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Veröffentlicht am 27.09.2025

Ein echter Pageturner

Marigold Manor 1: Hidden Lies
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Lola ist Dressurreiterin und möchte unbedingt Einblick in das elitäre Gestüt von Marigold Manor erhalten. Denn dort lebt und arbeitet der Mensch, der für den Tod ihrer Schwester verantwortlich ist: Aiven ...

Lola ist Dressurreiterin und möchte unbedingt Einblick in das elitäre Gestüt von Marigold Manor erhalten. Denn dort lebt und arbeitet der Mensch, der für den Tod ihrer Schwester verantwortlich ist: Aiven Audley. Als sie das Angebot bekommt, mit ihm gemeinsam einen Podcast aufzunehmen, sagt sie deshalb sofort zu. Vor Ort gerät sie jedoch nach und nach immer tiefer in die Machenschaften von Marigold Manor und kann bald nicht mehr differieren, wer Freund und wer Feind ist.

Schon die ersten Seiten haben mich total mitgerissen: Der Schreibstil ist flüssig, leicht zu lesen und gleichzeitig so emotional, dass ich sofort in Lolas und Aivens Welt abgetaucht bin. Besonders durch die wechselnden Perspektiven konnte ich die Handlungen der beiden Figuren von Anfang an gut nachvollziehen – und so sind die Seiten wirklich nur dahin geflogen.

Lola fand ich von Beginn an spannend. Ich konnte gut mit ihr mitfühlen, auch wenn sie manchmal recht verbissen wirkte. Gleichzeitig mochte ich es sehr, dass sie eine starke, schlagfertige Protagonistin ist, die sich nicht blenden lässt - das ist in Romance-Romanen keine Selbstverständlichkeit. Aiven habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er ist zerrissen, gleichzeitig sympathisch und geheimnisvoll. Besonders schön fand ich, dass die Anziehung zwischen den beiden realistisch wirkte und als Slow Burn erzählt wird. Keine kitschige Insta-Love-Story, sondern eine Entwicklung, die mich überzeugt hat. Mein heimlicher Favorit war allerdings Henry, der Bruder von Aiven: seine lockere Art, sein Humor, aber auch die dunkleren Seiten machten ihn für mich extrem interessant. Ich freue mich schon jetzt, dass er in Band 2 mehr Raum bekommen wird.

Was ich nicht erwartet hätte: Dieses Buch ist viel mehr als eine Romance. Es geht um Macht, Sexismus, alteingesessene Strukturen – und darum, wie Menschen in gefährliche Abhängigkeiten geraten. Einige Szenen haben mich richtig geschockt, andere wütend gemacht. Gerade die sexistischen und chauvinistischen Momente fand ich furchtbar beklemmend und gleichzeitig unglaublich wichtig, dass sie thematisiert werden. Das Nachwort hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie realistisch diese Strukturen sind und wie schwer es für Betroffene ist, da rauszukommen. Damit habe ich beim Einstieg in die Geschichte überhaupt nicht gerechnet und genau das hat mich so gepackt.

Richtig toll fand ich den Humor, der sich durchzog, besonders in den Dialogen durch Lolas Schlagfertigkeit. Ich habe mehrmals laut gelacht und die Pop-Culture-Referenzen haben das Ganze noch authentischer gemacht.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass die Pferde und auch der Pferdesport ein bisschen zu kurz gekommen sind. Gerade weil Dressurreiten das Setting ist, hätte ich mir innigere Szenen zwischen Mensch und Tier gewünscht. Auch das Ende kam mir etwas zu schnell – vor allem zwischen Lola und Aiven hätte ich gerne noch ein oder zwei klärende Szenen gehabt, um ihre Entscheidungen besser nachfühlen zu können.

Fazit: „Marigold Manor: Hidden Lies“ hat mich total überrascht: Statt einer leichten Romance habe ich eine spannende, tiefgründige und stellenweise richtig beklemmende Geschichte bekommen, die mich emotional komplett abgeholt hat. Ich habe gelacht, geflucht, gehofft und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Trotz kleiner Schwächen im Bereich Pferdesport und einem etwas schnellen Ende ist es für mich ein absoluter Pageturner mit Suchtpotenzial. Band 2 ist für mich Pflicht, allein schon wegen Henry, aber auch, weil ich unbedingt wissen will, wie es in Marigold Manor weitergeht.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Das Leben leben

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Schön, weil es traurig ist oder traurig, weil es schön ist? Alison Espachs Wedding People bewegt sich genau in diesem Zwischenraum und entfaltet eine Geschichte, die ebenso tiefgründig wie berührend ist.

Im ...

Schön, weil es traurig ist oder traurig, weil es schön ist? Alison Espachs Wedding People bewegt sich genau in diesem Zwischenraum und entfaltet eine Geschichte, die ebenso tiefgründig wie berührend ist.

Im Zentrum steht Phoebe, eine Professorin und Expertin für die Literatur des 19. Jahrhunderts, deren Leben nach der Scheidung in Scherben liegt. Verzweifelt und in tiefer Depression reist sie in ein Hotel, das sie eigentlich mit ihrem Mann besuchen wollte mit der Absicht, dort ihr Leben zu beenden.

Doch der Ort ist alles andere als still: Gerade wird eine Hochzeit gefeiert, und Phoebe begegnet der Braut Lila. Ausgerechnet in ihrer Hochzeitswoche hat diese mit allem gerechnet - nur nicht mit einer Frau, die überlegt, sich an ihrer Hochzeitslocation das Leben zu nehmen. Aus dieser ungleichen Begegnung entwickelt sich eine Freundschaft, die beide verändert.

Der Autorin gelingt es, aus dieser Konstellation eine Geschichte zu formen, die niemals klischeehaft wirkt, sondern überraschend, unvorhersehbar und oft von trockenem Humor durchzogen ist. Phoebe ist eine Hauptfigur, die man sofort ins Herz schließt: verletzlich, scharf beobachtend und mit einer feinen ironischen Distanz zum Leben. Besonders stark empfand ich die Figurenentwicklung, die die Leser:innen auf eine Reise zwischen Abgrund und Hoffnung mitnimmt.

Mit spitzer Feder zeichnet die Autorin auch die Dynamik familiärer Zusammenkünfte, die oft mehr Leere als Nähe offenbaren. Doch gerade in dieser präzisen Beobachtung liegt ihr Können: Sie zeigt die Brüchigkeit menschlicher Beziehungen, ohne dabei in Zynismus zu verfallen.

Das Ende schließlich ist herzergreifend und hallte lange bei mir nach. Wedding People ist ein Roman, der zeigt, wie eng Schmerz und Schönheit, Verzweiflung und Hoffnung miteinander verbunden sind – und dass es sich lohnt, das Leben trotz aller Brüche weiterzuleben.

Fazit: Ein berührender, unvorhersehbarer und tiefgründiger Roman, der mit Humor und Feingefühl große Themen wie Verlust, Freundschaft und Neuanfang behandelt. Man sollte sich ein Beispiel an Phoebe nehmen und das Leben einfach leben.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Magisches Chaos im Versandhandel

Felina Fingerhut und der verflixte Schmetterlingseffekt
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Endlich ist es soweit: Felina kann ihren Praktikumstag bei Patina Grünspans Versand für Scherzartikel, Glücksbringer und Hexenutensilien aller Art antreten. Sie ist schon überaus neugierig auf alle Abteilungen ...

Endlich ist es soweit: Felina kann ihren Praktikumstag bei Patina Grünspans Versand für Scherzartikel, Glücksbringer und Hexenutensilien aller Art antreten. Sie ist schon überaus neugierig auf alle Abteilungen und hofft, dass sie sich gut anstellt, damit sie im Anschluss den lang ersehnten spitzen Hexenhut verliehen bekommt. Damit wäre sie endlich eine echte Hexe und vollwertiges Mitglied des Hexenzirkels. Doch auf dem Weg dahin geht so einiges schief, denn Felina ist unkonzentriert und befreit unter anderem einen Spiegelgeist, der endlich mal Urlaub machen will – doof nur, dass er dadurch alle Abläufe des Versandhandels ins Chaos stürzt. Gemeinsam mit Junghexe Wolke und Kater Knopf muss Felina daher alles daransetzen, um ihre Fehler auszubügeln und den Versandhandel zu retten!

Ich habe den ersten Band von Felina Fingerhut noch als Hörbuch genossen und war begeistert, doch dieses Mal das Buch mit den wunderschönen Illustrationen in den Händen zu halten, hat alles noch einmal übertroffen. Die Illustrationen sind magisch-fantasievoll und so detailverliebt, dass ich sie beim Lesen mehrfach meinem Mann unter die Nase halten musste. Besonders die Darstellung der schlangenköpfigen Medusa mit ihren unterschiedlich behüteten Schlangenköpfen war für mich ein Highlight – die Darstellungen sind einfach zauberhaft und urkomisch und runden das Gelesene ab.

Auch inhaltlich war die Geschichte wieder wunderbar bunt und steckte voller Überraschungen. Ob magischer Fahrstuhl, ein reimbegabter Kater Knopf, eine mathemagische Bibliothek oder ein Spiegelgeist, der einfach mal Urlaub braucht – die Fülle an Ideen hat mich restlos begeistert. Ich bewundere Katja Hemkentokrax für ihre Fantasie und ihren Sprachwitz. Beim Lesen fühlte ich mich an meine liebsten Szenen aus Harry Potter erinnert – wie in der Winkelgasse oder bei den Weasleys zu Hause – nur dass bei Felina die ganze Geschichte durchgehend aus solch detailverliebten, verspielten Momenten besteht. Wahnsinn!

Die Figuren sind lebendig und liebenswert, allen voran natürlich Felina selbst, die mit ihrer ungestümen Art für ordentlich Chaos sorgt. Zugegeben: Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sie nach ihrem ersten Abenteuer etwas vorsichtiger geworden wäre. Ihre Unachtsamkeit treibt den „verflixten Schmetterlingseffekt“ voran, wobei ich diesen Titel fast ein bisschen irreführend fand, denn vieles war ja eindeutig Felinas eigene Schuld. Aber genau das macht sie auch so sympathisch: Felina ist jung und darf Fehler machen und daraus lernen.

Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Herrn Stecknadel, der zwar ungern aber doch tatkräftig mithilft, um das Chaos zu beseitigen. Auch die spielerische Darstellung, wie ein Betrieb mit Personalakten, Abteilungen und Abläufen funktioniert, fand ich genial. Manche Witze (Achtung Spoiler: wie eine Artefaktabteilung mit Schrödingers Kratzbaum oder Leibniz’ Keksdose) richten sich wohl eher an die älteren MitleserInnen, aber gerade das macht den besonderen Charme des Buches aus: Es ist für Groß und Klein gleichermaßen ein Genuss.

Fazit: „Felina Fingerhut und der verflixte Schmetterlingseffekt“ ist ein liebevolles, detailreiches und magisch-humorvolles Kinderbuch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite verzaubert hat. Ein echtes Highlight in der Kinderbuchabteilung und für mich persönlich ein kleines Must-Read für alle, die Magie, Witz und Fantasie lieben. Ich freue mich jetzt schon riesig auf Felinas nächstes hexisches Abenteuer und bin gespannt, ob sie aus ihren Fehlern gelernt haben wird! ✨

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Spießrutenlauf

Love Sick
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Assistenzärztin Grace hat einen der renommierten Ausbildungsplätze in der Gynäkologie an ihrer Wunschklinik erhalten. Neben den Selbstzweifeln als Anfängerin entpuppt sich ihr Start jedoch als wahrster ...

Assistenzärztin Grace hat einen der renommierten Ausbildungsplätze in der Gynäkologie an ihrer Wunschklinik erhalten. Neben den Selbstzweifeln als Anfängerin entpuppt sich ihr Start jedoch als wahrster Spießrutenlauf: Ab Tag 1 kursiert das Gerücht, sie habe sich durch sexuelle Gefälligkeiten den begehrten Platz erschlichen. Und wäre das nicht chaotisch genug, gerät sie immer wieder mit dem unfreundlichen Mitstreiter Julian aneinander. Wie soll sie es nur durch diesen Albtraum der 4-Jährigen Ausbildung schaffen?

Deidra Duncans Roman "Love Sick" ist vor allem eins: wahnsinnig witzig und unterhaltsam. Schon auf den ersten Seiten wird man mitten ins Geschehen geschleudert – vielleicht etwas zu abrupt, um Grace gleich vollständig kennenzulernen, doch die Leichtigkeit und der humorvolle Ton sorgten dafür, dass ich sofort weiterlesen wollte. Schnell flogen die Seiten dahin und ich konnte das Buch einfach nicht aus den Händen legen.

Besonders gelungen ist dabei der Blick hinter die Kulissen des Krankenhausalltags. Zwischen Schichtplänen, Stationsfluren und chirurgischem Ehrgeiz werden Themen wie die Arbeitsbedingungen junger Assistenzärzt*innen, das komplexe soziale Gefüge im Klinikum und Sexismus am Arbeitsplatz mit klugen Beobachtungen und spitzer Ironie kommentiert. Diese Mischung aus Leichtigkeit und Gesellschaftskritik verleiht dem Roman Tiefe, ohne ihm den Schwung zu nehmen.

Die beiden Hauptfiguren, Grace und Julian, wuchsen mir sofort ans Herz. Grace ist nach außen hin schlagfertig und taff, innerlich jedoch introvertiert, und damit eine erfrischend vielschichtige Figur, die es im rauen Klinikalltag nicht leicht hat. Julian wirkt wie die gute Seele, freundlich und empathisch, trägt aber ebenfalls an Selbstzweifeln. Ihre Annäherung ist glaubwürdig erzählt: Statt direkt vom Streit in die „Spice“-Momente zu kippen, entwickelte sich die Beziehung Schritt für Schritt, und das Knistern zwischen ihnen fand ich deutlich spürbar.

Auch stilistisch überzeugte mich Love Sick. Duncans Sprache ist plastisch und sprüht vor originellen Vergleichen und witzigen Einfällen. Von der „Hexe im limbischen System“ bis zu augenzwinkernden Anspielungen auf Harry Potter und Twilight. Diese humorvolle Kreativität machte mir das Lesen zu einem echten Vergnügen.

Die Vielzahl an Nebenfiguren ist lebendig gezeichnet, auch wenn ich mich bei den vielen Namen manchmal kurz orientieren musste. Und ja, das unvermeidliche Drama samt vorübergehendem Bruch zwischen Grace und Julian hätte nicht unbedingt sein müssen. Doch insgesamt überwogen Humor, Herzlichkeit und die gelungene Kombination aus romantischer Spannung und intelligenter Gesellschaftssatire.
Für Fans von Ali Hazelwood ist dieser Roman ein absolutes Muss und für alle anderen eine wärmste Empfehlung! Für mich war Love Sick ein echtes Highlight.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Vom Mut über sich hinauszuwachsen

Huhu und Momo – Für dich trau ich mich!
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Inhalt: »Zu Hause ist es einfach am allerschönsten«, denkt sich die kleine Eule Huhu zufrieden. Und sicher ist es obendrein! Nicht mal ihr Freund Momo, die Maus, kann sie überreden, ihr Nest zu verlassen. ...

Inhalt: »Zu Hause ist es einfach am allerschönsten«, denkt sich die kleine Eule Huhu zufrieden. Und sicher ist es obendrein! Nicht mal ihr Freund Momo, die Maus, kann sie überreden, ihr Nest zu verlassen. Abenteuer? Die sind einfach viel zu unsicher! Doch als Momo in großer Gefahr ist, springt die kleine Eule über ihren Schatten. Wird es ihr gelingen, Momo zu retten, und sich auf das Abenteuer »Leben« einzulassen?

Dieses Kinderbuch hat sich direkt in mein Herz gespielt! Die Figuren der Eule Huhu und ihres neu gewonnen Freundes Momo sind herzallerliebst und die Geschichte stellt spielerisch dar, wie wichtig es manchmal ist, Ängste loszulassen und über sich hinauszuwachsen. Der kurze Text wird in Reimen wiedergegeben, was normalerweise nicht so mein Fall ist, hier aber sehr gekonnt wirkte! Am besten sind aber die wunderschönen Zeichnungen! Die Illustration ist wirklich hervorragend, fast wimmelbildartig und auch als Erwachsener kann man sich begeistern lassen!

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