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Veröffentlicht am 09.08.2025

Zwischen Zugehörigkeit, Machtstrukturen, Freundschaften und Selbstverlust

Bestie
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In „Bestie“ von Joana June geht es um Lilly, die in eine neue Stadt zieht und einen Neustart wagen möchte, und Anouk, eine erfolgreiche Influencerin, die umgeben ist von Menschen, die alles tun um nicht ...

In „Bestie“ von Joana June geht es um Lilly, die in eine neue Stadt zieht und einen Neustart wagen möchte, und Anouk, eine erfolgreiche Influencerin, die umgeben ist von Menschen, die alles tun um nicht ihre wahren Gefühle zeigen zu müssen, sei es in ihrer Freundesgruppe oder ihrer Familie. Während Anouk berechnend, kontrolliert, kühl erscheint versucht sich Lilly zu Beginn der Geschichte beinahe krankhaft eine neue Identität aufzubauen. Lilly zieht in ein Zimmer in Anouks Wohnung und es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden, die infrage stellt, wieviel man von sich preisgeben muss, um wahre Nähe zu erschaffen und inwieweit man sich selbst verändern kann um dazuzugehören ohne sich zu verlieren.
Bestie ist für mich ein tiefgründiger Roman über Freundschaft, Macht, Identität und die oft unsichtbaren, aber tiefgreifenden Dynamiken zwischen Frauen. Von Beginn an hat mich die Geschichte mit ihren widersprüchlichen, komplexen Figuren in den Bann gezogen. Sowohl Lilly als auch Anouk wirken gleichzeitig nahbar und doch unnahbar. Ihre Art miteinander umzugehen hat schmerzlich aufgezeigt, was ich teilweise selber aus Freundschaften kenne, was die Sehnsucht nach emotionalen Bindungen mit einer Person machen kann und wie sehr wir geprägt sind von den Erfahrungen, die wir selbst in Familie und Freundschaften gemacht haben.
Mit viel Feingefühl hat Joana hier gesellschaftlich relevante Themen eingearbeitet. Detailliert werden Emotionen, Machtverhältnisse und subtile Manipulation in Worte gefasst. Der Schreibstil ist sehr fließend, manchmal war er jedoch für mich etwas verwirrend durch die „theatralische“ Erzählweise und die vielen Symbol-Elemente, die dem Text eine fast traumartige Ebene geben.
Insgesamt hatte ich sehr viel Freude daran, dieses Buch zu lesen. Zwischen der Suche nach Zugehörigkeit und Authentizität, der Suche nach männlicher Bestätigung und Selbstbestimmung, zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Machtstrukturen, zwischen Manipulation und wahren Verbindungen, zwischen Bewunderung und Obsession hat Joana hier einen ganz tollen, künstlerischen Roman geschrieben.

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Veröffentlicht am 12.04.2025

Zwischen wirren Gedanken, Nostalgie und Sehnsucht

Nowhere Heart Land
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Es fällt mir gar nicht so leicht etwas zu diesem Buch zu schreiben und es zu bewerten, weil es viel mit mir gemacht hat. Das Cover finde ich sehr gelungen. Es hat mich direkt angesprochen und ...

Es fällt mir gar nicht so leicht etwas zu diesem Buch zu schreiben und es zu bewerten, weil es viel mit mir gemacht hat. Das Cover finde ich sehr gelungen. Es hat mich direkt angesprochen und auch die Thematik fand ich sehr spannend. Rosa ist wahrscheinlich nicht die sympathischste Protagonistin - was es für mich in diesem Buch aber auch nicht gebraucht hat, da es vielmehr um ihre Innenwelt und die Stimmung geht. Zudem schienen weder Rosa noch ihre alte Schulfreundin Leni, noch irgendeine Person in diesem Buch greifbar - was jedoch genau das Gefühl der Perspektivlosigkeit aufgreift, was sich durch das komplette Buch zieht. Und vielleicht der Realität nahe kommt in der man oft auch nichtdie Beweggründe von Menschen kennt.
Die nostalgische, melancholische Stimmung hat mich von Beginn an eingenommen. Teilweise fand ich es kompliziert, dem sehr sprunghaften Schreibstil, der die Gedankensprünge der Protagonistin zeigt, zu folgen. Zwischendurch habe ich pausiert und den Inhalt wirken lassen - bin rausgegangen weil der Inhalt teilweise sehr erdrückend ist. Die ganze Schwere der Vergangenheit und die Perspektivlosigkeit und Verzweiflung der Protagonistin haben mich manchmal sehr mitgenommen. Gleichzeitig habe ich mich gefragt wie es aus- und weitergeht mit Rosa. Wo die Handlung hingeht.
Zum Schluss hätte ich mir eine stärkere Entwicklung der Protagonistin gewünscht, auch wenn Ansätze da waren. Da die Protagonistin relativ klar das Bild einer traumatisierten und manisch-depressiven jungen Frau zeigt. Zumal sie teilweise nicht zwischen Realität und Erinnerung unterscheiden kann.
Insgesamt war das Buch mit viel Humor und Tiefsinn geschrieben und hat sich teilweise angefühlt wie ein Fiebertraum.
Auch wenn ich nicht das Gefühl habe, erfassen zu können was die Essenz des Buches ist mochte ich es. Dieses Buch hat mir keine Fragen beantwortet und irgendwie war das ok.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Ein süßes Romance Buch

Love, uncovered
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Love,uncovered ist der zweite Band der Dating-Reihe von Anna Lane. Der erste Band Love,uncoded war schon länger auf meiner Wunschliste und durfte vor kurzem bei mir einziehen, ist aber noch ungelesen. ...

Love,uncovered ist der zweite Band der Dating-Reihe von Anna Lane. Der erste Band Love,uncoded war schon länger auf meiner Wunschliste und durfte vor kurzem bei mir einziehen, ist aber noch ungelesen. Im zweiten Band lernen wir Kim Chiari kennen – eine Grafikdesignerin. Nach einem PR-Eklat (über den ich mich auch wirklich sehr aufgeregt hätte) trifft sie auf Conrad de Wit und übernimmt kurzerhand (und aus Mangel an Jobangeboten) eine Datingassistenz für ihn, da er ihr erzählt nicht gut im Flirten zu sein. Ihre größte Konkurrenz: eine Dating-App, in die Conrad investiert und die verspricht den Seelenverwandten zu finden. Obwohl Kim und Conrad sehr unterschiedlich sind merken sie schon bald, dass sie gut miteinander harmonieren…
Love, uncovered war für mich das erste Buch der Autorin. Die ersten Seiten haben mich sehr neugierig auf das Buch und die Charaktere gemacht. Kim und Conrad sind sehr sympathische Charaktere: während Kim nach außen hin eher kühl und tough wirkt lernen wir als Leser:innen auch ihre Unsicherheiten und prägende negative Erfahrungen aus der Vergangenheit kennen. Conrad ist im Gegensatz zu ihr sehr viel ruhiger und zugänglicher nach außen hin. Aber auch er hat Erfahrungen gemacht, die ihn vor Kim als potentieller Partnerin zurückschrecken lassen. Obwohl beide Charaktere mit vielen Hintergrundinformationen, prägenden Erfahrungen aus der Vergangenheit und emotionalem Erleben dargestellt wurden, konnte ich mir zwar die Charaktere vorstellen, aber sie nicht wirklich „fühlen“. Sie waren für mich schlüssig, aber nicht überraschend oder besonders spannend im Vergleich zu anderen Romance Protagonist:innen, weshalb sie mich nicht so sehr in den Bann gezogen haben wie es in manch anderen Büchern der Fall ist. Gefallen hat mir allerdings der Dual-POV, da ich es auch immer spannend finde beide Seiten zu sehen. Insgesamt war der Schreibstil flüssig, humorvoll und locker-leicht. Mir gefielen auch die vielen tierischen Nebendarsteller (und deren Namen, sehr süß gewählt) und auch die menschlichen.
Ein Kritikpunkt für mich an diesem Buch ist, dass ich nicht zu so intensiv mitgefühlt habe. Das könnte zum Einen daran liegen, dass mir irgendwie die Tiefe der Charaktere gefehlt hat, obwohl sie schon relativ facettenreich dargestellt wurden. Zum anderen liegt es vielleicht auch an der teilweisen Vorhersehbarkeit der Geschichte bzw. der Charakterentwicklung.
Alles in allem mochte ich aber die Geschichte, die Charaktere und die Umgebung der Dating-Reihe. Obwohl es keins meiner Lieblingsbücher wird, war es ein gutes und süßes Romance Buch.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Poetischer Roman über patriarchale Strukturen

Hero
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In dem Roman geht es um Hero - die, wie der Name es sagt - versucht ihren Heldenweg durch die Wirrungen ihrer vergangenen und ihrer aktuellen Beziehung zu finden. Der Schreibstil ist sehr verworren, sprunghaft ...

In dem Roman geht es um Hero - die, wie der Name es sagt - versucht ihren Heldenweg durch die Wirrungen ihrer vergangenen und ihrer aktuellen Beziehung zu finden. Der Schreibstil ist sehr verworren, sprunghaft und nicht immer leicht zu verfolgen. Nachdem ihr Partner ihr einen Heiratsantrag gemacht hat, nimmt sich Hero 7 Tage Bedenkzeit. Aufgeteilt in 7 Kapitel erfahren wir über ihre vergangenen Beziehungen und die Herausforderungen. Hero wirkt wie eine Figur zur Verbildlichung von toxischen Beziehungen, Mysogynie und der Frage, was es bedeutet in einer Beziehung autonom zu bleiben ohne sich abzuschotten.
Der Schreibstil hat mich manchmal verwirrt oder dazu geführt, dass ich der Handlung nicht gut folgen konnte. Viele Abschnitte wirkten sehr poetisch, was natürlich auch viel Interpretationsspielraum lässt und auch dadurch nicht so "leicht" zu lesen ist. Inhaltlich war es wirklich harter Tobak, vor allem zu Beginn. Die Dynamiken in ihren Beziehungen wurden schmerzhaft ehrlich dargelegt. Eingestreut werden Erzählungen, Mythen, Märchen, die Frauen abbilden - in tragischer oder heldenhafter Form.

Insgesamt war es ein sehr poetischer Roman und obwohl das Buch Kapitel hat, hatte es für mich wenig Struktur. Vielmehr wurde man als Leser einfach mitgetragen, mit Hero und mit den Mythen.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Zwischen tiefen Gefühlen und einengenden Konventionen

Sunburn
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"Sunburn" von Chloe Michelle Howarth nimmt uns mit in die frühen 90er Jahre in ein kleines Dorf in Irland. Dort begleiten wir Lucy beim Erwachsenwerden und vor allem der ersten großen Liebe. Zwischen konservativem ...

"Sunburn" von Chloe Michelle Howarth nimmt uns mit in die frühen 90er Jahre in ein kleines Dorf in Irland. Dort begleiten wir Lucy beim Erwachsenwerden und vor allem der ersten großen Liebe. Zwischen konservativem Dorf und den eigenen, tiefen Gefühlen schauen wir dabei zu, wie sie ihren Weg zu finden versucht🧡

Für mich hat das Buch tolle Themen behandelt und gut dargestellt, wie einengend eine Familie und eine konservative Umgebung sein kann, vor allem da Lucy sich in ihre Freundin Susannah, also eine Frau, verliebt. Während Lucy sehr viel und intensiv empfindet versucht sie anderen Rollenbildern gerecht zu werden und kämpft schmerzlich um die Liebe ihrer Mutter❤️‍🩹 Teilweise war es sehr heftig zu lesen, wie diese Lucy behandelt🥺
Gleichzeitig wurde sehr authentisch das Erleben kurz vor dem Schulabschluss dargestellt - mit einem engen Freundeskreis, viel Gerede und Gedanken darüber, wie andere sind oder was sie von einem halten und vor allem der großen Frage, wie es nach der Schule weitergeht.
Was mich leider nicht ganz überzeugt hat war der Schreibstil. Die Autorin beschreibt recht sprunghaft, detailliert und poetisch Lucys Gedankenwelt - was es mir teilweise schwer gemacht hat der Handlung zu folgen😅 Die poetischen Aspekte waren mir zudem oft zu viel des Guten. Weder Lucy noch Susannah waren für mich durchweg sympathische Charaktere.
Alles in allem gefiel mir das Buch ganz gut - ich bin jedoch nicht zu 100% mit dem Schreibstil und den Charakteren warm geworden🙈

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