Profilbild von jamjam

jamjam

Lesejury Star
offline

jamjam ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit jamjam über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2025

Anders als erwartet, dennoch sehr unterhaltsam und bewegend.

Die Bibliothek meines Großvaters
0

"Alles, was gerade passiert, soll so passieren." Meine Interpretation davon lautet: Alles, was passiert, ist eine Geschichte, noch dazu eine mit Happy End.
2. Kapitel

Und so macht Kaede aus allem eine ...

"Alles, was gerade passiert, soll so passieren." Meine Interpretation davon lautet: Alles, was passiert, ist eine Geschichte, noch dazu eine mit Happy End.
2. Kapitel

Und so macht Kaede aus allem eine Geschichte - gemeinsam mit ihrem geliebten Großvater. Er hat eine seltene Form von Demenz, sieht manchmal Dinge und Lebewesen, die nicht da sind. Und er war schon immer sehr belesen, ein großer Fan von Krimis. So verwickelt ihn Kaede in Rätsel, die ihr in ihrem Leben und dem ihrer Bekannten auftauchen.
Und das sind einige, Mord, eine verschwundene Lehrerin, und der geheimnisvolle Stalker, der Kaede das Leben schwer macht.
Mit seinem Scharfsinn und seinem Sinn für Details löst ihr Großvater jeden Fall - indem er eine Geschichte daraus macht, bis sie stimmig ist. Kaede ist selbst begeisterte Krimileserin und an komplexe Zusammenhänge gewöhnt, dennoch ist es immer ihr Großvater, der die letzten Puzzlestücke zusammensetzt.
"Die Bibliothek meines Großvaters" war anders, als ich es erwartet habe, aber überraschend und interessant. Auch wenn manche Auflösungen ganz schön spektakulär waren, hat es mich dennoch gut unterhalten
Kaede ist ansonsten eher zurückhaltend, doch ihr Kollege Iwata und sein exzentrischer Freund Shiki verwickeln sie immer wieder in packende Geschehnisse, mit denen sie ihren Großvater unterhält und geistig anspornt.
Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse und ihr Großvater kann noch einmal seine ganze (Geistes-)kraft zeigen.
Das eigentlich überraschende Finale sah ich kommen, fand es aber sehr stimmig und als würdigen Abschluss.
Fazit:
Anders als erwartet, dennoch sehr unterhaltsam und bewegend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2025

Eine wunderbare Insel mit herzensguten Bewohnern - und einigen Problemen.

Sommer auf Kanelholmen
0

Cornelia will nur noch eines: Weg aus Stockholm, weg von "A", die sie immer wieder aufstöbert und von der sie doch nie wieder etwas hören will. Hals über Kopf flüchtet sie auf die kleine Schäreninsel Kanelholmen. ...

Cornelia will nur noch eines: Weg aus Stockholm, weg von "A", die sie immer wieder aufstöbert und von der sie doch nie wieder etwas hören will. Hals über Kopf flüchtet sie auf die kleine Schäreninsel Kanelholmen. Auf der Fähre begegnet ihr ein alter Mann, der sie sofort an ihren geliebten Großvater erinnert, der sie aufgezogen hat.
Cornelia hilft dem Mann von der Fähre - und bekommt spontan eine kleine Wohnung in seinem Haus. Leider ist diese restlos zugemüllt, seit der Vormieter Matte spurlos verschwunden ist. Eine harte Aufgabe für Cornelia, die Zwangsstörungen hat und immer ihr Desinfektionsmittel zur Hand. Doch sie wächst über sich hinaus und auch die restlichen Bewohner des Hauses samt angeschlossenen Hundeheim finden rasch den Weg in ihr Herz.
Als Cornelia Lollo kennenlernt, scheint sie endgültig angekommen...
Ich habe mich sehr auf dieses Hörbuch gefreut, einen Kurzurlaub im Norden, Seewind und Gemütlichkeit. Cornelia fand ich von Anfang an nett, aber wirklich fasziniert hat mich Lollo. In ihren Vintageklamotten hatte die begeisterte Schrauberin sofort meine Aufmerksamkeit. Cornelia hat eine schwierige Vergangenheit, doch Lollo gegenüber öffnet sie sich schnell. Für meinen Geschmack zu schnell. Sie erzählt ihr gleich bei der ersten Begegnung von ihren Problemen. Cornelia war immer wieder das Opfer von Mobbing und dass sie so schnell so tief blicken lässt, war für mich nicht stimmig.
Generell greift das Buch sehr große Themen auf, Zwangsstörung, Depressionen, Mobbing, frühen Verlust - aber kratzt mir dabei zu sehr an der Oberfläche. Gerade bei Cornelia hätte ich mir da etwas Zeit erwartet, bis ihre Wunden heilen.
Die Insel selbst ist wunderbar, die Beschreibungen der Umgebung, der Feste, hat mich wegträumen lassen.
Der Handlungsstrang mit Matte war mir ein Drama zu viel, dessen Verlauf für mich nicht gepasst hat. Auf den letzten Metern fühlte es sich an, dass noch schnell alle losen Enden verknüpft werden müssen, das war zu viel zu rasch.
Dennoch: Lollo und vor allem Kanelholmen haben mir sehr gut gefallen und einiges wettgemacht!
Gelesen ist das Hörbuch von Marion Dreiseitel, die vor allem Cornelia und ihre ruhige Art sehr gut rübergebracht hat.
Fazit:
Eine wunderbare Insel mit herzensguten Bewohnern - und einigen Problemen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.07.2025

Akzeptanz als Weg zum Glück, ein interessanter Ansatz.

Das Happiness-Paradox
0

"Beurteilen Sie die Lage und nehmen Sie die Tatsachen zur Kenntnis. Schrecken Sie nicht vor der harschen Realität zurück. Akzeptieren Sie sie so, wie sie ist. Und anschließend können Sie, aufbauend auf ...

"Beurteilen Sie die Lage und nehmen Sie die Tatsachen zur Kenntnis. Schrecken Sie nicht vor der harschen Realität zurück. Akzeptieren Sie sie so, wie sie ist. Und anschließend können Sie, aufbauend auf dieser realistischen Beurteilung der Lage, Ihren eigenen Weg zu jenen Dingen, die Ihnen etwas bedeuten, erarbeiten."

Kapitel 5

Warum werden wir in der westlichen Welt, die so sehr nach Glück strebt, immer unglücklicher? Diese Frage beschäftigt den Philosoph und Psychologen Dr. Frank Martela. In diesem Buch versucht er sich an einer Antwort, und uns einen Weg zu zeigen, auf dem wir weniger nach Glück suchen, dafür umso mehr davon finden.

Er beschäftigt sich mit der finnischen Mentalität, denn Finnland wurde mehrfach zum glücklichsten Land gekürt, obwohl sie sich nichts aus Glücklichsein machen. Die Antwort ist: "Nicht obwohl, sondern weil".

Seine Tipps für mehr Glück: Sich von seinem Ego ebenso wie von seinen Erwartungen verabschieden, um dann das eigene Leben leben zu können.

Seine Antworten ergaben oft Sinn für mich, zum Beispiel, dass viele ein falsches Maß von Glück haben. Manche glauben, sie werden glücklich, wenn sie endlich das bessere Auto, den tolleren Job, mehr auf dem Konto haben als andere - um dann enttäuscht zu sein, weil sich kein Glücksgefühl einstellen will. Dabei wird vergessen, dass jeder andere Werte hat und einen ein teures Auto nur glücklich macht, tja, wenn man teure Autos mag.

Er führt Lehren der großen Stoiker an, um die Wichtigkeit von bedingungsloser Akzeptanz aufzuzeigen. Denn erst, wenn man die aktuelle Situation akzeptiert, die eigene Sterblichkeit, erkennt man den eigenen Handlungsrahmen und kann in diesem agieren.

Ich persönlich habe mich bis jetzt gar nicht mit dem Stoizismus beschäftigt, diese Ansätze waren für mich neu - und manche etwas zu heftig. Nach dem Lesen des Buches habe ich einige neue Ideen bekommen, aber die große Antwort noch nicht gefunden. Das Erkennen, was im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt, ist für mich schwer. Wo hört Akzeptanz auf und fängt Resignieren an?

Wie gesagt, manche Ansätze waren mir persönlich zu radikal und ich hatte beim Lesen zu kämpfen, um nicht eher in Loch zu fallen.

Fazit:

Akzeptanz als Weg zum Glück, ein interessanter Ansatz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2025

Eine interessante Geschichte über Vergänglichkeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Ja, nein, vielleicht
0

"Als ich im Badezimmer am Spiegel vorbei zum Handtuchregal ging, sah ich darin eine älter Frau mit grauen Haaren und ernstem Gesicht, in Gedanken, nicht ganz glücklich."

20. Kapitel

Eigentlich ist die ...

"Als ich im Badezimmer am Spiegel vorbei zum Handtuchregal ging, sah ich darin eine älter Frau mit grauen Haaren und ernstem Gesicht, in Gedanken, nicht ganz glücklich."

20. Kapitel

Eigentlich ist die Protagonistin ganz zufrieden mit ihrem Leben. Geschieden, die Kinder aus dem Gröbsten raus, pendelt sie zwischen ihrer Wohnung in der Stadt und ihrem ehemaligen Ferienhaus im Waldviertel. Doch das Glück bröckelt. Ein Zahn droht auszufallen, das Haus hat neue Risse und ihr wird die Vergänglichkeit vor Augen geführt, auch ihre eigene. In all dem trifft sie zufällig auf einen Mann aus ihrer Vergangenheit, Friedrich.

Hat sie in ihrem Leben Platz für eine neue, alte Liebe? Will er diesen Platz? Und ist sie überhaupt bereit, ihm diesen Platz einzuräumen?

Sie hat mit der Vergangenheit abgeschlossen, auch mit den Männern. Aber als sich dann Friedrich am Horizont auftut, gerät sie doch ins Wanken.

Mir haben gerade diese Gedanken sehr gut gefallen, ebenso wie ihre emotionalen Ausflüge in die Vergangenheit. Denn egal wie alt man ist, wenn man auf die Nachricht einer Person wartet, reagiert man wohl immer mit dem gleichen Gefühlschaos. Auch, wenn man nicht mal sicher ist, ob man diese Person in sein Leben lassen will, in der Luft will niemand hängen.

Die neue Unsicherheit, über seine und ihre Absichten, müssen dann angesichts eines drohenden Dramas Platz machen. Und sie stellt fest, dass da eigentlich viel mehr in ihrem Leben ist, viel mehr Liebe und Freundschaft und Zusammenhalt, als sie es jemals erwartet hat.

Dies ist mein erstes Buch der Autorin Doris Knecht und ich habe etwas gebraucht, um mich in den besonderen Schreibstil einzufinden. Manchmal war mir das Setting nicht klar, auch dass sie Teile der Geschichte erzählt, als wären es Fragmente eines neuen Buches der Protagonistin hat mich etwas irritiert.

Dennoch hat mich das Ende berührt, aus der Bahn geworfen und wieder hineingeschupst und so habe ich die letzte Seite mit einem Lächeln im Gesicht und Zuversicht umgeklappt.

Fazit:
Eine interessante Geschichte über Vergänglichkeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2025

Viel Nordseeflair, der nicht ganz über die Lücken in der Geschichte hinwegtrösten kann.

Wellenverliebt
0

"Sagte ich schon, dass ich Zufälle hasse? Sie waren so ... zufällig. Nicht planbar, unvorhergesehen, und das passte mir nicht, passte niemals."
Kapitel 11
Doch momentan wird Jenna von Zufällen gebeutelt. ...

"Sagte ich schon, dass ich Zufälle hasse? Sie waren so ... zufällig. Nicht planbar, unvorhergesehen, und das passte mir nicht, passte niemals."
Kapitel 11
Doch momentan wird Jenna von Zufällen gebeutelt. Zufällig ist ihre Wohnung abgebrannt, ihr einziger Zufluchtsort: Ihre Freundin Anne, doch die lebt ausgerechnet auf Sylt. Zufällig hat Jenna seit ihrer Kindheit panische Angst vor dem Wasser, da ist ein Leben auf einer Insel das letzte, was sie möchte.
Prompt gerät sie schon kurz nach ihrer Ankunft in eine Notsituation und wird von Rettungsschwimmer Finn gerettet. Zufällig kennt sie Finn, er war ihre erste große Liebe. Doch jetzt hat er eine 14jährige Tochter, da ist das Flattern in Jennas Magengrube gar nicht erwünscht.
Dies ist der zweite Teil der "Verliebt auf Sylt" Reihe, und ich habe den ersten Band gemocht. Die Protagonisten aus dem ersten Teil haben einen kurzen Gastauftritt, "Wellenverliebt" ist aber ein eigenständiger Roman, der unabhängig vom Vorgänger gelesen werden kann.
Wie im ersten Band wird die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt, Jennas und Noahs, was ein gutes Verständnis für die beiden schafft. Die Chemie zwischen den beiden stimmt von Anfang an und ist gut spürbar.
Jenna ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, einer schweren Vergangenheit und einer eigenen Art zu leben. Mit derben Boots und schwarzen Shirts mit Totenkopf drauf ist sie herrlich unangepasst - und will auch so gar nicht auf die Insel passen. Das hat mir gut gefallen.
Womit ich mir schwer tat, ist Jennas hartnäckiges Festhalten daran, dass es zu Noahs Tochter Emma eine Mutter geben muss, er somit verheiratet ist und ihn immer wieder vor den Kopf stößt - ohne einmal nach seinem Beziehungsstatus zu fragen. Dass sich dieses Missverständnis erst nach mehr als der Hälfte des Buches aufgeklärt hat, hat es etwas in die Länge gezogen.
Jennas Freundin Anne ist ein Plappermaul, ich fand sie manchmal ein wenig anstrengend und teenagerhaft.
Noah ist ein liebevoller und gewissenhafter Vater, der sich gut um seine Tochter Emma kümmert, aber gerne wieder eine Frau an seiner Seite hätte.
Gegen Ende wurde es dann noch ein wenig dramatisch, das war für mich nicht ganz stimmig und etwas zu viel. Auch dass Jenna durch die Liebe dann doch eine "normale" Frau in "normaler" Kleidung wird, hätte ich nicht gebraucht.
Der wirkliche Star ist Sylt, das Meer, die Dünen, das Auenland von Sylt, diese Beschreibungen haben mir sehr gut gefallen und für ein Extra-Sternchen gesorgt.
Fazit: Viel Nordseeflair, der nicht ganz über die Lücken in der Geschichte hinwegtrösten kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere