Temporeich, düster und voller falscher Fährten
Not Quite Dead Yet„Not Quite Dead Yet“ hat mich von der ersten Seite gepackt und nicht mehr losgelassen. Der Kniff, dass Jet nur noch 7 Tage zu leben hat, gibt der Geschichte ein gnadenlos schnelles Tempo – hier gibt es ...
„Not Quite Dead Yet“ hat mich von der ersten Seite gepackt und nicht mehr losgelassen. Der Kniff, dass Jet nur noch 7 Tage zu leben hat, gibt der Geschichte ein gnadenlos schnelles Tempo – hier gibt es keinen Platz für unnötiges „Bla bla“. Jede Szene zählt, jede Enthüllung treibt den Countdown voran und der Zeitdruck ist beim Lesen regelrecht spürbar.
Die Figuren sind herrlich vielschichtig – undurchsichtig genug, dass man wirklich jeden irgendwann verdächtigt. Jets Familie? Zum Großteil unsympathisch und kaum einzuschätzen. Freunde, Bekannte, Nebenfiguren – alle scheinen Geheimnisse zu haben und Holly Jackson versteht es meisterhaft, Zweifel zu säen.
Jet selbst ist keine typische Sympathieträgerin – und genau das mochte ich so an ihr. Ihr schwarzer Humor, ihre bissigen Kommentare und ihre schonungslose Ehrlichkeit haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Gleichzeitig ist es berührend zu sehen, wie sie in dieser kurzen Zeit aufblüht, echte Bindungen erlebt und das Leben auf eine Weise kennenlernt, die ihr vorher fremd war.
Und dann ist da Billie – das Herzstück der Geschichte. Die stillen, warmen Momente zwischen ihm und Jet waren für mich genauso fesselnd wie die spannungsgeladenen Szenen. Billie bringt Ruhe in Jets Chaos, während sie ihn gleichzeitig aus seiner Komfortzone zieht. Diese Dynamik hat mich oft sehr berührt.
Der Plot ist voll von Wendungen, Enthüllungen und verwobenen Geheimnissen. Auch wenn ich gegen Ende den richtigen Riecher hatte und die richtige Person sogar vor Jet verdächtigte, hat das der Spannung keinen Abbruch getan. Im Gegenteil - es war faszinierend, mitzuerleben, wie sich die Puzzleteile zusammenfügten, ohne dass alles sofort durchschaubar wurde. Das Ende war dabei absolut passend zum gesamten Fall – ein echter Full-Circle-Moment, der die Geschichte auf eine stimmige und befriedigende Weise abschließt.
Fazit: Rasantes Tempo, brillantes Figurenensemble, düsterer Humor und ein Plot, der einen bis zur letzten Seite fesselt. Dazu kommt Holly Jacksons einzigartiger, packender Schreibstil und ihr unglaubliches Talent, Thriller zu erschaffen, die einen komplett in den Bann ziehen. Genau deshalb gehört sie für mich zu den wenigen Auto-Buy-Autorinnen – ich kaufe jedes ihrer Bücher blind, ohne auch nur den Klappentext zu lesen.