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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Der lange Kampf um Selbstbestimmung

Wohin du auch gehst
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Christina Fonthes zeigt in ihrem Debütroman eindrücklich was es bedeutet in einer Gesellschaft zu leben in der Frauen unterdrückt und Minderheiten diskriminiert werden. Für mich persönlich eine Warnung ...

Christina Fonthes zeigt in ihrem Debütroman eindrücklich was es bedeutet in einer Gesellschaft zu leben in der Frauen unterdrückt und Minderheiten diskriminiert werden. Für mich persönlich eine Warnung wie eine Gesellschaft aussehen kann, wenn es reaktionären Kräften gelingt in der Gesellschaft bereits erkämpfte Freiheiten wieder zu beschneiden.

Im Deutschlandfunk Podcast über den rechts-konservativen Investor und Polit-Lobbyisten Peter Thiel war von einem „Mindshift“ in Amerika, die mit Trumps zweiter Amtszeit begann die Rede. Damit ist gemeint, dass sich die Denkweisen und -muster innerhalb einer Gesellschaft oder Kultur verändern. Ein gutes Beispiel sind die Silikon-Valley unternehmen, die nun offen eine andere Richtung einschlagen. Setze man vormals auf Inklusion und Frauenförderung wird nun darauf verzichtet und es wird ein veraltetes Bild von Leistung gezeichnet.

Der Roman spielt nämlich in einer für uns ungewohnt konservativen Gesellschaft.

Fonthes behandelt eine breite Palette an Themen wie: Entwurzelung, Trauma, Missbrauch, häusliche Gewalt, HIV, Homophobie, Femizid, Zwangsheirat und Korruption.

Das ist viel. Dabei gelingt der jungen Autorin das Kunststück, die Geschichte nicht überladen wirken zu lassen. Im Kern ist „Wohin du auch gehst“ einfach eine extrem fesselnde Geschichte mit Sogwirkung. Beim Lesen möchte man wissen wie es mit der Hauptfigur Bijoux weitergeht, man lacht und leidet mit ihr. Gleichzeitig fragt man sich auch, was ist mit ihrer Tante passiert, dass sie so geworden ist. Die Figuren sind oft impulsiv, was sie aber auch glaubwürdig wirken lässt. Lediglich das Ende fand ich etwas überhastet.

Es sind vor allem die Details, die den Roman großartig machen. Wie die Mehrdeutigkeit des Titels, die sich erst beim Lesen erschließt. Mir machen solche Sachen Spaß.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Fragmentierte Erinnerungen

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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´Die Wiener Autorin Anna Maschik spannt in ihrem Debütroman ein über vier Generationen umspannendes Porträt einer Familie. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Alma, dem jüngsten Glied in der Kette. ...

´Die Wiener Autorin Anna Maschik spannt in ihrem Debütroman ein über vier Generationen umspannendes Porträt einer Familie. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Alma, dem jüngsten Glied in der Kette. An Alma liegt es sich ihren Vorfahrinnen anzunähern. Anhand von Listen, kurzen Erzählungen und Anekdoten.

Vieles bleibt unausgesprochen, lückenhaft. So wie es uns auch ergeht, wenn wir Geschichten unserer Ahnten teilen. Immer wieder gleiten die Erzählungen auch ins märchenhafte ab. Und ins unaussprechliche, wenn Dinge nur mehr angedeutet werden. Wie in der Liste, der Dinge die hängen. So wie auch in der Familie bestimmte Dinge nur mehr erwähnt, aber nicht wirklich angesprochen werden.
Es ist schwer, das Buch zu fassen. Am ehesten erinnerte mich noch an das Werk der leider viel zu verstorbenen Salzburger Autorin Helena Adler. Jedoch erreich Maschik (noch) nicht die Bild- und Sprachgewalt Adlers. Die Episoden die ins magische gleiten weckten bei mir Erinnerungen an 100 Jahre Einsamkeit. Zudem setzt die Autorin Wiederholungen als Stilmittel ein.

Das Buch bietet viel Platz für Reflexion. Anna Maschik hat die Essenz des Konzepts Familie, die von Geschichten der Vergangenheit lebt und wie diese die Zukunft beeinflussen, gut herausgearbeitet. Faszinierend wie die Mütter immer gegen die eigenen Mütter ankämpfen und sich diesen dann doch immer mehr in ihrer eigenen Art annähern. Der Kreislauf wird wiederholt, nicht zerbrochen. Es lege an Alma einen Neuanfang zu schaffen und die von ihren Vorfahren übernommen Muster abzulegen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Sooo schön

Der OktoBus auf großer Fahrt
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Ich glaube ich bin verliebt. Das Buch ist soo schön, dass ich es ständig ansehen muss. Die liebevollen Zeichnungen gefallen mir sehr und es macht einfach Spaß, das eine oder andere lustige Detail in ihnen ...

Ich glaube ich bin verliebt. Das Buch ist soo schön, dass ich es ständig ansehen muss. Die liebevollen Zeichnungen gefallen mir sehr und es macht einfach Spaß, das eine oder andere lustige Detail in ihnen zu entdecken. Auch Cover und Layout sind wunderschön.

Die Bilder versprühen Retro-Charme. Giraffendame Gerlinde trägt beispielsweise ein weiß gepunktetes Kopftuch. Das Zebra führt den Nachwuchs in einem richtigen Retro-Kinderwagen spazieren und trägt rosarote Schnürstiefelchen. Bei den Kindern weckte das neue bunte Buch sofort großes Interesse. Es wird gerne angeschaut und darin geblättert.

Die Geschichte selbst versteht es mit Reimen, Witz und lustigen Details zu punkten. Leider geizt sie aber ein wenig mit Spannung. Die Reime sind auch eher einfach. Da wird schon mal „Bus“ auf „muss“ und „Fluss“ auf „OktoBus“ gereimt. Aber zumindest können auch kleine Kinder die Reime schon gut verstehen. Da im Buch recht wenig passiert, denke ich, dass es eher für Jüngere, so ab Drei, interessant ist.

Auf jeden Fall ein wunderschönes Kinderbuch, das eine Bereicherung meiner Bibliothek darstellt. Allein schon aufgrund der wunderbaren Zeichnungen von Nina Dulleck.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Die Verwandlung des Lewis W.

Shark Heart
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Ganz ehrlich: Die Idee das ein Mensch sich einen Hai verwandelt ist so absurd, dass ich das Buch unbedingt lesen musste. Das Buch hat meine Erwartungen jedoch meilenweit übertroffen. Es ging ...

Ganz ehrlich: Die Idee das ein Mensch sich einen Hai verwandelt ist so absurd, dass ich das Buch unbedingt lesen musste. Das Buch hat meine Erwartungen jedoch meilenweit übertroffen. Es ging viel tiefer als erwartet, überraschte mich mit seiner Kompromisslosig-, aber auch Zärtlichkeit. Die Geschichte von Wren und Lewis beschäftige mich lange und verfolgte mich bis in meine Träume.

Die Verwandlung ist natürlich eine Metapher für eine Krankheit die den geliebten Menschen mehr und mehr verändert. Bis sie einem diesen weggenommen hat. Weitere Erzählstränge führen in ähnlich schmerzhafte Abgründe. Es geht um die große Fragen und Herausforderungen vor denen manche Menschen geworfen werden. Und vor denen man nur allzu gerne die Augen verschließt.

Der ungewöhnliche, oft theatralische Schreibstil gefällt mir außergewöhnlich gut. Aber ich habe auch ein heimliches Faible für Theater. So wie die Hauptfigur Lewis und die Autorin, die ein Studium in dem Bereich abgeschlossen hat. Die Mischung aus Theater und kurzen, in sich geschlossenen Storys entwickelt einen Sog, den ich mich selbst in meinen Träumen nicht entziehen konnte.

Das Buch ist ein Meisterwerk. Eines der ungewöhnlichsten Bücher die ich jemals lesen durfte. Voller Brutalität und Schönheit, Absurditäten aber auch Humor. Keine leichte Kost, da die Themen oft schmerzhaft tief gehen.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Liv wird groß

tiptoi® Abenteuer Großwerden - Liv geht aufs Töpfchen
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Liv geht aufs Töpfchen ist ein toller Einstieg in die Welt von tiptoi®. Alltagstauglich, süß gezeichnet und für Kinder ansprechend umgesetzt. Neben lustigen Texten und Reimen verbergen sich auch Lieder ...

Liv geht aufs Töpfchen ist ein toller Einstieg in die Welt von tiptoi®. Alltagstauglich, süß gezeichnet und für Kinder ansprechend umgesetzt. Neben lustigen Texten und Reimen verbergen sich auch Lieder im Buch. Mein 2-jähriger ist ganz begeistert von den Liedern, den vielen Tieren und der Pfeife der Bademeisterin. Das Buch fühlt sich wertig an und hat ein tolles Format. Für kleine Kinder gibt es viel zu entdecken, die Größeren werden mit der Geschichte ihre Freude haben.

Das Buch nähert sich der Thematik Töpfchentraining behutsam und gibt auch Eltern eine Hilfestellung. Sowohl Eltern als auch Kinder werden dazu animiert über das Thema zu sprechen.

Für uns war es die erste Erfahrung mit tiptoi®. Wir sind begeistert, der Stift und das Buch wurden von unserem Kind super angenommen und es hatte die Bedienung sehr schnell raus. Und das heißt was: Wir haben ein Kind das kaum stillsitzen kann und meist kein Interesse an Spielzeug zeigt. Das wird sicher nicht unser letztes tiptoi® Buch gewesen sein.

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