Ein Herz für Haymitch
Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht anDie ursprüngliche page-trilogie ist etwas mehr als zehn Jahre her. Umso spannender war es für mich, erneut in die Welt von Panem zurückzukehren. Schon lange habe ich auf Social Media gesehen, wie begeistert ...
Die ursprüngliche page-trilogie ist etwas mehr als zehn Jahre her. Umso spannender war es für mich, erneut in die Welt von Panem zurückzukehren. Schon lange habe ich auf Social Media gesehen, wie begeistert Leser:innen von diesem neuen Band sind und ich kann mich dem nur anschließen. Für mich war "L – Der Tag bricht an" ein rundum gelungener Abschluss.
Eigentlich bin ich kein Fan von Spin-Offs oder nachträglich hinzugefügten Bänden, die Geschichten einzelner Charaktere ausschmücken. Umso mehr hat mich überrascht, wie sehr mich „L" gefesselt hat. Hier steht Haymitch im Mittelpunkt und seine Geschichte ist von Anfang bis Ende berührend, schockierend und tief bewegend. Besonders stark fand ich, wie Suzanne Collins zeigt, warum Haymitch in der Originalreihe distanziert ist, oft auch zynisch gegenüber anderen Menschen insbesondere Katniss und Peeta, sein Alkoholproblem, sein gebrochener Charakter – all das erhält eine bedrückende Erklärung. Man versteht ihn dadurch nicht nur besser, sondern schließt ihn sogar noch mehr ins Herz. Gerade die letzten Kapitel haben mir sehr wehgetan und mich traurig gestimmt.
Das Buch macht außerdem deutlich, wie brutal, willkürlich und manipulativ das Kapitol ist. Die Spiele sind nicht nur ein Überlebenskampf in der Arena, sondern vor allem ein Schauplatz politischer Intrigen, in dem Macht über Wahrheit gestellt wird. Die Willkür, mit der Menschen dargestellt oder bestraft werden, ist erschreckend.
Der Autorin gelingt es, diese düstre und teils traurige Thematik packend und geheimnisvoll zu erzählen. Sie reißt manches nur an, streut kleine Easter Eggs ein und bringt so immer wieder Momente des Wiedererkennens und Staunens. Und obwohl man als Leser:in der Trilogie bereits weiß, wie die Geschichte enden wird, kommt Spannung auf. Gleichzeitig begegnen wir bekannten Figuren aus der Trilogie und erstellen bereits kleine Familienstammbäume, was total schön und interessant ist.
Besonders gelungen finde ich, dass man das Buch auch gut unabhängig vom Snow-Prequel lesen kann. Wer dieses kennt, entdeckt sicherlich zusätzliche Anspielungen, aber zwingend notwendig ist es nicht. Für mich war gerade „L" das Buch, das mich wieder so richtig in Panem eintauchen ließ.
Insgesamt lässt sich sagen, dass "L – Der Tag bricht an“, ein intensives, traurig-schönes und absolut lesenswertes Werk ist. Wer die ursprüngliche Trilogie mochte, sollte Haymitchs Geschichte auf keinen Fall verpassen. Für mich war es ein emotionales Wiedersehen mit einer Welt, die mich schon vor einigen Jahren bewegt und diesmal vielleicht sogar noch tiefer berührt hat.