Spannender Kampf um Englands Thron
RabenthronMit „Rabenthron“ ist der lang ersehnte neue historische Roman aus der Feder von Rebecca Gablé erschienen. Es handelt sich hierbei um ein Prequel zu den bereits erschienen Bänden „Das zweite Königreich“ ...
Mit „Rabenthron“ ist der lang ersehnte neue historische Roman aus der Feder von Rebecca Gablé erschienen. Es handelt sich hierbei um ein Prequel zu den bereits erschienen Bänden „Das zweite Königreich“ und „Hiobs Brüder“ und ist somit der 3. Band der Helmsby-Reihe.
Das Cover des Romans ist typisch Rebecca Gablé und man erkennt sofort den Zusammenhang zu den anderen bereits erschienen Büchern. Die gesamte Aufmachung des Buches ist sehr hochwertig – beginnend mit einem wunderschönen Farbschnitt, Lesebändchen, den Landkarten im Einband, aber auch den tollen Illustrationen zu Beginn der jeweiligen Abschnitte, die für mich einen Roman von Rebecca Gablé immer nochmal mehr besonders machen.
Das gleich zu Anfang aufgeführte Personenregister ist hilfreich, vor allem bei den vielen Namen, die mit E beginnen und einem zu Beginn doch etwas verwirren können.
Die Zeitspanne des vorliegenden Romans erstreckt sich von 1013 bis 1041 und spielt sowohl in England als auch in der Normandie.
Ælfric of Helmsby hat es unter seinem Onkel – dem Thane von Helmsby – nicht besonders leicht. Als er den dänischen Gefangenen Hakon an den Königshof bringen will, stößt er auf Widerstand. Doch zusammen mit seinem 6-jährigen Sohn Penda macht er sich klammheimlich auf den Weg, um Hakon bei König Ethelred abzuliefern.
Auf der gefahrvollen gemeinsamen Reise retten sie den wandernden Mönch Eilmer, der gar nicht daran denkt, sein Leben hinter trostlosen Klostermauern zu verbringen, sondern eher das Abenteuer sucht, vor Wegelagerern.
Schnell werden aus den drei unterschiedlichen Männern Freunde, die sich – angekommen am Hof des Königs – unversehens im inneren Beraterkreis von Königin Emma wiederfinden.
So ist es denn auch kein Wunder, dass die Freunde die Königin und ihre Kinder ins Exil in die Normandie begleiten. Doch der dänische König Knud, der den Thron Englands bald für sich beansprucht, hat Gefallen an der schönen und klugen Emma gefunden, sodass diese seine Zweitfrau wird und auch mit Knud weitere Kinder bekommt.
Nach dem Tod von König Knud, der dem Land eine kurze Verschnaufpause gegeben hat, entbrennt der Kampf um die Macht im Land erneut.
Rebecca Gablè gelingt es wie keiner Zweiten in diesem Genre die historischen Fakten sehr detailgetreu zu recherchieren, bestehende Lücken aufgrund fehlender Überlieferung mit plausiblen Erklärungen zu füllen und damit Geschichte auf spannende mitreißende Art lebendig zu machen.
Immer wieder ertappte ich mich beim Lesen dabei wie ich interessante Dinge nachgelesen und darüber gestaunt habe, dass diese Geschehnisse wirklich den Tatsachen entsprachen.
Dass England zur damaligen Zeit in einer recht kurzen Phase so viele Könige hatte und wieder verlor, wusste ich bisher nicht.
Die Lebensverhältnisse sowohl der Adligen als auch der einfachen Menschen auf dem Land kommen dabei immer sehr authentisch rüber. Man kann sich die Gegebenheiten bildlich vorstellen und taucht von der ersten Seite an in die Geschichte ein.
Königin Emma ist hier seitens der Autorin besonders in den Fokus gerückt worden, sodass man viele Ereignisse besonders aus der Sicht dieser sehr außergewöhnlichen Frau erlebt.
Ælfric of Helmsby ist ein typischer Protagonist à la Rebecca Gablé. Er ist willensstark, hilfsbereit und absolut königstreu. Sein inniges Verhältnis zu seinem Sohn, welches immer wieder durch sehr schöne Szenen beschrieben wird, hat mein Herz gewärmt. Da ist es kein Wunder, dass auch Penda im Laufe des Romans zu einem tollen jungen Mann heranwächst, der seinen Prinzipien stets treu bleibt.
Was mich an Ælfric jedoch im Laufe der Geschichte immer mehr gestört hat, war sein zu großer Hang zu vergeben und in jedem Menschen das Gute zu sehen. Egal, ob dieser Verrat begeht oder seine Familie bedroht – das war für mich zum Schluss hin einfach nicht mehr glaubwürdig.
Auch der Zufall kam ihm im Laufe der Handlung ein bisschen zu oft zu Hilfe.
Auch in den bisherigen Romanen von Rebecca Gablé spielt der Zufall oft eine Rolle, doch im vorliegenden Fall ist es mir besonders stark aufgefallen und war mir persönlich ein paar Mal zu viel und dadurch nicht mehr authentisch.
Rebecca Gablé hat mit „Rabenthron“ historische Persönlichkeiten zum Leben erweckt. Wie sie hier beschrieben werden, könnte man sie sich tatsächlich vorstellen.
Die fiktive Handlung und die Personen blieben hingegen dahinter leider sehr stark zurück, sodass ich oft gedacht habe, dass ich lieber ein bisschen mehr von den vielen sympathischen Charakteren und ihren Lebenserfahrungen mitbekommen hätte.
Jedoch muss man wohl festhalten, dass in den nur knapp 30 Jahren, in denen der Roman spielt, einfach extrem viel Historisches passiert ist – bei einem Buch von knapp 900 Seiten kann einfach nicht alles bis ins kleinste Detail ausgearbeitet sein.
Besonders gefreut habe ich mich, dass man als Leser auch in diesem Roman wieder eine gewisse Zeit in der Normandie verbringt und Einblick in das Leben des jungen William, später bekannt als der Eroberer, erhält. Damit ist der Autorin in besonders spannender Weise gelungen, einen Übergang zu den weiteren Bänden dieser Reihe zu schaffen und man hat direkt Lust, diese noch einmal zur Hand zu nehmen.
Das Nachwort und die darin enthaltenen Erläuterungen zu Fakten und Fiktion waren sehr erhellend und ich habe so manches mal gestaunt, dass die ein oder andere Tatsache nicht der Fantasie der Autorin entsprungen, sondern historisch belegt ist.
Fazit:
Mit „Rabenthron“ machen Liebhaber des historischen Romans definitiv nichts falsch. Es war mir wieder eine große Freude, in die Vergangenheit einzutauchen und dabei einiges Neues zu lernen.
Ich freue mich schon jetzt auf weitere historische Romane der Autorin.