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Veröffentlicht am 01.09.2025

Für Dani Atkins zu banal

Versprich mir, dass du tanzt
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Immer wenn etwas Neues von Dani Atkins angekündigt wird, bin ich auf jeden Fall dabei. Ich finde, dass es extrem schwierig ist, die Autorin und ihren Stil zu beschreiben. Aber ich weiß definitiv, dass ...

Immer wenn etwas Neues von Dani Atkins angekündigt wird, bin ich auf jeden Fall dabei. Ich finde, dass es extrem schwierig ist, die Autorin und ihren Stil zu beschreiben. Aber ich weiß definitiv, dass ich in ihrer Stilistik nie nach anderen suche, die ähnlich schreibe. Da verlasse ich mich ganz auf Atkins und mit welcher Thematik sich mich als nächstes überraschen wird.

„Versprich mir, dass du tanzt“ ist nun das neuste Werk von Atkins und ich wurde überrascht, aber leider eher negativ. Insgesamt lässt sich meine Kritik dadurch zusammenfassen, dass ich das gewählte Thema zu harmlos und zu banal fand. Dazu habe ich beide Liebesgeschichten nicht restlos fühlen können. So hatte ich zwar ein Buch, das ich wie üblich sehr schnell weglesen konnte, aber es hat mich nicht so emotional gepackt, wie ich das schon oft genug bei ihr als Autorin erlebt habe. Aber mir ist klar, dass das auch was mit Erwartungen zu tun hat und genug Bücher zu kennen, sodass ich unweigerlich vergleiche. Ohne Vergleich und ohne Erwartungen ist „Versprich mir, dass du tanzt“ sicherlich für viele ein Highlight.

Wir fangen schon sehr extrem traurig mit der Geschichte an. Das war auch noch der Punkt, bei dem ich voll drin war. Auch wenn es erst schwer war, sich zu orientieren, aber es hat natürlich ordentlich zugeschlagen, dass wir eine intensive Liebesgeschichte enden sehen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Der Ausschlag für den Rest ist dann Adams Bitte an Lily, dass sie für ihn wieder mit ihrem ehemals besten Freund Josh aufnehmen soll. Die eine Liebe verloren, aber vielleicht Versöhnung und Zukunft mit der anderen? Das ist so grob das Thema des Buchs. Das reicht mir oft genug auch und gerade wenn ich an Cecelia Ahern etc. denke, dann waren das stets schon die Handlungen, die anziehen. Traurige Liebesgeschichten, die aber Hoffnung für etwas Neues ausstrahlen. Aber ich habe einfach die ganze Zeit auf den besonderen Kniff gewartet. Atkins ist keinesfalls eine Fantasy-Autorin, aber sie ist spirituell und hat dementsprechend schon oft übernatürliche Konzepte eingearbeitet. Und irgendetwas in dieser Richtung hätte ich mir für die Handlung gewünscht.

Es kam aber nicht und so hätte ich die Handlung anspruchsvoller und ausgearbeiteter gebraucht. Lily ist unsere Protagonistin, die uns durch alle Zeitebenen leitet. Sie ist für mich dementsprechend als Einzelperson ausgearbeitet und ich habe sie gut verstanden. Doch beide Männer waren mir einfach zu wenig. Da wir Adam schon zu Beginn verlieren, ist es natürlich komplex, aber es gab Rückblenden und da wäre es sicherlich möglich gewesen, ihn als Menschen auszubauen. Ich mochte die erste Begegnung von ihm und Lily sehr und ich habe verstanden, warum er sie nach dem ganzen Herzschmerz durch Josh so mitgerissen hat. Aber ich hätte dennoch gerne mehr über ihn erfahren. Er wirkte auch völlig familienlos, als sei er ein einzelner Mensch ohne Geschichte gewesen. Josh ist ausgearbeiteter, das auf jeden Fall. Aber dennoch habe ich ihn einfach nicht richtig zu packen bekommen. Der jugendliche Josh mit seiner komplizierten Geschichte, der durch die neuen Pflegeeltern und durch Lily Konstanz und Wärme kennenlernt, da war alles fein. Aber wer ist der spätere Josh? Der junge Erwachsene, der, der Lily auf einmal nachjagt, aber dann auch der Einsiedler?

Dadurch, dass beide Männer für mich unter Wert verkauft wurden, habe ich auch bei beiden Liebesgeschichten kein Gefühl empfunden, das einfach durch mit strömt. Ich konnte mich an einigen Stellen erfreuen, weil sie dann zu Herz gehen, aber mehr sprachlich als wirklich menschlich. Was mir zwischendurch aber richtig gut gefallen hat, das war ein kleines Intermezzo zu Mutterschaft, auch ohne Mann an der Seite. Da waren sehr schöne Gedanken festgehalten und auch alles rund um Lilys Kollegin/Freundin war an der Stelle ideal ergänzt. Das hat mir gezeigt, dass es kein großes Tamtam braucht, sondern einfach etwas, was das Herz berührt. Die generelle Thematik war zu gewollt, aber in Kleinigkeiten konnte man definitiv etwas für sich mitnehmen. Aber ich hoffe doch sehr, dass mich Atkins mit dem nächsten Buch wieder mehr mitreißt.

Fazit: „Versprich mir, dass du tanzt“ ist im Vergleich zu anderen Dani Atkins-Werken als eher schwach zu bezeichnen. Ich fand die Themenwahl recht banal, da fehlte das gewisse Etwas. Zudem bekommen wir zwei Liebesgeschichten, die aber beide nicht recht zünden. So bleibt der angenehme Stil und dass sich Atkins immer weich anfühlt, aber sie habe ich sonst besser in Erinnerung.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Reihenkonzept nicht überzeugend genug

Der Trailer
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Linus Geschke ist im deutschen Krimigeschäft auch mir schon seit vielen Jahren ein Begriff, dennoch habe ich bislang noch nie zu einem Buch von ihm gegriffen. Da kam das Hörbuch zu „Der Trailer“ genau ...

Linus Geschke ist im deutschen Krimigeschäft auch mir schon seit vielen Jahren ein Begriff, dennoch habe ich bislang noch nie zu einem Buch von ihm gegriffen. Da kam das Hörbuch zu „Der Trailer“ genau richtig, zumal es bei Piper eine neue Reihe von ihm einleitet, sodass es der ideale Zeitpunkt ist, bei ihm mal einzusteigen und mir ein Begriff zu ihm zu machen.

Ich habe mich im Vorfeld nicht groß mit dem Konzept der Reihe beschäftigt. Für mich war nur ausschlaggebend, dass es eine neue Reihe ist, sodass ich kein Vorwissen brauche, um mich auf die Handlung einlassen zu können. Im Nachhinein habe ich mich dennoch gefragt, wie diese Reihe mit bislang angekündigten drei Bänden funktionieren soll, da der Campingplatz in Belgien, Donkerbloem, titelgebend ist und damit die Handlung dort immer wieder gebunden werden wird. Das betrachte ich ein wenig skeptisch, weil die Aussicht, genau diese Figurenkonstellationen wieder zu erleben, mich nicht unbedingt in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt. Aber dazu gleich mehr. Zunächst möchte ich noch auf Richard Barenberg als Sprecher eingehen. Da die Perspektiven zwischen den Geschlechtern gerecht aufgeteilt sind, habe ich mir schon mal gedacht, eine weibliche Stimme hätte nicht geschadet, aber das wurde leider nicht angeboten und in diesem Sinne musste ich mich mit jedem neuen Kapitel erstmal etwas orientieren, wer jetzt gerade dran ist. Die Stimme passte zu dem Genre ansonsten aber sehr gut.

Kommen wir jetzt wieder zum Inhalt. Wir haben recht viele Perspektiven, was ich für dieses Genre eigentlich immer sehr gut findet. Chris Carter, Nele Neuhaus, das sind so von meinen üblichen Autoren im Krimi und Thriller genau die, die das sehr gut beherrschen und damit ihre Geschichten immer anreichern. Auch hier in „Der Trailer“ fand ich das grundsätzlich gut. Es gab Perspektiven, wie die von Wout und Frieda, die sehr häufig auftauchen. Andere sind eher seltener, was es dann schon etwas komplexer gemacht hat, sie zunächst einzuordnen und dann wiederzuerkennen. Man hat auch deutlich gemerkt, dass vor allem eine Perspektive erst für die Folgebände von Bewandtnis sein wird. Das hat sie hier etwas zur Störfalle gemacht, weil es nicht konkret zu Ergebnissen führt, aber insgesamt wird sie noch Bedeutung haben. Aber die anderen Perspektiven nähern uns immer mehr den Antworten an, was einst auf dem Campingplatz passiert ist.

Ich hatte leider ein wenig das Problem, dass ich mich mit den Figuren sehr schwer getan habe. Es ist nicht unbedingt das Genre, in dem ich Sympathieträger suche, aber ich will dennoch etwas, was mich reizt und das war hier bei keinem wirklich geboten. Auch wenn schnell klar ist, dass Friedas Suspendierung bei der Hamburger Polizei nicht an ihr selbst liegt, sondern an Machenschaften. Aber ich fand sie als Person sehr schwer zu greifen. Deutlich klarer sind da Wout oder auch Kathinka ausgearbeitet, aber auch da, es wollte einfach kein Funken überspringen. Gerade Wout ist für mich eher abschreckend. Ich finde es respektabel, dass man solche ambivalente Figuren ins Zentrum rückt. Aber seine ganze Art war anstrengend und die Aussicht, dass so jemand der Reihe dann erhalten bleibt, ich weiß nicht, das reizt mich gar nicht. Auch weil die Kombination von ihm zu dem Boxer Tayfun ungewöhnlich ist, aber die ganzen wiederholenden Gespräche am Anfang, da kam doch einiges zusammen, was mich eher gehindert hat, mich mit Interesse an Figuren und Handlung zu binden.

Dennoch würde ich unter dem Strich sagen, dass der Fall an sich funktioniert. Die Frage, was einst mit der jungen Lisa Martin passiert ist, das ist ein spannender roter Faden. Es war auch eine gute Idee, sich vorzunehmen, den Fall von mehreren Sichten aus zu lösen. Mit Frieda eher professioneller, wenn sie durch ihre Suspendierung auch viel improvisieren muss, mit Kathinka von Rache getrieben und mit Wout aus Angst, er könnte der nächste sein. Ich hatte zwischendurch einen Verdacht, der sich dann halb bestätigt hat, dementsprechend kann ich auch nicht behaupten, dass der Ausgang vorhersehbar wäre. Es war am Ende überraschend, aber es war kein Kriminalfall, der mich bis zum Ende richtig mitzittern lässt.

Fazit: „Der Trailer“ war mein erstes Hörerlebnis mit Linus Geschke. Man konnte den Krimi insgesamt gut weghören, aber der entscheidende Funke ist für den Band alleine und damit keinesfalls für die gesamte Reihe einfach nicht übergesprungen. Aber ich werden den Namen nun definitiv auf dem Schirm haben. Denn ein anderes Setting, andere Figuren, wer weiß, ob der Funken dann nicht doch da ist, denn am Schreibstil an sich habe ich nichts zu meckern.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Respekt, aber wohl etwas zu riskant

Purple Clouds - Meet Cute
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Mit „Meet Cute“ haben wir wirklich zügig den zweiten Teil der „Purple Clouds“-Reihe bekommen. Und ich muss wirklich sagen, dass es ein Buch ist, was wirklich extrem viele Gedanken bei mir ausgelöst hast ...

Mit „Meet Cute“ haben wir wirklich zügig den zweiten Teil der „Purple Clouds“-Reihe bekommen. Und ich muss wirklich sagen, dass es ein Buch ist, was wirklich extrem viele Gedanken bei mir ausgelöst hast und dazu auch absolut gegensätzlich. Soll ich es jetzt gut oder ungeschickt finden?

Ich fand den Titel für den zweiten Band auf jeden Fall genau richtig gewählt und muss ohnehin sagen, dass Mounia Jayawanth die Meet Cutes echt drauf hat. Sie arbeitet in ihren Reihen echt oft mit diesen besonderen ersten Begegnungen, die dann einen unglaublichen Eindruck hinterlassen. Das war schon bei Emory und Deb der Fall, aber auch bei Riley und Louis passt es in jedem Fall hervorragend, also gut, dass der Titel in der Reihe unterkommen durfte. Wenn wir jetzt ein bisschen genauer auf den Inhalt schauen, dann muss ich echt sagen, dass ich die gesamte Entwicklung des Buchs so keinesfalls vermutet hätte. Ich habe mich immer gefragt, wie das Verstecken in Rileys WG irgendwann aufgelöst wird und was wir dann für Schwerpunkte haben. Dass Louis dabei aus der Schauspielbranche stammt, hat vieles möglich gemacht, denn die Herausforderungen einer Beziehung zwischen einer bekannten Person und einem Normalo, die sind bekannt und auch schon in vielen Büchern verarbeitet worden. Hier wird das eher gestreift, denn Jayawanth hat sich für ein ganz anderes Thema entschieden. Es war durch den ersten Band zwar schon angedeutet, aber trotzdem war die Dominanz vorher nicht auf meiner Bingo-Karte.

Bevor ich diesen Themenschwerpunkt mal genauer beleuchte, so möchte ich aber zuvor Kritikpunkte nennen, die unter der generellen Entscheidung etwas gelitten haben. Wir kennen Riley bereits aus der Van Day-Reihe, in der sie eine recht dominante Rolle eingenommen hat. Dementsprechend war sie als beste Freundin von Emory auch aus dem ersten Band nicht rauszudenken. Aber ich finde unter dem Strich, dass wir sie dennoch nie richtig kennengelernt haben. Wir haben viele Infos über sie sammeln können, aber in ihrem Kopf durch ihre Perspektive zu sein, bietet doch andere Möglichkeit. Und da waren wir in meinem Empfinden zu sehr im ‚Jetzt‘. Das Vergangene wurde echt wenig beleuchtet. Louis Thorne ist für uns als Figur ganz neu, bei ihm wäre also noch so viel mehr zu entdecken gewesen, aber ich fand, dass es auch hier nicht richtig aufgegangen ist. Ich fand ihn bis zum Ende überhaupt nicht sympathisch. Ich fand ihn zwar auch nicht unsympathisch, aber er war wie eine leere Buchseite für mich. Hier ein bisschen Eltern, ein bisschen Star-Leben und fertig. Was ich auch sehr bedauere, das ist der deutlich geringere Anteil des Magazins. Es ist schließlich titelgebend und ich fand die damit verbundenen Themen im ersten Teil großartig. Aber im zweiten Teil ist die Schauspielwelt viel dominanter und wie schade! Wir haben zwar ein paar interessante Einwürfe durch kleine Zwischenszenen in der Redaktion. Wir haben auch Rileys Umorientierung, die ein bisschen Raum lässt, aber unterm Strich, war es mir einfach zu wenig. Die Liebespaare sollen das Highlight sein, auf jeden Fall, aber die Redaktion sollte direkt auf zweiter Stelle kommen.

Umgekehrt fand ich es fürs Herz aber großartig, dass die WG wieder so eine große Rolle spielt. Die gemeinsamen Szenen strahlen zweite Familie bis in alle Spitzen aus. Da ist ein richtiger Zusammenhalt zu spüren und angesichts der vielen Stimmungen war es genau die Abwechselung, die wir alle beim Lesen wohl brauchten. So, jetzt kommen wir aber zum Themenschwerpunkt. Louis wie gesagt ein leeres Blatt und dann kommt hinzu, dass Jayawanth sich für das Thema Sucht entschieden hat. Auf der einen Seite will ich laut applaudieren, weil das Buch es sehr schonungslos angeht, auch mit den ganzen Schrecken. Auf der anderen Seite muss ich schon sagen, dass die Liebesgeschichte echt extrem leidet. Ich brauche immer eine Portion Unbeschwertheit, weil ich mich sonst frage, was das eigentlich sein soll, was zwei Menschen aneinanderbindet? Bei Riley und Louis ist es aber von Anfang an belastet. Auch wenn sie etwas ineinander sehen, aber es ist vom ersten Moment an belastet, zuerst durch ihre Unsicherheiten, dann durch ihr gemeinsames Suchtproblem. Jayawanth hat ihren Plan konsequent durchgezogen, dafür zolle ich Respekt. Ich fand letztlich auch das Ende passend und total angemessen, aber der Weg dahin hatte wenig mit der Portion Liebesgeschichte zu tun, die ich mir erhoffe, wenn ich zu solchen Büchern greife. Das Risiko wurde genommen, aber meiner Meinung nach hat es sich nicht ausgezahlt.

Fazit: Mounia Jayawanth scheut sich nicht vor wichtigen Themen. Aber das kann es auch sehr kompliziert machen und das haben wir bei „Meet Cute“ gesehen. Ich habe viel Respekt vor der Themenwahl. Ich fand Teile richtig stark, aber ich fand mehr Teil dann nicht ausreichend und dazu gehört zentral die Liebesgeschichte. Aber wer nichts wagt, der nicht gewinnt, daher weiter so!

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Unaufgeregtes Whodunit

Pretty Perfect
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Manchmal ist es seltsam. Mir sagte der Autorinnenname Ally Condie etwas, aber bevor ich mich entschieden habe, „Pretty Perfect“ als Hörbuch zu hören, habe ich dann doch nicht mehr nachgeguckt, warum da ...

Manchmal ist es seltsam. Mir sagte der Autorinnenname Ally Condie etwas, aber bevor ich mich entschieden habe, „Pretty Perfect“ als Hörbuch zu hören, habe ich dann doch nicht mehr nachgeguckt, warum da was klingelt. Vor der Rezension habe ich es dann mal nachgeholt und tatsächlich! Condie ist die Autorin der Cassia / Ky-Trilogie. Aber oh weh, ist das lange her. Ich habe sie gerne gelesen, aber ich war letztlich doch überrascht, dass sie hinter „Pretty Perfect“ steht.

Der Titel ist vielleicht etwas irritierend, aber „Pretty Perfect“ ist für mich ein typisches Whodunit auf einer einsamen Insel. Statt eines Meisterdetektivs wie Hercule Poirot oder andere haben wir die frisch geschiedene Ellery, die alleine ihre Urlaubsreise antritt, die eigentlich die gemeinsamen Jahre mit ihrem Ehemann feiern sollte. Wir werden von Julia Nachtmann als Ellery durch die Geschichte begleitet. Da wir auch nur diese eine Erzählperspektive haben, hat das völlig ausgereicht und ich fand die Stimme angenehm. Sie ist was reifer und passt daher gut zu einer Frau, die schon mitten im Leben steht, die aber nach privatem Pech doch neu anfangen muss.

Whodunit-Strukturen lese und sehe ich echt gerne. Aber es ist schon so, dass sie besser passen, wenn da jemand mit Erfahrung am Werk ist. Es müssen nicht Privatdetektive, Polizisten etc. sein, aber eine ganz normale Lehrerin, die sich dann ohne Hindernisse zur Meisterdetektivin aufspielt, das war etwas seltsam. Ellery spielt sich nicht charakterlich auf, keineswegs. Sie ist eine ruhige, fast schon eher schüchterne Person, die viel Schmerz mit sich rumträgt und einfach fasziniert von den Gästen der Traumhochzeit ist, die rein zufällig auch auf der Insel stattfinden soll, bis es zur Tragödie kommt. Aber es ist dann einfach seltsam, wie Ellery nach dem Leichenfund sich gemeinsam mit Nina und Ravi auf die Lösungssuche macht und das auch so offensichtlich, während sie alle auch noch dabei unterstützen. Auch wenn nicht immer alle mit offenen Karten spielen, aber es war alles einfach strukturiert. Ja, dann ist Ellory eben jetzt die Kommissarin unter uns, ist doch ganz normal.

Auch wenn die zwei Verbrechen, die im Klappentext schon verraten werden, sicherlich den Eindruck eines Urlaubsparadieses verschlechtern, aber ich fand es schon seltsam, dass die Atmosphäre nicht ideal rüberkam. Auch wenn das Personal des Hotels zwischendurch Maßnahmen umsetzt, aber schaurig kam es nicht rüber. Es wirkte eher nach Wohlfühlatmosphäre. Erst am Ende wird dann wieder angezogen und es wird alles zu einem Showdown zusammengefasst. Es gibt nochmal einige Geheimnisse, aber letztlich sind es keine Zusammenhänge, die ich als sonderlich clever empfunden habe. Dafür lese ich dann doch zu viel Thriller, da war mir das alles etwas zu brav. Abschließend nochmal zurück zu Ellery, die ihre eigenen Dämonen zu bekämpfen hat und die beziehen sich nicht nur auf die gescheiterte Ehe. Auch das Trauma aus ihrem Job, dem habe ich zwischendurch viel Bedeutung beigemessen und habe mich gefragt, ob es da einen größeren Zusammenhang gibt. War aber nicht so. Es war dann an der Stelle einfach etwas aufgebauscht.

Fazit: Auch wenn es als Hörerlebnis flott durchzuziehen war, aber „Pretty Perfect“ war insgesamt eine wirklich nur mittelmäßige Unterhaltung. Auch wenn Ally Condie mir von früher noch ein Begriff ist, aber dieses Buch hat sie mich null wiedererkennen lassen und innerhalb des Genres wird es sich erst recht nicht behaupten können. Kann man lesen, aber ein Must-Read ist es wahrlich nicht.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Willkommen im (braven) The Darlington

The Darlington - Henry & Kate
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Als von Laura Kneidl die „Darlington“-Reihe angekündigt wurde, war ich enthusiastisch und skeptisch gleichermaßen. Ich fand es toll, von ihr mal wieder eine neue Liebesreihe zu bekommen, gleichzeitig musste ...

Als von Laura Kneidl die „Darlington“-Reihe angekündigt wurde, war ich enthusiastisch und skeptisch gleichermaßen. Ich fand es toll, von ihr mal wieder eine neue Liebesreihe zu bekommen, gleichzeitig musste ich aber auch an Mounia Jayawanth und ihre Van Day-Reihe denken, die auch in einem Hotel spielte, was mir insgesamt leider nicht so zugesagt hat. Aber ich bin positiv geblieben, weil Kneidl zum einen pro Band ein anderes Paar nimmt und weil es auch ganz andere Möglichkeiten gibt, das Hotel inhaltlich einzubinden.

Insgesamt muss ich sagen, dass der Auftakt zu Henry und Kate für mich einige Auf und Abs hatte. Grundsätzlich fand ich die Ausgangslage sehr interessant und das zunächst mal für beide Hauptfiguren separiert betrachtet. Henry als sehr junger Geschäftsführer des Hotels, der das schwere Erbe hat, dass gegen seinen Vater Klage wegen Vergewaltigung eingereicht wurde und nun den Ruf des Hotels retten muss. Umgekehrt haben wir mit Kate, der in jungen Jahren auf der Straße leben muss und kriminelle Aktivitäten durchziehen muss, um zu überleben. Die Gegensätze sind groß auf dem Papier, aber gleichzeitig doch auch sehr ähnlich, weil sie beide viel zu verlieren haben, aber für das kämpfen, wovon sie überzeugt sind. Ich mochte beide Charaktere auch, wenn ich auch sagen muss, dass sie mir in manchen Nuancen zu perfekt, zu gut waren. Henry positioniert sich großartig gegen seinen Vater, und das wiederholt, wie er auf die erste Begegnung mit Kate reagiert, Respekt, aber ich hätte mir da einfach ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht. Erst am Ende haben wir etwas mit ihm, mit dem ich persönlich nicht gerechnet hätte. Ich hatte einen Verdacht, der in eine etwas andere Richtung ging. Für die Geschichte passte es gut, aber es kam einfach sehr spät und ich hätte mir gerne vorher schon andere Seiten von Henry gewünscht.

Bei Kate würde ich sagen, dass wir über das Buch verteilt zwei sehr gegenteilige Seiten von ihr erleben. Auf der Straße ist sie eine Überlebenskünstlerin, sie wirkt frech, sie wirkt redegewandt, um keine Ausrede verlegen. Deswegen fand ich die erste Begegnung auch irgendwie lustig, weil sie sich einfach etwas rausgenommen hat, was sehr mutig war. Im späteren Verlauf fand ich Kate dann aber sehr verwandelt. Sie wurde immer braver und irgendwie angepasster. Dabei hätte ich mir die anfängliche Kate lieber durchgängig gewünscht. Da beide Figuren so sehr harmonisch aufeinander angepasst wurden, kam das Drama fast nur von außen, aber nicht aus ihnen als Paar heraus. Es wirkte alles so leicht (was auch eine Botschaft ist, ja), aber vielleicht zu leicht. So war es manchmal schwer, den mit den beiden restlos mitzufiebern. Zudem fehlten mir manche Aspekte deutlich. Das wäre zum einen, dass wir Henry nie selbst mit Ethan erleben, nur mit Logan. Auch wenn die Geschichten beider Brüder schon initiiert werden (auch ihrer Partnerinnen), aber es gab für die Brüderdynamik sehr wenig. Ja, Kneidl will sich natürlich auch etwas aufsparen, aber man kann nicht alles aufsparen, man muss auch vorher schon was Futter anreichen. Letztlich finde ich das Ende auch etwas übereilt. Es wurde zwar ein passender Bogen gefunden, aber das eigentliche Thema, wie die Beziehung der beiden angesichts der Gesellschaft funktionieren soll, das ist dann einfach abgehakt. Henry und Kate werden nicht einfach verschwinden, das ist klar, aber ich hätte mir hier erste klare Ideen gewünscht, weil ich mir die Beziehung der beiden in genau dem Umfeld nicht als dauerhaft glücklich vorstellen kann, denn sich nur darauf zu verlassen, man habe sich ja gegenseitig, das ist dann zu wenig.

So, jetzt ist erstmal alles raus, was ich etwas schade am Auftakt fand. Aber ich war keinesfalls nur unzufrieden. Ich fand, dass der Hotelalltag gut rübergebracht wurde. Wir haben Henry, der sich mit den ganzen äußeren Bedingungen beschäftigen muss, wir haben Kate kurzfristig als Dienstmädchen. Da war es schon gut integriert. Auch ansonsten fand ich viele Themen genau richtig. Zum einen die Obdachlosigkeit, die durchgängig beleuchtet wurde und so Aufmerksamkeit bekommen hat. Zum anderen eben Me Too, mit dem doppelten Standard in vielen Gesellschaftsschichten, der reißerische Blog, der mit ein wenig an Lady Whistledown erinnerte. Der Cliffhanger ist ebenfalls extrem geschickt, weil es eine heftige Sache zum Abschluss ist, die Lust auf mehr macht, die aber auch inhaltlich Ernsthaftigkeit andeutet.

Fazit: Die Reihe funktioniert von der Idee her und es wird noch zwei weitere Bände geben, die das endgültig beweisen können. Henry und Kate haben für „The Darlington“ aber keine restlose Begeisterung bei mir auslösen können. Es fehlten in vielen Aspekten Ecken und Kanten, weil es so etwas zu brav war. Aber Kneidl hat das drauf und sie hat sich jetzt in die Welt eingeschrieben, also einfach noch mehr, dann bin ich positiv-aufgeregt.

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