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Veröffentlicht am 08.09.2025

So ein Zirkus

Zirkus der Wunder
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Nachdem mir schon „The Doll Factory“ so gut gefiel, wollte ich auch die kommenden Romane von Elizabeth Macneal im Auge behalten. Und siehe da, auch ihr zweiter Roman „Zirkus der Wunder“ hatte sogleich ...

Nachdem mir schon „The Doll Factory“ so gut gefiel, wollte ich auch die kommenden Romane von Elizabeth Macneal im Auge behalten. Und siehe da, auch ihr zweiter Roman „Zirkus der Wunder“ hatte sogleich mein Interesse geweckt und das nicht nur wegen des schönen Covers.

England, 1866: Weil ihr ganzer Körper von Muttermalen übersät ist, gilt die junge Nell in ihrem kleinen Dorf als Außenseiterin. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend und vom eigenen Vater verachtet, bietet ihr das Leben wenig Möglichkeiten. Als ihr Vater sie schließlich an einen Zirkus verkauft, ist da zunächst ein Schock, doch bald schon lernt Nell was Anerkennung und Gemeinschaft bedeutet. In den anderen „Freaks“ findet sie Familie und sogar die große Liebe.
Nell‘s Ruhm gefällt jedoch nicht allen. Besonders nicht Zirkusdirektor Jasper Jupiter, der lieber alleiniger Star der Manege sein will.

Wir lesen abwechselnd aus der Sicht von Nell, Jasper und dessen Bruder Toby. Alle drei sind grundverschieden, haben jedoch die gemeinsamen Ziele Ruhm und Anerkennung. Nur jeder auf seine eigene Weise und das führt zu einigen Konflikten. Leider verliert auch Nell dadurch gegen Ende einige Sympathiepunkte.

Im größenwahnsinnigen Zirkusdirektor Jasper erkennt man skrupellose Impressarios wie P. T. Barnum wieder. Trotzdem ist der Autorin das Kunststück gelungen, auch dieser Figur ein paar wenige gute Charakterzüge zu verpassen.

Barnum war allerdings nicht die einzige reale Person der Zirkuswelt des 19. Jahrhunderts die im Buch auftaucht. So sind Jasper Jupiters Wunder inspiriert von Tom Thumb, Julia Pastrana oder Charles Byrne mit denen sich die Figuren des Romans identifizieren und vergleichen.

Den meisten dieser Wunder war das große Glück nicht vergönnt und die Autorin zeigt auch im Roman die vielen Schattenseiten des Ruhms auf.
Und so endet der Roman auf eine recht melancholische Weise, wo zwar jeder seinen Platz auf der Welt gefunden hat, dafür aber große Opfer bringen musste.

Ich glaube manchen wird das Ende zu bittersüß sein, aber genau solche Enden liebe ich. Sie sind realistischer. Zeigen, dass wir können nicht alles haben.

Der zweite Roman von Elizabeth Macneal hat nicht enttäuscht und erhält von mir 5 Sterne

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Meerjungfrau verweifelt gesucht

Die letzte Reise der Meerjungfrau
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Ich habe dieses Buch sicher schon 2 Jahre hier liegen und dafür damals sagenhafte 6,99 € bezahlt! Nein, kein Mängelexemplar, sogar Hardcover und was für ein hübsches. Mittlerweile ist der Preis auf 12,99 ...

Ich habe dieses Buch sicher schon 2 Jahre hier liegen und dafür damals sagenhafte 6,99 € bezahlt! Nein, kein Mängelexemplar, sogar Hardcover und was für ein hübsches. Mittlerweile ist der Preis auf 12,99 € gestiegen, was aber immer noch günstig ist.
Wo ist also der Haken? Ist die Geschichte so schlecht? Denn die Bewertungen auf Amazon sind eher mittelmäßig. Finden wir es also heraus.

Vielleicht liegt es ja einfach an dem irreführenden Titel, denn Meerjungfrauen spielen hier die meiste Zeit nur eine kleine Rolle. Tatsächlich ist die titelgebende Meerjungfrau zunächst ebenjene, die Barnum einst ausstellte. Also der mumifizierte Affe mit angenähten Fischschwanz. Zu dieser gelangt der Kaufmann Jonah Hancock eher unfreiwillig, kann sie letztendlich aber zu ordentlich Geld machen und sich damit mehr als nur einen Wunsch erfüllen.

Parallel geht es um...nennen wir es mal Edel-Freudenmädchen (Obacht bei der Wortwahl auf IG). Speziell um eine ehemalige mit großen Ambitionen, denn Angelica will nicht nur einen reichen, sondern auch hübschen Gönner. Und echte Liebe.

Später finden diese beiden Handlungsstränge sehr harmonisch zueinander. Wirklich, ich bin richtig sentimental geworden. Denn zunächst sind weder Hancock, noch Angelica wirklich sympathisch. Deswegen fand ich die Entwicklung der beiden unheimlich schön und ergreifend.

Wie bereits erwähnt haben wir zu Anfang eine falsche Meerjungfrau und zum Ende hin...noch eine. Ist diese echt? Eine Wahnvorstellung? Oder eine Verkörperung von etwas ganz anderem, tiefergehenden? Ehrlich gesagt bin ich mir da auch nicht so sicher, es wurde sehr rätselhaft zum Ende hin. Was aber gar nicht schlimm ist, denn es hat dem Roman so einen philosophischen Ton gegeben. Ich glaube es ist ein Roman den mach noch einmal lesen muss, um den tieferen Sinn dahinter richtig zu erfassen.

Lassen wir die Meerjungfrauen-Sache mal beiseite, bietet der Roman außerdem einen interessanten Einblick in das Geschäft mir der Liebe im späten 18. Jahrhundert. So lernen wir ein Freudenhaus der etwas anderen Art kennen und erleben Aufstieg und Fall von Dirnen.

Ich fand das Buch richtig gut, deswegen gibt es von mir auch 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Versailles im dunklen Gewand

Vampyria - Der Hof der Finsternis
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Die Vampire sind zurück! Der Buchmarkt wird momentan ja wieder überschwemmt von Vampir Romanen und eigentlich hatte ich wenig Interesse, mich wieder mit dem Thema zu befassen. Aber die Auswahl ist einfach ...

Die Vampire sind zurück! Der Buchmarkt wird momentan ja wieder überschwemmt von Vampir Romanen und eigentlich hatte ich wenig Interesse, mich wieder mit dem Thema zu befassen. Aber die Auswahl ist einfach zu verführerisch und die prunkvollen Cover der Vampyria Trilogie haben mich letztendlich überzeugt. Los geht es mit „Der Hof der Finsternis“ und einem mehr als eindrucksvollen Schauplatz.

Seit nun fast 300 Jahren herrscht der Sonnenkönig als Untoter über das Reich Magna Vampyria.
Nur ausgesuchte Untote und Lebende dürfen an seinem düsteren Hof Versailles weilen. Der niederste Stand untersteht strengen Regeln und muss monatlich einen Blutzoll entrichten. Auch Jeanne gehört dazu. Als bei einer Kontrolle ihre gesamte Familie ermordet wird, nimmt Jeanne die Identität einer Adeligen an und gelangt so nach Versailles. Ihr einziges Ziel: In der Gunst des Königs aufsteigen und so Rache an den Mord ihrer Familie nehmen.

Wow, was für ein wilder Ritt.
Dieser Roman lässt wirklich keine Langeweile aufkommen, eine packende Szene jagt die nächste.
Ein barockes Vampirreich zu erschaffen, was für eine Idee. Das bietet so viel Potenzial und das hat der Autor auch ausgenutzt. Das lesen hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, ich war schon lange nicht mehr so schnell mit einem Roman fertig und habe mir auch gleich Teil 2 bestellt.

Jeanne als unsere Hauptfigur fand ich super. Eben weil sie keine klassische Heldin ist und auch über Leichen geht, um ihr Ziel zu erreichen und trotzdem nicht böse genug, dass man sie nicht mögen würde.
Bei den anderen Charakteren gibt es so manche Überraschung, mit der ich gar nicht gerechnet hätte.
Natürlich gibt es für Jeanne auch ein Love Interest. Das war manchmal hart an der Grenze zum Schnulz, hat sich dann aber immer im richtigen Moment wieder gefangen. Es ist definitiv keine Liebesgeschichte, auch wenn der Klappentext mir dem Satz „Traust du dich mich zu lieben?“ wirbt.
Ganz im Gegenteil, der Roman spart nicht an Brutalität. Normalerweise bin ich da kein Fan von, aber es passt einfach auch zu dieser von Vampiren beherrschten Welt.

Ein paar kleine Schönheitsfehlerchen gibt es dennoch.
Die Sprache war mir manchmal zu modern. Das war bestimmt so gewollt, immerhin spielt der Roman 300 Jahre nach dem Tod des Sonnenkönigs, also müsste es eigentlich 2015 sein, auch wenn die Zeit ansonsten definitiv im Barock stehen geblieben ist. Trotzdem mochte diesen modernen Touch irgendwie nicht.
Manche Begriffe wie „Schluck des Königs“ oder „Bösemund“ fand ich total dämlich, aber vielleicht ist es auch nur schlecht übersetzt worden. Letzteres auch so eine Sache, die ich nicht hätte haben müssen, aber möglicherweise spielt das in den kommenden Romanen noch eine wichtigere Rolle.

Ansonsten bin ich absolut zufrieden und froh, dass ich mich doch wieder in die Welt der Vampire gewagt habe.

5 Sterne für diesen wunderbaren Auftakt!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Wenn Vergnügen zum Horror wird

Der Zirkusbrand
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Bestimmt kennen viele von uns ein Buch, dass eigentlich zu schrecklich zum lesen ist, aber zu gut, um es nicht zu lesen. Für mich ist das „Der Zirkusbrand“ von Stewart O’Nan. Nach einem Deep Dive zum Thema ...

Bestimmt kennen viele von uns ein Buch, dass eigentlich zu schrecklich zum lesen ist, aber zu gut, um es nicht zu lesen. Für mich ist das „Der Zirkusbrand“ von Stewart O’Nan. Nach einem Deep Dive zum Thema berühmte Brandkatastrophen, landete ich irgendwann beim Zirkusfeuer von Hartford 1944 und dem damit empfohlenen Buch.

Stewart O’Nan schreibt eigentlich Romane und auch wenn das hier ein Sachbuch ist, merkt man dem Schreibstil das Talent des Autors deutlich an. Der wollte mehr über die Tragödie seiner neuen Heimatstadt erfahren und das es kein Buch zu dem Thema gab, begab er sich selbst auf Recherche und konnte so auch viele Augenzeugenberichte mit einfließen lassen.

Der Tag rund um den titelgebenden Brand wird aus so vielen Sichtweisen und in so vielen noch so kleinen, scheinbar unbedeutenden Details beschrieben, dass man förmlich in die Geschichte hineingezogen wird. Plötzlich ist man mittendrin, an diesem heißen Julitag. Man spürt die Hitze, riecht die stickige Zirkusluft, hört die fröhliche Musik.

Das Buch begleitet vor, während und nach dem Brand Retter, Überlebende und Hinterbliebene, sowie die Ermittler, aber auch die Zirkus-Crew. Man erhält einen wahnsinnig echten und emotionalen Einblick aus ganz verschiedenen Perspektiven und staunt, wie unterschiedlich und ja, auch tapfer die mit am schwersten Betroffenen mit der Situation umgehen. Bis Mitte der 90er Jahre behandelt das Buch die Nachwirkungen des Brandes, der bis heute unvergessen bleibt.

Dabei umgibt den Zirkusbrand auch zwei bis heute ungeklärte Mysterien. Ein kleines Mädchen, das trotz nur weniger Brandwunden bis heute nicht eindeutig identifiziert werden konnte und ein kleiner Junge, der zunächst überlebte, im Krankenhaus aber verschwand.
Als Stewart O’Nan den Rat bekam, doch einen Roman aus dem Material zu machen, hatte er schon Recht als er sagte, das müsse er gar nicht. Die Realität ist mitreißender, als es ein Roman je könnte.

Das Buch enthält außerdem eine Vielzahl von Fotografien und Plänen, sowie eine Auflistung einiger Familien, auf deren Schicksal besonders eingegangen wird.

Zum Schluss hat mich auch dieses mal wieder ein wenig der Abschiedsschmerz begleitet. Das klingt seltsam, aber man hat eine gewisse Anzahl von Überlebenden durch so viele emotionale Momente begleitet, dass es einen ganz melancholisch werden lässt, wenn man daran denkt, wie viele Jahrzehnte inzwischen vergangen sind und dass die meisten wahrscheinlich gar nicht mehr leben.

Für mich ist es ein Buch zum mehrmals lesen, zum recherchieren, aber vor allem zum weiterempfehlen. Und nun muss ich endlich mal mehr von Stewart O’Nan lesen. Ich habe da schon ein Buch Blick….

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Check in des Todes

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
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Wer kennt ihn nicht, den mysteriösen Fall der Elisa Lam, deren Leiche im Wassertank des berüchtigten Cecil Hotels gefunden wurde. Die kurz vor ihrem Tod entstandenen Aufnahmen des Fahrstuhls, welche eine ...

Wer kennt ihn nicht, den mysteriösen Fall der Elisa Lam, deren Leiche im Wassertank des berüchtigten Cecil Hotels gefunden wurde. Die kurz vor ihrem Tod entstandenen Aufnahmen des Fahrstuhls, welche eine verängstigte junge Frau zeigten gingen um die Welt.
Stoff der sich gut für eine Doku eignet. Aber auch für einen Roman, wie sich hier zeigt.

Die 17-jährige Robyn ist aufgrund einer Erkrankung an den Rollstuhl gefesselt und verbringt ihre Tage am liebsten mit dem hören von True Crime Podcasts. Zusammen mit ihrer Großtante bewohnt die Vollwaise eine kleine Wohnung gegenüber des Ambrosia Hotels. Wie ein kleiner Stalker beobachtet Robyn den Alltag der Bewohner, vergibt Spitznamen und ergründet deren Leben. Aber dann beobachtet sie eines Tages eine Entführung. Robyn muss handeln, denn das Ambrosia ist bekannt für seine schaurige Vergangenheit. Dabei holt sie sich Hilfe von dem obdachlosen Kleinkriminellen A.J. und deckt dabei mehr als nur ein schreckliches Geheimnis auf.

Meine Beschreibung ist nur die Spitze des Eisbergs, der Roman hat ja so viel zu bieten! Ein Twist jagt den nächsten und obwohl man bei der einen oder anderen Sache schon Verdacht geschöpft hat, lässt man sich doch gern überraschen, was sich die Autorin hat einfallen lassen.

Die Geschichte kommt zwar etwas langsam in Fahrt, verschnauft danach aber kaum, sodass man es gar nicht abwarten kann weiterzulesen.

Reale Fälle des Cecil Hotels werden hier mit eingebunden, allerdings mit veränderten Namen und leicht geänderter Story. Und dann kommen natürlich noch die eigenen Ideen dazu. Es geht hier also nicht nur um die Bewohner des Hotels, sondern auch viel um Robyn und ihre Geschichte. Beides wird miteinander verwoben und sorgt für einige grandiose Schockmomente.

Auch wenn der Roman eher auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet ist, erkennt man doch sein Teenie-Ich wieder und der Ton ist auch nie zu übertrieben jugendlich. Tatsächlich ist es erfrischend humorvoll geschrieben.

Ich mochte den Roman mehr als ich vermutet hätte. Ganz toll!

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