Platzhalter für Profilbild

leseleucht

Lesejury Star
offline

leseleucht ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit leseleucht über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.11.2025

Mühselig

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
0

Angelika ist eine lebenslustige junge Frau und keine Kostverächterin. Gleichzeitig ist sie aber bemühtim Job als Buchhalterin, eine solide Beziehung zu führen und irgendwie mit ihrer Mutter, die unter ...

Angelika ist eine lebenslustige junge Frau und keine Kostverächterin. Gleichzeitig ist sie aber bemühtim Job als Buchhalterin, eine solide Beziehung zu führen und irgendwie mit ihrer Mutter, die unter einer beginnenden Demenz leidet und zu der das Verhältnis immer schon schwierig war, klar zu kommen. Da bekommt sie vom Hoteldirektor, für den sie arbeitet, aus seiner Not heraus den Auftrag, die Bilanzen des Hotels zu frisieren. Und als sie selbst in eine Notlage gerät, bietet sich an, dies auch für sich selbst zu tun.
Das Buch basiert auf einem wahren Fall von Betrug. Und die Entstehungsgeschichte, die leider viel zu knapp in den Roman einfließt, ist etwas, das ich mit am spannendsten an dem Roman finde.
Auch das typisch Wienerische fließt in die Erzählung bis in die Sprache hinein sehr anschaulich mit hinein.
Nur die Hauptfigur kann mich so gar nicht packen, im Gegensatz zur historischen Person. Ich kann mich wenig in sie hineindenken und fühlen, ihr Leben bleibt mir fremd. Die Erzählung spring von einem Ereignis zum anderen. Mal Angelikas Liebesbeziehungen, mal die Mutter-Tochter-Problematik, mal ihr Job. Ja, es liegt bisweilen ein komisch-witziger Unterton in dem Erzählten, das mir allerdings bisweilen zu skurril ist. Von daher gestaltete sich für mich das Lesen eher als zäh und widerständig. Ich hatte aufgrund der Beschreibung anderes (vielleicht auch mehr erwartet). Von dem Glamour des Grand Hotel bleibt wenig und das Turbulente wird für mich von der verqueren Existenz der Protagonistin zu sehr verschluckt. Leider nichts für mich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.09.2025

Immer wieder aus dem Lesefluss genommen

Sonnenvögel
0

Ich mag historische Romane, ich mag Bücher, die auf verschiedenen zeitlichen Ebenen spielen, deren Bezug sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Eigentlich gute Voraussetzungen für den Roman „Sonnenvögel“, ...

Ich mag historische Romane, ich mag Bücher, die auf verschiedenen zeitlichen Ebenen spielen, deren Bezug sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Eigentlich gute Voraussetzungen für den Roman „Sonnenvögel“, auf den beides zutrifft. Ich fand auch die Geschichte um den Flößer Franz Ende des 19. Jahrhunderts interessant, die Geschichte des Widerständlers gegen Hitler, Hennig von Tresckow eine geradezu ergreifende und die Geschichte der Ukrainerin Daniila angesichts des Ukraine-Kriegs aktuell und spannend. Am wenigsten noch konnte ich anfangen mit der Geschichte von Viktoria. Sie ist eine nach Kasachstan vertriebene Krimdeutsche. Sie heiratet einen vermeintlich charmanten Mann, der sich aber, gänzlich unvermutet und von daher nicht klar nachvollziehbar in einen prügelnden Sadisten verwandelt. Ohne zu viel verraten zu wollen, führt Victoria ihr weiterer Lebensweg nach Kenia, wo sie als Tierliebhaberin später Jagd auf Großwildjäger macht. Hier zeigt sich für mich schon das Problem, das ich mit dem Buch hatte: alles erscheint mir arg konstruiert. Auch die Erzählzusammenhänge zwischen den einzelnen Geschichten. Da ist die Erklärung von Daniila, sie sei mit Hennig von Tresckow vermutlich über einige Ecken verwandt, wie auch mit Hitler und Jesus und Ghandi und letztlich allen Menschen ein wenig überzeugende Erklärung. Auch finde ich den Vergleich, alle hätten sich widersetzt und dafür viel riskiert, nicht wirklich statthaft. In jeder Geschichte für sich mag das so sein, aber kann man einen Flößerstreik mit der Planung eines Attentats auf einen der greulichsten Diktatoren der Weltgeschichte vergleichen? Oder noch viel mehr das Abknallen von Großwildjägern aus dem Hinterhalt mit dem Widerstand gegen unmenschliche Befehle in einem unmenschlichen Regime? Der abrupte Wechsel zwischen den Geschichten, deren loser Zusammenhang sich erst in der zweiten Hälfte des Buches langsam andeutet, hat für mich den Lesefluss immer wieder unterbrochen, sodass ich mich arg mühen musste, das Buch zu lesen. Immer wenn ich dachte, jetzt wird es spannend, jetzt wird es interessant, sprang die Geschichte in einen Zweig, der mich weniger überzeugen konnte. Außerdem war der Erzählton in allen vier Erzählsträngen gleich, eine häufig eher schlichte bis naive Ausdrucksweise, wie sie vielleicht anfänglich zu einer jungen Victoria passte oder zu einer jugendlichen Daniila, auf lange Sicht aber zudem ein wenig ermüdend wirkte. Mich konnte das Buch leider nicht so ganz in seinen Bann ziehen, obwohl die einzelnen Geschichten für mich viel Potential bieten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.09.2025

Ungesühnte Verbrechen

Lilianas unvergänglicher Sommer
0

Die Autorin Cristina Rivera Garza begibt sich 29 Jahre später auf die Suche nach dem Mörder ihrer Schwester, deren damaligen Freund, der ungeschoren davon kam. Aus Ermangelung von Prozessakten rekonstruiert ...

Die Autorin Cristina Rivera Garza begibt sich 29 Jahre später auf die Suche nach dem Mörder ihrer Schwester, deren damaligen Freund, der ungeschoren davon kam. Aus Ermangelung von Prozessakten rekonstruiert sie über Aufzeichnungen und Briefe ihrer Schwester sowie über Aussagen ihrer Freunde und Kommilitonen die Beziehung ihrer Schwester zu ihrem späteren Mörder und sucht nach Hinweisen, die die Tat im Vorfeld angedeutet hätten. Ihr Ziel ist Gerechtigkeit für ihre Schwester in einem Rechtssystem, das gerade im Hinblick auf Gewalt gegenüber Frauen den Tätern zu viele Schlupfwinkel lässt. Dieser Weg ist nicht nur aufgrund der langen Dauer, die das Verbrechen zurückliegt, und der fehlenden Akten ein schwieriges Unterfangen, sondern auch emotional und seelisch.
Mit ihrem Buch thematisiert die Autorin nicht nur das erschütternde Schicksal ihrer Schwester, sondern verleiht allen Opfern eines Femizids, eines Gewaltverbrechens aufgrund der Geschlechtszughörigkeit, eine Stimme. Sind Gewaltverbrechen in Beziehungen auch in Deutschland noch immer ein viel zu sehr totgeschwiegenes Thema, so gilt dies für Mexiko mit seinen machistischen und patriarchalen Strukturen umso mehr. Dort ist das Narrativ vom Opfer, das durch sein Verhalten, seine Kleidung oder was auch immer quasi selbst die Schuld am Verbrechen ihm gegenüber, noch wesentlich gängiger, die Zahl der durch Gewalt „aus Leidenschaft“ getöteten Frauen noch größer und die Strafverfolgung noch nachlässiger. Dies legt die Autorin auf der sachlichen Seite ihrer Darstellung sehr eindrucksvoll nahe.
Ebenso zeichnet sie ein vielstimmiges, beeindruckendes Zeugnis ihrer Schwester als junger Frau, die nicht nur im Hinblick auf ihren Freiheitsdrang und ihr Selbstverständnis als Frau, sondern auch in ihrer Persönlichkeit, ihrem Lebensfrohsinn und ihrer Liebenswürdigkeit exzeptionell erscheint. Auch in diesem Teil ist das Buch sehr beeindruckend.
Schwierig für mich wird die Lektüre in den sehr subjektiven Betrachtungen der Schwester, in ihren häufig metaphorisch umschriebenen Gefühlen sowie auch in den sehr persönlichen Briefen der Schwester, die oft ohne den Kontext nur schwer zu verstehen sind. Bisweilen sind mir die Zusammenhänge mit dem Leben der Familie, der Vater als Doktorand im Ausland, und der Schwester, ihr Feminismus und Kommunenleben, nur sehr locker assoziativ gefügt. Dann entsteht bei mir eine Art der Befremdung und der Lesefluss stockt.
Das allgemeine Thema hinter der subjektiven Geschichte ist aber durchaus bedeutsam, gehört zu werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.08.2025

Beklemmende Schicksale

Wir sehen uns wieder am Meer
0

Eins haben die drei recht unterschiedlichen Schicksale der drei Freundinnen gemeinsam, sie sind schwer und grausam.
Da ist das „Deutschenmädchen“ Tekla, die sich im besetzten Norwegen auf einen Besatzungssoldaten ...

Eins haben die drei recht unterschiedlichen Schicksale der drei Freundinnen gemeinsam, sie sind schwer und grausam.
Da ist das „Deutschenmädchen“ Tekla, die sich im besetzten Norwegen auf einen Besatzungssoldaten einlässt. Sie ist die eigentliche Hauptfigur des ersten Bandes dieser Trilogie von Trude Teige und hier eher lose mit der Handlung verbunden.
Dann gibt es noch die Zwangsarbeiterin Nadja, die aus der Ukraine in die norwegische Fischfabrik verschleppt wurde und sich dann in einen Kollaborateur verliebt.
Die eigentliche Hauptfigur aber ist Birgit, eine Krankenschwester, die im Krankenhaus mit dem inländischen Widerstand gegen die Besatzer in Kontakt kommt und heimlich einen entflohenen Kriegsgefangenen versteckt, einen Russen, in den sie sich verliebt.
Das Schicksal der drei Frauen reicht weit über die Besatzungszeit durch die Deutschen hinaus. Sie erleben die sich zuspitzende Situation, als die Deutschen den Krieg schon fast verlorenen haben und sich erbittert gegen die Niederlage wehren. Genauso wie ihre Unterstützer in Norwegen, deren Fanatismus im Angesicht des Untergangs ungebrochen ist. Aber es geht auch um die Nachkriegsjahre, um das Zusammenkehren des Scherbenhaufens, den der Krieg hinterlassen hat, um die Auseinandersetzung mit Schuld und Verstrickung, mit Verantwortung und der Suche nach einem Neuanfang.
Trude Teige hat sich wieder einen interessanten Schauplatz und ein weniger beleuchtetes Thema der Weltgeschichte ausgesucht und sie verleiht den Frauen, die in der Weltgeschichte immer nur sehr beiläufig vorkommen, eine wichtige Stimme. Es geht um ihr Schicksal, ihr Handeln, ihre Verantwortung, ihre Entscheidungen und ihr Los in einer Zeit, in der männliche Willkür mit am größten war.
Allerdings hat mich die Figur der Birgit nicht so ganz packen können. Das könnte auch an ihrer Begeisterung für Russland liegen, die für einen Norwegerin in der damaligen Zeit schon sehr ungewöhnlich gewesen sein muss, da die Norweger die Russen im Krieg kurz zuvor nicht in besonders guter Erinnerung dürften behalten haben. Und die Handlung zwischen Krankenhaus und Fischfabrik sowie Gefangenenlagern bleibt mir irgendwie fern und leer. Vielleicht stumpft man ab nach dem Lesen der immer wiederkehrenden Geschichten aus den Lagern der Gefangenen oder der Kranken. Aber gerade im dritten Band fehlt mir ein Spannungsbogen. Die Handlung dehnt sich, mal erhebt sie sich ein wenig, um dann schnell wieder abzufallen. Das Harren und Warten ist ein zentrales Motiv, das die Handlung aber auch hemmt und sich auf den Leser überträgt.
Für mich reicht der dritte Band nicht an die ersten beiden heran.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.08.2025

Ich hatte anderes erwartet

Die Frau des Farmers
0

Als ich das Buch „Die Frau des Farmers“ sah und mich mit Hilfe von Klappentext und Leseprobe informierte, erwartete ich etwas über das Leben einer Farmersfrau auf einer Schaffarm in England zu erfahren. ...

Als ich das Buch „Die Frau des Farmers“ sah und mich mit Hilfe von Klappentext und Leseprobe informierte, erwartete ich etwas über das Leben einer Farmersfrau auf einer Schaffarm in England zu erfahren. Ich erwartete viele Naturbeschreibungen, einen besonderen Bezug zum Leben mit den Tieren und der Natur, vielleicht Bodenständigkeit und Erdung durch diese Verbundenheit mit dem Leben. Das Buch schildert sicher das Leben einer Frau, die sich Frau eines Farmers nennen kann, weil sie, entgegen ihres Vorhaben, als Tochter eines Farmers niemals einen Farmer oder einen Bauern, wie sie sagt, heiraten zu wollen, eben dann doch dies tut. Doch lange, bevor sie beide auf eine Farm ziehen und Schafe züchten, arbeitet ihr Mann in einem Büro und sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, bis sie Mutter wird und versucht, ein Heim für alle zu schaffen. Zwar gliedert sich das Buch in die Tageszeiten „Morgen“, „Nachmittag“, „Abend“, grob gesprochen, und die Kapitel beginnen dann auch mit Dingen, die die Frau des Farmers zu den entsprechenden Tageszeiten tut, z. B. Kinder in den Kindergarten bringen oder von der Schule abholen, einkaufen, Rechnungen bezahlen, alles Tätigkeiten, die auch Frauen von Nicht-Farmern tun. Doch diese Tätigkeiten dienen nur als lockere Assoziationskette, um dann von ihrem Leben zu plaudern, ihrer Schulzeit, ihrem Wunsch, ins Ausland zu gehen, den Wunsch, ihren James zu heiraten, ihr Kunststudium, ihre Arbeit in einem Kaffee, ihre Leidenschaft fürs Essen und fürs Kochen – das Buch enthält Unmengen an Rezepten, und ihrer Begeisterung, heruntergekommene Häuser zu kaufen, zu renovieren, um dann wieder ein neues zu kaufen.
Ihre Schreibstil ist dabei leicht zu lesen und das Ganze auch nicht ganz Uninteressant, aber eben anders, als erwartet. Und was mich eindeutig stört, ist der bekannte nölige Unterton beim Beklagen über Luxusprobleme, wie sie selbst einräumt, wenn sie schreibt: Von außen gesehen sind wir gesund, sehen gut aus, leben in einem schönen Haus und können uns ein gutes Leben leisten. Aber gleichzeitig jammert sie: sie studiert Kunst, auch wohl erfolgreich, aber betätigt sich nicht als Künstlerin. Sie backt und kocht gern, hat aber oft keine Lust oder Zeit, dann gibt es Fastfood und Ungesundes. Sie will unbedingt diesen Mann und sie will soooo sehr ein Kind, dann hat sie zwei und beklagt ihre Abhängigkeit und ihre Unfreiheit und die Abwesenheit ihres Mannes, der rund um die Uhr arbeiten muss, damit sie Häuser kaufen, aufwändig renovieren, luxuriös ausstatten können, obwohl sie ja eigentlich kein Geld haben. Und so kaufen und verkaufen sie in zwei Jahren drei Häuser. Worüber man sehr erstaunt ist, wenn man bedenkt, dass sich in der heutigen Zeit Familien mit zwei Verdienern häufig nicht einmal die Miete für eine adäquate Wohnung leisten können, geschweige denn ein Eigenheim.
Ich hatte anderes erwartet und hätte gerne anderes gelesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere