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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2025

Gefühlvoll geschriebener Liebesroman mit tiefgehendem Thema

All the Things I Love about You
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Die angehende Medizinerin Dawn kann das Leid ihrer Tante Juliana nicht länger ansehen und hilft ihr beim assistierten Suizid. Die Folgen für sie sind katastrophal: Sie wird kurz vor dem Abschluss von der ...

Die angehende Medizinerin Dawn kann das Leid ihrer Tante Juliana nicht länger ansehen und hilft ihr beim assistierten Suizid. Die Folgen für sie sind katastrophal: Sie wird kurz vor dem Abschluss von der Universität geworfen, zudem darf sie in keinem anderen Staat ihr Studium zu Ende führen. Ihr Traum vom Beruf als Ärztin ist somit geplatzt, auch sonst bekommt sie keine Chance auf einen Job. Daher ist sie überglücklich, dass sie der Kickbox-Star Landen als Assistentin einstellt. Von Anfang an fühlen die beiden sich zueinander hingezogen, doch ist es eine gute Idee, sich mit dem Chef einzulassen?

Es ist mein erstes Buch der Autorin und der leicht zu lesende bildhafte Schreibstil ließ mich sofort in die Geschichte eintauchen. Es ist in der Ich-Form abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren geschrieben. Beim ersten Drittel dachte ich, eine nette Wohlfühlgeschichte, angenehmer Schreibstil, aber nichts Neues. Das änderte sich jedoch schlagartig, als ein Unfall passiert, der alles auf den Kopf stellt. Ab hier wird es emotional und die Story geht in eine komplett andere Richtung, die mir sehr gut gefiel. Die Ängste und Sorgen der Protas werden gut dargestellt, auch die Nebenfiguren fügen sich toll in die Geschichte ein. Dawns Eltern sind Schatten im Hintergrund, deren Verhalten ich nicht nachvollziehen kann, da hätte ich mir mal eine direkte Konfrontation gewünscht. Auch der Umgang mit dem behinderten Sohn (Dawns Bruder) ist eigenartig, weil sie Dawn ständig das Zusammensein mit ihm verbieten wollen.
Das Ende ich durchaus befriedigend, lässt aber einige Fragen offen. Vielleicht gibt es Erklärungen im zweiten Band.
Unter dem Strich: ein tiefgehender Liebesroman, der nachdenklich stimmt und den ich sehr gern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Ein Hase büchst aus

Jim Salabim und der Mogel-Strauß
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Jim, der Hase, lebt mit anderen Tieren in einem Zauberhut und wird bei jeder Show aus dem Hut »gezaubert«. Doch dazwischen ist ihm langweilig. Er will den Hut verlassen und auf Abenteuersuche gehen. Mit ...

Jim, der Hase, lebt mit anderen Tieren in einem Zauberhut und wird bei jeder Show aus dem Hut »gezaubert«. Doch dazwischen ist ihm langweilig. Er will den Hut verlassen und auf Abenteuersuche gehen. Mit von der Partie sind ein Dutzend Küken. Doch die Tauben passen auf und verfolgen die Ausreißer ...

Ich habe das Buch zusammen mit meiner Enkelin, die gerade die erste Klasse hinter sich hat, gelesen. Die Idee vom Zauberhut, in dem alle Tiere leben, fanden wir toll und dass es dem Hasen da zu eng wird, ist nachvollziehbar. Die Zeichnungen sind lustig und die bunt gestalteten Bilder laden zum Entdecken ein. Es sind zahlreiche lustige Ideen drin, wie beispielsweise, dass sich der Hase auf der Flucht in ein Hasenkostüm steckt. Die Ereignisse sind aneinandergereiht, teilweise war meine Enkelin verwirrt – ist der Zauberstab nun echt oder der Zauberer nur ein Schwindler? Manche Formulierungen sind eher für Erwachsene gedacht: Insta-Bamm und Klick-Klock, meine Enkelin ist noch ohne Handy und kennt die sozialen Netzwerke (zum Glück) nicht. Das Bild gegen Ende ist ansprechend, der Hase genießt seine Freiheit und liegt mit den Küken auf einer Wiese. Dabei hätte man es belassen können – das letzte Bild vom Zauberer mit den Tauben, der ihnen den Auftrag gibt, die Ausreißer zu suchen, lässt quasi das Ende offen.
Fazit: ein liebevoll illustriertes Bilderbuch, das meine Enkelin gern gelesen hat.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Ein Nachruf auf die ermordete Schwester

Lilianas unvergänglicher Sommer
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Vor knapp dreißig Jahren wurde Liliana, die Schwester der Autorin, im Alter von zwanzig Jahren stranguliert aufgefunden. Als Mörder steht schon bald ihr Ex-Freund Angel fest, zu dem sie eine toxische Beziehung ...

Vor knapp dreißig Jahren wurde Liliana, die Schwester der Autorin, im Alter von zwanzig Jahren stranguliert aufgefunden. Als Mörder steht schon bald ihr Ex-Freund Angel fest, zu dem sie eine toxische Beziehung hatte. Er wurde jedoch niemals für seine Tat vor Gericht gestellt, da er sich durch Flucht entzogen hat – für die Familie bis heute ein wunder Punkt.
Das Buch beginnt mit der Suche der Autorin nach der Ermittlungsakte ihrer Schwester. Eine Odyssee, man schickt sie in Mexiko-Stadt von einem Büro ins andere, am Schluss vergeblich. Da beschließt sie, ihre Schwester mit Erinnerungen zu verewigen, es kommen die Eltern, zahlreiche Mitstudentinnen und -studenten, sowie ihre Freundinnen, Nachbarn und sonstige Wegbegleiter zu Wort. Auch Briefe und Notizen von Liliana finden ihren Platz. Sie ergeben das Bild eines lebenslustigen, fröhlichen Mädchens, das ihr Dasein genossen hat und von allen geliebt wurde, jedoch sich selbst mit der Liebe zu den Männern schwergetan hat.
Man gewinnt Einblicke in das Leben in Mexiko, über den Umgang mit den Frauen in diesem Land und die Entwicklung in den dreißig Jahren nach Lilianas Tod. Unglaublich, wie Frauen behandelt und unterdrückt wurden, teilweise zieht sich das bis heute. Die Arbeitsmoral der Behörden ist bestenfalls als gleichgültig zu bezeichnen. Dass Ermittlungsakte einfach verschwinden, obwohl der Täter nie gefasst wurde, ist unerhört. Die Autorin verarbeitet nach so vielen Jahren den Tod ihrer Schwester, das ist durchaus gelungen. Besonders schockiert hat mich, dass die Eltern zum Zeitpunkt der Tat außer Landes waren und als sie zurückkamen, war ihre Tochter Liliana bereits beerdigt. Heutzutage mit den Handys undenkbar, sogar in Mexikol
Für mich war es interessant und informativ zu lesen, doch ich hätte mir ein wenig mehr Ordnung und Struktur gewünscht. Beispielsweise wäre eine geschlossene Berichterstattung des Tathergangs am Anfang hilfreich gewesen, nicht die schichtartige Enthüllung durch Zeitungsartikel und Zeugen im letzten Drittel. Über Lilianas Charakter erfährt man nur puzzleartig manches und nicht alles lässt sie sympathisch erscheinen. Mir fehlte zudem ein wenig die Beziehung zu ihrer Schwester, der Autorin, die für mich am Rand bleibt. Auch die Autorin selbst hält sich bedeckt, und sie gibt kaum etwas über sich preis.
Unter dem Strich eine literarische Erzählung, einem Bild von Mexiko und einem offen gehaltenen Schluss. Warum die Akte verschwunden ist – schließlich handelt es sich um einen Cold Case, hat sich mir leider nicht erklärt.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Wenn schlimme Erinnerungen verdrängt werden

Furye
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Alec ist über vierzig und hat sich ein erfolgreiches Berufsleben aufgebaut, sie leitet eine Agentur und betreut hauptsächlich einen exzentrischen Musiker. Privat versucht sie verzweifelt, mit Hilfe künstlicher ...

Alec ist über vierzig und hat sich ein erfolgreiches Berufsleben aufgebaut, sie leitet eine Agentur und betreut hauptsächlich einen exzentrischen Musiker. Privat versucht sie verzweifelt, mit Hilfe künstlicher Befruchtung schwanger zu werden, ein emotional und finanziell aufwändiges Unterfangen, das von zahlreichen Fehlschlägen begleitet ist. Zudem plagen sie Albträume und Halluzinationen. Ein Anruf verleitet sie dazu, an den Ort ihrer Vergangenheit zu fahren. Damals als sie siebzehn war und mit ihren beiden Freundinnen Meg und Tess viel Zeit verbracht hat. Auch ihre erste Liebe Romain durfte sie erleben. Doch eines Tages wird Tess tot im Pool aufgefunden und die scheinbare Idylle findet ein jähes Ende ...

Den richtigen Namen der Protagonistin und ihren Freundinnen wird man nie erfahren, sie haben sich nach den drei Furien benannt, das gibt der Geschichte einen besonderen Touch. Es dauerte ein wenig, bis ich mich auf die Story einlassen konnte, der Schreibstil ist ungewöhnlich, viele direkten Reden werden nicht mit Apostroph gekennzeichnet, viele schon, das irritierte mich. Auch die kryptischen Sätze, die ihre Informationen nur tröpfchenweise preisgeben, waren anfangs anstrengend. Doch die Handlung nimmt schnell an Fahrt auf, mosaikartig werden die Geschehnisse der Vergangenheit enthüllt. Es sind erschütternde Enthüllungen, die nach und nach entblättert werden. So war beispielsweise der Vater von Tess ein Schläger, der seine Familie tyrannisiert, Meg wurde sexuell belästigt und auch Alec fand kein Glück in der Liebe zu Romain. Gegenwart und Vergangenheit werden schichtweise erzählt. Es ist kein leicht verdaulicher Roman, den man schnell »weglesen« kann, vieles wird nur in wenigen einprägsamen Worten vermittelt, manches steht zwischen den Zeilen. Der Schluss kam mit einer versöhnlichen Überraschung, die ich so nicht erwartet hätte.
Ein tiefgründiges Buch, dass mich nach kurzen Startschwierigkeiten berührt und begeistert hat, eine Leseempfehlung für alle, die tiefsinnige Literatur mit nicht alltäglicher Sprache mögen.


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Veröffentlicht am 22.06.2025

Wohlfühlgeschichte rund um zwei Schwestern

Der alte Apfelgarten
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Nach dem Tod ihres Vaters erben die Schwestern Nina und Bette zu gleichen Teilen die Farm. Zu ihrem Entsetzen erfahren sie, dass das Anwesen hoch verschuldet und kaum zu retten ist. Bette, die in einer ...

Nach dem Tod ihres Vaters erben die Schwestern Nina und Bette zu gleichen Teilen die Farm. Zu ihrem Entsetzen erfahren sie, dass das Anwesen hoch verschuldet und kaum zu retten ist. Bette, die in einer renommierten Anwaltskanzlei in London arbeitet, sieht sich gezwungen, länger am Ort zu bleiben. Nina, die jahrelang keinen Kontakt zu Bette hatte, kommt dies ungelegen, dennoch müssen die beiden zusammenarbeiten, um die Farm zu retten. Sie werden dabei unterstützt von Cam, dem die Nachbarfarm gehört, und Ryan, dem Ex-Verlobten von Bette, der sie damals furchtbar verletzt hat.

Es war mein erstes Buch der Autorin und ich kam ohne Probleme in die Geschichte hinein. Der Schreibstil ist bildhaft flüssig, das Ambiente rund um die Farm wunderbar gezeichnet. Die Schwestern Bette und Nina fand ich beide von Anfang an sympathisch, obwohl sie grundverschieden sind. Die erste Hälfte der Story verläuft ein wenig unaufgeregt, da hätte ich mir mehr Tempo gewünscht, er mit dem Auffinden des alten Apfelgartens kommt Schwung hinein. Die Annäherung der Schwestern ist liebevoll beschrieben, auch die Wandlung von Bette, wie sehr sie sich in ihrer alten Heimat wieder wohl fühl. Besonders gefallen hat mir, dass die Nebenfiguren wie Allie, Bettes Freundin und Barney, Ninas kleiner Sohn, nicht nur begleitende Staffage sind, sondern maßgeblich zur Handlung beitragen. Hingegen schade fand ich, dass Mutter Sophia nur am Anfang vorkommt und danach keine Rolle mehr spielt. Sie erkundigt sich offenbar nicht einmal, wie es ihren Töchtern nun geht. Ryans Verhalten in seiner Jugend konnte ich ebenfalls nicht nachvollziehen, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein junger Mann so handeln würde. Und der Bösewicht wird klischeehaft unsympathisch und uneinsichtig gezeichnet.
Trotz meiner kleinen Kritikpunkte ist es eine wundervolle Wohlfühl-Familiengeschichte die ich sehr gern weiterempfehle.

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