Ein echter Pageturner
Marigold Manor 1: Hidden LiesLola ist Dressurreiterin und möchte unbedingt Einblick in das elitäre Gestüt von Marigold Manor erhalten. Denn dort lebt und arbeitet der Mensch, der für den Tod ihrer Schwester verantwortlich ist: Aiven ...
Lola ist Dressurreiterin und möchte unbedingt Einblick in das elitäre Gestüt von Marigold Manor erhalten. Denn dort lebt und arbeitet der Mensch, der für den Tod ihrer Schwester verantwortlich ist: Aiven Audley. Als sie das Angebot bekommt, mit ihm gemeinsam einen Podcast aufzunehmen, sagt sie deshalb sofort zu. Vor Ort gerät sie jedoch nach und nach immer tiefer in die Machenschaften von Marigold Manor und kann bald nicht mehr differieren, wer Freund und wer Feind ist.
Schon die ersten Seiten haben mich total mitgerissen: Der Schreibstil ist flüssig, leicht zu lesen und gleichzeitig so emotional, dass ich sofort in Lolas und Aivens Welt abgetaucht bin. Besonders durch die wechselnden Perspektiven konnte ich die Handlungen der beiden Figuren von Anfang an gut nachvollziehen – und so sind die Seiten wirklich nur dahin geflogen.
Lola fand ich von Beginn an spannend. Ich konnte gut mit ihr mitfühlen, auch wenn sie manchmal recht verbissen wirkte. Gleichzeitig mochte ich es sehr, dass sie eine starke, schlagfertige Protagonistin ist, die sich nicht blenden lässt - das ist in Romance-Romanen keine Selbstverständlichkeit. Aiven habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er ist zerrissen, gleichzeitig sympathisch und geheimnisvoll. Besonders schön fand ich, dass die Anziehung zwischen den beiden realistisch wirkte und als Slow Burn erzählt wird. Keine kitschige Insta-Love-Story, sondern eine Entwicklung, die mich überzeugt hat. Mein heimlicher Favorit war allerdings Henry, der Bruder von Aiven: seine lockere Art, sein Humor, aber auch die dunkleren Seiten machten ihn für mich extrem interessant. Ich freue mich schon jetzt, dass er in Band 2 mehr Raum bekommen wird.
Was ich nicht erwartet hätte: Dieses Buch ist viel mehr als eine Romance. Es geht um Macht, Sexismus, alteingesessene Strukturen – und darum, wie Menschen in gefährliche Abhängigkeiten geraten. Einige Szenen haben mich richtig geschockt, andere wütend gemacht. Gerade die sexistischen und chauvinistischen Momente fand ich furchtbar beklemmend und gleichzeitig unglaublich wichtig, dass sie thematisiert werden. Das Nachwort hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie realistisch diese Strukturen sind und wie schwer es für Betroffene ist, da rauszukommen. Damit habe ich beim Einstieg in die Geschichte überhaupt nicht gerechnet und genau das hat mich so gepackt.
Richtig toll fand ich den Humor, der sich durchzog, besonders in den Dialogen durch Lolas Schlagfertigkeit. Ich habe mehrmals laut gelacht und die Pop-Culture-Referenzen haben das Ganze noch authentischer gemacht.
Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass die Pferde und auch der Pferdesport ein bisschen zu kurz gekommen sind. Gerade weil Dressurreiten das Setting ist, hätte ich mir innigere Szenen zwischen Mensch und Tier gewünscht. Auch das Ende kam mir etwas zu schnell – vor allem zwischen Lola und Aiven hätte ich gerne noch ein oder zwei klärende Szenen gehabt, um ihre Entscheidungen besser nachfühlen zu können.
Fazit: „Marigold Manor: Hidden Lies“ hat mich total überrascht: Statt einer leichten Romance habe ich eine spannende, tiefgründige und stellenweise richtig beklemmende Geschichte bekommen, die mich emotional komplett abgeholt hat. Ich habe gelacht, geflucht, gehofft und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Trotz kleiner Schwächen im Bereich Pferdesport und einem etwas schnellen Ende ist es für mich ein absoluter Pageturner mit Suchtpotenzial. Band 2 ist für mich Pflicht, allein schon wegen Henry, aber auch, weil ich unbedingt wissen will, wie es in Marigold Manor weitergeht.