten, Briefen und Gedichten aus jener Zeit, sodass ein sehr authentisches Bild entsteht. Fasziniert hat mich auch wie unterschiedlich Grace in den historischen Quellen dargestellt wurde: auf der einen Seite das durchtriebene Flittchen mit mörderischen Absichten, auf der anderen Seite die harmlose Irre, die unschuldig im Gefängnis sitzt. Wo die Wahrheit dazwischen liegt, lässt sich bis heute nicht abschließend klären.

Auch Atwoods Erzählstil hat mir sehr gut gefallen, sie findet sowohl für Grace selbst, als auch für Jordan den richtigen Ton. Geduldig rollt sie die Geschichte auf und trotz des etwas holprigen Einstiegs, war ich von der ersten Seite an fasziniert und gefesselt.

Ein Roman, der Realität und Fiktion meisterhaft verbindet. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 02.07.2017

Okapialarm

Was man von hier aus sehen kann
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Ein kleines Dörfchen im Westerwald wird erschüttert: Selma hat von einem Okapi geträumt! Eigentlich kein Drama, die letzten Male ist nach diesem Traum jedoch jemand gestorben. Schnell ist das Dorf in Aufruhr ...

Ein kleines Dörfchen im Westerwald wird erschüttert: Selma hat von einem Okapi geträumt! Eigentlich kein Drama, die letzten Male ist nach diesem Traum jedoch jemand gestorben. Schnell ist das Dorf in Aufruhr und auch Luise, Selmas Enkelin hat die nächsten Stunden ein mulmiges Gefühl im Bauch. Zu Recht wie sich bald zeigt.

Mariana Leky hat einen tollen Roman geschrieben, der mich gefesselt hat wie schon lange keiner mehr. Die Inhaltsbeschreibung kommt eigentlich ganz alltäglich daher (sehen wir mal vom Todesokapi und Uralthund Alaska ab) und doch ist dieses Dörfchen ganz besonders. Die Autorin hat wunderbare, lebensechte Figuren geschaffen: den herzensguten Optiker, die forsche Selma, selbst die unleidliche Marlies nimmt den Leser ein. Unterm Strich mochte ich sie alle und bin fast ein bisschen traurig nichts mehr über sie lesen zu dürfen. Luise fungiert als Ich-Erzählerin, lässt uns an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Zu Beginn der Handlung ist sie noch relativ jung, das ändert sich im Laufe des Buches. Die Veränderung ihres Charakters, das Erwachsenwerden, wirken sehr authentisch. Irgendwie fungiert das ganze Dorf als Hauptperson, ohne dass der Roman überfrachtet oder unübersichtlich wirkt.
Die Autorin hat einen ganz eigenen Erzählstil, der einerseits wunderbar leicht, andererseits ernst oder traurig daher kommt. Ich war schnell gefesselt und fand immer wieder Sätze, die man eigentlich dick hätte anstreichen müssen, um sie wieder und wieder zu lesen. Dazwischen finden sich auch sehr humorvolle Seiten, die das Ganze etwas auflockern. Sprachlich rundum gelungen also.
Fazit: auf in den Westerwald! Ein Buch, das mich wirklich überzeugt hat.

Veröffentlicht am 28.09.2025

Basics - ansprechend aufbereitet

Ausgesorgt
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Dieser Ratgeber richtet sich gezielt an Frauen, da deren Lebensläufe doch oft noch anders aussehen als bei Männern. Aber jeder Neuling in der Thematik wird hier nützliche Infos für sich herausziehen können. ...

Dieser Ratgeber richtet sich gezielt an Frauen, da deren Lebensläufe doch oft noch anders aussehen als bei Männern. Aber jeder Neuling in der Thematik wird hier nützliche Infos für sich herausziehen können. Die Autorin führt einen langsam ans Eingemachte heran. Zunächst wird der Status quo erhoben, die eigene Situation heute analysiert, die Ziele für die Zukunft festgesteckt. Das eigene Risikoverhalten will eingeschätzt werden, denn, das wird schnell klar, es gibt nicht DIE EINE Lösung für alle.
Immer wieder erleichtern klar aufgebaute Tabellen den Überblick und es gibt einige Checklisten abzuarbeiten. Mir hat der Ton der Autorin meist gut gefallen, bei allen Informationen und Fakten wird es doch nicht zu technisch, sodass man sich das Wissen relativ leicht aneignen kann. Ab und an waren mir der sicherlich gut gemeinte Ansporn doch zu drüber und ich fühlte mich unangenehm an irgendwelche Lifecoachsprüche erinnert, auch Geldanlage und Neujahrsdiätvorsatz zu vergleichen hatte dann doch ein merkwürdiges Frauenzeitschriftsgeschmäckle. Aber das ist sicher Ansichtssache.
Für weitere und tiefergehende Lektüre verweist die Autorin auf verschiedene Quellen, oft auf die Homepage der Stiftung Warentest. Das finde ich durchaus in Ordnung, wäre der Rahmen sonst doch reichlich gesprengt worden müssten all diese Infos noch im Buch Platz finden. Dieses Angebot ist z.T. kostenpflichtig, die meisten Infos wird man jedoch auch entsprechend über die einschlägigen Suchmaschinen finden können.
Ich fand diesen Ratgeber wirklich informativ und niederschwellig aufgebaut, sodass man sich als Einsteiger durchaus gerüstet sieht das Thema Vorsorge anzugehen. Wer sich schon etwas mit der Thematik auskennt, für den wird es vermutlich nicht allzu viel Neues geben.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Ein etwas anderer Spionageroman

Deckname: Bird
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Heathers Leben bleibt im Geheimen, und das liegt vor allem an ihrem Job für den British Intelligence Service. Doch das Versteckspiel fällt ihr leicht, Familie und Freunde hat sie kaum, lebt eher unter ...

Heathers Leben bleibt im Geheimen, und das liegt vor allem an ihrem Job für den British Intelligence Service. Doch das Versteckspiel fällt ihr leicht, Familie und Freunde hat sie kaum, lebt eher unter dem Radar. Bis sie sich plötzlich im Visier wiederfindet und von der Jägerin zur Gejagten wird.
Deckname Bird ist kein klassischer Spionageroman mit viel Action, Charme und geschüttelten Martinis, das macht ihn jedoch nicht minder spannend. Bird wird von jetzt auf gleich mit einer Extremsituation konfrontiert, die Anspannung, die Angst bekommt man hautnah mit. Doughtys Stil hat mir wahnsinnig gut gefallen, sie nimmt den Leser mühelos mit ins Geschehen. Ihre Hauptfigur hat Ecken und Kanten, dank der Ich-Perspektive kann man ihre Gedanken und Gefühle immer gut nachvollziehen. Da die Handlung jedoch nicht chronologisch erzählt wird, bleibt man trotzdem lange über die genauen Hintergründe und Zusammenhänge im Dunkeln. Ich fand das sehr clever gelöst. Heathers Flucht ist holprig, mal instinktiv improvisiert, mal jahrelang akribisch vorbereitet; es geht im wahrsten Sinne um das nackte Überleben, die Handlung düster und rau, und damit meine ich nicht nur das Wetter. Auch das Innenleben der Mittfünfzigerin ist etwas sturmgebeutelt, warum erfährt man erst mit der Zeit. Das Ende fand ich sehr gelungen, es passt wirklich gut zu dieser etwas anderen Spionagestory. Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen.

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