Pferde und Baustellen
Goldcrest Manor - Velvet MeadowsYvy Kazi habe ich bislang durch all ihre Reihen begleitet, wobei ich mich bei Magic und Moonlight irgendwann entschieden habe, diese abzubrechen, aber das hatte überhaupt nichts mit den Fähigkeiten als ...
Yvy Kazi habe ich bislang durch all ihre Reihen begleitet, wobei ich mich bei Magic und Moonlight irgendwann entschieden habe, diese abzubrechen, aber das hatte überhaupt nichts mit den Fähigkeiten als Autorin zu tun. Vielmehr war für mich die Thematik irgendwann nicht mehr richtig. Ich mag Magie, aber vielleicht gibt es einfach Phasen, in denen das besser passt. Als nun aber die Goldcrest Manor-Reihe angekündigt wurde, war ich sofort wieder hellwach.
Auch wenn ich nie eine Pferdenärrin durch und durch war, aber die edlen Tiere haben mich immer sehr fasziniert und die Wendy gehörte zu meiner Jugend dazu. Wenn ich gezockt habe, dann auch gerne Spiele, bei denen ich Pferde pflegen durfte. Dementsprechend ist da schon ein Faden zu erkennen, selbst wenn ich in echt lieber aus der Ferne zuschaue, als selbst auf den Rücken eines Pferdes zu steigen. Angesichts dieser Einleitung ist aber wohl deutlich geworden, dass ich es schon klasse fand, dass Kazi eine Pferdezucht mitsamt Polo-Spiel als Zentrum ihrer Handlung eingebaut hat. Ich muss auch sagen, dass die Thematik, wie alles dargestellt wurde, wie die Bedeutung von Pferden eingebettet wurde, wie dann auch das Polo-Spiel einen größeren Abschnitt bekommt, das ist für mich die große Stärke von „Velvet Meadows“. Sowas habe ich einfach ewig schon nicht mehr gelesen bzw. auch noch gar nicht, dementsprechend wirkte für mich dieser Aspekt frisch und anziehend.
Tropes sind in der Buchcommunity ein riesiges Thema. Sie werden offensiv beworben und dementsprechend sprechen auch so alle über Bücher, sodass das auch bei mir immer mehr übergegangen ist. Hier haben wir natürlich zentral Second Chance und es gibt viele, für die das zu den wenigsten beliebtesten Tropes gehört. Bei mir ist das nicht festgefahren, weil es bei mir immer auf die Machart ankommt. Leider muss ich sagen, Kazi hat mich hier mit ihrer zweiten Chance zwischen Kenzie und Julian nicht 100% gepackt bekommen. Zunächst würde ich vielleicht die Entscheidung für die Perspektiven am Anfang verantwortlich machen. Wir haben einen Prolog aus Julians Sicht, als die beiden 16 sind. Es hilft zunächst zu sehen, wie sehr er für sie schwärmt. Danach haben wir aber einen Cut und erstmal nur Kapitel aus Kenzies Sicht bekommen. Es hat geholfen, um Ereignisse aus den vergangenen Jahren zusammen zu bekommen, zudem ihr Leben und ihre Gefühle im Jetzt zu verstehen. Aber so geht es erstmal schleppend los und dann erleben wir Julian und es war sehr unangenehm.
Danach gibt es wieder einen Cut und alles, was zwischen dem Pärchen vorgefallen ist, wird ruckzuck abgebaut und wir sind wieder mittendrin. Auch wenn ich nach hinten heraus sagen kann, dass ich Kenzie und Julian irgendwann zusammen mochte, aber die Beobachtung ist stellvertretend für einige Baustellen. Denn ich hatte den Eindruck, dass Kazi sehr oft Konflikte simpel aufgelöst hat. Umgekehrt sind auch nicht alle Beziehungen in dem Buch für mich ausreichend aufgebaut worden. Ich fand es schwierig, Kenzie mit ihrer Mutter zu begreifen. Da ist Fürsorge, aber da war auch stets eine Distanz. Die ganze Darstellung der Mutter wirkte, als müsste sie mit der Zucht sich eigentlich von Anfang an schon längst überworfen haben. Das ist auch schade, weil wir von dem Vater erst gar nicht anfangen müssen, eine zutiefst suspekte Rolle, die zwar vielleicht nochmal in der Reihe auftauchen wird, die mich aber echt wütend gemacht hat. Aber auch Kenzie selbst war für mich nicht einfach. Es gab in dem Buch einige Szenen, die einfach seltsam wirkten. Ich kann das nicht mal richtig mit etwas Bestimmtem erklären. Aber gewisse Dialoge wirkten gezwungen und wenn Kenzie anschließend ihre Gedanken rekapituliert hat, da kam sie zu so vielen Wendungen, das war anstrengend.
Das Buch wirkt keinesfalls durchweg oberflächlich und es wirkt auch nicht inhaltsleer, weil unfassbar viel passiert. Aber vielleicht wäre eine andere Mischung besser gewesen. Etwas weniger Inhalt, dafür mehr Figuren- und Beziehungsarbeit. Umgekehrt will ich loben, dass zum Ende hin keine Dramatik für die Paarung erzwungen wurde. Stattdessen hatten wir Themenfelder, die gut ineinandergegriffen. Insgesamt kam viel geschickt zusammen und macht dann auch schon Lust auf die Folgebände. Zudem bleibe ich unter dem Strich auch dabei, dass Kazi sich für ein Setting entschieden hat, was sie konsequent bedient und was auch bei den anderen Bänden von Bedeutung sein wird. Das ist klasse, weil andere Autoren das schon mal aus den Augen verlieren. Einen Punkt will ich zuletzt noch aufgreifen. Kazi hat selbst eine chronische Erkrankung und wollte daher mit Kenzie dies aufgreifen. Grundsätzlich super, aber ich hätte mir die Epilepsie noch etwas besser eingebunden vorstellen können. Das wäre dann auch sehr echte Dramatik gewesen.
Fazit: Es ist extrem schwer, „Velvet Meadows“ als Auftakt der Goldcrest Manor-Reihe zu bewerten. Denn die Thematik und das Potenzial für die gesamte Reihe macht mich glücklich. Aber der erste Band für sich hatte auch viele Schwächen für mich. Die lagen vor allem in den Charakteren, wie Beziehungen aufgebaut wurden und wie gewisse Dialogen abliefen. Dementsprechend war der Leseprozess für mich nicht völlig geschmeidig, aber es war auch nicht so negativ, dass ich an ein Abbrechen der Reihe denken würde. Nein, wie auch die Betaleserinnen will ich Maeve und Archie ganz dringend zusammen erleben.