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Veröffentlicht am 03.08.2025

Die nicht so Goldenen Zwanziger

Nacht über Soho
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London im Jahr 1926 erholt sich von den Schrecken des Krieges. Das Nachtleben in London ist berühmt und zieht viele verschiedene Personen an- von Adeligen über Gangstern zu korrupten Polizisten und allen ...

London im Jahr 1926 erholt sich von den Schrecken des Krieges. Das Nachtleben in London ist berühmt und zieht viele verschiedene Personen an- von Adeligen über Gangstern zu korrupten Polizisten und allen Facetten dazwischen.

In Soho betreibt Nellie eine Kette von sechs Nachtclubs. Sie hat sich dies hart selbst erarbeitet und möchte, dass auch ihre sechs Kinder davon profitieren. Jedoch ist ein Leben als Besitzerin diverser Nachtclubs nicht im ruhigen Fahrwasser angesiedelt und so wird Nellies Imperium von verschiedenen Seiten bedroht. Chief Inspektor John Frobisher, beauftragt auf seinem Revier für Ordnung zu sorgen, möchte erfahren, was mit all den im Nachtleben verschwundenen jungen Mädchen geschehen ist. Dazu bittet er die ehemalige Bibliothekarin Gwendolin, die die Tochter einer Freundin sucht, sich in Nellies Clubs umzusehen.

Die Geschichte wird mit viel Witz und Liebe zum Detail erzählt. Die so genannten Goldenen Zwanziger und teilweise auch die Kriegszeit werden von verschiedenen Facetten aus beschrieben. Die Dialoge sind spritzig und auf den Punkt. Ich wurde regelrecht in die Geschichte gesaugt und leibte vor allem die akkurate Beschreibung Londons.

Man wird in der Geschichte mit vielen Charakteren konfrontiert und zu Beginn wäre speziell für die Familie von Nellie ein Stammbaum gut gewesen bzw. ein Storyplot um die Beziehungen der Charaktere zu verstehen. Kapitelweise wechselt der Erzählpunkt zwischen den verschiedenen Personen. Auch wenn es generell nicht immer einfach ist mit vielen Charakteren, sind sie hier durch markante Beschreibungen und ihre eigenen Wege, meiner Meinung nach gut unterscheidbar.

Wer gerne tief in ein London der vielleicht nicht so Goldenen Zwanziger eintaucht, mit all den schillernden Charakteren ist hier definitiv richtig.

Veröffentlicht am 03.08.2025

ein solider Krimi mit einem verstörendem Motiv

Gerächt sein sollst du
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In einem kleinen finnischen Küstenort wird die Leiche des siebzehnjährigen Jonas im Wasser gefunden. War es Selbstmord? Die Journalistin Evi Manner begleitet den Fall für die örtliche Zeitung und trifft ...

In einem kleinen finnischen Küstenort wird die Leiche des siebzehnjährigen Jonas im Wasser gefunden. War es Selbstmord? Die Journalistin Evi Manner begleitet den Fall für die örtliche Zeitung und trifft dabei auf den Kriminalkommissar Mats Bergholm, ihre ehemalige Jugendliebe.

Die Geschichte wird aus wechselnder Perspektive erzählt– vor allem aus der Perspektive der Journalistin und des Kriminalkommissars. Zwischenzeitlich sind Tagebucheinträge eingeflochten, deren Autor einem jedoch erst gegen Ende klar wird. Angenehm fand ich, dass die Kapitel doch kurzgehalten sind. Neben der Hauptgeschichte verleihen auch das Einflechten der persönlichen Geschichten und Beziehung der beiden Ermittler eine gewisse Spannung.

Ich würde den Roman als soliden Krimi bezeichnen. Die Handlung der Ermittlung ist nicht sonderlich mit Nervenkitzel gespickt, das Verbrechen und das Motiv, das dahintersteht, sind jedoch umso mehr verstörend. Die Atmosphäre ist beizeiten auch sehr bedrückend und düster. Viele aktuelle gesellschaftliche Probleme werden aufgegriffen, so dass es einem beim Lesen sicher nicht kalt lässt.

Weiters muss noch die gelungene Buchgestaltung erwähnt werden, die das schöne düstere Cover auf die Seiten übernimmt.

Ich freue mich definitiv schon auf das nächste Buch der Autorin.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2025

Online Omi macht Wahlkampf im Dorf

Ihr habt es gut, ihr habt ja mich
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Renate Bergmann zieht es von Berlin aufs Land. Zuerst nur um ihren Neffen Stefan zu unterstützen, doch bald konfrontiert sie den Bürgermeister Brunner mit ihren Verbesserungsvorschlägen. Dieser entgegnet ...

Renate Bergmann zieht es von Berlin aufs Land. Zuerst nur um ihren Neffen Stefan zu unterstützen, doch bald konfrontiert sie den Bürgermeister Brunner mit ihren Verbesserungsvorschlägen. Dieser entgegnet ihr, dass sie doch als Bürgermeisterin kandidieren soll. Dies lässt sich die rüstige zweiundachtzigjährige natürlich nicht zweimal sagen und kandidiert für den Gemeinderat.
Ein weiteres Buch von/über die Berliner Rentnerin Renate Bergmann und ihren Erlebnissen im Alltag. Trotz ihrem Alters- immerhin zweiundachtzig Jahre- versucht ist Renate am Puls der Zeit unterwegs und lässt sich nichts vormachen. Renate hat zu allem eine Meinung und kreidet auch so etliche Probleme an. – immer aus der Sicht einer Seniorin natürlich. Manchmal schweift die Geschichte auch etwas ab, wie man es wohl auch von seiner eigenen Oma kennt.
Der Thema Wahlkampf kam für mich fast etwas zu kurz, viel mehr ist es ein Buch bei dem Renate Bergmann in das Leben auf dem Dorf eintaucht und Besonderheiten davon schildert. Die Vetternwirtschaft, die man sich so von kleinen Dörfern vorstellt, wird passend aufgenommen und auch das Spannungsfeld von Zugezogenen in Neubaugebieten.
Generell ist der Schreibstil entsprechend den vielen Vorgängerbänden. Mit viel Humor, auch dank der überzeichneten Charaktere. Diverse Weisheiten und Anekdoten aus den Vorgängerbüchern wiederholen sich, natürlich um neuerlich ein passendes Bild der Figur zu vermitteln.

Ein typischer Roman von Renate Bergmann, den man auch gut lesen kann, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Eine Leseempfehlung wenn man beim Lesen gerne schmunzelt und sich wundert.

Veröffentlicht am 21.07.2025

emotionale Reise in die Familienvergangenheit

Die verschwundene Tochter
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Man begleitet Blake, eine junge Frau aus London, auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte. Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter bekommt sie eine Box überreicht, die die leibliche Mutter ihrer Großmutter ...

Man begleitet Blake, eine junge Frau aus London, auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte. Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter bekommt sie eine Box überreicht, die die leibliche Mutter ihrer Großmutter als Hinweis hinterlassen hat. Blake tritt aus ihrer Komfortzone und macht sich auf die Suche nach ihrer Urgroßmutter und landet schließlich in Paris.

Eine berührende Geschichte einer mutigen und starken Frau, Evelina Blakes Urgroßmutter, in den 1920-1940iger Jahren in Paris und London. Es zeigt – wie ich finde - sehr realitätsnah, wie schwer es für Frauen war ihre beruflichen Ambitionen zu erfüllen und wie sehr sie von Männern abhängig waren. Wie in der gesamten Reihe „Die verlorenen Töchter“ zeigt auch dieser Band, wie unterschiedlich die Gründe sein können ein Kind zur Adoption freizugeben. Auch welchen Vorurteilen und Schwierigkeiten sich ledige Frauen gegenüberstehen sahen.

Die Geschichte erzählt sich parallel auf zwei Zeitebenen: im Heute Blake, auf der Suche nach der Lösung des Rätsels und eher in ihrer Komfortzone verhaftet. Und in der Vergangenheit Evelina, ihre Urgroßmutter, die von zuhause weggeht, um Modedesignerin in Paris zu werden. Die Verknüpfung der beiden Zeitebenen geschieht sehr geschickt, so dass man der Lösung des Rätsels gut folgen kann.

Beide weibliche Hauptcharaktere sind gut gezeichnet und kämpfen auf ihre jeweilige Weise um ihren Traum, den Wunsch zur Selbstbestimmtheit. Meiner Meinung nach zeichnet sich Evelina speziell durch ihren Mut aus und wird dadurch auch zusehends zu einem Vorbild für Blake.

Auch wenn das Buch, Band 5 einer Reihe ist, kann er gut allein für sich gelesen werden.

Ich muss gestehen, der Band hat mir Lust auf die Vorgängerbände gemacht, und ich freue mich auf weitere kurzweilige und doch emotional packende Geschichten in anderen Ländern.

Veröffentlicht am 13.07.2025

Spannender, historischer Krimi mit Wiener Schmäh

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Wien 1896: Bei einem Zaubertrick des berühmten amerikanischen Zauberkünstlers Charles Banton kommt bei einem neuen Zaubertrick die Assistentin ums Leben. In der Nähe des Praters werden weitere Frauen getötet. ...

Wien 1896: Bei einem Zaubertrick des berühmten amerikanischen Zauberkünstlers Charles Banton kommt bei einem neuen Zaubertrick die Assistentin ums Leben. In der Nähe des Praters werden weitere Frauen getötet. Inspektor Leopold von Herzfeldt ermittelt und trifft dabei auf die Reporterin Julia Wolf, seine ehemalige und große Liebe. Der Totengräber des Wiener Zentralfriedhofes, Augustin Rothmayer, wird von Herzfeldt kontaktiert, und gemeinsam begibt sich das Dreiergespann auf die Jagd nach dem Mörder.
Der Autor versteht es wahrhaftig die Spannung aufrecht zu halten und einen in die Welt der Jahrhundertwende zu ziehen. Jedoch nicht nur in die schöne, glitzernde des Kaiserreichs, sondern in die Unterwelt bzw. allgemein auch in die Welt der Arbeiter. In diesem Buch im Speziellen, lernt man auch die besondere Welt der Künstler und Artisten kennen und wird durch geschickte Schilderung in die geheimnisvolle Welt gezogen.
Für mich war dieser Band, der erste von Oliver Pötzsch Totengräber Serie. Wichtig ist festzuhalten, dass er sich auch gut ohne die Vorgängerbände lesen lässt. Die Figuren sind klar und authentisch. Meiner Meinung nach werden die Personen auch sehr geschickt eingeführt, und man erfährt immer ausreichend, um ein entsprechendes Spannungsgefühl zu halten.
Die Karte von Wien im Einband und das Glossar einiger Wienerischer Begriffe, machen das Lesen auch für nicht Ortskundige einfach.
Ich kann das Buch wärmstens empfehlen und werde mich nun durch die Vorgängerbände lesen.

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