Zwei Frauen, zwei Fassaden – ein feinfühliger Roman über Nähe und Selbstverlust
BestieJoanas Debütroman ist wirklich beeindruckend. Besonders die Sprache und der Stil haben mir unglaublich gut gefallen. Man merkt deutlich, dass Joana einen literarischen Hintergrund hat – der Stil ist durchdacht ...
Joanas Debütroman ist wirklich beeindruckend. Besonders die Sprache und der Stil haben mir unglaublich gut gefallen. Man merkt deutlich, dass Joana einen literarischen Hintergrund hat – der Stil ist durchdacht und präzise.
Die Handlung dreht sich um die Influencerin Anouk, die eine neue Mitbewohnerin aufnimmt: Delia. Zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine Freundschaft, doch es wird zunehmend deutlich, dass Delia Anouk sehr nahe sein – oder sogar wie sie sein– möchte.
Das Buch erzählt auch von zwei Frauen, die in einem patriarchalen System aufwachsen und auf unterschiedliche Weise unter dessen Strukturen leiden – sei es im privaten Raum durch toxische Beziehungen oder im öffentlichen Leben, in dem Frauen oft vorschnell als "die Böse" abgestempelt werden.
Obwohl Anouk und Delia ähnliche Erfahrungen machen und in der jeweils anderen eigentlich eine Leidensgenossin finden könnten, gelingt es ihnen nicht, sich wirklich zu öffnen. Stattdessen halten sie an Fassaden fest und präsentieren sich als etwas, das sie nicht sind.
Es ist klar erkennbar, dass die Geschichte eher charakter- als handlungsgetrieben ist. Im Mittelpunkt steht die innere Entwicklung der Figuren, nicht so sehr ein klarer Plot.
Ich hätte mir stellenweise gewünscht, dass Anouk und Delia ein echtes Gespräch führen, über ihre Ängste, ihre Verletzlichkeit, ihre Erwartungen. Die Kommunikation zwischen ihnen blieb für mein Empfinden manchmal zu oberflächlich.
Einige Fragen blieben für mich offen – was nicht unbedingt schlecht ist. Persönlich bevorzuge ich allerdings Geschichten, die sich für mich "abgeschlossen" anfühlen, was hier nicht der Fall war. Gleichzeitig ist das vielleicht gerade das Realistische an diesem Ende: Zwischenmenschliche Beziehungen haben selten ein klares Ende.