Platzhalter für Profilbild

Enzian

Lesejury Profi
offline

Enzian ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Enzian über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Verletzte Kinderseelen

Der Sommer am Ende der Welt
0

Die Journalistin Hanna begibt sich gemeinsam mit ihrer Tochter Katie nach Borkum, um Recherchen über Verschickungskinder aufzunehmen. Diese Kinder wurden in den 1960er-Jahren in ein Kinderkurheim ...

Die Journalistin Hanna begibt sich gemeinsam mit ihrer Tochter Katie nach Borkum, um Recherchen über Verschickungskinder aufzunehmen. Diese Kinder wurden in den 1960er-Jahren in ein Kinderkurheim auf die Insel geschickt. Hanna hat Kontakt zu Susanne, einem ehemaligen Kind, das auch als Erwachsene noch traumatisiert ist. Dann liegt das Tagebuch einer ehemaligen Betreuerin vor der Tür ihres Hotelzimmers, die ihre Recherche voranbringt und zugleich Schreckliches offenbart.

Das ansprechend gestaltete Cover hat mein Interesse geweckt und ich wurde auch von der Leseprobe nicht enttäuscht. Die Autorin Eva Völler ist mir nicht unbekannt, am besten hat mir ihr Roman "Die Dorfschullehrerin" gefallen. Ihr neuer Roman hat die schlimmen Erfahrungen von Kindern zum Inhalt, die in den 1960-er Jahren zu Kinderkuren verschickt wurden. Ihre Recherchen führen sie auf die Insel Borkum, wohin einst ihre Mutter zur Kur verschickt wurde.
Die Realität hatte für Susanne sowie die anderen Verschickungskinder nichts mit einer Kur zu tun. Unfassbar war für mich, dass die Kinder sofort nach ihrer Ankunft nicht mit ihren Vornamen angesprochen, sondern von Betreuerinnen zu Nummern degradiert wurden. Sie mussten diese Frauen sogar noch mit „Tante“ anreden. Unter der harten Aufsicht der Betreuerinnen gab es drastische Strafen, Schläge und Vernachlässigungen, die sogar zum Tod eines Kindes geführt haben.
Die Autorin hat ihre Protagonisten sorgfältig und sehr authentisch charakterisiert.
Zu den liebenswerten Charakteren gehört die Betreuerin Luise, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Anhand der Betreuerin Angela kommt die Unmenschlichkeit zum Ausdruck, der die Kinder ausgesetzt waren. Auch Hanna, Katie und Ole waren interessante Protagonisten, die für Abwechslung gesorgt haben. Eva Völler hat die Ereignisse mit einer Liebesgeschichte verknüpft, die sich etwas zu schnell entwickelte und nicht ganz glaubwürdig war.
Das Tagebuch von Luise ist in Kursivschrift verfasst, was sich sehr angenehm von den übrigen Kapiteln des Buches abhebt.
Eva Völler schreibt sehr einfühlsam und emotional, sie baut überraschende Wendungen in ihr Buch ein. Der Roman hat mich berührt und zum Nachdenken darüber angeregt, weshalb so etwas noch bis zu Beginn der 1970er-Jahre geschehen konnte. Ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2025

Gänsehautfeeling

Eisenblume
0

Das düster gestaltete Cover stimmt perfekt auf den Thriller ein. Emilia drängt Jakob, sie in das ehemalige Psychiatriegebäude zu begleiten. Sie ist auf der Suche nach einer Toten. Die Jugendlichen gelangen ...

Das düster gestaltete Cover stimmt perfekt auf den Thriller ein. Emilia drängt Jakob, sie in das ehemalige Psychiatriegebäude zu begleiten. Sie ist auf der Suche nach einer Toten. Die Jugendlichen gelangen in das baufällige Gebäude und machen eine schreckliche Entdeckung. Fredrika Storm und Henry Calment werden mit den Ermittlungen beauftragt. Diese führen beide Polizisten in die Vergangenheit, als in der Anstalt zwei Patienten verschwunden sind. Doch bald werden sie mit einem weiteren Todesfall konfrontiert.

Vorliegend handelt es sich um den zweiten Krimi der schwedischen Autorin Frida Skybäck. Ich habe bereits den ersten Band „Schwarzvogel“ mit den sympathischen Ermittlern Fredrika Storm und Henry Calment gelesen. Den zweiten Krimi finde ich jedoch noch viel spannender. Frida Skybäck beschreibt die Suche in dem alten Haus so atmosphärisch, dass ich Gänsehaut bekommen habe. Als eine verweste, in eine Wand eingemauerte Leiche gefunden wird, müssen Fredrika und Henry sich mit einem 35 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall befassen. Ihre Ermittlungen führen sie zu Ärzten und Schwestern, die früher in der psychiatrischen Einrichtung tätig waren. Beide Polizisten haben bald die Gewissheit, dass ihnen etwas verschwiegen wird. Auch die Aussagen ehemaliger Patienten sowie deren Angehörigen bringen die Ermittler zunächst nicht weiter.
Mit den beiden Hauptprotagonisten Frida und Henry hat die Autorin authentische, ausdrucksstarke Charaktere geschaffen, die beide ihre Stärken und Schwächen haben. Es ist interessant zu lesen, wie sich beide trotz ihrer Gegensätze immer weiter annähern. Frida Skybäck hat so viele überraschende Wendungen in ihren Krimi eingeflochten, dass die Spannung nie nachließ. Auch die früheren, zum Teil grausamen Zustände in psychiatrischen Einrichtungen wurden thematisiert. Das Ende hat sich dann völlig überraschen gestaltet. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2025

Der Inspektor und der Totengräber

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
0

Wien im Jahr 1896: Bei dem Zaubertrick „Die zersägte Jungfrau“ stirbt die Darstellerin wirklich. Die Ermittlungen führen Inspektor Leopold von Herzfeldt in den Prater, wo immer wieder junge Frauen vermisst ...

Wien im Jahr 1896: Bei dem Zaubertrick „Die zersägte Jungfrau“ stirbt die Darstellerin wirklich. Die Ermittlungen führen Inspektor Leopold von Herzfeldt in den Prater, wo immer wieder junge Frauen vermisst und später tot aufgefunden werden. Unterstützung erhält er bei seinen Nachforschungen von der Reporterin Julia Wolf sowie von seinem Freund Augustin Rothmayer, dem Totengräber.

Es ist mein erstes Buch, das ich aus der Totengräberreihe von Oliver Pötzsch lese und es wird mit Sicherheit nicht mein letztes sein.
Der Autor versteht es, durch seine flüssige, bildhafte Erzählweise den Leser in Bann zu ziehen. Der historische Krimi verspricht von der ersten bis zur letzten Seite Spannung. Schmunzeln musste ich über die Verbrecherjagd der Polizei in der Dienstkutsche.
Ich kenne den modernen Prater und habe mich gerne von Oliver Pötzsch in den Wurstelprater des Jahres 1896 führen lassen. Hier stehen nicht nur buntes Treiben und Zaubertricks im Vordergrund. Es treiben sich auch düstere Gestalten herum, wie etwa der skurrile Bauchredner mit seiner gruseligen Puppe. Zudem verschwinden hier junge Frauen spurlos. Der Autor überzeugt zudem durch seine authentischen Protagonisten. Leopold, Julia, ihre gehörlose Tochter Sisi, Augustin und seine Ziehtocher Anna sowie deren Freund Emil habe ich sofort ins Herz geschlossen. Vor allem habe ich den Mut von Julia bewundert, die sich unbeirrt in unheimliche Gassen des Praters wagt, um das Schicksal vermisster Frauen aufzuklären. Beeindruckt war ich auch vom Wissensdurst des Totengräbers, der sich perfekt mit Leopold ergänzt hat.
Der Autor spricht aber auch die politischen Verhältnisse dieser Zeit an. Antisemitismus war schon damals ein Thema, wie Leopold immer wieder erfahren musste. Oliver Pötzsch baut perfekt einen Spannungsbogen auf und punktet nicht zuletzt mit Wiener Charme. Mit diesem Krimi habe ich mich bestens unterhalten gefühlt. Ich hoffe auf neue Fälle mit diesen ungewöhnlichen Ermittlern. Für das Buch vergebe ich fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2025

Gefährliches Campen

Der Trailer
0

Die Studentin Lisa verschwindet unter mysteriösen Umständen auf einem Campingplatz in den Ardennen. Als 15 Jahre später sich ein True-Crime-Podcast mit dem Fall beschäftigt, wird nicht nur die Kommissarin ...

Die Studentin Lisa verschwindet unter mysteriösen Umständen auf einem Campingplatz in den Ardennen. Als 15 Jahre später sich ein True-Crime-Podcast mit dem Fall beschäftigt, wird nicht nur die Kommissarin Frieda Stahnke darauf aufmerksam. Es geschehen plötzlich weitere Morde und auch Wout Meertens, der ebenfalls im Camp Donkerbloem war, muss um sein Leben fürchten. Frieda nimmt den Fall wieder auf und verlässt sich auf Wout.

Bereits das düster gestaltete Cover versetzt den Leser in die Lage, sich auf den Thriller einzustimmen. Vorliegend handelt es sich um den ersten Thriller, den ich von Linus Geschke gelesen habe. Es wird mit Sicherheit nicht mein letzter sein. Der Schreibstil des Autors ist von der ersten Seite an fesselnd. Er beschreibt den Campingplatz sowie die Landschaft der Ardennen sehr authentisch. Der Campingplatz wirkt idyllisch, einem Paradies gleich. Doch die feinen, hintergründigen Töne, die Linus Geschke anschlägt, lassen bereits Schlimmes vermuten. Ich konnte das Grauen, das Lisa dort empfunden hat, nachvollziehen. Die Handlung gewinnt immer schneller an Tempo, was nicht zuletzt an den glaubwürdigen Charakteren liegt. Besonders die sympathische Kommissarin Frieda, die sich beharrlich dem Fall widmet, habe ich besonders gemocht. Aber auch der etwas zwielichtige Barbesitzer Wout war mir nicht unsympathisch. Das Ende des Thrillers kam dann völlig überraschend. Der klug konstruierte Pageturner überzeugt durch atemlose Spannung und zahlreiche unerwartete Wendungen. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine absolute Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.06.2025

Vermisst

Ihr werdet sie nicht finden
0

Ein Mädchen verschwindet nach einer Partynacht spurlos. Ihr Vater Jonas, ein ehemaliger Polizist, sucht sie verzweifelt. Alles ist umsonst und der Vater zieht einen Verdächtigen zur Verantwortung. Die ...

Ein Mädchen verschwindet nach einer Partynacht spurlos. Ihr Vater Jonas, ein ehemaliger Polizist, sucht sie verzweifelt. Alles ist umsonst und der Vater zieht einen Verdächtigen zur Verantwortung. Die Privatdetektivin Franca erhält Jahre später den Auftrag, eine vermisste junge Frau zu suchen. Schnell entdeckt sie Verbindungen zu dem Fall von Jonas Tochter, die nie gefunden wurde. Es dauert nicht lange und beide ermitteln gemeinsam, weil der Vermissten anscheinend etwas über die Geschehnisse der Vergangenheit bekannt ist.

Das raffiniert gestaltete, in grüner Farbe gehaltene Cover mit dem Frauengesicht im Hintergrund hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich bin ein Fan des Autors, dem es stets gelingt, von der ersten Seite an atemlose Spannung zu erzeugen. So auch in diesem Thriller, der verschwundene Frauen zum Inhalt hat.

Die Kapitel haben abwechselnd die Abläufe der Vergangenheit sowie der Gegenwart zum Inhalt. Zwischendurch kommt in Kursivschrift verfasst eine unbekannte Person zu Wort. Es wird schnell ersichtlich, dass diese Person ein düsteres Geheimnis umgibt. Der Thriller gewinnt mit seinen abwechslungsreichen Handlungen und Schauplätzen schnell an Tempo.
Franca meint, dass alles mit allem zu tun hat, was mein Eindruck auch war. Ich habe oft gemeinsam mit Franca bei ihren nicht ungefährlichen Ermittlungen gebangt und geschaudert.

Der Thriller lebt nicht zuletzt von seinen interessanten Protagonisten. Jonas ist aufgrund seiner Vergangenheit eine komplizierte Persönlichkeit, ich hatte für ihn aber Verständnis. Franca beweist viel Mitgefühl und ist mir sehr sympathisch. Franca und Jonas sind gänzlich unterschiedlich und müssen sich zusammenraufen, was ihnen nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser gelingt. In diesem Thriller ist nichts wie es scheint und das Ende ist völlig überraschend. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere