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Veröffentlicht am 08.08.2025

Fiese Kinder(geister)

Meine Freundin Helen - Eine Geistergeschichte
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Irgendwie schön, auch mal schmale Bücher zu lesen. Und dann auch noch eine Gruselgeschichte. Und dann dieses nostalgische Cover. 𝐌𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐅𝐫𝐞𝐮𝐧𝐝𝐢𝐧 𝐇𝐞𝐥𝐞𝐧 erfüllte so einige Kriterien, die mich von einem Kauf ...

Irgendwie schön, auch mal schmale Bücher zu lesen. Und dann auch noch eine Gruselgeschichte. Und dann dieses nostalgische Cover. 𝐌𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐅𝐫𝐞𝐮𝐧𝐝𝐢𝐧 𝐇𝐞𝐥𝐞𝐧 erfüllte so einige Kriterien, die mich von einem Kauf überzeugt haben. Und perfekt in den Sommer passt die Geschichte auch noch.

Die Geschwister Molly und Michael ziehen mit ihren Eltern auf das Land. Mit dabei ist auch Stiefschwester Heather und die ist ein wahrer Satansbraten. Sie stiftet Unruhe wo sie nur kann, beschuldigt ihre neuen Geschwister und gibt sich selbst gern als Opfer aus.
Das neue Zuhause ist eine umgebaute Kirche und einen Friedhof gibt es gratis dazu. Für Molly ist das alles viel zu gruselig und es kommt noch schlimmer, als das versteckte Grab eines kleinen Mädchens auftaucht, welches Heather zu ihrer neuen Freundin auserkoren hat.
Doch Helen, so ihr Name, scheint mehr zu sein als nur ein Hirngespinst. Und so wird der ruhelose Geist Heather’s Komplizin im Kampf gegen die neue Familie.

Oh wow, es ist schon eine Weile her, dass mich eine Romanfigur so wütend gemacht hat wie Heather. So eine bösartige kleine Göre, Trauma hin oder her. Und dann auch noch die Eltern, die sich von ihr einwickeln lassen. So viel Ungerechtigkeit, ich konnte manchmal nur den Kopf schütteln.

Ansonsten bietet der Roman das perfekte Horror-Setting. Als wäre ein Friedhof im Garten nicht schon gruselig genug, gibt es auch noch einen unheimlichen See und die Ruine eines heruntergebrannten Hauses.

Das mit dem Gruselfaktor ist eine interessante Sache. Es hat durchaus etwas von einer Geistergeschichte für Kinder. Einen bläulich schimmernden Geist finde ich als Erwachsene eher nicht gruselig. Aber dann gibt es auch wieder Stellen, die ich für Kinder viel zu unheimlich finde.
Am Ende wird auch erwähnt, dass genau das auch immer ein Problem bei den Büchern der Autorin war.
Na jedenfalls ich hätte das Buch als Kind geliebt!

Manchmal hatte der Roman fast Stephen King Vibes, nur ohne richtige Schockmomente und das Ende passt dann auch wieder mehr in die Kinderbuch Sparte.

Ich würde auf jeden Fall gern noch mehr Bücher der Autorin lesen.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Düstere Legenden und wahre Albträume

Was im Dunkeln Schatten wirft
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Schon in meiner Kindheit habe ich es geliebt mich zu gruseln und genug Stoff dazu boten mir Sagen mit ihrem eher ländlichen Charakter und wo auch immer ein Fünkchen Wahrheit drinsteckte.
Ganz ähnlich handhabt ...

Schon in meiner Kindheit habe ich es geliebt mich zu gruseln und genug Stoff dazu boten mir Sagen mit ihrem eher ländlichen Charakter und wo auch immer ein Fünkchen Wahrheit drinsteckte.
Ganz ähnlich handhabt es Josefine Lyda in ihrer Novelle 𝐖𝐚𝐬 𝐢𝐦 𝐃𝐮𝐧𝐤𝐞𝐥𝐧 𝐒𝐜𝐡𝐚𝐭𝐭𝐞𝐧 𝐰𝐢𝐫𝐟𝐭.

Die Geschichte spielt in Tegel Anfangs des 19. Jahrhundert und beginnt direkt mit einer Beerdigung. Der alte Müller ist gestorben und mit seinem Tod entbrennt ein Zwist zwischen den Brüdern. Während Jakob in der Mühle körperlich schuftet, ist Benjamin für den Papierkram zuständig und hat damit die lukrativere Position.
Stress und Sticheleien setzen Benjamin zu, nicht mal im Schlaf findet er Ruhe. Vermeintlich träumend sucht er die Dicke Marie auf, ein sagenumwobener Baum, von dem man sich besonders Nachts fernhalten sollte. Da erscheint ihm die schöne Magdalena, bevor ihn etwas angreift.
Am nächsten morgen ist Jakob verschwunden und Benjamin scheint vom Pech verfolgt.
Was geschah in jener Nacht an der Dicken Marie? Was ist Traum und was Wirklichkeit?

Die Autorin greift hier die Legende des Nachtmahrs auf, einem Dämon, der sich von seinem Opfer nährt und ihm Albträume beschert. Das hat zuletzt schon T. Kingfisher mit „Was die Nacht verschweigt“ versucht und mich damit nicht ganz überzeugt. Das hier allerdings schon.

Die Geschichte hat eine ganz unheilvolle Atmosphäre, ist schlicht und fängt den Charakter jener Zeit auf dem Land gut ein. Auch wenn wir Tegel heute eher mit dem Flughafen verbinden, gibt es mit der Dicken Marie einen realen Bezug und der Baum existiert auch heute noch.

Sympathische Figuren sucht macht hier allerdings vergebens. Alle sind irgendwie hinterhältig, unfreundlich und gemein. Ausgenommen die arme Hausmagd. Das bereitet allerdings auch den Weg für eine wünschenswerte Charakterentwicklung.

Loben möchte ich auch die wirklich hübsche Gestaltung des Büchleins, mit Gemälden, Zeichnungen und passend gestalteten Layout, die die Stimmung der Geschichte perfekt einfangen.

„Was im Dunkeln Schatten wirft“ ist die perfekte, kleine Schauergeschichte. Am besten für kühle Herbstabende bei Kerzenschein.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Es war einmal ein Schloss

Die fernen Stunden
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Neben 𝐃𝐞𝐫 𝐯𝐞𝐫𝐛𝐨𝐫𝐠𝐞𝐧𝐞 𝐆𝐚𝐫𝐭𝐞𝐧, ist 𝐃𝐢𝐞 𝐟𝐞𝐫𝐧𝐞𝐧 𝐒𝐭𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧 mein zweitliebster Roman von Kate Morton. Waren das noch Zeiten, als alte Schlösser und ehrwürdige Familien die Hauptrolle in ihren Romanen spielten….

Im ...

Neben 𝐃𝐞𝐫 𝐯𝐞𝐫𝐛𝐨𝐫𝐠𝐞𝐧𝐞 𝐆𝐚𝐫𝐭𝐞𝐧, ist 𝐃𝐢𝐞 𝐟𝐞𝐫𝐧𝐞𝐧 𝐒𝐭𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧 mein zweitliebster Roman von Kate Morton. Waren das noch Zeiten, als alte Schlösser und ehrwürdige Familien die Hauptrolle in ihren Romanen spielten….

Im Jahr 1993 leben die drei greisen Schwestern Blythe in dem zunehmend verfallenen Schloss Milderhurst. Vom einstigen Glanz ist nicht viel übrig, von unerfüllten Hoffnungen umso mehr.
Von der Welt fast vergessen, werden sie von der jungen Lektorin Edie überrascht. Diese folgt einem vor Jahren verschwundenen Brief ihrer Mutter, welche in den 30ern als Evakuierte im Schloss lebte. Um ihrer entfremdeten Mutter näher zu kommen, beschließt sie dem geheimnisvollen Brief auf den Grund zu gehen. Dieser führt sie zur jüngsten der drei Schwestern und ihrer traurigen Vergangenheit.

Schloss Milderhurst ist ein wahr gewordener Traum für alle, die den morbiden Charme alter Gemäuer lieben. Man sollte einige Schlösser genauso konservieren, wie sie um 1900 ausgehen haben.

Kate Morton beschreibt, und ich finde das wird in diesem Roman besonders deutlich, die Atmosphäre eines alten Schlosses so perfekt, dass man förmlich selbst durch die staubigen Flure wandelt, in denen das Echo der Vergangenheit widerhallt.

Da war ich manchmal fast beleidigt, als zwei der Schwestern das Schloss am liebsten für immer hinter sich lassen würden. Warum Milderhurst aber für sie mit so viel Schrecken verbunden ist, wird natürlich aufgeklärt und führt uns zu dem typischen melancholischen Ende, das wir von Kate Morton so gut kennen.

Ich mag solche Enden ja, auch wenn sie mir manchmal zu traurig sind. Hier hat es für mich aber gepasst, da ein kleiner Teil des Romans dermaßen romantisch war, dass ich den tragischen Ausgang der Liebesgeschichte als Ausgleich brauchte.

Ausgangspunkt des ganzen Unglücks ist der Roman im Roman, „Die wahre Geschichte vom Modermann“, geschrieben vom Vater der drei Schwestern, einem Autor, der später den Verstand verloren hat. Ähnlich wie in „Der verborgene Garten“, stellt Kate Morton auch hier ihr Talent als Märchenerzählerin unter Beweis. Nur handelt es sich dieses mal um ein wahres Horrormärchen, dessen Ursprung noch grauenvoller ist.

Rückblickend ist es wohl eher ein Buch für den Herbst, aber da der Sommer bis vor kurzem eh sehr herbstlich war, hat es doch irgendwie gepasst.

Schloss Milderhurst konnte mich erneut in seinen Bann ziehen und bekommt von mir

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Das Schicksal armer Viktorianer

The Five
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Und weiter geht‘s mit meiner Jack the Ripper Reise. Über kaum etwas lese ich lieber, als über das viktorianische England mit all seinem Glanz, aber vor allem auch Schattenseiten.
Die Geschichte von Jack ...

Und weiter geht‘s mit meiner Jack the Ripper Reise. Über kaum etwas lese ich lieber, als über das viktorianische England mit all seinem Glanz, aber vor allem auch Schattenseiten.
Die Geschichte von Jack the Ripper kennen wir alle. Aber auch die seiner Opfer? Hallie Rubenhold räumt mit einigen angeblichen Fakten auf, aber vor allem mit einer, nämlich das die fünf Opfer alle Prostituierte waren.

Egal ob in Filmen, Romanen oder Dokumentationen, dass Jack the Ripper Prostituierte ermordet hat, gilt als unumstößliche Tatsache. Nach diesem Buch steht allerdings fest, dass es bei drei dieser fünf Frauen keinerlei Beweise dafür gibt. Vielmehr wurden Frauen, die getrennt von ihren Ehemännern lebten und ohne festen Wohnsitz waren oft als Prostituierte abgestempelt.

Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly. Jeder der fünf Frauen wird ein Kapitel gewidmet. Wir erfahren, mal mehr, mal weniger ausführlich, wie und in welchen Verhältnissen die Frauen aufgewachsen sind. Dass sie mitunter Ehefrauen und Mütter waren und in geregelten Verhältnissen gelebt haben. Wie sie ihren Weg auf die schmutzigen Straßen Londons fanden und zum Teil schwer krank von einem Tag zum nächsten überlebten.
Eine Sache zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch die fünf Schicksale: Die Alkoholsucht.
Und auch wenn Alkohol nie eine Lösung ist, hat man doch Verständnis, dass viele Menschen zu jener Zeit keine Alternative sahen.

Zum Ende jeden Kapitels beschreibt die Autorin, wie die letzten Minuten vor dem Tod der Frauen ausgesehen haben könnten und stützt sich dabei auch auf Zeugenaussagen. Die Morde und Leichen bleiben auf respektvolle Weise unkommentiert, denn Ziel dieses Buches ist es auch, dass wir sie nicht mehr als die entstellten Opfer, sondern als vom Schicksal gebeutelte Frauen sehen. Das gelingt so gut, dass einem beim lesen der letzten Zeilen jedes mal die Tränen kommen und man zutiefst Mitleid empfindet.

Abgesehen von den jeweiligen Biografien, bekommen wir auch einen interessanten wie schockierenden Einblick in die Möglichkeiten, welche mittellose Frauen zu jener Zeit hatten. Warum viele die Straße dem Armenhaus vorzogen und warum überhaupt der Eindruck entstehen konnte, dass Mary Ann, Annie und Catherine Prostituierte waren.

Und wenn man denkt, man kann nicht noch betroffener sein, gibt es am Ende noch eine Auflistung der Habseligkeiten, welche die Frauen bei ihrer Ermordung bei sich trugen. Ein Menschenleben reduziert auf wenige Gegenstände, die doch eine gewisse Bedeutung für deren Besitzer gehabt haben müssen und ihre ganz eigene Geschichte erzählen.

In der Mitte des Buches befinden sich außerdem noch einige Abbildungen. Keine der Leichen wohlgemerkt, sondern, falls vorhanden, Fotos der Frauen und ihrer Familie vor ihrem Abstieg, Zeichnungen oder auch ehemalige oder letzte Adressen.

Ich werde jetzt sicher jeden Bericht, Film, Roman und jede Dokumentation über das Thema mit anderen Augen sehen und vermutlich herb enttäuscht sein, wenn alle Opfer wieder als Prostituierte bezeichnet oder darauf reduziert werden. Denn auch wenn zwei der Frauen, und nur eine zum Zeitpunkt der Morde, nachweislich diesem Gewerbe nachgegangen sind, ist es nicht fair, sie nur als Huren zu sehen, während dem Mörder viel mehr Aufmerksamkeit zu Teil wird. Dieses Buch schafft es meisterhaft, diesen Frauen eine Stimme zu geben. Und nicht nur ihnen, sondern auch der armen Bevölkerung einen ganzen Epoche.

Absolut empfehlenswert, ob ihr euch nun für Jack the Ripper oder Geschichte interessiert.

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Veröffentlicht am 06.05.2025

Schatten unter der Sonne Spaniens

True Crime Spanien
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Auch True Crime Spanien wartet mit einem mitreissenden Mix aus Mord, Betrug und anderen Kriminalfällen auf. Mir persönlich war keiner der hier dargelegten Fälle bekannt.
Als kleinen Bonus gibt es bei einigen ...

Auch True Crime Spanien wartet mit einem mitreissenden Mix aus Mord, Betrug und anderen Kriminalfällen auf. Mir persönlich war keiner der hier dargelegten Fälle bekannt.
Als kleinen Bonus gibt es bei einigen Fällen den Hinweis, dass man sich dazu Dokumentationen auf Netflix anschauen kann. Das habe ich bei dem Fall gemacht, der mich am meisten berührt hat, nämlich die Alcasser Mädchen. Ich finde das ist der schlimmste Fall des Buches, aber auch der bewegendste.
Besonders gut haben mir dieses mal die Zitate zu Anfang jeden Kapitels gefallen. Die gibt es zwar bei jedem True Crime Band, aber hier haben sie richtig gut gepasst und für Gänsehaut gesorgt.
Bei speziell einem Fall hatte ich das Gefühl, es fehlt irgendwas, aber wenn man danach recherchiert, stellt man fest, dass der Mord schlichtweg zu mysteriös war und man tatsächlich nie zu einem endgültigen Ergebnis gekommen ist. Das ist ein bisschen frustrierend und leider auch nicht der einzige Fall. Jedoch ein guter Grund für einen Deep Dive.
Wieder eine sehr respektvolle Aufarbeitung schockierender Kriminalfälle.

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