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Veröffentlicht am 07.08.2025

Vielversprechender Plot, aber zu langatmig

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Ein Thriller über Lügen, Machtspiele und Identität – erzählt aus drei Perspektiven.

Sophie Stava war Ghostwriterin, bevor sie sich mit „Eine falsche Lüge“ an ihren ersten eigenen Thriller wagte. Der Roman ...

Ein Thriller über Lügen, Machtspiele und Identität – erzählt aus drei Perspektiven.

Sophie Stava war Ghostwriterin, bevor sie sich mit „Eine falsche Lüge“ an ihren ersten eigenen Thriller wagte. Der Roman erschien im Juli 2025 bei FISCHER Taschenbuch, umfasst 416 Seiten und verspricht eine Geschichte voller doppelter Böden, psychologischer Spannung und überraschender Wendungen.

Worum geht’s?

Sloane, eine notorische Lügnerin, gibt sich im Park kurzerhand als Krankenschwester aus – eine harmlose Notlüge, denkt sie. Doch sie bringt sie direkt in das Leben der wohlhabenden Familie Lockhart. Zwischen ihr und Violet Lockhart entwickelt sich eine seltsam enge Beziehung – bis hin zur äußerlichen Imitation. Doch ist Sloane wirklich die Einzige, die nicht die Wahrheit sagt?

Meine Meinung

Ich habe „Eine falsche Lüge“ im Rahmen der NetGalley-Lesechallenge gelesen – vielen Dank an NetGalley und den FISCHER Verlag für das Rezensionsexemplar.

Der Einstieg hat mich sofort gepackt. Die Geschichte von Sloane, die sich mit kleinen Lügen durch das Leben schlängelt, bietet einen spannenden psychologischen Ausgangspunkt. Der Aufbau in drei Abschnitten – aus Sicht von Sloane, Violet und Jay – ist grundsätzlich reizvoll, hat mich im Lesefluss aber enttäuscht.

Sloanes Abschnitt nimmt fast die Hälfte des Buchs ein, ohne dass sich die Geschichte wirklich weiterentwickelt. Hinweise auf das eigentliche „thrillerhafte“ Geschehen bleiben rar. Erst in Violets Perspektive spürt man wieder mehr Spannung – doch diese ebbt rasch wieder ab. Der Schluss überrascht zwar angenehm mit einem Twist, der sich nicht sofort abzeichnet, aber insgesamt war mir der Weg dahin zu zäh.

Störend war für mich auch das sehr klischeebeladene Frauenbild. Beschreibungen wie „Sie hat Kurven, wie es sich für eine Frau gehört“ oder „Sie war keine Schönheit, aber das hat sie nicht aufgehalten“ fühlen sich wie ein Rückschritt an. Der „Male Gaze“ zieht sich unterschwellig durch die gesamte Handlung - auch wenn genau dieser stellenweise kritisiert wird. Aber zu subtil für meinen Geschmack.

Fazit

Trotz spannendem Konzept für mich maximal ein eher durchschnittlicher Thriller. Wer Gilly Macmillan oder Julie Clark mag, wird hier eventuell dennoch auf seine Kosten kommen – für mich blieb das Leseerlebnis trotz solider Grundidee auf der Strecke.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Hinter der Wand – Isolation in ihrer reinsten Form

Die Wand
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"Die Wand" von Marlen Haushofer ist ein stilles, eindringliches Buch über eine Frau, die von einer unsichtbaren Wand von der Welt abgeschnitten wird – und über das Überleben in absoluter Einsamkeit. Die ...

"Die Wand" von Marlen Haushofer ist ein stilles, eindringliches Buch über eine Frau, die von einer unsichtbaren Wand von der Welt abgeschnitten wird – und über das Überleben in absoluter Einsamkeit. Die österreichische Autorin Marlen Haushofer (1920–1970) veröffentlichte den Roman 1963, zu einer Zeit, in der weibliche Lebensrealitäten und innere Konflikte selten literarisch sichtbar gemacht wurden. Ihr Werk wird heute vielfach als feministischer Klassiker gelesen.

Worum geht’s?

Die namenlose Ich-Erzählerin fährt mit Freund:innen in eine Jagdhütte in den Alpen. Am nächsten Morgen ist die Welt jenseits einer unsichtbaren Wand, die plötzlich auftaucht, wie versteinert. Menschen und Tiere jenseits dieser Barriere sind offenbar tot. Von der Außenwelt abgeschnitten, beginnt die Frau ein Leben in völliger Isolation – mit nur einer Kuh, einer Katze und einem Hund an ihrer Seite. In einem Bericht, den sie auf Papier festhält, beschreibt sie ihren Überlebenskampf, ihre Gedanken und ihr allmähliches Ankommen in einem neuen, entmenschlichten Dasein.

Meine Meinung

„Die Wand“ hat mich gleichzeitig fasziniert und abgestoßen. Haushofer beschreibt die Einsamkeit in so nüchterner Sprache, dass sie fast körperlich spürbar wird. Die Erzählung ist völlig entromantisiert – die Natur ist nicht schön oder grausam, sondern schlicht da. Das hat mich beeindruckt, aber auch ermüdet.

Sprachlich fand ich den Text monoton, aber stimmig. Die Tagebucheinträge sind schnörkellos, fast emotionslos, was die emotionale Kälte der Situation unterstreicht. Besonders bedrückend fand ich, wie die Ich-Erzählerin ihre Menschlichkeit zunehmend verliert. Sie lebt nicht mehr, sie funktioniert. „Ich lebte nicht, ich arbeitete.“ (S. 91). Auch ihr Verhältnis zu den Tieren wird zunehmend pragmatisch, ja hart – etwa wenn sie den Tod des Hundes als Erleichterung empfindet.

Berührend sind die wenigen Momente echter Nähe: ihre Sorge um die Kuh oder die kleine Katze, das Aufblitzen von Zärtlichkeit im sonst so trostlosen Alltag. Der Moment, in dem sie den fremden Mann erschießt, ist dennoch schockierend – und zeigt, wie sehr sich ihr Wertesystem verschoben hat: „Ich habe den Mann getötet. Ich musste.“ (S. 197). Es ist eine nüchterne, fast gleichgültige Feststellung.

Das Buch ist eine existenzielle Studie über Einsamkeit, Verlust und das Verstummen. Viele Passagen wirkten auf mich beklemmend aktuell – gerade in Zeiten, in denen Isolation plötzlich real wurde (Corona). Und doch blieb ich emotional auf Distanz. Vielleicht, weil die Erzählung so konsequent auf Innerlichkeit fokussiert ist. Vielleicht, weil es keine Entwicklung, keine Hoffnung gibt. Der letzte Satz: „Ich hoffe, sie kommt bald, denn ich will nicht mehr warten.“ (S. 223) hallt nach – als stiller Ruf nach Erlösung.

Fazit

Ein bedrückendes, gedankenreiches Buch, das aber emotional schwer zugänglich bleibt. Sprachlich kraftvoll, aber monoton – ich bewundere die Konsequenz, konnte aber keinen echten Lesegenuss empfinden. Deshalb muss ich - trotz der Bedeutsamkeit dieses Textes für die Literaturwelt - 2 von 5 Sternen geben. Leider hatte ich auch nicht die Zeit, mich dem Werk angemessen zu widmen, da sehr viel auch zwischen den Zeilen steht.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Ehrlicher Bericht, verpasste Chancen

Emotional Female
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Yumiko Kadota erzählt in "Emotional Female" ihren Weg von der ehrgeizigen Medizinstudentin zur erschöpften Ärztin, die am Ende einer schweren Depression und dem völligen Zusammenbruch steht. Das Buch begleitet ...

Yumiko Kadota erzählt in "Emotional Female" ihren Weg von der ehrgeizigen Medizinstudentin zur erschöpften Ärztin, die am Ende einer schweren Depression und dem völligen Zusammenbruch steht. Das Buch begleitet sie durch die Überlastung in einem öffentlichen Krankenhaus, den Umgang mit einem toxischen Arbeitsumfeld, sexueller Belästigung, und einem rigiden, von männlichen Hierarchien dominierten System. Als sie ihre Gesundheit verliert und eine Depression diagnostiziert wird, muss sie ihre Karriere neu überdenken und flüchtet in ein Yoga-Retreat. Dabei wirft sie einen schonungslosen Blick auf die Unmenschlichkeit im Gesundheitswesen und die Schwierigkeiten, als emotionaler Mensch dort zu bestehen.

Meine Meinung

"Emotional Female" zeigt schonungslos, wie das System junge Ärzt:innen kaputtmacht – aber leider bleibt mir Kadotas Darstellung zu eindimensional und es wird zu wenig kritisch reflektiert. Grad auch für ein Buch mit einem solchen Seitenumfang nicht nachvollziehbar.

Kadotas Erschöpfung wird aber sehr eindrücklich beschrieben:

„Ich arbeite jetzt den vierundzwanzigsten Tag am Stück, und ich glaube nicht, dass ich so weitermachen kann“ (S. 302).
Diese Worte machen klar, wie kaputt das System junge Ärzt:innen macht, wenn Überarbeitung, Sexismus und Mobbing die Norm sind. Die Antwort ihrer Vorgesetzten (durchhalten), ist symptomatisch für die Ignoranz, die oft herrscht – hier zeigt das Buch eindrucksvoll die Hilflosigkeit und Abgestumpftheit in Krankenhäusern.

Die Diagnose Depression wird als Schock dargestellt, den Kadota zunächst nicht wahrhaben will:

„Ich kann nicht depressiv sein. Ich bin ein glücklicher Mensch, nur momentan total erschöpft“ (S. 306).
Das Buch zeigt, wie Ärzte durch ihr eigenes Stigma gegenüber psychischer Erkrankung blockiert sind. Die Statistik, dass fast 50 % der Mediziner psychisch Erkrankte als weniger kompetent ansehen (S. 352), unterstreicht die Dringlichkeit, dieses Tabu zu brechen. Kadota gelingt es hier sehr gut, die Schattenseiten eines Berufsfeldes zu beleuchten, in dem Schwäche keine Rolle zu spielen scheint.

Doch genau hier hätte ich mir noch mehr kritische Reflexion gewünscht: Warum wird das System nicht stärker hinterfragt? Warum sind Führungskräfte, die noch selbstbestimmt handeln könnten, nicht präsent? Die Autorin bleibt stellenweise zu passiv und akzeptiert das Unrecht fast als unabänderlich, anstatt die Strukturen tiefer zu analysieren.

Besonders irritierend finde ich Kadotas Schilderung ihres Yoga-Retreats. Die Gruppe besteht fast ausschließlich aus weißen westlichen Frauen, die Einheimischen bleiben unsichtbar (S. 313). Das Thema kulturelle Aneignung wird angeschnitten, aber nicht kritisch bearbeitet. Das Retreat wirkt wie eine Flucht, die problematische Aspekte des Yoga-Tourismus nicht hinterfragt. Stattdessen wird Spiritualität als Ersatzlösung präsentiert, ohne die Wurzeln des Problems anzugehen. Diese Entkopplung von kultureller und politischer Realität schwächt die Botschaft des Buches an dieser Stelle deutlich.

Die emotionale Seite im Beruf wird ebenfalls problematisch dargestellt. Kadota bekommt den Ratschlag, ihre Gefühle vor Chirurgen nicht zu zeigen, weil sie als Schwäche ausgelegt werden könnten (S. 310). Das zeigt die fehlende Empathie im System, gleichzeitig aber auch die Anpassungszwänge, denen junge Ärzt:innen ausgesetzt sind. Kadotas Emotionalität wird hier fast als Makel stigmatisiert – was das Buch gut herausarbeitet, aber ebenfalls nicht hinterfragt, wie das System geändert werden könnte, damit solche menschlichen Eigenschaften keinen Nachteil mehr bedeuten.

Die Stärke von "Emotional Female" liegt definitiv in der ehrlichen und persönlichen Schilderung der psychischen Belastungen und der Tabuisierung von Burnout im Gesundheitswesen. Kadotas mutiger Schritt, öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen, ist ein wichtiger Beitrag, der zeigt, dass es so nicht weitergehen darf. Dennoch hat mir der Blick für das große Ganze gefehlt, das Buch bleibt bei der persönlichen Geschichte - eine tiefere Kritik am System und an gesellschaftlichen Strukturen fehlen.

Fazit

"Emotional Female" ist eine mutige und ehrliche Schilderung einer jungen Ärztin, die an den übermenschlichen, unmenschlichen Anforderungen ihres Berufs zerbricht. Die eindrücklichen Schilderungen von Burnout, Depression und Sexismus im Krankenhaus sind wichtig und notwendig. Dennoch bleibt die Darstellung zu eindimensional und vermeidet eine kritischere Analyse und die Ursachen des Systems gespickt mit Zahlen, Daten, Fakten. Für diese verpassten Chancen gibt es 2 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

„Todesruf“ – ein müder Fall für Julia Durant

Todesruf
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Mit „Todesruf“, dem 22. Fall rund um Kommissarin Julia Durant, setzen Andreas Franz und Daniel Holbe ihre bekannte Frankfurt-Krimireihe fort – diesmal mit einem brutalen Mord an einer jungen Prostituierten ...

Mit „Todesruf“, dem 22. Fall rund um Kommissarin Julia Durant, setzen Andreas Franz und Daniel Holbe ihre bekannte Frankfurt-Krimireihe fort – diesmal mit einem brutalen Mord an einer jungen Prostituierten zur Weihnachtszeit. Andreas Franz war einer der erfolgreichsten deutschen Krimiautoren und bekannt für seine spannungsgeladenen Thriller mit authentischen Einblicken in Polizeiarbeit. Nach seinem Tod 2011 führte Daniel Holbe die Reihe weiter – als Fan, der zum Mitautor wurde.

Worum geht’s genau?
Frankfurt, Heiligabend: Eine junge Frau verschwindet auf dem Weg zur Arbeit – sie wird später tot aufgefunden. Der Fall trifft Kommissarin Julia Durant emotional, nicht nur wegen der Brutalität, sondern auch, weil sie mitten in den Vorbereitungen für ihre Hochzeit steckt. Bald meldet sich ihr Kollege Peter Brandt mit einem ähnlichen Fall in Offenbach: Wieder wurde eine Prostituierte ermordet. Beide Frauen arbeiteten nicht unabhängig, sondern waren Teil eines kriminellen Netzwerks. Die Ermittlungen führen Julia und ihr Team in ein undurchsichtiges Geflecht aus Zuhälterei, Machtkämpfen und rivalisierenden Clans – und schon bald geraten sie selbst ins Visier.

Meine Meinung
Ich bin mit der Durant-Reihe nicht neu – aber "Todesruf" war vermutlich mein letzter Fall mit ihr. Das Buch ist für mich ein Paradebeispiel dafür, warum man Serien nicht endlos weiterführen sollte. Die Spannung, die ich an den früheren Fällen so geschätzt habe, war hier leider kaum spürbar. Über weite Strecken war der Plot langatmig, der Erzählfluss stockte, und ich fand es zunehmend schwierig, mich wirklich ins Geschehen hineinzuziehen. Besonders enttäuschend: Der Täter tauchte völlig aus dem Nichts auf – das nimmt mir als Leserin die Möglichkeit, mitzufiebern und mitzurätseln.

Auch bei der Ermittlungsarbeit bin ich mehrfach über Unstimmigkeiten gestolpert. Manche Entscheidungen wirkten konstruiert oder wenig glaubhaft – was das Leseerlebnis zusätzlich trübte. Immer wieder wird betont, dass Julia Durant technikfern ist. Ein, zwei Hinweise wären ausreichend gewesen, doch die ständige Wiederholung wirkte ermüdend. Ebenso schade: Julias Charakter hat über die Jahre viel von ihrer früheren Tiefe und Faszination verloren. Früher war sie scharfsinnig, tough, eine starke Ermittlerin mit Ecken und Kanten. In Todesruf plätschert sie eher passiv durch den Fall.

Ich habe das Hörbuch gehört – Julia Fischer liest ruhig und solide, keine Frage. Aber auch sie konnte mich nicht fesseln. Die Stimme fehlte mir an Varianz und Ausdruck, was das ohnehin schleppende Tempo noch verstärkte.

Fazit
Für mich bleibt "Todesruf "leider ein enttäuschender Band in einer Reihe, die mal großartig war. Wenig Spannung, ein beliebig wirkender Täter und eine blass gewordene Protagonistin machen das Buch zu einem müden Krimiabend. Deshalb gibt’s von mir nur 2 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Von Glückskeksen zur Gewaltspirale: Warum mich Yoko verlor

Yoko
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In Yoko erzählt Bernhard Aichner die Geschichte einer jungen Frau, die alles verliert – und zur Mörderin wird. Bernhard Aichner ist bekannt für seine dichten Thriller mit klarem Stil. Der vielfach ausgezeichnete ...

In Yoko erzählt Bernhard Aichner die Geschichte einer jungen Frau, die alles verliert – und zur Mörderin wird. Bernhard Aichner ist bekannt für seine dichten Thriller mit klarem Stil. Der vielfach ausgezeichnete Autor und Fotograf wurde mit der Totenfrau-Trilogie einem breiten Publikum bekannt. In Yoko erzählt er die Geschichte einer jungen Frau, die scheinbar zufällig aus einem geordneten Leben gerissen wird – und zur Mörderin wird.

Inhalt
Yoko, Ende zwanzig, hat ihre Metzgerei in eine Glückskeks-Manufaktur verwandelt und lebt ein ruhiges, erfülltes Leben. Doch als sie bei einer Lieferung in einem Restaurant versucht, einem gequälten Hund zu helfen, ändert sich alles. Was mit einer mutigen Geste beginnt, endet in Gewalt, Missbrauch und Verlust. Yoko verliert alles – und beginnt, sich zu rächen. Kompromisslos. Brutal.

Meine Meinung
Ich habe die ungekürzte Hörbuchfassung gehört – gelesen von Vera Teltz, die ihren Job sehr gut macht. Empfohlen wurde mir das Buch aus dem Bekanntenkreis, auch weil bald der zweite Teil John erscheint. Also dachte ich: Jetzt oder nie. Leider konnte das Buch meinen Erwartungen nicht standhalten.

Schon nach wenigen Kapiteln merkte ich, dass das zentrale Thema Rache mir persönlich gar nicht liegt. Die Wandlung von der sensiblen Glückskeks-Unternehmerin zur eiskalten Mörderin wurde für mich nicht nachvollziehbar dargestellt. Die psychologische Tiefe fehlte, der Übergang wirkte überzeichnet und wie eien andere Rezensentin anmerkt: "Der Anfang war super, aber anschließend hat mich die ganze Geschichte total an Kill Bill erinnert."

Die Gewaltszenen, vor allem die Missbrauchsgeschichten, waren schwer zu ertragen. Eine andere Rezensentin hat es passenderweise so zusammengefasst: "Ich wundere mich,wie kein einziger Mensch während der Entstehung des Romans die Frage gestellt hat, ob es vielleicht eine gute Idee ist, wenn ein Mann die Erfahrung einer Frau während einer Vergewaltigung und ihr damit verbundenes Trauma beschreibt und als Auslöser für ihre Charakterentwicklung(!) nutzt. "

Der gesamte Plot fühlt sich an vielen Stellen mehr zufällig als logisch an. Der Spannungsbogen baute sich kaum auf, die Dialoge wirkten aufgesetzt und die Hauptfigur blieb mir emotional fremd. So blieb bei mir vor allem ein Gefühl von emotionaler Leere. Die Geschichte wollte intensiv sein, hat mich aber an keinem Punkt gepackt oder berührt.

Fazit
Yoko bleibt für mich ein Thriller ohne echte Tiefe. Zu konstruiert, zu brutal, zu kalt. Was spannend und intensiv hätte sein können, hat mich am Ende nur enttäuscht. 2 von 5 Sternen.

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