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Veröffentlicht am 10.08.2025

Erkenntnisgewinn durch Arbeit

Philosophie des menschlichen Daseins in 7 Bänden / An die Arbeit
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In „An die Arbeit“, dem zweiten Band seiner Reihe „Die Philosophie des menschlichen Daseins“, widmet sich Franz Rieder einem Thema, das uns alle betrifft – und das trotzdem in der Philosophie erstaunlich ...

In „An die Arbeit“, dem zweiten Band seiner Reihe „Die Philosophie des menschlichen Daseins“, widmet sich Franz Rieder einem Thema, das uns alle betrifft – und das trotzdem in der Philosophie erstaunlich selten im Mittelpunkt steht: der Arbeit.
Schon der Einstieg überrascht. Der philosophische Begriff „Arbeit“ hat keine allzu lange Tradition, wie man vielleicht annehmen würde. Selbst Marx – der den Konflikt zwischen Philosophie und Ökonomie gewissermaßen eröffnet hat – konnte der Philosophie in dieser Frage wenig abgewinnen. Rieder greift diese Leerstelle auf und stellt sich der Herausforderung, Arbeit philosophisch neu zu denken – nicht aus historischer Distanz, sondern im Kontext unserer heutigen Realität.
So schafft er – wie bereits in Band 1 – Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen, indem er seine Analysen einbettet in ihren Zusammenhang zur Demokratie, zur Marktwirtschaft und Globalisierung – und in unserem Lande besonders bemerkenswert, weil oftmals verpönt – zu den internationalen Finanzmärkten. Er untersucht die Bedeutung der Arbeit in diesem Rahmen, und hinterfragt das Bild des Homo oeconomicus als gewinnorientiertem, egoistischem Akteur – Wirklichkeit oder Zerrbild, das unsere Vorstellung von Arbeit und Wirtschaft einengt?
Rieders Antwort bleibt differenziert, aber konsequent. Seine Analysen bringen neue Perspektiven auf die Werttheorie sowie auf Ursprung und Wandel privaten Eigentums.
Rieder behandelt den Begriff „Arbeit“ umfassend. Angefangen von Aristoteles über Adam Smith und Karl Marx finden sich nun in philosophischen Betrachtungen die Hauptakteure der modernen Okonomik von den Keynesianisten über die Neokeynesianisten bis hin zu den Monetaristen und deren Nachfolgern. Besonders spannend fand ich die aktuellen Verbindungen von ökonomischen Theorien mit philosophischen Reflexionen, die die heutige Politik und Finanzwirtschaft miteinbeziehen. Das ist so bisher selten versucht worden, dass Philosophie sich mit der gigantischen Schuldenwirtschaft und deren Helfer Theorie, genannt Modern Money Theory, beschäftigt.

Fazit:
„An die Arbeit“ ist ein Buch, das nicht nur denkt, sondern zum Denken anregt. Wer bereit ist, vertraute Konzepte kritisch zu hinterfragen und Philosophie in eher ungewöhnlichen Kontexten zu erleben, wird bei Rieder auf überraschende und ungewöhnliche Erkenntnisse stoßen.

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Franz Rieder: Arte factum - ein außergewöhnlicher Roman

Arte factum
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Kiki verliert ihre große Liebe Ulysses, der sehr erfolgreich im internationalen Kunsthandel tätig war. Nach dessen Tod tauchen nach und nach Hinweise auf seine Verwicklung in kriminelle Machenschaften ...

Kiki verliert ihre große Liebe Ulysses, der sehr erfolgreich im internationalen Kunsthandel tätig war. Nach dessen Tod tauchen nach und nach Hinweise auf seine Verwicklung in kriminelle Machenschaften mit der Kunstmafia auf. Mit Hilfe ihrer Freundin Mela, Mitarbeitern der Kunstgalerien in London, Athen, Berlin, Düsseldorf - die wiederum Verbindung zu internationalen Anti-Mafia-Gruppierungen pflegen - geht sie diesen Verwicklungen nach. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Wer war Ulysses wirklich? Und noch wichtiger: Wer war Kiki für Ulysses? War ihre tief empfundene Liebe echt?

Das Geschehen schickt den Leser auf eine spannende Reise rund um unseren Globus. Die Schilderungen der Schauplätze gelingen lebendig und in atmosphärische Dichte.
Besonders gefallen haben mir die charakterliche Darstellung der Hauptfiguren, aber auch Douglas und Jorge aus Venezuela mit ihrem gänzlich anderen kulturellen Hintergrund.

Auch, wenn das Buch an einigen Stellen ein wenig overcrowded erscheinen mag, Protagonisten kommen und gehen - Mythen scheinen auf, nicht nur irdische Kräfte und Welten fordern Raum. Mir haben all diese Dinge - wie auch die Schilderung der Bösewichte in Form bekannter Figuren aus Politik und Wirtschaft - sehr viel Spaß gemacht.

Freu' mich schon auf's nochmalige Lesen.

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Aus der Vergangenheit in die Zukunft denken!

Philosophie des menschlichen Daseins in 7 Bänden / Andenken
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Mit „Andenken“ legt Franz Rieder den ersten Band seiner philosophischen Reihe „Philosophie des menschlichen Daseins“ vor – ein Werk, das sich als Hommage an die Tradition der Philosophie versteht und gleichzeitig ...

Mit „Andenken“ legt Franz Rieder den ersten Band seiner philosophischen Reihe „Philosophie des menschlichen Daseins“ vor – ein Werk, das sich als Hommage an die Tradition der Philosophie versteht und gleichzeitig neue Denkwege einschlägt.
Ausgehend von der antiken griechischen Philosophie verfolgt Rieder die Entwicklung zentraler Denkfiguren bis in die Moderne des Abendlandes. Dabei bleibt es nicht bei einer historischen Darstellung: Beeindruckend hier ist die Art und Weise, wie der Autor die herkömmlichen Denkmuster hinterfragt und aufzeigt,wie wirkmächtig der Gegensatz von Denken und Sein auch heute unser abendländisches Denken prägt.
Rieder plädiert für eine Komplementarität von Denken und Sein – eine Neubesinnung, die es ermöglicht, über Negation und Widerspruch hinauszudenken. Überzeugend für mich, daß er dies nicht nur theoretisch vollzieht, sondern den Blick richtet auf eine neue praktische Philosophie, in der das Politische eine zentrale Rolle spielt.
Für mich ist das Kapitel über die Macht in diesem Werk zentral und gerade im Hinblick auf die sich heute in unserer Welt vollziehenden massiven Veränderungen von aktuellem Zeitbezug : Rieder kritisiert die inflationäre Verwendung soziologischer Machtbegriffe und fordert eine Rückkehr zur phänomenologischen Betrachtung politischer Macht. Dabei unterscheidet er deutlich zwischen politischer Macht als der einzigen real wirksamen Machtform und individuellen Vorstellungen von Macht, die er als phantasmatische Kraft beschreibt. Letztere greift tief in das Dasein von uns Menschen ein, indem sie unsere Wahrnehmung, unser Handeln und unser Selbstverständnis formt – oft ohne dass sie auf tatsächlich gegebene politische Verhältnisse zurückzuführen wäre. Gerade hier findet sich aus meiner Perspektive eine Vielzahl neuer spannender Aspekte.
Am Ende steht ein neues Verständnis des Menschen als zoon politikon – nicht nur als soziales, sondern als existenziell politisches Wesen. Dieses Konzept eröffnet Perspektiven für eine praktische Philosophie, die sowohl auf Tradition als auch auf Erneuerung baut.
Fazit:
„Andenken“ ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Buch für alle, die sich für die Grundfragen des Denkens, die Rolle der Macht und das politische Wesen des Menschen interessieren. Ein eigenständiger Beitrag zur Philosophie und gleichzeitig ein brisant aktuelles Werk vor dem Hintergrund aktuellen Zeitgeschehens.

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