Schweiß, Fluchen und Glücksmomente – Rick Zabel hautnah
On the RoadRadfahren als Lebensgefühl – das ist wohl die Essenz von Rick Zabels Buch. Wer glaubt, hier eine reine Heldengeschichte eines Profis präsentiert zu bekommen, liegt daneben. Stattdessen gibt es ehrliche ...
Radfahren als Lebensgefühl – das ist wohl die Essenz von Rick Zabels Buch. Wer glaubt, hier eine reine Heldengeschichte eines Profis präsentiert zu bekommen, liegt daneben. Stattdessen gibt es ehrliche Einblicke in ein Leben, das von Qualen, Schweiss und manchmal auch vom totalen Frust geprägt ist – und gerade dadurch richtig spannend wird. Es fühlt sich an, als würde man mit Zabel im Sattel sitzen: hochkeuchen, fluchen, lachen und trotzdem immer wieder aufs Rad steigen.
Zabel schreibt direkt, locker und mit einem Humor, der einem das Lächeln mitten ins Gesicht tackert. Klar, er ist nicht der große Seriensieger à la Tour-de-France-Legende, aber genau das macht ihn sympathisch. Hier erzählt einer, der das Durchhalten, das Teamwork und die Liebe zum Sport feiert, auch wenn die ganz großen Trophäen nicht im Regal stehen. Seine Selbstironie tut dabei richtig gut – denn Hand aufs Herz: Wer will schon das hundertste Heldengedöns lesen, wenn man auch mal die harten und absurden Seiten des Radfahrerlebens serviert bekommt?
Natürlich gibt’s auch mal Stellen, die sich etwas ziehen – wie eine gefühlt endlose Bergetappe. Da denkt man kurz: Jetzt bitte einen Energieriegel und Abfahrt! Aber dann kommt gleich wieder eine Anekdote oder ein Gedanke, der so treffend ist, dass man das Buch nicht zur Seite legen mag.
Am Ende bleibt ein Gefühl wie nach einer langen Radtour: kaputt, zufrieden und irgendwie glücklich. Man spürt die Leidenschaft, die Hingabe und das kleine Quäntchen Wahnsinn, das diesen Sport so faszinierend macht. Vier Sterne, weil es mich wirklich gepackt hat – und ein Sternchen Abzug für die ein, zwei Passagen, die wie ein Platten im Lesefluss wirken. Trotzdem: Eine Fahrt, die sich lohnt.