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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2025

Bleibt in Erinnerung

Das Beste sind die Augen
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Jiwons Eltern trennen sich, ihr Vater zieht aus, weil er mit einer anderen Frau zusammen ist. Nicht nur für sie und ihre Schwester gerät die Welt aus den Fugen, sondern vor allem für ihre Mutter, die nur ...

Jiwons Eltern trennen sich, ihr Vater zieht aus, weil er mit einer anderen Frau zusammen ist. Nicht nur für sie und ihre Schwester gerät die Welt aus den Fugen, sondern vor allem für ihre Mutter, die nur noch von Kummer bestimmt ist. Eines Abends erklärt sie, dass weiße Männer die besseren seien, und kurz darauf verkündet sie, sie wäre mit einem neuen Mann zusammen: George ist weiß, in Jiwons Augen unattraktiv und vor allem unsympathisch. Er hegt keinen wertschätzenden Umgang gegenüber ihrer Mutter, Jiwon selbst, ihrer Schwester oder diversen anderen Mitmenschen gegenüber. Stattdessen ist er sexistisch, fetischisiert Jiwon und ihre Schwester, äußert sich despektierlich gegenüber ihrer Kultur und wird immer mehr ein Dorn in Jiwons Augen. Sie entwickelt eine immer größer werdende Obsession mit George, seinen stechend blauen Augen und nimmt sich fest vor, ihre Familie zu retten. Als ihre Mutter die anstehende Hochzeit mit George verkündet, eskaliert die Situation.

Zunächst haben mich das Cover und der wunderschöne Buchschnitt angesprochen, der Klappentext weckte meine Neugier und nach den ersten Seiten war ich fasziniert von Monika Kims Schreibstil, ihrer Art, die Figuren zu beschreiben und sie zu entwickeln. Während ich mich Jiwon zu Beginn noch nah gefühlt habe, vergrößerte sich die Distanz zu ihr immer mehr - so wie sie immer mehr den Bezug zur Realität verloren und sich ihrer Wut und ihrer Obsession hingegeben hat. Viele Szenen sind brutal, durch die Obsession mit den Augen und dem Verlangen, Augen zu verspeisen, war diese Thematik für mich im Bereich Thriller/Horror absolut neu und sehr faszinierend. Die Beschreibungen der Gedankenwelt von Jiwon ist Monika Kim sehr gut gelungen. An vielen Stellen wusste ich nicht mehr, was Wirklichkeit ist oder was nur durch Jiwons Augen gesehen wird. Auf die Handlung und die Plotentwicklung hatte das jedoch keinen starken Einfluss.

Ein spannender Roman, der viele gesellschaftsrelevante Themen anspricht und die Selbstbestimmung der Frau und ihre Selbstermächtigung in den Fokus stellt. Ich bin begeistert und werde das Buch so schnell nicht vergessen.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Absolut fesselnd

Der Bräutigam
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Im Alten Land treibt ein Serientäter sein Unwesen: Von großen Familienfeiern entführt er junge Frauen, schaltet eine Hochzeitsanzeige in der Zeitung, kurz darauf eine Todesanzeige und dann verschwindet ...

Im Alten Land treibt ein Serientäter sein Unwesen: Von großen Familienfeiern entführt er junge Frauen, schaltet eine Hochzeitsanzeige in der Zeitung, kurz darauf eine Todesanzeige und dann verschwindet die nächste junge Frau von einer Hochzeits- oder Geburtstagsfeier. Die Schwestern Sofie und Nora sind bei der Goldenen Hochzeit ihrer Großeltern, als ihr Cousin ihnen von dem "Bräutigam" und seinen Opfern erzählt. Beide belächeln die Geschichte - bis Sofie am nächsten Tag nicht auftaucht und spurlos verschwunden ist. Die Polizei hat keinerlei Spuren zum "Bräutigam", Nora die schlimmsten Befürchtungen und dann Gewissheit, als sie die Hochzeitsanzeige des "Bräutigams" und ihrer Schwester Sofie in der Zeitung sieht. Sie hat nur ein Ziel: Sie muss ihre kleine Schwester retten. Und wenn die Polizei keinerlei Hinweis auf den Täter hat, dann muss Nora eben selbst die Initiative ergreifen und den "Bräutigam" auf sich aufmerksam machen.

Benjamin Wiater hat mich innerhalb der ersten Seiten bereits so sehr gefesselt, dass ich vollständig in der Geschichte abgetaucht bin. Sein Schreibstil ist flüssig, sehr bildlich und baut von Beginn an einen straffen Spannungsbogen auf. Im weiteren Verlauf steigt die Spannung kontinuierlich an. Sofie und Nora sind dem Mörder komplett ausgeliefert, spielen soweit möglich mit, um die besten Überlebenschancen zu haben und wissen dennoch, dass ihre Zeit abläuft und sie schnellstens einen Fluchtplan brauchen.

Die Figuren sind sehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben, sodass die Motivation des Mörders und seine Abscihten von Beginn an ersichtlich und das weitere Geschehen in gewisser Weise absehbar ist - allerdings nicht vorhersehbar, sodass keine Langeweile aufkommt. Es ist eher so, dass der drängende Ausgang allen Leser*innen klar ist, nur der Weg dorthin und die Opfer, die Nora und Sofie bringen müssen, erstaunt und mich in den Bann gezogen hat. Außerdem hat mir der große Anteil Plattdeutsch sehr gut gefallen, der ins Alte Land passt und den Figuren und der Atmosphäre noch einen detailreicheren und anschaulichen Schliff verpasst hat.

Ein sehr spannender Thriller, den ich innerhalb kürzester Zeit durchgelesen habe und nach dem ich mir noch viel mehr Bücher von Benjamin Wiater wünsche.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Spannender Trilogie-Auftakt

Der Trailer
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Vor 15 Jahren verschwand die Studentin Lisa Martin spurlos von einem Campingplatz in den Ardennen, wo sie sich einen Wohnwagen gemietet hatte. Ihr Verschwinden ist noch immer ungeklärt, weshalb sich ein ...

Vor 15 Jahren verschwand die Studentin Lisa Martin spurlos von einem Campingplatz in den Ardennen, wo sie sich einen Wohnwagen gemietet hatte. Ihr Verschwinden ist noch immer ungeklärt, weshalb sich ein True-Crime-Podcaster mithilfe der suspendierten Kommissarin Frieda Stahnke noch einmal mit dem Cold Case Lisa Martin beschäftigen möchte - in der Hoffnung, dass neue Spuren oder Hinweise auftauchen. Frieda kommt aus demselben Ort wie Lisa und kannte sie damals vom Sehen. Auch Wout Meertens hört die Folge und erinnert sich an damals, denn auch er war zum Zeitpunkt von Lisas Verschwinden auf dem Campingplatz. Als verurteilter Stalker möchte er sich jedoch nicht verdächtig machen und hat daher zu keinem Zeitpunkt Hinweise an die Polizei gegeben. Sein langjähriger Wegbegleiter und Freund Tayfun überredet ihn nun dazu, Frieda Stahnke zu kontaktieren und sein Wissen zu teilen.

Ich habe schon einige Bücher von Linus Geschke gelesen und mag seinen packenden und atmosphärisch erzählenden Schreibstil sehr gern. Gut gefielen mir auch die wechselnden Erzählperspektiven und das Wechseln zwischen den Zeitebenen. So erfahren die Leser*innen bruchstückhaft, wer damals noch im Camp Donkerbloem war und was dort geschehen ist. Während die einzelnen Teile zunächst recht zusammenhangslos nebeneinander standen, fügte sich das Puzzle während der Lektüre immer mehr zusammen. Linus Geschke hat mit Frieda, Wout, Tayfun und Kathinka spannende Figuren geschaffen, die eine gute Dynamik entwickeln. Die Auflösung war ab einem gewissen Punkt erwartbar, bis dahin jedoch waren für mich mehrere Szenarien denkbar. Insgesamt war ich mit der Auflösung und dem Ende sehr zufrieden und bin gespannt, was im zweiten Fall der Trilogie geschieht.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Spannender Justiz-Thriller

Die feindliche Zeugin
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In einem Park in East London wird im Herbst 2023 Thomas Dove, ein weißer Krankenpfleger, erstochen. Der Schwarze Jugendliche Emmett kniete neben Thomas, sein Pullover ist blutgetränkt und es gibt Zeug*innen, ...

In einem Park in East London wird im Herbst 2023 Thomas Dove, ein weißer Krankenpfleger, erstochen. Der Schwarze Jugendliche Emmett kniete neben Thomas, sein Pullover ist blutgetränkt und es gibt Zeug*innen, die ihn mit dem Messer in der Hand über dem Opfer haben stehen sehen, weshalb Emmett des Mordes beschuldigt wird und bis zum Prozessbeginn in Untersuchungshaft kommt.
Rosa Mercedes Higgins, eine junge Schwarze Anwältin, die am Anfang ihrer Karriere steht, wird von Solicitor Craig mit Emmetts Verteidigung beauftragt. Sie selbst ist bei ihrer Nana aufgewachsen, kommt aus derselben Gegend wie Emmett und glaubt ihm, wenn er beharrt, unschuldig zu sein und Thomas Dove nicht erstochen zu haben. Da Emmett jedoch über alles Weitere schweigt, liegt es an Rosa, bis zum Prozessauftakt Beweise zu finden, die seine Unschuld beweisen.

Was ich an "Die feindliche Zeugin" am interessantesten fand, ist, dass die Autorin Alexandra Wilson selbst als Anwältin tätig ist und in Form des Thrillers sehr viele Vorgänge und Abläufe des britischen Justizsystems darstellt. Ihr Schreibstil ist flüssig, prägnant und leicht, weshalb sich das Buch sehr schnell lesen lässt. Meinen Lesefluss beeinflusst hat in jedem Fall auch die Spannung, die sich im Laufe des Buches immer mehr aufbaut. Ich habe mich gefragt, weshalb Emmett schweigt, weshalb er Rosa nicht vertraut und natürlich gebangt, ob sie es schafft, Beweise für seine Unschuld zu finden. Was das Privatleben von Rosa angeht, konnte ich einiges nicht nachvollziehen, fand jedoch auch hier - wie im Gerichtssaal - die Schilderungen sehr eingängig und plastisch dargestellt. So habe ich einen Eindruck von ihrem Aufwachsen und dem ständigen Kampf gewonnen.
Alexandra Wilson hat nicht nur einen spannenden Justizthriller mit überraschenden Wendungen geschrieben, sondern thematisiert Rassismus, Vorverurteilung und Polizeiversagen im Buch.

Für mich auf jeden Fall ein empfehlenswertes Buch, das ich an einem Wochenende durchgelesen habe.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Gewaltig und mitreißend

Hero
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Sie haben zusammen im Restaurant gearbeitet - sie als Kellnerin und er als Chefkoch - und waren befreundet. Dann haben sie sich verliebt, sind zusammengezogen und nun hat er Hero einen Heiratsantrag gemacht. ...

Sie haben zusammen im Restaurant gearbeitet - sie als Kellnerin und er als Chefkoch - und waren befreundet. Dann haben sie sich verliebt, sind zusammengezogen und nun hat er Hero einen Heiratsantrag gemacht. Doch sie weiß nicht, ob sie ihn heiraten will. Für ihn steht fest: Wenn sie nein sagt, sieht er keine Zukunft für sie zusammen. Sie fordert sieben Tage Bedenkzeit, in denen sie sich zurückziehen und zu einem Entschluss kommen kann.

Wer aufgrund des Klappentextes auf eine chronologische Liebesgeschichte hofft, wird hier sicherlich enttäuscht, denn Katie Buckley lässt Heros Gedanken freien Lauf. In der direkten Ansprache setzt sich Hero sowohl mit der Frage des Heiratens als auch mit den gemeinsamen Erinnerungen und ihrer (sexuellen) Vergangenheit auseinander. Erzählt wird ausschließlich aus Heros Sicht, es gibt kaum Namen, eigentlich nur Spitznamen für ihre engen Freundinnen, die Männer in ihrem Leben bleiben namenlos und bekommen daher auch keinerlei Tiefe oder Charakter verliehen.
Zunächst hat mich der Schreibstil sehr verwirrt - ich konnte den teilweise fragmentarischen Gedanken und Sätzen nicht folgen, konnte die Zeitsprünge nicht einordnen und wusste nicht, wer gerade gemeint ist und von wem Hero spricht. Dann habe ich einfach alles auf mich wirken lassen, beschlossen, dass die einzelnen Figuren gar nicht wichtig sind, sondern nur der Inhalt.
Und der hat es in sich. Hero erzählt von ihren sexuellen Begegnungen mit Männern, von den patriarchalen Strukturen, in denen wir leben und den heteronormative, patriarchalen Gedankenmustern hinsichtlich Beziehungen, Rollenbildern und der Familie. Sie erzählt von sexuellen Übergriffen, von gewaltvollen Erfahrungen, Enttäuschungen, Trennungen und parallel laufender Beziehungen/Begegnungen mit unterschiedlichen Männern.
Mehrfach wird die Frage aufgeworfen, inwieweit sich Frauen* für Männer verstellen, wie sehr sie gefallen wollen und wie bereit sie sind, dafür zu gehen. Hero erzählt dabei von sich, häufig nicht gesetzter Grenzen und den Eindrücken und Erfahrungen ihrer Mutter und ihrer Freundin.

Ich emfpand Katie Buckleys Schreibstil als sprachgewaltig und ausdrucksstark. Die thematisierten Gedanken und Fragen, die hier für Hero und die Männer in ihrem Leben behandelt werden, stehen exemplarisch für viele von uns.

Ein Buch, das ganz anders war, als ich erwartet habe, und mich vollkommen mitgerissen hat.

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