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Veröffentlicht am 16.12.2018

Ein kurzweiliger Thriller

The Dead List
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"The Dead List" ist mein zweiter Thriller, den ich von Jennifer L. Armentrout gelesen habe. Neu war allerdings, dass ihr neuster Thriller mit den Stichworten "Sexy Crime" auf dem Cover vermarktet wurde. ...

"The Dead List" ist mein zweiter Thriller, den ich von Jennifer L. Armentrout gelesen habe. Neu war allerdings, dass ihr neuster Thriller mit den Stichworten "Sexy Crime" auf dem Cover vermarktet wurde. Als grosser Fan der Autorin, habe ich bislang fast jedes ihrer Bücher gelesen, musste aber feststellen, dass in ihren neueren Romanen immer mehr explizit ausgeschriebene erotische Szenen miteinfliessen und dadurch für mich teilweise die eigentliche Handlung in den Hintergrund gedrängt wird. Ich war also einerseits neugierig, andererseits auch skeptisch, wie JLA den Mix zwischen Erotik und Thriller bewerkstelligen wollte, wusste aber auch nicht so richtig, was mich eigentlich erwarten wird.

Der Thriller handelt von Ella, einer Schülerin die eines Nachts von einem Unbekannten mit einer Clownsmaske überfallen wird. Glücklicherweise kann sie aus dieser Situation gerettet werden, doch der Vorfall hinterlässt deutliche Spuren bei Ella, die vermutlich erst ganz verschwinden können, wenn der Täter gefasst wird. Und als hätte sie seit dem Angriff nicht schon genug Angst, tauchen in den folgenden Wochen immer wieder verschiedene ominöse Hinweise auf, die darauf schliessen lassen, dass der Täter sie nach wie vor im Auge behält und sogar in ihre Wohnung einbrechen kann, ohne dass sie es gemerkt hat.
Um wenigstens ein bisschen das Gefühl von Sicherheit zurückzuerlangen, entschliesst sie sich einen Selbstverteidigungskurs zu machen. Der Kursleiter ist jedoch kein Unbekannter, sondern ausgerechnet ihr ehemals bester Freund Jensen, in den sie vor einigen Jahren heimlich verliebt war. Obwohl sich die beiden lange Zeit nicht mehr gesehen haben, weil Jensen damals wegezogen ist, werden nach dem Wiedersehen wieder alte Gefühle wach und es beginnt zwischen den beiden zu knistern - trotz der ständigen Angst, die Ella durchs Leben begleitet. Doch Jensen schafft es, sie wenigstens für ein paar Augenblicke von dieser Furcht abzulenken und ihr Schutz zu geben.
Neben diesem Hauptplot sind auch immer wieder Kapitel eingefügt, die von einem tragischen Ereignis aus der Vergangenheit erzählen, bei dem Penn, einer von Ellas und Jensens damaligen besten Freunden, ums Leben gekommen ist. Angestossen werden diese Erinnerungen ausgerechnet durch Ereignisse aus der Gegenwart. Ella war nicht die Einzige, die von einem Unbekannten überfallen wurde. Nach und nach verschwinden immer mehr Mädchen, die Penn zu seinen Lebzeiten gemobbt haben. Auch die Hinweise, die der Täter Ella immer wieder hinterlegt, erinnern an Penn, so dass Ella nicht mehr an einen Zufall glaubt, sondern davon ausgeht, dass die Entführungen und Überfälle aus der Gegenwart auf irgendeine Art mit Penn in Verbindung stehen. Doch wer steckt hinter diesem ganzen Übel?

Durch den packenden und flüssigen Schreibstil der Autorin, ist das Buch sehr kurzweilig und es liest sich sehr schnell. Kaum habe ich mit dem Lesen begonnen, war ich auch schon mittendrin in der Handlung und die Seiten sind sprichwörtlich dahin geflogen. Dabei gelingt es ihr auf geschickte Weise, durch die Verknüpfung von der Vergangenheit mit der Gegenwart, die Spannung während des gesamten Buches aufrecht zu erhalten. Bis zuletzt habe ich mitgerätselt, wer der Täter sein könnte. Die Enthüllung war am Schluss zwar nicht so schockierend oder überraschend, wie ich erwartet hätte, aber sie fügt sich gut in die restliche Geschichte ein und machte für mich als Leserin Sinn.
Neben dem Thriller-Aspekt möchte ich aber natürlich auch auf den anfänglich angesprochenen erotischen Teil zu sprechen kommen. Der blieb nämlich, wider Erwarten und zu meiner positiven Überraschung, fast gänzlich aus. Zwar ist die Liebesgeschichte, die sich zwischen Ella und Jensen entwickelt, sehr vorhersehbar und ja, teilweise auch etwas kitschig, aber es gibt im Buch keine expliziten erotischen Szenen. Alle Sexszenen - und das waren zum Glück sehr wenige - werden nur kurz angedeutet und stören somit nicht den eigentlichen Verlauf der Handlung. Als "Sexy Crime" würde ich den Thriller damit nicht unbedingt bezeichnen, da es kaum sexy wird, aber der romantische Anteil fügt sich gut in den Plot ein und bietet dem Leser ein bisschen "Verschnaufpausen" neben der beklemmenden, eigentlichen Handlung.

Fazit:
Bei "The Dead List" handelt es sich um einen kurzweiligen Thriller, der mit ein paar romantischen Anteilen ergänzt wird, die sich gut in den Hauptplot einfügen, in meinen Augen aber nicht unbedingt nötig gewesen wären. Es handelt sich um kein literarisches, hochkomplexes Meisterwerk, aber ich wurde während der gesamten Lesezeit gut unterhalten und habe ich mich an keiner Stelle gelangweilt. Da mir aber dennoch das gewisse Etwas gefehlt hat, dass das Buch aus der Masse an Thrillern herausstechen lassen würde, gibt es von mir 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.12.2018

Ein typischer Musso

Was wäre ich ohne dich?
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Mit Guillaume Musso verbinde ich eine ähnliche Hass-Liebe wie mit Sebastian Fitzek: Wenn ich seine Bücher mal anfange, dann sind sie sehr kurzweilig und fesselnd und ich kann sie kaum aus der Hand legen. ...

Mit Guillaume Musso verbinde ich eine ähnliche Hass-Liebe wie mit Sebastian Fitzek: Wenn ich seine Bücher mal anfange, dann sind sie sehr kurzweilig und fesselnd und ich kann sie kaum aus der Hand legen. Beim Lesen fällt mir dann aber jedes Mal auf, dass die Handlung nach dem immer gleichen Schema abläuft: Es geht um einen männlichen Protagonisten, der als Ermittler bei der Polizei arbeitet, aus Frankreich stammt und irgendeine Verbindung in die USA hat, weshalb irgendwann der Schauplatz dorthin verfrachtet wird. Gegen Ende des Buches werden dann meistens immer mehr Verstrickungen aufgelöst und oftmals kommt ein mystischer Anteil ins Spiel, der dann als Erklärung für einzelne Ereignisse aus der Vergangenheit dienen soll.
Dieses Schema hat Musso auch in seinem neusten Buch beibehalten. Diesmal geht es um Martin, der als Polizist in Paris arbeitet und den berühmt-berüchtigten Kunstdieb Archibald jagt. Beinahe gelingt ihm das, aber eben nur beinahe.
Obwohl ihm der erste Versuch misslingt, will Martin die Suche nicht aufgeben. Unterstützt wird er bei seinen Ermittlungen von Archibald höchstpersönlich, der Martin entscheidende Hinweise liefert, um ihn zu finden. Um den Kunstdieb dingfest machen zu können, muss Martin allerdings in die USA reisen, wo er seine erste und einzig wahre Liebe Gabrielle wiedersieht und damit unweigerlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Sehr bald muss Martin feststellen, dass es sich nicht um einen blossen Zufall handelt, dass seine Jagd auf Archibald ihn ausgerechnet in die Arme von Gabrielle führt, sondern es einen guten Grund dafür gibt.

An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, denn aufzudecken, wie die einzelnen Personen und ihre Vergangenheit miteinander verstrickt sind, ist das, was den hauptsächlichen Lesespass bei Mussos Büchern ausmacht. Die Auflösung(en) waren in meinen Augen zwar teilweise sehr weit hergeholt und wirkten dadurch etwas konstruiert, aber das Buch war trotzdem spannend.
Im Schlussteil nimmt die Handlung dann eine abrupte, überraschende Wendung und der oben erwähnte, von Musso häufig verwendete Mystery Anteil, kriegt ebenfalls seinen Platz. Ich kann darauf leider nicht genauer eingehen, da jede Erläuterung einen Spoiler für die eigentliche Handlung darstellen würde. Ich kann aber so viel verraten, dass der Schlussteil für meinen Geschmack etwas "too much" war und auf mich nicht ganz stimmig zur restlichen Geschichte gewirkt hat. Ich habe nichts gegen mystische Aspekte in Romanen, solange sie gut in die übrige Story eingeflochten werden und trotz teilweise übernatürlicher Phänomene, glaubhaft wirken. In diesem Fall ist das Musso leider nicht ganz gelungen und der Schlussteil wirkte irgendwie deplatziert. Ausserdem hat es sich der Autor einmal mehr sehr einfach gemacht, sein Buch auf diese Art und Weise zu beenden und jedem Charakter ein Happy End zu schenken. Das ging mir alles ein bisschen zu schnell, gerade weil im Schlussteil auch noch einmal kurzzeitig ein neuer, junger Charakter eingeführt wird, der eigentlich gar nichts zur eigentlichen Story beiträgt. Das hat mich etwas verwirrt und auch etwas enttäuscht zurückgelassen.

Fazit:
Ein typischer Roman aus der Feder von Guillaume Musso, der einen Genremix aus Liebesroman, Thriller und Mystery enthält. Fans des Autors werden sicher nicht enttäuscht, denn der Roman ist, bis auf den Schlussteil, wie gewohnt kurzweilig und fesselnd. Der Schlussteil war allerdings ein Grund dafür, dass ich meine Bewertung von 3,5 Sternen letztendlich auf 3 Sterne abgerundet hatte, denn der Mystery-Anteil hat die bis dahin eigentlich sehr unterhaltsame und spannende Geschichte etwas getrübt. Insgesamt handelt es sich um ein gutes Buch für Zwischendurch, ich warte aber immer noch auf den Tag, an dem sich Musso mal aus seiner Comfort Zone herauswagt und uns einen ganz neuen, innovativen Roman liefert. Dann würden mir seine Geschichten vermutlich auch mal länger in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 09.11.2018

Solide Romantasy

Wicked - Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit
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Ich habe Wicked bereits einmal im Jahr 2015 auf Englisch gelesen und wusste in etwa, was mich erwarten würde. Als ich entdeckt habe, dass die komplette Reihe auf Deutsch übersetzt wurde, wollte ich das ...

Ich habe Wicked bereits einmal im Jahr 2015 auf Englisch gelesen und wusste in etwa, was mich erwarten würde. Als ich entdeckt habe, dass die komplette Reihe auf Deutsch übersetzt wurde, wollte ich das zum Anlass nehmen, den ersten Band noch einmal zu Rereaden, um die Trilogie diesmal hoffentlich komplett zu beenden, nachdem ich damals im 2. Band ausgestiegen bin.

JLA ist eine meiner liebsten Autoren. Ich habe ihre Lux- und Dark Elements Reihen vor einigen Jahren regelrecht verschlungen, allerdings fokussiert sie sich neuerdings vermehrt auf das New Adult Genre, was leider nicht mehr ganz so mein Bereich ist. Während früher der Fantasyteil im Fokus ihrer Bücher lag, dient er heute leider nur noch als Nebenprodukt einer Liebesgeschichte, die stattdessen in den Vordergrund gerückt wurde. Das ist auch bei Wicked der Fall. Da das Buch aber auch im New Adult Genre angegliedert ist, ist das okay. Man muss einfach wissen, worauf man sich einlässt. Es ist kein Fantasyroman per se, sondern eine erotische Liebesgeschichte, in der zufälligerweise ein paar übernatürliche Wesen vorkommen.

Nachdem das gesagt wurde, will ich natürlich auch noch etwas zum Inhalt des Buches sagen. Im Fokus der Geschichte steht Ivy, eine Faejägerin, die für einen Orden tätig ist und sich darum kümmert, die bösartigen Fae aus der Menschenwelt zu vertreiben, indem sie sie tötet. Der Job ist lebensgefährlich. Das musste Ivy schon früh lernen, als sie nicht nur ihre leiblichen Eltern, sondern auch ihre Adoptiveltern und ihren festen Freund Shaun verloren hatte. Seither ist ihr niemand mehr bis auf ihre beste Freundin Val geblieben.

Als in New Orleans plötzlich Fae unterwegs sind, die nicht wie üblich getötet werden können, holt sich der Orden Unterstützung durch einen weiteren Jäger aus einer anderen Stadt: Ren. Ren ist ein attraktiver, junger Mann, der sofort ein Auge auf Ivy wirft. Hierzu muss ich gar nicht so viel sagen, denn zwischen den beiden entwickelt sich sehr vorhersehbar eine Liebesgeschichte, die aber zumindest ohne grösseres Drama und Hin- und Her entsteht. Positiv fand ich auch, dass Ren mal nicht als der typische Bad Boy dargestellt wird, sondern eigentlich sehr charmant, hilfsbereit und nett ist und trotzdem sexy sein kann. Das Buch enthält ein paar Sexszenen, die ich nur überflogen habe, weil es für mich immer ein das gleiche ist. Fans des New Adult Genres werden aber sicher auf ihre Kosten kommen. Für mich hätte es die Sexszenen nicht gebraucht.

Einen Charakter, den ich besonders hervorheben möchte, ist Tink. Tink ist ein Brownie (ein kleines fliegendes Wesen), das sich bei Ivy eingenistet hat und eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Trotzdem bin ich ein grosser Fan von ihm. Er sorgt nicht nur für haufenweise popkulturelle Anspielungen und ist u.a. ein grosser Fan von Harry Potter (was ihn äusserst sympathisch macht), er sorgt auch für jede Menge amüsante, sarkastische Sprüche, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Da ich damals schon in den zweiten Band reingelesen habe, weiss ich, dass er im weiteren Verlauf eine grössere Rolle einnehmen wird und darauf freue ich mich ganz besonders.

Die Handlung an sich liest sich relativ schnell weg, trotz 480 Seiten. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Das Ende wartet dann mit einer (mehr oder weniger) überraschenden Wendung auf und endet in einem Cliffhanger. Für meinen Geschmack hätte der Schluss zwar etwas länger und ausführlicher ausfallen dürfen, aber alles in allem war es okay und es war ein Spannungsbogen enthalten.

Fazit:
Insgesamt ein solider, unterhaltsamer Roman, wie man ihn von Jennifer L. Armentrout kennt. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm und packend, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Das Buch ist viel mehr im New Adult Genre, als im Fantasy/Paranormal Genre angesiedelt. Wenn man sich dem bewusst ist, wird man an dem Buch Freude haben. Ich persönlich bevorzuge aber ihre Bücher, in denen der Fantasyaspekt viel mehr im Fokus der Handlung liegt und hätte die erotischen Szenen nicht gebraucht. Sie halten sich aber insgesamt im Rahmen. Von mir gibt es für diesen Reihenauftakt 3.5 Sterne und ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen.

Veröffentlicht am 15.10.2025

Hat mich nicht ganz überzeugt

Der Kaiser der Freude
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Auf dieses Buch bin ich eigentlich nur wegen seiner Popularität aufmerksam geworden – den Autor kannte ich vorher gar nicht. Wäre es allein nach dem (deutschen) Cover gegangen, hätte ich es wahrscheinlich ...


Auf dieses Buch bin ich eigentlich nur wegen seiner Popularität aufmerksam geworden – den Autor kannte ich vorher gar nicht. Wäre es allein nach dem (deutschen) Cover gegangen, hätte ich es wahrscheinlich links liegen lassen. Während das Bild auch im englischen Original verwendet wurde, finde ich Schriftart und Platzierung des Titels und Autors in der deutschen Version furchtbar! Das sieht aus, als wäre das Cover mit Paint gestaltet worden. 😂

Was mir beim Hören sofort aufgefallen ist, war Vuongs aussergewöhnlicher Schreibstil – poetisch, ehrlich und unverstellt trifft es wohl am besten. Ob einem das gefällt, ist sicher Geschmackssache. Ich selbst lasse mich von literarischen Schreibstilen meist weniger beeindrucken und lege mehr Wert auf eine gute Story – und die gab es hier leider nur bedingt.
Der Einstieg hat mir gut gefallen: Wir lernen den Protagonisten Hai in einer dramatischen Situation kennen, in der er sich das Leben nehmen will. Kurz davor trifft er auf Grazina, eine ältere Dame aus Litauen, die an Demenz leidet und Hai bittet, ihr zu Hause zu helfen. So entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Das Problem? Viel mehr passiert in der ersten Hälfte nicht. Neben Grazinas Pflege arbeitet Hai auf einem Food Market, wo auch viele andere Charaktere schuften, die alle auf ihre Weise mit dem Leben zu kämpfen haben. Das Buch besteht hauptsächlich aus Schilderungen von Begegnungen zwischen Hai und Grazina oder Gesprächen zwischen Hai und seinen Mitarbeiter:innen – ohne dass etwas wirklich Wesentliches passiert.
Irgendwann habe ich ehrlicherweise auch ein bisschen das Interesse verloren, weil mir ein roter Faden gefehlt hat. Wäre es allein nach der ersten Buchhälfte gegangen, hätte ich dem Buch wahrscheinlich nur 2 Sterne gegeben. Im letzten Viertel kommt dann aber noch eine kleine Entwicklung, die zu einem kurzen Roadtrip mit all den verschiedenen Charakteren führt – das war dann kurzzeitig wieder etwas interessanter.

Insgesamt konnte mich das Hörbuch aber trotz seines aussergewöhnlichen Schreibstils, der vielen ernsten Themen und der bunten Charaktere emotional nicht richtig mitreissen oder tief berühren. Für mich waren viele der Gespräche zu belanglos, und auch wenn ich ein Fan von besonderen Freundschaften bin, hat mir hier eine Spannungskurve bzw. eine eigentliche Handlung gefehlt. Hais Reise zu seinen Selbsterkenntnissen hat für mich leider nicht gereicht, damit ich das Buch besser bewerten könnte.

Der Sprecher des Hörbuchs war okay – mehr aber auch nicht. Er macht seine Sache solide, ist für mich jetzt aber nicht besonders herausgestochen.

Fazit:
Das Buch punktet mit einem besonderen Schreibstil, einzigartigen Charakteren und einigen berührenden Momenten. Leider plätschert die Handlung über weite Strecken nur vor sich hin, und die vielen Begegnungen und Gespräche zwischen den Figuren haben für mich nicht gereicht, um mich wirklich bei der Stange zu halten. Es hat einfach das gewisse Etwas gefehlt. Insgesamt okay – aber kein Buch, das mir lange in Erinnerung bleiben wird oder das ich aus einem bestimmten Grund weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Idee gut, Umsetzung na ja

Vorsehung
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Auf einem Flug nach Sydney steht eine ältere Dame plötzlich auf und läuft durch die Reihen und nennt ungefragt jedem und jeder Passagier:in in welchem Alter die jeweilige Person sterben wird und auch die ...

Auf einem Flug nach Sydney steht eine ältere Dame plötzlich auf und läuft durch die Reihen und nennt ungefragt jedem und jeder Passagier:in in welchem Alter die jeweilige Person sterben wird und auch die Todesumstände.
Dies löst verständlicherweise unterschiedliche Reaktionen aus. Während einige das Ganze belächeln und für einen Scherz halten, reagieren andere eher ängstlich oder verschreckt.
Einige Zeit nach dem Flug werden dann tatsächlich einige wenige Tode bekannt, die sich bewahrheitet haben, sodass nun auch die letzten Skeptiker Zweifel bekommen, ob es sich nicht doch um wahre Voraussagen gehandelt hat. Und sie müssen sich allmählich mit der Vorstellung anfreunden, dass ihr Tod näher kommt und sie genau wissen, wann und woran sie sterben werden...

Dieser vielversprechende Einstieg in das Buch hat mich wirklich wahnsinnig neugierig gemacht und hat so viel Potenzial für ein interessantes Gedankenexperiment beinhaltet: Was geschieht, wenn wir plötzlich das Alter kennen würde, in dem wir sterben und die Todesumstände? Welchen Einfluss hätte dies auf unser Leben? Würden wir unser Leben anders leben? Würden wir so weitermachen, als wäre nichts?
Fragen über Fragen, die vermutlich auch spannende philosophische Diskussionen bieten würde und auch mich selbst zum Nachdenken angeregt hat.

Nur leider hatte ich dann im weiteren Verlauf den Eindruck, dass das Potenzial dieser spannenden Idee nicht ausgeschöpft wurde. Ein grosses Hauptproblem habe ich darin gesehen, dass es einfach zu viele unterschiedliche Personen gab, deren Leben im Buch beleuchtet wurde. Dass die Autorin als Setting für die Ausgangslage ein volles Flugzeug gewählt hat, war aus meiner Sicht eher suboptimal, denn dadurch waren einfach viel zu viele Leute von den Prophezeiungen betroffen, die im Nachgang dann auch in der weiteren Geschichte verfolgt werden mussten. Das hat die Geschichte einerseits sehr in die Länge gezogen und andererseits trotzdem nur ausgereicht, um einen sehr kurzen Einblick in das Leben der "Todeskandidat:innen" zu bekommen, was dazu geführt hat, dass mir letztendlich die Tiefe gefehlt hat – sowohl was die Charaktere, als auch der Plot an sich angeht. Und das war wahnsinnig schade, bei einem solchen Thema, das so viel Tiefgründigkeit bieten würde.
Erschwerend kam hinzu, dass ich das Hörbuch gehört habe, was es meiner Meinung nach noch schwieriger gemacht hat, den Überblick über all die Namen zu behalten. Ich habe mich ständig während des Zuhörens gefragt "wer war das nochmal?" und konnte mich an einige Personen aus dem Flugzeug gar nicht mehr erinnern, sodass mir deren vermeintliches Schicksal nicht sonderlich naheging.

Ein grosser Teil der Erzählung nimmt auch die Hintergrundgeschichte der vermeintlichen Wahrsagerin ein, wobei retrospektiv nach und nach aufgedeckt wird, wie es zu diesem schicksalshaften Flug gekommen ist und welche Umstände die Protagonistin vermutlich zu ihren Prophezeiungen gebracht haben.

Der rote Faden, der sich durch das Buch zieht, ist vor allem die Frage, ob die Prophezeiungen nun echt sind, oder nicht.
Die Frage wird am Ende auch beantwortet und hat mich dann tatsächlich etwas überrascht, weil ich die "Auflösung" tatsächlich nicht so erwartet hatte. Die Überraschung ist allerdings nicht nur positiv zu werten, denn der Schluss war für meinen Geschmack dann unglaublich kitschig und konstruiert, aber immerhin erhalten wir ein rundes Ende.

Die Sprecherin des Hörbuchs hat mir wiederum gut gefallen und hatte eine sehr angenehme Erzählweise. Auch der Schreibstil war sehr flüssig, sodass man der Handlung insgesamt gut folgen konnte.

Fazit:
Eine interessante Idee, die leider nicht ganz überzeugend umgesetzt wurde. Das Thema mit dem vorhergesagten Todeszeitpunkt lässt viel Raum für eigene Reflexionen und wie man selbst damit umgehen würde, aber die Autorin hätte sich auf 2–3 ausgewählte Personen fokussieren sollen, da dadurch die Geschichte mehr in die Tiefe hätte gehen können. Von mir gibt es deshalb 3 Sterne für ein eher durchschnittliches Buch.

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