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Veröffentlicht am 13.08.2025

Komplexer und spannender Thriller mit ungewöhnlichem Hintergrund

Schwüre, die wir brechen
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Ein Toter mit dem Kopf eines Krokodils ist nur das erste Opfer, das mit einem angenähten Tierkopf gefunden wird. Jon Nordh würde den Fall lieber abgeben, er weiß, wie psychisch belastend derart abartige ...

Ein Toter mit dem Kopf eines Krokodils ist nur das erste Opfer, das mit einem angenähten Tierkopf gefunden wird. Jon Nordh würde den Fall lieber abgeben, er weiß, wie psychisch belastend derart abartige Fälle sein können, während Svea sich gern beweisen würde.
In diesem zweiten Band der 'Tatort Malmö'-Reihe ist aus dem verwitweten und alleinerziehenden Jon Nordh und der jungen, aus Stockholm strafversetzten Svea Karhuu ein gutes Team geworden. Svea schätzt den erfahrenen Jon inzwischen, sie hat viel von ihm gelernt und Verständnis für seine auch schroffe Art entwickelt, für Jon ist Svea, klug, strukturiert, analytisch, zu einer guten Partnerin geworden, auf die er sich verlassen kann.
Das düstere Cover passt zur bedrohlichen Atmosphäre der Geschichte, in der die altägyptische Götterwelt und Nachrichten in Form von Hieroglyphen eine Rolle spielen, ein ungewöhnliches und für mich sehr interessantes Thema für einen Thriller.
Erzählt wird auf verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen aus wechselnder personaler Perspektive der Protagonisten und eines weiteren Charakters, die in eine erschütternde Geschichte münden. Der Schreibstil ist bildhaft, klar, lebendig und sprachgewandt, sehr angenehm zu lesen. Die Figurenzeichnung ist auch bei Nebencharakteren gelungen, die Hauptfiguren entwickeln sich und sind nahbar und authentisch, das Verhältnis von Privatleben einerseits und Ermittlungsarbeit andererseits gefällt mir.

Der Thriller ist spannend und komplex, Voosen und Danielsson legen falsche Fährten und überraschen mit unerwarteten Wendungen, die mühsamen Ermittlungen des Teams werden glaubhaft geschildert. Gelegentlich fassen die Ermittler, eigentlich für ihre Kollegen, den Stand der Dinge zusammen, das empfand ich als hilfreichen Kniff der Autoren, damit der Leser den Überblick behält, sehr gut gemacht!
Immer wieder gibt es Rückblicke in Sveas und Jons Vergangenheit, so dass ich empfehlen würde, den ersten Band bereits zu kennen. Neue Erkenntnisse zu zurück liegenden Ereignissen, die beider Leben verändert haben, tragen neben dem aktuellen Fall ebenfalls zur Spannung bei und lassen mich erwartungsvoll auf einen weiteren Band der Reihe hoffen. 'Schwüre, die wir brechen' hat mir noch besser gefallen als der erste Band der Reihe und hat mich bestens unterhalten.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Den Verlust akzeptieren

Eden
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Kerstin und Markus haben ihre 12jährige Tochter Sofie bei einem Selbstmordattentat verloren. Die vorher glückliche Familie ist zerstört, beide Eltern sind verloren und voller Schmerz. Während Kerstin nach ...

Kerstin und Markus haben ihre 12jährige Tochter Sofie bei einem Selbstmordattentat verloren. Die vorher glückliche Familie ist zerstört, beide Eltern sind verloren und voller Schmerz. Während Kerstin nach einiger Zeit Sofies Tod akzeptiert und erkennt, dass sie sich ein ganz neues Leben aufbauen müssen, auch wenn sie nicht weiß, wie das gelingen soll, ist Markus außerstande, Sofies Tod zu begreifen und wahrzuhaben. Er versucht, die Ereignisse rational zu verstehen, besucht sogar die Familie des Attentäters, um dessen Beweggründe analysieren zu können. In einer Talkshow wehrt Markus sich gegen die politische Instrumentalisierung seines Schicksals.

Jan Costin Wagner widmet sich in 'Eden' erneut einem schwierigen Thema, schreibt über Menschen im Ausnahmezustand. Dabei erzählt er aus den verschiedenen Perspektiven aller Beteiligten, auch der Täter kommt zu Wort, der etwas Großes vollbringen, endlich gesehen und bewundert werden wollte. Der Autor beschreibt, ohne zu werten, wie der jungen Mann zum Attentäter wurde.
Die Charaktere werden lebendig durch ihre Gedanken, Erinnerungen und Dialoge, die Gefühle transportieren. Alle Figuren haben mich berührt, besonders auch Sofies achtsamer Schulfreund Tobias, der durch Sofies Tod verstört ist und der unter der Atmosphäre zu Hause leidet, die sein Vater mit Verschwörungstheorien und rassistischen Gedanken vergiftet.

Jan Costin Wagner schreibt klar und schnörkellos, dennoch intensiv. Er kann mit einfachen, wenigen Worten Gefühle vermitteln, die mich treffen und die ich verstehe. Auch nach Beenden des Buchs bleiben mir Trauer, Mitgefühl und Hilflosigkeit.

Besonders gut gefällt mir die Gestaltung des Covers. 'Eden', das Paradies, ist als Einheit zerstört, in der Mitte durchtrennt und wenn man das Wort unten links entgegen des Uhrzeigersinns zu lesen beginnt, steht da 'Ende' - vielleicht vor dem zarten Schemen der tanzenden Sofie. Sehr gelungen und zum Roman perfekt passend.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Ein fesselnder Rachethriller, spannend bis zum Schluss

Asa
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Asa Kolberg hat die sechs Jahre im Gefängnis genutzt, um ihren Racheplan auszuarbeiten. Sie wird sich an denen rächen, die die grausame und gnadenlose Prüfung mit ihren archaisch anmutenden Regeln weiter ...

Asa Kolberg hat die sechs Jahre im Gefängnis genutzt, um ihren Racheplan auszuarbeiten. Sie wird sich an denen rächen, die die grausame und gnadenlose Prüfung mit ihren archaisch anmutenden Regeln weiter durchgeführt haben und denen ihre Gemeinschaft wichtiger ist als der einzelne Mensch. Diese Tradition der Prüfung muss ein Ende finden.

Asa ist eine komplexe Protagonistin, sie ist in der Vergangenheit verletzt worden, dennoch ist sie stark, eigenwillig, mutig, unbeirrt und ich verstehe bald, dass sie sowohl bewundert als auch gefürchtet wird.
Asas Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, ebenso wie die ihrer Herkunftsfamilie, und auch die Figurenzeichnung anderer Charaktere hat Tiefe, da ich von deren Hintergrund und ihren Beziehungen zueinander erfahre. Zoran Drvenkar schreibt im Präsens und überwiegend aus der Du-Perspektive, wodurch ich mich sehr angesprochen fühle, obwohl ich nicht gemeint bin. Wer da erzählt, wird erst später deutlich und hat mich überrascht. Der Schreibstil ist bildhaft, anschaulich und präzise, flüssig und angenehm zu lesen, auch wegen der häufig kurzen Sätze. Wörtliche Rede wird nur durch voran gestellte Gedankenstriche gekennzeichnet, woran ich mich schnell gewöhnt habe.

'Asa' ist packend und spannend, beeindruckt mit fesselnder Wucht und düsterer Atmosphäre. Asas Emotionen kann mir der Autor eindringlich vermitteln und mich mit unvorhergesehenen Wendungen überraschen.
Das Cover, das die wilde, jugendliche Asa zeigt, die mich aus dem Augenwinkel von oben herab skeptisch anschaut, passt gut zum Buch. Ich empfehle den Thriller Lesern, die eine beeindruckende Protagonistin und ihr Leben in einem ungewöhnlichen Umfeld kennenlernen wollen und nicht vor manchmal schockierenden Beschreibungen zurück schrecken.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Elefanten in Berlin

Das Geschenk
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Nachdem Deutschland die Einfuhr von Jagdtrophäen verbietet und der Bevölkerung in Botswana dadurch Einnahmequellen wegbrechen, schenkt das afrikanische Land Deutschland 20000 Elefanten, die plötzlich in ...

Nachdem Deutschland die Einfuhr von Jagdtrophäen verbietet und der Bevölkerung in Botswana dadurch Einnahmequellen wegbrechen, schenkt das afrikanische Land Deutschland 20000 Elefanten, die plötzlich in Berlin auftauchen.
Sind die Elefanten zuerst eine willkommene Ablenkung von den schlechten Umfragewerten der Regierungspartei, stellen sich Probleme wie die Menge des benötigten Futters, die Entsorgung des Dungs, die nicht artgerechte Umgebung für die Wildtiere, schnell als kaum lösbare Aufgaben heraus, die Regierung ist überfordert.

Gaea Schoeters beschreibt die Reaktionen der Regierung mit trockenem, treffsicherem Humor und Sachverstand, sowohl was politische Zwänge, Abwägungen und ergriffene Maßnahmen angeht, als auch in Bezug auf die Elefanten. Großartig die Szenen der in der Spree badenden Elefanten! Lisa Mensings gelungene Übersetzung aus dem Niederländischen trägt zweifellos zum kurzweiligen Lesevergnügen bei.

Die Autorin hält uns den Spiegel vor und das ausgesprochen kreativ und auf sehr unterhaltsame Weise, bei der das Lachen auch schon mal im Halse stecken bleibt, angesichts der zahlreichen aktuellen Themen, die der Roman aufgreift und nachdenkenswert in die Geschichte einbindet.
Die Figurenzeichnung ist überzeugend, die verschiedenen Politikertypen treffend erdacht und beschrieben, fast könnte ich einzelne Charaktere benennen...
Gegliedert in vier Teile, erstreckt sich das spannende Elefantendrama über etwa 14 Monate und hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein rundum gelungener Wissenschaftsthriller

Animal
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Ein Tierrechtsanwalt hat im Namen einer Edelsau einen großen Agrarkonzern auf Freilassung des Tieres verklagt. Der junge Anwalt Ben Lorenz wird von seinem Chef bei einer bekannten Hamburger Kanzlei mit ...

Ein Tierrechtsanwalt hat im Namen einer Edelsau einen großen Agrarkonzern auf Freilassung des Tieres verklagt. Der junge Anwalt Ben Lorenz wird von seinem Chef bei einer bekannten Hamburger Kanzlei mit dem Mandat betraut. Diesen Fall kann man nicht verlieren, denn Tiere sind in Deutschland nicht rechtsfähig.

Zur Klägerseite gehört auch Enna, eine Tierrechtsaktivistin. Erzählt wird kapitelweise aus verschiedenen Perspektiven, meistens aus Bens oder Ennas Sicht. Nicht nur die Protagonisten sind gut ausgearbeitet und komplex, auch andere Charaktere und deren Hintergrund machen mich neugierig. Die Kapitel enden oft mit kleinen Cliffhangern, so dass es schwierig ist, eine Lesepause einzulegen. Von Beginn an geraten Ben und Enna in gefährliche Situationen, beide werden bedroht, es geht um viel Geld.

Tibor Rode schreibt bildhaft und lebendig, auch humorvoll, vermittelt Hamburger Lokalkolorit und kann wissenschaftliche Hintergründe gut verständlich erklären. Besonders fesselnd dargestellt ist die Entschlüsselung tierischer Sprache durch KI, wie sie lernt, Tierlaute zu decodieren, zu interpretieren und in menschliche Sprache zu übersetzen. Der Autor beleuchtet die bevorstehenden Möglichkeiten von vielen Seiten, es werden neue gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig werden und vielschichtige ethische Fragen werden diskutiert werden müssen. Auch die Kehrseite der Medaille lässt der Autor nicht außer acht: eine mögliche Kommunikation mit Tieren könnte auch zu deren Nachteil eingesetzt werden.

Ben muss sich mit den Bedingungen in der Schweinehaltung und dem Stand der Tierrechte in anderen Ländern auseinandersetzen und auch mit dem Begriff der 'ökologischen Person', den das LG Erfurt erst im letzten Jahr auf Basis der EU-Grundrechtecharta in einem Prozess aufgebracht hat. Ben lernt dazu und entwickelt sich.
Die Fakten, die Rode in die Handlung einbettet, finde ich genau so faszinierend wie die Möglichkeiten, die die Forschung in Aussicht stellt. Ein aufschlussreiches Nachwort rundet den spannenden Thriller ab und hat mich weitere Recherchen zum Thema anstellen lassen.

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