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Veröffentlicht am 07.02.2026

Wem kannst du noch trauen, wenn deine Welt zerbricht?

Das Signal
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Ein folgenschwerer Unfall, Intrigen und kleine elektronische Helfer sind die Zutaten zu Poznanskis neuestem mitreißenden Thriller. Spannung pur!

Um was geht es?
Die Innenarchitektin Viola Decker erleidet ...

Ein folgenschwerer Unfall, Intrigen und kleine elektronische Helfer sind die Zutaten zu Poznanskis neuestem mitreißenden Thriller. Spannung pur!

Um was geht es?
Die Innenarchitektin Viola Decker erleidet einen folgenschweren Unfall. Der baufällige Weinkeller ihres renovierungsbedürftigen Hauses bricht über ihr zusammen. Sie überlebt, verliert aber eines ihrer Beine. Nachdem sie das Krankenhaus verlassen hat, befällt sie ein eigenartiges Gefühl. Warum hat sie den Weinkeller überhaupt betreten und warum kann sie sich nicht an den Unfall erinnern? Ist ihr Mann Adam, Perfektionist und Ästhet, wirklich besorgt um sie oder verheimlicht er ihr was? Und warum verhält sich ihre Pflegerin Otilia so seltsam? Gefesselt an ihr Haus versucht sie, die Ursache für ihr komisches Bauchgefühl und das teilweise seltsame Verhalten ihres Umfelds zu ergründen. Gut, dass es hierfür technische Helfer gibt …

Protagonistin ist Viola Decker, eine hübsche, zielstrebige junge Frau, die sich aber ein Stück weit zurücknimmt, um ihrem Mann die Bühne zu überlassen. Deswegen wirkt sie sehr bescheiden und wird vielfach unterschätzt. Wie groß ihr Ehrgeiz ist und wie zielstrebig sie ihren Weg verfolgt, merkt man erst nach ihrem Unfall. Sie lässt sich nicht gehen oder wird depressiv, sondern widmet sich ihrem Ziel mit voller Kraft und allen Mitteln – fast schon verbissen. Ihr Mann Adam hingegen ist ebenfalls zielstrebig bis hin zur Skrupellosigkeit. Deswegen entsteht auch schnell eine unterschwellige bedrohliche Atmosphäre im Buch und ein ungutes Gefühl beim Leser, dass durch das Verhalten der weiteren Nebencharaktere, wie die Pflegerin Otilia, und Violas Freundinnen Romy und Marit, verstärkt wird.

Obwohl die Story sich ruhig aufbaut und weiterentwickelt, schafft es Ursula Poznanski von Anfang an beim Leser ein düsteres Gefühl hervorzurufen. Hatte ich ganz zu Beginn noch gedacht, dass Viola an der einen oder anderen Stelle übertreibt und hart am Stalking agiert, hat sich diese Meinung innerhalb kürzester Zeit revidiert und ich habe mit Viola mitgefiebert, gehofft und so manches Risiko von ihr mit Schrecken beobachtet. Es handelt sich bei diesem Psychothriller um ein Buch zum Mitfiebern, eines, dass sich kaum aus der Hand legen lässt. Ein Pageturner vom Feinsten, mit einem etwas überraschenden, aber doch sehr plausiblen Ende.

Fazit:
Der Psychothriller „Das Signal“ von Ursula Poznanski bietet Lesespannung pur und lässt einen nicht mehr los. Trotz eines begrenzten Personenkreises und Umfelds wird eine so düstere Atmosphäre geschaffen, dass man als Leser in einen Lesesog gezogen wird und das Buch nicht mehr weglegen kann. Ein Pageturner wie man ihn sich als Thriller-Fan wünscht.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Die Düsternis hinter der Kleinstadtidylle

Dunkle Sühne
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In „Dunkle Sühne“ ermittelt Deputy Emmy Clifton in einem schrecklichen Doppelmord, der eine amerikanische Kleinstadt bis ins tiefste Mark erschüttert.

Um was geht es?
Es ist der 4. Juli in der idyllischen ...

In „Dunkle Sühne“ ermittelt Deputy Emmy Clifton in einem schrecklichen Doppelmord, der eine amerikanische Kleinstadt bis ins tiefste Mark erschüttert.

Um was geht es?
Es ist der 4. Juli in der idyllischen Kleinstadt North Falls. Der amerikanische Unabhängigkeitstag – ein Tag, den man mit der Familie verbringt, feiert und gemeinsam Spaß hat. Doch an diesem Tag ist alles anders. Die beiden 15-jährigen Mädchen Cheyenne und Madison verschwinden spurlos. Schon während der Ermittlungen drängen erste dunkle Geheimnisse an die Oberfläche – nicht nur bei den Mädchen, sondern auch von Einwohnern. Sind Cheyenne und Hannah noch am Leben? Wer könnte den Beiden etwas Böses wollen und warum? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Schon lange wollte ich mal einen Karin Slaughter lesen. Bei „Dunkle Sühne“ war es nun endlich so weit. Ein Thriller der Spitzenklasse, der mich nicht mehr losgelassen hat und den ich kaum auf die Seite legen konnte. Karin Slaughter schafft es wie keine Zweite, von so vielen Seiten dunkle Geheimnisse in einer vermeintlich sicheren, harmonischen Kleinstadt zu beleuchten. Familiengeheimnisse, die an die Oberfläche drängen. Düstere Verbrechen unterschiedlicher Schwere. Die Probleme von Teenagern. Persönliche Probleme aufgrund von toxischen Beziehungen und Rangeleien um Positionen. Das alles auf kleinem Raum mit einer begrenzten Anzahl Personen, zwischen denen sich interessante Spannungsfelder ergeben, auch und vor allem mit unserer Protagonistin – Deputy Emmy Clifton.

Emmy dürfen wir während ihren beruflichen Ermittlungen und ihrer persönlichen Entwicklung über eine lange Zeit begleiten. Sie ist voller Pflichtbewusstsein, sorgt sich immer um andere, sucht die Schuld bei sich anstatt bei anderen und vernachlässigt leider aufgrund ihrer toxischen Beziehung nur einmal ihre Pflichten als Deputy für ein paar Minuten – an jenem verhängnisvollen 4. Juli. Ausgerechnet als Madison – die Stieftochter ihrer besten Freundin Hannah – mit ihr sprechen möchte und danach spurlos verschwindet. Vielleicht ist das der Antrieb, der Emmy noch zielstrebiger ihren Weg gehen und auch mal unangenehme Entscheidungen treffen lässt, ohne Gnade sich selbst gegenüber. Und doch stellt sie immer wieder ihr Licht unter den Schwefel, obwohl sie clever und smart ist. Wir leiden und fiebern mit ihr, hoffen und bangen, kämpfen und zerbrechen – verstehen wir sie doch von Seite zu Seite mehr, indem wir ihre Familiengeschichte kennenlernen. Denn auch diese ist voller Geheimnisse, die Einfluss auf die Ermittlungen nehmen. Und so ist diese „Nebengeschichte“ fast genauso spannend, wie der eigentliche Fall.

Mein einziger persönlicher kleiner Wermutstropfen – die Kapitel sind so unfassbar lang. Ich bin ein Fan von kürzeren Kapiteln, damit ich auch mal zwischenrein lesen kann und finde es ganz schlimm, wenn ich „aus Gründen“ innerhalb eines Kapitels beim Lesen unterbrechen muss. Aber das sind persönliche Befindlichkeiten, die mein Gesamturteil nicht schmälern 😉 Außerdem erschließt sich mir die Covergestaltung nicht. Es ist wirklich toll gemacht, aber ich verstehe die Aussage und den Zusammenhang zur Story nicht. Falls es mir jemand erklären kann, jederzeit gerne 😊

Fazit:
Mein erster Karin Slaughter und sicher nicht mein letzter. Obwohl ich ein absoluter Thriller-Fan bin, hatte ich tatsächlich noch nie etwas von dieser Autorin gelesen. Ich bin restlos begeistert von der tollen Story, der Vielschichtigkeit des Buches, den Abgründen und auch den versöhnlichen Momenten. Ein besonderer Storymix. Ab jetzt steht Karin Slaughter regelmäßig auf meiner Leseliste.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Wenn eine Hochzeit der Anfang vom Ende ist

Der Bräutigam
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In „Der Bräutigam“ von Benjamin Wiater treibt im „Alten Land“ ein Serienmörder sein Unwesen ohne Spuren zu hinterlassen – düster, grausam, brutal.

Um was geht es?
Noras Großeltern feiern im „Alten Land“ ...

In „Der Bräutigam“ von Benjamin Wiater treibt im „Alten Land“ ein Serienmörder sein Unwesen ohne Spuren zu hinterlassen – düster, grausam, brutal.

Um was geht es?
Noras Großeltern feiern im „Alten Land“ Goldene Hochzeit. Eine riesige Familienfeier mit leckerem Essen, Spaß, Party und guten Gesprächen. Am nächsten Morgen ist Noras kleine Schwester Sofie verschwunden. Sofort greift die Angst um sich, hat Nora doch in der Nacht auf der Party vom „Bräutigam“ gehört, einem Serienmörder, der im „Alten Land“ aktiv ist. Sein Muster: ein festes Beuteschema in das Sofie passt, das spurlose Verschwinden der Frauen von Familienfeiern, eine Hochzeitsannonce gefolgt von einer Todesanzeige kurze Zeit später. Als die Hochzeitsankündigung erscheint, sind auch die letzten Zweifel ausgeräumt. Sofie ist das nächste Opfer des Bräutigams und die Uhr bis zum Mord an ihr tickt. Die polizeilichen Ermittlungen gehen Nora zu langsam voran und so macht sie sich selbst auf die Suche, um ihre Schwester zu retten. Wird es ihr gelingen?

Protagonistin dieses Psychothrillers ist Nora, erfolgreiche Architektin und Organisationstalent. Sie ist sehr gut strukturiert, zielgerichtet, ehrgeizig und willensstark. Was sie sich vornimmt, zieht sie durch und lässt sich dabei nicht reinreden – selbst wenn es ab und an mal besser wäre 😉 So verhält sie sich auch, als ihre Schwester entführt wird. Wider jede Vernunft startet sie los und riskiert alles. Dabei legt sie sich mit unserer zweiten Hauptperson, dem „Bräutigam“, an. Ein sehr gewiefter Serienmörder, der in seiner eigenen, kranken Gedankenwelt lebt und anscheinend auf alles vorbereitet ist. Nebencharakter ist Sofie, unsere Braut. Sie ist eine lebensfrohe, junge Frau, unkonventionell, neugierig und anpassungsfähig. Gerade letzteres zeigt sie auch als Opfer des Bräutigams, der sie immer mehr zu kontrollieren und brechen versucht.

Die Story ist wahnsinnig gut konstruiert und einfach mal was anderes. Begleitet man sonst immer die Ermittler, wie sie Hinweisen folgen und den Mörder jagen, so befindet man sich in diesem Psychothriller fast die komplette Story beim Täter und den Opfern. Auf der einen Seite lernt man viel über die Gedankenwelt, den Kampfwillen und die gleichzeitig immer größer werdende Verzweiflung der Opfer. Auf der anderen Seite taucht man in die kranke Gedankenwelt des Täters ein und seine erschreckende Effizienz im Entführen, Gefügig machen und Töten von Frauen.

Das Buch selbst besteht aus vielen kurzen Kapiteln, was ich persönlich sehr liebe, da man immer schnell zwischenrein lesen kann. Bei mir ging das dieses Mal ziemlich nach hinten los, da ich mir bei so einem Pageturner selbst immer sage: „Komm eines geht noch“. Schlafdefizit lässt grüßen 😊 Das Buch ist super geschrieben, man sieht die geschilderten Szenen vor Augen. Es läuft also während des Lesens ein innerer Film ab, den man nur ungern unterbricht.

Fazit:
Wer gerne mal einen Psychothriller aus der Täter- und Opferperspektive lesen möchte, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Spannend, grausam, erschreckend und clever konstruiert. Für mich war dieses Buch ein absoluter Pageturner und ich hatte viele schöne Lesestunden. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Thriller von Benjamin Wiater. Ein tolles Debüt, das ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Was würdest Du tun, wenn Du weißt, wann und wie Du stirbst?

Vorsehung
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Im Roman „Vorsehung“ von Liane Moriarty bringt eine alte Dame namens Cherry die Leben zahlreicher Passagiere eines Fluges mit ihren Todesvorhersagen aus dem Gleichgewicht.

Um was geht es?
Eine alte Dame ...

Im Roman „Vorsehung“ von Liane Moriarty bringt eine alte Dame namens Cherry die Leben zahlreicher Passagiere eines Fluges mit ihren Todesvorhersagen aus dem Gleichgewicht.

Um was geht es?
Eine alte Dame befindet sich auf einem stark verspäteten Flug Richtung Sydney. Die Stimmung an Bord ist aufgrund der Verspätung angespannt. Plötzlich steht die alte Dame auf und geht von Passagier zu Passagier. Mit den Worten „Ich erwarte …“ prophezeit sie jedem Fluggast das persönliche Todesdatum und die Todesursache. Die Passagiere sind geschockt und sprachlos zugleich. Sind diese Prophezeiungen ernst zu nehmen? Wird sich das Leben der Fluggäste aufgrund dieser Vorhersagen verändern? Und wer ist die alte Dame?

In diesem Buch verfolgen wir nach der Landung des Fluges eine Vielzahl unterschiedlicher Passagiere und beobachten, wie sich die jeweilige Prophezeiung auf deren Leben auswirkt. Hauptperson des Romans dürfte die „alte Dame“ – Cherry Lockwood – sein. Wir lernen im Verlauf des Buches ihre komplette Lebensgeschichte kennen, ihre Männer, ihre Schicksalsschläge, ihre Karriere und verstehen so nach und nach, wie sie zur „Wahrsagerin“ wurde. Doch auch zahlreiche andere Charaktere begleiten uns auf unserer Reise durch das Buch und wir beobachten als Leser, welchen Einfluss die Prophezeiung auf deren Leben nimmt oder auch nicht. Da ist die junge Mutter Paula, die bereits unter Angststörungen leidet, die sich nun wieder verstärken. Der Bauingenieur und Workaholic Leo, der bei einem Arbeitsunfall sterben soll. Ethan, der durch eine Schlägerei sein Ende finden soll und viele mehr. Es ist unglaublich interessant, den Verlauf ihrer Lebensgeschichten und Reaktionen auf gewisse „Nachrichten“ zu verfolgen.

Der Roman liest sich angenehmen und flüssig. Aufgrund der vielen kurzen Kapitel, die uns abwechselnd durch einzelne Lebensgeschichten begleiten, ist das Buch unglaublich vielseitig und spannend. Dabei reden wir nicht von einer klassischen Krimispannung, sondern eher der Voyeurismus, der den Leser vorantreibt, da er wissen will, wie es bei diesem oder jenem Charakter weitergeht. Die Kapitel sind kurz, was ich persönlich sehr schätze. Schwierig fand ich zu Beginn des Buches die vielen Namen und Daten. Da habe ich mir einen Notizzettel und Stift geschnappt, was ich jedem Leser nur empfehlen kann. Die einzelnen Charaktere sind aber so klar beschrieben, dass man schnell ein Bild von ihnen vor Augen hat und deswegen die „Gedächtnisstütze“ in Form des eigenen Personenverzeichnisses nicht mehr benötigt. Durch die verschiedenen Charaktere in unterschiedlichen Altersstufen mit immer anderen „Problemen“ ist das Buch auch unglaublich abwechslungsreich.

Mich selbst hat der Roman sehr nachdenklich gestimmt. Wie würde ich wohl auf so eine Prophezeiung reagieren? Das Buch hat noch lange bei mir nachgewirkt und zumindest bei mir persönlich einige vermeintlich immer wichtige Dinge wieder an den richtigen Platz gerückt. Aber das ist von der Person des Lesers abhängig. Auf jeden Fall hat mich das Buch berührt, zum Lachen und zum Weinen gebracht, nachdenklich gestimmt und vieles mehr.

Fazit:
„Vorsehung“ ist ein etwas anderer Roman, der sich damit beschäftigt, wie eine Todesprophezeiung sich auf unterschiedliche Leben auswirkt. Man begleitet also vor allem unterschiedliche Lebensgeschichten, fiebert mit den Charakteren mit und stellt sich vielleicht selbst die eine oder andere Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns. Wem so etwas gefällt, wird dieses Buch lieben. Ich kann es auf jeden Fall nur weiterempfehlen. Fünf von fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Familiengeheimnisse, die ergründet werden wollen

Der heimliche Beobachter
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Lisa Unger widmet sich in ihrem neuesten Thriller Familiengeheimnissen, die lange verborgen wurden und nun mit voller Wucht an die Oberfläche drängen. Eine spannungsgeladene und irgendwie bedrohliche Atmosphäre, ...

Lisa Unger widmet sich in ihrem neuesten Thriller Familiengeheimnissen, die lange verborgen wurden und nun mit voller Wucht an die Oberfläche drängen. Eine spannungsgeladene und irgendwie bedrohliche Atmosphäre, unterschwellige Konflikte, unter der Oberfläche brodelnde Geheimnisse und eine Prise Voyeurismus sind für den Leser garantiert.

Um was geht es?
Hannahs Familie, ihre Eltern und ihr Bruder mitsamt Frau erhalten zu Weihnachten ein Überraschungsgeschenk: DNA-Kits mit denen man nach unbekannten Verwandten suchen kann. Ein halbes Jahr später verbringt Hannah mit ihrem Mann Bruce, Bruder Mako mit Frau Liza und ihrer besten Freundin Cricket mit Partner Joshua ein Wochenende in einem Luxusferienhaus. Doch die DNA-Kits sind nicht ohne Folgen geblieben und lang gehütete Familiengeheimnisse drängen unaufhaltsam an die Oberfläche und bedrohen die luxuriöse Auszeit.

In „Der heimliche Beobachter“ nimmt uns Lisa Unger mit auf eine spannende Reise in das Innerste ihrer Protagonisten. Müssen Geheimnisse zwangsläufig irgendwann an die Oberfläche gelangen? Wir erleben die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht von Hannah, die immer alles richtig gemacht hat, Familie über alles gestellt hat und diese immer um jeden Preis verteidigt hat. Dabei hat sie oft ihre eigenen moralischen Grundsätze zurückgestellt. Nun gerät sie im Feriencottage in eine Ausnahmesituation und muss sich nicht nur dem heimlichen Beobachter stellen, sondern auch ihren falsch getroffenen Entscheidungen in der Vergangenheit. Das erschüttert ihre Grundsätze bis in die Tiefen.

Auch wenn Hannah die Protagonistin ist, so wird die Geschichte aus Sicht vieler weiterer sehr unterschiedlicher Personen geschildert: Bruce, Mako, Liza, Cricket und mehr. Immer wieder wechseln sich die Kapitel, geschrieben aus der Sicht der einzelnen Personen, ab. Das lässt uns tief in die Gefühlswelt der einzelnen Personen eintauchen und bringt gleichzeitig eine unglaubliche Dynamik in die Geschichte.

Obwohl dieses Buch keine actiongeladene Spannung beinhaltet, so führen die Geheimnisse, die wir als Leser ergründen möchten, dazu, dass eine unglaubliche, unterschwellige Spannung und unangenehme Atmosphäre erzeugt wird. Es hat fast schon ein wenig was von Voyeurismus, wenn wir die „Darsteller“ im Buch begleiten.

Darsteller bringt es auf den Punkt. Lisa Unger hat einen besonderen Schreibstil, den man mögen muss. In diesem Buch legt sie den Schwerpunkt sehr auf die einzelnen Personen, ihre Charakteristiken und Gefühlswelt und die angespannten Beziehungen unter den Freunden. Einen absoluten Sympathieträger gibt es, wie in so vielen anderen Romanen, nicht. Fast jede Person im Buch hat etwas gemacht, das den Leser betroffen zurücklässt und den schönen Schein bröckeln lässt. Wir erleben hier also kein schwarz und weiß, sondern sehr viele unterschiedliche Grauschattierungen.

Fazit:
Mit „Der heimliche Beobachter“ hat Lisa Unger eine ungewöhnliche Story geschaffen, die vor allem durch unterschwellige Spannung besticht und zum Ende der Geschichte eine wichtige Moral aufzeigt. Diese möchte ich an dieser Stelle nicht näher erläutern, sonst würde ich einen wichtigen Teil der Handlung verraten 😉 Fans actiongeladener Spannung sollten besser die Finger von dem Buch lassen. Wer aber Psychospielchen und die Abgründe der menschlichen Natur interessant findet und nicht permanent große Ereignisse in einer Handlung braucht, wird bei diesem Buch mehr wie auf seine Kosten kommen. Ungewöhnlich, atmosphärisch, gut.

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