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Veröffentlicht am 18.01.2026

Taschentücher werden dringend empfohlen!

Heartbreak Hotel
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Das „Heartbreak Hotel“ ist eine wunderbare Graphic Novel für Heranwachsende, die sich früher oder später mit dem Thema Herzschmerz auseinandersetzen müssen. Oder vielleicht sogar wollen? Und für Lesende, ...

Das „Heartbreak Hotel“ ist eine wunderbare Graphic Novel für Heranwachsende, die sich früher oder später mit dem Thema Herzschmerz auseinandersetzen müssen. Oder vielleicht sogar wollen? Und für Lesende, die Comics vor Romanen bevorzugen. Die Autorin und die Illustratorin haben gemeinsam ein wunderbar detailreiches, ergreifendes und unglaublich intensives Werk geschaffen! Der Zeichenstil trifft genau meinen Geschmack: Die Panels sind mit sehr viel Hingabe fürs Detail gestaltet, wodurch ich oft innegehalten habe, um mir die Besonderheiten genauer anzusehen. Denn es gibt sie nicht ohne Grund! So sind zum Beispiel die Rückschauen der Teenager farblich bunt gehalten, wohingegen die Szenen im Heartbreak Hotel einheitlich-unifarben von zart rosa bei Maya, über hellblau bei Martin, hellviolett bei Fiona bis hin zu grau-blau bei Finn reichen. So behält jede Figur ihre Individualität und den Raum für ihre eigene Geschichte. Denn wir haben hier vier Heranwachsende an dem bzw. einem (sie sind ja schließlich noch jung…) Scheideweg ihres Lebens, der sie in ihrer Existenz an einen Punkt der Selbstfindung gebracht hat. Gemeinsam mit den Figuren durchleben wir den Moment, der sie ins Heartbreak Hotel gebracht hat, vereint fühlen wir ihre Emotionen und gehen mit ihnen kurzzeitig in ein fiktives Was-wäre-wenn. Am Ende bleibt jedoch die Erkenntnis, dass die vier das Heartbreak Hotel nur verlassen können, wenn sie ihre gebrochenen Herzen gemeinschaftlich heilen. Es ist eine Ermunterung und ein Erinnern daran, dass es immer einen Ausweg aus solchen Situationen gibt, dass das Leben trotz allem weiterhin lebenswert ist und weitergeht, und dass es wichtig und richtig ist, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen! Die Grundidee dazu gefällt mir wirklich gut, denn kaum jemand versteht den Schmerz eines Teenagers besser als ein anderer Heranwachsender. ABER, und hier muss ich leider einen Stern abziehen: Mir fehlen Hinweise – ob nun in einem Vor- oder Nachwort oder innerhalb der Geschichte selbst – zum Thema Hilfesuchen bei professionellen psychologischen Beratungsstellen. Damit würde dieses Buch seiner Vorbildfunktion in vollem Umfang gerecht werden, finde ich. Denn wenn wir nicht schon Jugendliche bzw. Heranwachsende darüber aufklären, dass es völlig angebracht und in Ordnung ist, sich Hilfe in Form von Therapien oder Arztbesuchen zu holen, wie sollen wir dann als Gesellschaft jemals das Stigma abstreifen, das wir noch immer mit einer Therapie verbinden? Hier haben
Autorinnen und der Verlag eine Chance verschenkt, finde ich. Beim Thema Triggerwarnung bin ich etwas zwiegespalten, aber vielleicht wäre ein Hinweis auf Tod, Unfall, Depressionen und Isolation sinnvoll.
Das „Heartbreak Hotel“ ist eine Geschichte über den ersten Herzschmerz, das Erleben und Durchleben von Emotionen, das Erlernen des Umgangs damit, aber auch die Aneignung von Akzeptanz, besonders im Hinblick auf die Veränderungen, die das Erlebte in ihrem Leben bedeuten. Jung waren wir alle einmal, daher denke ich, dass alle Lesenden sich ein Stück weit – und wenn es auch nur ganz am Rande ist – in irgendeiner Form in einem der vier Protagonisten wiederfinden können.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Was wäre, wenn deine (Hexen-)Träume wahr werden würden?

Cassandra Morgan, Band 1 - Der goldene Schlüssel
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Cassandra Morgan lebt im schlimmsten Mädcheninternat ganz Englands. Als ihre Mutter sie vor sieben Jahren dort abgab, versprach sie, sie würde wiederkommen. Doch nun wurde sie für tot erklärt und das Internat ...

Cassandra Morgan lebt im schlimmsten Mädcheninternat ganz Englands. Als ihre Mutter sie vor sieben Jahren dort abgab, versprach sie, sie würde wiederkommen. Doch nun wurde sie für tot erklärt und das Internat will Cassandra in ein Waisenhaus weitergeben. Bevor das passieren kann, flieht sie mit der Hilfe des komisch geformten Schlüssels, den ihre Mutter ihr zur Aufbewahrung gegeben hat. Schon nach kurzer Zeit gerät sie in das Visier von Goblins, die Kinder fangen und nach Faerie verkaufen wollen. Als Cassandra dann von einem sprechenden Kater gerettet wird, der ihr von ihrer Tante, der Haghexe von Hagley, berichtet, beginnt sie die Geschichten aus ihren Märchenbüchern zu glauben. Denn Faerie existiert wirklich und ihre Tante ist die Wächterin der Grenze zwischen dem magischen Land und unserer Welt. Dort angekommen beginnt Cassandra ebenfalls eine Ausbildung als Hexe, jedoch treibt sie dauerhaft eine Frage um: Wo ist ihre Mutter, die ebenfalls eine Hexe ist? Ist sie vielleicht in Faerie und benötigt ihre Hilfe?
„Cassandra Morgan“ ist das Erstlingswerk der Autorin Skye McKenna und an einigen Stellen merkt man der Geschichte dies auch an. Daher zunächst zum Negativen, weil es mich doch sehr beschäftigt hat: Diese Erzählung besitzt viele lose Enden, Leerstellen und Zeitsprünge, die die Figuren- und Beziehungsentwicklung stören und teilweise sogar hemmen. Das beste Beispiel hierfür ist Cassandras Tante Miranda, mit der im Verlauf der Geschichte nur wenig Interaktion auftritt. Dadurch bleibt der erste (doch ein wenig negative) Eindruck einer Frau, die ihre Nichte eigentlich gar nicht im Haus haben möchte, lange erhalten. Es wird uns Leserinnen keine Möglichkeit geboten, in die Innenwelt der Haghexe sehen zu können. Erst gegen Ende (und durch eine dritte Perspektive) wird uns ihre Gefühlswelt ein Stück weit näher gebracht. Aber insgesamt bleibt sie recht blass und undurchsichtig. Ihre Nichte Cassandra hingegen erlebt eine 180 Grad Wendung von der verhuschten, Streit vermeidenden Internatsschülerin hin zu einer abenteuerlustigen, impulsiv handelnden Junghexe, die aber keinerlei Ahnung von den Gepflogenheiten und Regeln der magischen Welt hat, sich aber dennoch unbedarft und kopfüber in sie hinein stürzt. So recht passt das für mich nicht zusammen. Immer wieder missachtet sie die Regeln ihrer Tante und gerät dadurch in Gefahr. Ein gutes Beispiel für junge Leserinnen? Ich glaube nicht. Aber es gibt sie trotzdem, die versöhnlichen Szenen, in denen Cassandra ihre Freundschaften priorisiert, in denen sie sich selbst zurückstellt. Und dies sind die Abschnitte, in denen sie sich als Figur weiterentwickelt. Aber sie sind rar gesät.
Des Weiteren hätte ich mir eine noch detaillierte Beschreibung von Faerie gewünscht. Es bleibt ein mysteriöser Ort, über den wir kaum etwas erfahren. Einzig aus Cassandras Märchenerfahrung erhalten wir splitterhaft Informationen über die Bewohner. Ich hoffe sehr, dass in den Folgebänden dazu mehr Informationen gegeben werden.
Insgesamt war die Geschichte aber spannend aufgebaut, hatte Twists und Aha-Momente, mit denen ich nicht gerechnet hatte, es gab herzergreifende Szenen und tolle tierische magische Begleiter. Es las sich locker weg, war nicht langatmig und ist auch für erfahrenere Jungleser*innen geeignet, da die Schrift recht groß gedruckt ist und die 400 Seiten daher wie im Flug vorüberziehen.
Ein echter Hingucker ist es dank der Covergestaltung ja sowieso! Der Buchschnitt und das Cover passen wunderbar zusammen, die Illustrationen geben einen Vorgeschmack auf magische Wesen in einem Waldsetting. Und auch, wenn ich Menschen auf Covern nicht mag, so passt die Darstellung der Protagonistin hier für mich zu hundert Prozent. Ich bin sehr gespannt, wo sich die Folgebände farblich und gestalterisch bewegen werden!
Wer Hexen und magische Wesen mag, das Abenteuer in einem verwunschenen Wald sucht und starke Mädchen gern hat, der sollte sofort mit Cassandra und ihrer Freundin Rue in den Hag aufbrechen. Ich freue mich jedenfalls darauf, das nächste Geheimnis mit Cassie zu lösen!

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Die Ereignisse überschlagen sich in der Spellcrafter Gesellschaft…

Spellcraft, Band 2 - Die Macht der weißen Sonne
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Die Londoner Artefakt-Magier werden wieder einmal Ziel eines Anschlags: Mitten auf dem Winterball der Septs, den Magieaufsehern der Spellcrafter, seilen sich vermummte Personen ab, die grell leuchtende ...

Die Londoner Artefakt-Magier werden wieder einmal Ziel eines Anschlags: Mitten auf dem Winterball der Septs, den Magieaufsehern der Spellcrafter, seilen sich vermummte Personen ab, die grell leuchtende Anzüge tragen und stehlen der Anführerin von Sept Felicitas ihr Collier. Ebenso schnell wie sie gekommen sind, verschwinden die Angreifer wieder, hinterlassen aber verletzte und erneut verstörte Spellcrafter – unter ihnen auch Lucys Freund Renly. Doch was niemand ahnt: Lucy wurde kurz vor dem Angriff gewarnt. Seit der Öffnung des sechsten Tores hört sie nämlich eine Stimme in ihrem Inneren, die sie in ihren Träumen besucht – und nun auch am Tage zu ihr spricht. Lucy wird ins Konklave der Septs berufen und soll ihre Sicht des Abends schildern. Ob auch diesmal der Leiter von Sept Argent, Halston Prince, hinter dem Überfall steckt? Schließlich hat er beim letzten Mal ein Monster auf diese Welt losgelassen, als er heimlich und zu seinem Vorteil das sechste Tor öffnen wollte, um verborgen vor den anderen Septs Aether zu sammeln. Doch dies ist nicht Lucys einzige Sorge: Immer mehr Spellcrafter rebellieren gegen die Herrschaft der Septs, da plötzlich Crafter verschwinden und sie nicht von den Septs geschützt werden. Und auch die Stimme flüstert Lucy zunehmend zu, dass die Magieweber frei sein sollten…
Dieser zweite Band ist geprägt vom Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung, von der Sehnsucht nach Veränderung und Wandel, dem Ablegen überholter Gesellschaftsstrukturen, aber auch das Gegenteil kommt hier stark zum Tragen: Machtgier, Neid, Unterdrückung. Hier wird sehr viel Handlung in sehr wenig erzählte Zeit verpackt, ein tragendes Ereignis folgt auf das nächste. Das Erzähltempo ist durchgängig hoch, zum Luftholen ist kaum Zeit. Ob das immer von Vorteil ist, weiß ich nicht genau. Lucy hat dadurch kaum Zeit, zu hinterfragen, was und warum die Stimme ihr einflüstert. Und wer diese Stimme überhaupt ist. Lucy ist im ersten Band eine sehr aufgeweckte, neugierige Spellcrafterin, aber hier fehlt mir diese Neugier und auch ein gesundes Maß an Skepsis. Zum Schluss ist kaum mehr ersichtlich, welche Gedanken ihre eigenen sind und welche ihr von der Stimme eingegeben wurden. Um ehrlich zu sein, hat mich dieser Umstand etwas gewurmt. Denn grundsätzlich mag ich die Protagonistin sehr und auch ihre Figurenentwicklung zu einer selbstbewussten Spellcrafterin gefällt mir gut. Aber diese Leichtgläubigkeit, die sie letztendlich zur Rebellin werden lässt, macht sie anfällig für Manipulationen – und genau das wollte sie ja nach der Erinnerungslöschung im ersten Band durch Halson Prince nie wieder. Denn wenn man sich selbst, seinen Gedanken und Erinnerungen nicht trauen kann – wem dann?
Ich bin nun wirklich gespannt auf das Finale. Wird sich die Spellcrafter Gemeinschaft von der Kontrolle der Septs freimachen können? Und welche Rolle werden Lucy, Renly, Adele und auch Carter in diesem Spiel der Mächte übernehmen (müssen)?

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Eine neue, tierische Reihe von Gina Mayer

Wilderland – Der Wald
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Calum ist 14 Jahre alt und schon als Baby von einem Pflegeelternpaar zum nächsten gereicht worden. Jetzt soll er in eine neue Wohngruppe in eine neue Stadt in einem anderen Bundesstaat umziehen, was nicht ...

Calum ist 14 Jahre alt und schon als Baby von einem Pflegeelternpaar zum nächsten gereicht worden. Jetzt soll er in eine neue Wohngruppe in eine neue Stadt in einem anderen Bundesstaat umziehen, was nicht nur ihn, sondern auch die Frau vom Jugendamt stutzig macht. Und überhaupt ist diese neue WG komisch: Die drei dort bereits wohnenden Jugendlichen bleiben die meiste Zeit unter sich und hocken tagsüber geheimniskrämerisch im Zimmer der Mädchen zusammen. Calum findet zunächst nur schwer Zugang zu Jasleen, Skye und Miro. Erst bei einem Waldausflug bemerken die Jugendlichen, dass sie doch mehr verbindet, als sie denken. Denn Jasleen hat eine Neigung zu Schlangen bzw. Vipern, in Skyes Nähe befindet sich stets eine Krähe und Miro verschwindet auf dem Ausflug nachts mit einem Luchs. Und auch Calum ist besonders: Sein Geruchssinn ist unfassbar gut. So gut, dass er bald bemerkt, dass die Wohngruppe ausspioniert wird… Ist es also doch kein Zufall, dass er in dieser WG gelandet ist…?
Diese neue Reihe von Gina Mayer ist definitiv noch etwas düsterer als die „Internat“ und „Stadt der bösen Tiere“-Bände. Für mich ist die Mensch-Tier-Thematik leider mittlerweile ausgelaugt, daher konnte mich die Geschichte nicht so recht mitreißen. Sie war dennoch in Teilen rasant und spannend, schon fast wie ein Spionage-Thriller. Denn dieses Mal ist eine Interspezies-Kommunikation auf Grund einer Genmanipulation der Kinder möglich – nicht, wie in der vorherigen Reihe, durch Genmutation bzw. Vererbung. Die Thematik ist schon auf ältere Kinder bzw. Jugendliche ausgelegt, da ein Mindestmaß an Grundwissen und Verständnis vorausgesetzt werden muss, was das Thema Genetik/Biologie angeht. Ich würde es ab 12 Jahren empfehlen. Das Ziel und die Hauptintention dieser Genmanipulation wurden mir im ersten Band noch nicht ganz ersichtlich. Sollen die Kinder zu modifizierten Supersoldaten werden? Oder wollte wieder nur eine verrückte Wissenschaftlerin die Grenze des Machbaren austesten? Die Geschichte – und besonders das Ende – haben mich sehr stark an X-Men und hier im Speziellen an „Old Man Logan“ erinnert. Wer solche Themen mag, wird hier fündig werden.
Ich hoffe, dass die Figuren im Verlauf der Reihe noch etwas an Tiefe gewinnen und wir möglicherweise noch etwas mehr über ihre Innenwelt erfahren werden. Bisher war es mir etwas zu wenig, aber im Vordergrund stand in diesem ersten Band auch die Entdeckung der Talente der Jugendlichen. Ich bin gespannt, wo die Reise hingehen und auf wie viele Bände die Reihe angelegt sein wird.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Ein düsterer nordischer Kinderkrimi

Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben
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Stockholm im Jahr 1880: Die zwölfjährige Mika lebt schon ihr Leben lang im Waisenhaus. Teil ihrer Überlebensstrategie ist es, die Menschen in ihrer Umgebung genau zu beobachten, um Streitereien aus dem ...

Stockholm im Jahr 1880: Die zwölfjährige Mika lebt schon ihr Leben lang im Waisenhaus. Teil ihrer Überlebensstrategie ist es, die Menschen in ihrer Umgebung genau zu beobachten, um Streitereien aus dem Weg zu gehen. Als nun eines Nachts ein Fremder mit einem Baby an die Tür des Waisenhauses klopft, ahnt Mika noch nicht, dass dieses Ereignis eine Kette von Geschehnissen in Gang setzt, in deren Verlauf sie zur Gehilfin eines Polizisten werden wird, um einen entflohenen Serienmörder ausfindig zu machen. Denn Mikas Auge fürs Detail und ihre schnelle Auffassungsgabe sind ein Segen für den etwas eigenbrötlerischen Kommissar Valdemar Hoff, der bei seinem Chef in Ungnade gefallen ist und sich mit diesem Fall wieder rehabilitieren könnte. Doch die Suche gestaltet sich schwierig und als sehr gefährlich. Mika muss alles geben, damit ihnen beiden nichts zustößt, und deckt dabei auch Informationen zu ihrer eigenen Herkunft auf…
Ich gebe es ehrlich zu: Ich habe das Hörbuch auf Grund des wunderschönen Covers ausgewählt. Über den Inhalt hatte ich mich gar nicht informiert. Ich muss sagen: Ich wurde positiv überrascht! Mika ist das schwedische Pendant zur englischen Enola Holmes – nur in verarmter Variante. Dennoch stehen beide Detektivinnen für sich ein, sind geistreich, durchsetzungsstark, detailverliebt, improvisationsbegabt (besonders, wenn es darum geht, sich älter wirken zu lassen). Mika als Protagonistin gefiel mir, lediglich ihre übertriebenen Fantasiegeschichten für die jüngeren Waisenkinder waren etwas übertrieben. Sie ist gezwungenermaßen hart im Nehmen, und gerade diese realitätsnahe Darstellung machte für mich den besonderen Charme dieser Geschichte aus. Das Setting ist düster, frostig und derb, beschönigt nichts – Hunger, menschliche und klimatische Kälte, Tod, und Egoismus sind an der Tagesordnung – und auch den Figuren merkt man ihren tagtäglichen Überlebenskampf an. Daher würde ich der Altersempfehlung ab 10 Jahren auch nur mit Bedacht zustimmen. Für Kinder, die etwas sensibler sind, würde ich die Geschichte eher nicht empfehlen. Wer allerdings Lust auf einen historischen Krimi für Kinder/Jugendliche hat, der im kalten Schweden des 19. Jahrhunderts spielt, und den harten Alltag eines Waisenkindes widerspiegelt, der wird hier fündig werden.
Ganz klar empfehlen kann ich auf jeden Fall das Hörbuch! Julia Nachtmann gibt sich große Mühe dabei, alle Namen und Straßenbezeichnungen authentisch schwedisch auszusprechen. Außerdem passt ihre eher dunkle Stimmlage wunderbar zu der düsteren Atmosphäre der Geschichte.

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