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Veröffentlicht am 10.08.2025

Moll, die Unbezwingbare

Durch das Raue zu den Sternen
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Oberbayern im Jahr 1992: Arkadia Fink (13), genannt Moll, ist nicht wie die anderen Mädchen in ihrem Alter. Sie liebt klassische Musik. Das verbindet sie mit ihrer Mutter Iris, die seit mehr als acht Monaten ...

Oberbayern im Jahr 1992: Arkadia Fink (13), genannt Moll, ist nicht wie die anderen Mädchen in ihrem Alter. Sie liebt klassische Musik. Das verbindet sie mit ihrer Mutter Iris, die seit mehr als acht Monaten weg ist. Ihr Vater, ein Schreiner, ist mit der Situation überfordert. Ihre beste und einzige Freundin, Bernhardina, ist eine ehemalige Musiklehrerin, bereits 84 Jahre alt und lebt im Altenheim. Als Arkadia vom Probesingen für einen Knabenchor erfährt, reift in ihr ein Plan heran: Wenn sie es in den Chor schafft, wird ihre Mutter bestimmt zurückkehren…

„Durch das Raue zu den Sternen“ ist ein Roman von Christopher Kloeble.

Der Aufbau des Romans orientiert sich an einer Sinfonie: Er besteht allerdings aus fünf statt vier Sätzen beziehungsweise Teilen. Die ersten vier beinhalten mehrere Kapitel. Erzählt wird ausschließlich in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Arkadia.

Der Text ist sehr atmosphärisch und von ungewöhnlichen Metaphern durchzogen. Besonders gut haben mir Wortkreationen wie Pentatoniker und Tondichterin gefallen. Zudem ist es gelungen, sprachlich den Ton einer 13-Jährigen zu treffen, ohne in unglaubwürdigen Jugendslang zu verfallen.

Arkadia ist eine unkonventionelle Protagonistin: Außenseiterin und musikalisch begabt, aber impulsiv, durchsetzungsstark, egozentrisch, mehr als nur selbstbewusst, gewaltbereit und eigensinnig. Sie hat Ecken und Kanten, sie macht Fehler und gesteht sich diese ein. Ihre ausufernden, wiederholten Fantasievorstellungen wie die, dass Beethoven weiblich war, sind mit der Vernunft oft nicht zu greifen. Dennoch wirkt ihr Innenleben authentisch und in sich stimmig.

Auf der inhaltlichen Ebene vereint der Roman zwei thematische Bereiche. Das sind einerseits die Leidenschaft für klassische Musik und das Singen in professionellen Chören. Die Geschichte zelebriert musikalische Kunst, kritisiert zugleich aber den äußerst strengen, harschen und übertrieben disziplinierten Umgang der Chorleiter mit jungen Sängern. Letzteres hat der Autor selbst erlebt, wie er in Interviews hat durchblicken lassen.

Da ist andererseits das Thema mentale Gesundheit. Die offenbar manisch-depressiven Verhaltensweisen der Mutter nehmen ebenso viel Platz ein wie die offenkundige Traumatisierung der Tochter, die vor allem mit Gewalt, Aggressivität und überbordender Fantasie auf eine Verlusterfahrung reagiert.

Darüber hinaus hat der Autor weitere Aspekte eingearbeitet. So lässt er beispielsweise immer wieder Kritik an patriarchalischen Strukturen einfließen. Dies verleiht dem Roman eine weitere Facette.

Die Geschichte ist anrührend, aber nicht kitschig. Und obwohl für mich die Hintergründe des Verschwindens bereits nach wenigen Kapiteln offensichtlich waren, habe ich mich auf keiner der knapp 240 Seiten gelangweilt. Dass zwar alle wesentlichen Fragen geklärt und dennoch Interpretationsspielräume gelassen werden, ist eine weitere Stärke des Romans.

Ein Manko ist für mich hingegen das sehr hübsche, aber wenig passende Covermotiv. Die Darstellung des Mädchens und die Harmonie des Bildes werden dem Inhalt nicht gerecht. Unglücklich ist auch, dass fast zeitgleich ein anderer Roman mit diesem Motiv erschienen ist. Umso besser ist dagegen die Wahl des Titels, der eine lateinische Redewendung aufgreift und mit der Beschreibung der Werke Beethovens verbunden ist.

Mein Fazit:
Mit „Durch das Raue zu den Sternen“ ist Christopher Kloeble ein bewegender und besonderer Roman gelungen, den ich wärmstens empfehlen kann.

Veröffentlicht am 01.08.2025

Zoolympia

Die großen Spiele im Zoo
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Wie wäre es mit olympischen Spielen im Zoo? Die Idee von Direktor Alfred Ungestüm findet regen Anklang. Doch der tierische Sportwettkampf hat seine Tücken und löst zuerst viel Frust aus. Da müssen kurzerhand ...

Wie wäre es mit olympischen Spielen im Zoo? Die Idee von Direktor Alfred Ungestüm findet regen Anklang. Doch der tierische Sportwettkampf hat seine Tücken und löst zuerst viel Frust aus. Da müssen kurzerhand die Spielregeln geändert werden…

„Die großen Spiele im Zoo“ ist ein Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren und der siebte Band der Zoo-Reihe von Sophie Schoenwald.

Erzählt wird die Geschichte in chronologischer Reihenfolge auf 24 Seiten, die gestalterisch mal als Einzel-, mal als Doppelseite angelegt sind.

Die Illustrationen von Günther Jakobs sind bunt und modern, aber nicht zu grell und den tatsächlichen Farben nachempfunden. Die Zeichnungen weisen liebevolle, teils witzige Details auf und bieten somit viel zum Entdecken.

Die Textpassagen von Sophie Schoenwald sind kurz, aber nicht zu knapp und leicht verständlich. Auch ohne Kenntnisse der früheren Geschichten lässt sich das Geschehen sehr gut nachvollziehen. Die Wortwahl ist dem Alter der Zielgruppe absolut angemessen. Gut gefallen hat mir nicht nur der Wortwitz, sondern auch das kindgerechte Gendern.

Lieb gewonnene Charaktere der Vorgängerbände tauchen ebenso auf wie neue Figuren. Alle Tiere wirken sympathisch. Auf Bösewichte und andere Gruselfaktoren wird verzichtet.

Die Geschichte zeigt einerseits die sportliche Vielfalt bei Olympia auf und vermittelt andererseits zwei positive Botschaften. Verdeutlicht wird, dass mit Zusammenhalt und Fairness alle Spaß an Sport und Spiel haben können. Das Motto „Dabeisein ist alles“ wird ebenfalls aufgegriffen. Dadurch, dass es am Ende nur Gewinner gibt, wird jedoch die Chance verpasst zu erläutern, dass Verlieren manchmal auch nicht so schlimm ist.

Die unterschiedlichen Tiere und sportlichen Disziplinen sorgen für Abwechslung. Mehrfach bietet die Geschichte Anlass zum Schmunzeln und Lachen.

Wie in den anderen Bänden gibt es wieder ein kleines Extra: Diesmal ist ein Tischaufsteller mit Ignaz Igel dabei, der bei uns sehr gut angekommen ist.

Mein Fazit:
Auch der neue Zoo-Band hat uns viel Vorlesevergnügen bereitet. „Die großen Spiele im Zoo“ ist eine unterhaltsame und empfehlenswerte Fortsetzung der Bilderbuch-Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 26.07.2025

Zwei Brüder und viel Schmerz

Auē
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Nachdem ihre Eltern verschwunden sind, will der bereits erwachsen gewordene Taukiri (Tauk) seinen jüngeren Bruder loswerden. Daher setzt er den achtjährigen Ārama (Ari) bei Tante Kat und Onkel Stu im Süden ...

Nachdem ihre Eltern verschwunden sind, will der bereits erwachsen gewordene Taukiri (Tauk) seinen jüngeren Bruder loswerden. Daher setzt er den achtjährigen Ārama (Ari) bei Tante Kat und Onkel Stu im Süden Neuseelands ab. Anschließend flieht er auf die Nordinsel. Doch er muss feststellen, dass er seine Sorgen und Probleme nicht hinter sich lassen kann. Auch sein kleiner Bruder muss vieles ertragen…

„Auē“ ist das literarische Debüt von Becky Manawatu.

Der Aufbau des Romans ist auf mehrfache Weise komplex und erschließt sich erst Stück für Stück. Erzählt wird im Wechsel aus der Perspektive von Taukiri, Ārama und weiteren Figuren. Unterschiedliche Zeitebenen und verschiedene Örtlichkeiten machen es zudem nicht leicht, sich in der Geschichte zu orientieren.

Auch die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander sind zunächst undurchsichtig. Neben den beiden Brüdern, die klar im Zentrum des Romans stehen, geht es um weitere Mitglieder der Familie sowie einige Nebenfiguren. Dem Innenleben der Hauptcharaktere wird viel Raum gegeben, sodass die Personen sehr gut ausgearbeitet sind.

Der Inhalt des Romans ist auf rund 430 Seiten berührend und aufrüttelnd, allerdings durch die dargestellten Gewaltszenen und seine ernsten Themen schwer verdaulich. Es ist einerseits die Geschichte einer Familie, andererseits so viel mehr. Geheimnisse spielen eine zentrale Rolle. Vor allem aber geht es immer wieder um Schmerz und Verluste, um Schuld und Scham, um Einsamkeit und Verzweiflung.

In die Geschichte eingeflossen ist das äußerst traurige Schicksal eines Cousins der Autorin. Diese persönliche Komponente trägt vielleicht dazu bei, dass der Roman trotz aller Dramatik sehr authentisch wirkt.

Der Brutalität und der Gewalt steht die feinfühlige Sprache des Romans gegenüber. Mit seinen ungewöhnlichen Metaphern, den atmosphärischen Beschreibungen und den beinahe poetischen Untertönen hat mich die Autorin beeindruckt.

Der Text des Romans ist jedoch durchaus anspruchsvoll, was unter anderem mit der häufigen Verwendung von Wörtern und Formulierungen aus der Māori-Sprache zusammenhängt. Hilfreich beim Verständnis ist das hinten abgedruckte Glossar, das auch Hinweise zur Aussprache enthält. Dabei muss allerdings erwähnt werden, dass sich nicht alle Wörter ins Deutsche übersetzen lassen, ohne dass sämtliche Nuancen und kulturelle Implikationen erhalten bleiben. Um die Geschichte in Gänze mit ihren Andeutungen und der kompletten Symbolik zu verstehen, sind vermutlich Vorkenntnisse über Neuseeland und seine Besonderheiten von Vorteil.

Letzteres gilt wahrscheinlich auch für den außergewöhnlichen Māori-Titel des Romans, der von der englischsprachigen Originalausgabe übernommen wurde. Eine gute Entscheidung des deutschen Verlags, das Wort auf der Rückseite des Hardcovers gleich zu erklären. Auch die reduzierte Gestaltung mit dem Vogelmotiv wird dem Inhalt gerecht.

Mein Fazit:
Mit „Auē“ verlangt Becky Manawatu ihrer Leserschaft in mehrfacher Hinsicht viel ab. Wer sich auf die fordernde und sehr bewegende Geschichte einlassen kann, wird aber mit einem ungewöhnlichem Literaturerlebnis belohnt. Ein definitiv empfehlenswertes Debüt, das neugierig auf die Fortsetzung macht!

Veröffentlicht am 05.07.2025

Wenn es plötzlich früher dunkel ist

Der Sonnendieb
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Eichhörnchen ist irritiert und verunsichert: War es nicht gestern zur Zahnputzzeit noch hell? Warum ist heute schon dunkel zu dieser Stunde? Aufgeregt läuft Eichhörnchen zu Vogel, seinem besten Freund. ...

Eichhörnchen ist irritiert und verunsichert: War es nicht gestern zur Zahnputzzeit noch hell? Warum ist heute schon dunkel zu dieser Stunde? Aufgeregt läuft Eichhörnchen zu Vogel, seinem besten Freund. Er weiß bestimmt, was los ist.

„Der Sonnendieb“ ist ein Bilderbuch, das für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird.

Beim „Sonnendieb“ handelt es sich um den vierten Band der Jahreszeiten-Reihe, die sich in allerdings auch in beliebiger Reihenfolge lesen lässt. Nach Herbst, Frühjahr und Winter geht es diesmal um den Sommer.

Warum wird es abends früher dunkel und morgens später hell? Wieso werden die Tage zum Ende des Sommers wieder kürzer? Diese beiden Fragen stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Sie werden kindgerecht, unterhaltsam und mit viel Humor beantwortet.

Auf zwölf Doppelseiten wird zunächst die Geschichte erzählt. Auf einer weiteren Doppelseite wird erklärt, was es mit nachtaktiven Tieren auf sich hat und wieso es zu den jeweiligen Jahreszeiten unterschiedlich lange hell ist.

Im Fokus der Geschichte stehen Eichhörnchen und Vogel, zwei liebenswerte Charaktere. Gut gefallen hat mir, dass keine ungewöhnlichen, sondern aus dem Alltag von Kindern vertraute Tiere ausgewählt wurden. Neben den beiden bekannten Protagonisten gibt es diesmal eine weitere tierische Figur: Fledermaus. Auch sie haben wir schnell ins Herz geschlossen.

Der Text von Alice Hemming ist altersgerecht formuliert, was Syntax und Vokabular angeht. Die Dialogform funktioniert, wie schon in den Vorgängerbänden, wunderbar. Das Verhältnis von Text- und Bildanteilen ist ausgewogen und gut auf die Zielgruppe abgestimmt.

Die farbenfrohen, aber nicht zu grellen Illustrationen von Nicola Slater sind wieder einmal voller liebevoller Details, die für zusätzliches Komik sorgen und zum längeren Betrachten einladen. Auch für erwachsene Vorleser bieten sie immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Sie wirken zudem modern.

Das Covermotiv des großformatigen Bilderbuchs passt super zur Reihe und zur Geschichte. Der einprägsame Titel erschließt sich sofort und fügt sich ebenfalls hervorragend ein.

Mein Fazit:
Erneut können Alice Hemming und Nicola Slater überzeugen. Mit „Der Sonnendieb“ ist ihnen wieder einmal ein gleichsam witziges wie lehrreiches Bilderbuch zum Thema Jahreszeiten gelungen. Auch der vierte Band mit Eichhörnchen und Vogel ist sehr empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 13.06.2025

Ein besonders gefährliches Spiel mit dem Feuer

Devil's Kitchen
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New York City an der Ostküste der USA: „Engine 99“, die Eliteeinheit der Feuerwehr, bekämpft nicht nur Brände, sondern legt sie auch, um abzulenken. Etliche große Beutezüge gehen auf das Konto der Gruppe. ...

New York City an der Ostküste der USA: „Engine 99“, die Eliteeinheit der Feuerwehr, bekämpft nicht nur Brände, sondern legt sie auch, um abzulenken. Etliche große Beutezüge gehen auf das Konto der Gruppe. Andrea Nearland, eine freiberufliche Ermittlerin, ist das neueste Mitglied der Crew. Sie wurde vom FBI auf die Gruppe angesetzt. Ben ist ihr als einziger der Einheit sympathisch. Nun steht der wohl größte Coup an und es wird immer klarer, dass das Spiel mit dem Feuer für Andy sehr riskant ist.

„Devil‘s Kitchen“ ist ein Thriller von Candice Fox.

Trotz der nicht ganz simplen Struktur lässt sich die Geschichte gut nachvollziehen. Der Roman beginnt mit einem Prolog. Auf ihn folgen sechs lange Kapitel, die in weitere Abschnitte unterteilt sind. Erzählt wird fast ausschließlich aus der Perspektive von Andy und der von Ben, allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge. Die Handlung umfasst die Jahre 2005 bis 2013.

Die Sprache des Thrillers ist teilweise etwas vulgär. Die Dialoge wirken jedoch authentisch und lebhaft, die Beschreibungen sind anschaulich.

Eine Stärke von Candice Fox ist das Zeichnen der Charaktere. Auch in dieser Geschichte wird sie ihrem Ruf gerecht, kantige und zugleich glaubhafte Figuren darzustellen.

Das Setting des neuen Buches finde ich interessant und ungewöhnlich. Dass die Autorin sorgsam recherchiert hat, ist dem Thriller an einigen Stellen anzumerken. Neben dem Schwerpunkt Feuerwehr geht es um Sexismus und toxische Männlichkeit. Damit trifft das Buch den Nerv der Zeit und gibt Denkanstöße.

Auf den mehr als 400 Seiten nimmt die Geschichte schnell an Tempo auf. Die Handlung ist, wie von den anderen Werken der Autorin gewohnt, durchweg kurzweilig und spannend. Auch die Auflösung, die nicht leicht vorhersehbar ist, hat mich überzeugt.

Das deutsche Covermotiv ist atmosphärisch und passt gut zum Inhalt. Der Titel wurde 1:1 vom Original übernommen.

Mein Fazit:
Mit „Devil‘s Kitchen“ stellt Candice Fox erneut unter Beweis, dass sie zu recht eine feste Größe im Spannungsgenre ist. Wieder einmal hat sie meine hohen Erwartungen erfüllt. Sehr empfehlenswert vor allem für diejenigen, die keine 08/15-Thriller lesen möchten!