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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2025

Verbundenheit und Ermüdung

Der Schlaf der Anderen
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Janis arbeitet als Nachtwache in einem Schlaflabor, wohin sich die Kunstlehrerin Sina begibt, um den Grund ihrer Schlaflosigkeit untersuchen zu lassen. Doch da sie nicht schlafen kann, lässt sich die Ursache ...

Janis arbeitet als Nachtwache in einem Schlaflabor, wohin sich die Kunstlehrerin Sina begibt, um den Grund ihrer Schlaflosigkeit untersuchen zu lassen. Doch da sie nicht schlafen kann, lässt sich die Ursache dafür schlecht im Labor untersuchen. Schon im ersten Moment fühlen Sina und Janis eine Verbundenheit zueinander, die durch einen gemeinsamen Gang durch die Stadt, währenddessen sie ein schweres Sofa tragen, vertieft wird und endet in einem gemeinsamen Roadtrip.

Tamar Noort schreibt von ihren Gedanken, der permanenten Überlastung, Erschöpfung und Ermüdung, die die beiden Frauen aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlichen Situationen belasten. Doch diese Belastung eint die beiden. Sinas Leben ist geregelt durch starke Strukturen, die sie nach der Begegnung mit Janis etwas losläst, Kontrolle abgibt und damit ihren Alltag aus den Fugen treibt. Auch Janis beginnt Veränderungen in ihrem Leben und die Wege der beiden kreuzen sich mehrfach. Thematisiert werden die Rollenbilder und damit einhergehende Erwartungen, Belastungen von Frauen und die Rolle von (Ehe)Männern und Kolleginnen. Auch wenn viele Themen nur angerissen und nicht tiefer ausgeführt oder beleuchtet werden, hinterlässt Tamar Noort mit Sina und Janis Eindruck bei mir und hat auch in mir ein gewisses Aufrütteln und Hinterfragen ausgelöst.

Ein fantastisches Buch, in dem gar nicht so viel passiert, und das dennoch so viel mit mir - und sicherlich anderen Leser*innen - gemacht hat.

Veröffentlicht am 12.09.2025

Schöner Wohlfühlroman

Neuanfang in Notting Hill
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Für Jess gibt es einen großen Umbruch, denn ihr Freund hat sie nicht nur verlassen und ist mit dem gesamten gesparten Geld abgehauen, sondern auch das Kino, in dem sie arbeitet, soll an einen Konzern verkauft ...

Für Jess gibt es einen großen Umbruch, denn ihr Freund hat sie nicht nur verlassen und ist mit dem gesamten gesparten Geld abgehauen, sondern auch das Kino, in dem sie arbeitet, soll an einen Konzern verkauft werden. Jess ist bei ihrer besten Freundin untergekommen, doch die benötigt das Zimmer nun dringend selbst. Also zieht Jess kurzerhand in das annoncierte Zimmer bei der 80-jährigenn Joan in Notting Hill. Joan ist einsam, lebt seit vielen Jahren allein und verlässt ihr Haus kaum. Jess und Joan gehen einen Deal ein: Wenn Joan online geht, geht Jess dafür offline. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut, Joan erzählt von einer alten Liebe und bei Jess bahnt sich eine neue Liebe an...

Ich mochte den Plot und das Setting im schönen Notting Hill sehr gern. Die beschriebene Atmosphöre bei Joan und Jess ist gemütlich. Durch die wechselnden Erzählperspektive haben die Leser*innen Einblicke in beide Gedanken- und Gefühlswelten und können das Geschehen gespannt verfolgen. Norie Clarke schreibt flüssig, leicht und hat ein sehr gemütliches Setting für mich geschaffen. Ich mochte die eingestreuten Briefe, die Figurenentwicklung und den Weg durch die gemeinsame Geschichte von Joan und Jess sehr gern.
Ein schöner Wohlfühlroman, perfekt für den Herbst, der vor der Tür steht!

Veröffentlicht am 02.09.2025

Absoluter Pageturner

Dunkle Sühne
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Während des Feuerwerks am 4. Juli verschwinden zwei Teenager-Mädchen. Die Spuren lassen auf eine gewaltvolle Entführung schließen und versetzt die ganze Stadt in Aufruhr. Deputy Emmy Clifton ...

Während des Feuerwerks am 4. Juli verschwinden zwei Teenager-Mädchen. Die Spuren lassen auf eine gewaltvolle Entführung schließen und versetzt die ganze Stadt in Aufruhr. Deputy Emmy Clifton und ihr Vater beginnen zu ermitteln. Doch für Emmy hat der Fall eine persönliche Komponente, denn eines der verschwundenen Mädchen ist die Tochter ihrer besten Freundin und hat Emmy am selben Tag noch signalisiert, dass sie mit ihr sprechen müsse. Schnell wird klar, dass Madison und Cheyenne einige Geheimnisse vor ihren Eltern hatten und sich offenbar mit einem falschen Menschen angelegt haben und die Bewohner*innen aus North Fall nicht unbedingt dem Bild entsprechen, dass Emmy Clifton bisher von ihnen hatte.

Karin Slaughter hat mit Emmy Clifton und ihrem Vater Gerald eine starke Besetzung geschaffen. Auch die anderen Figuren sind sehr anschaulich und greifbar ausgearbeitet. Spuren werden gründlich verfolgt, Indizien erkannt und schlüssig eingeordnet. Das erste Drittel des Buches handelt um die Aufklärung des Verschwindens von Madison und Cheyenne und einer Indizienermittlung. Die letzten zwei Drittel spielen zwölf Jahre später, wozu ich auf der Handlungsebene keinerlei Hinweise geben möchte.
Während ich über die Entwicklungen im zweiten Teil zunächst gestutzt habe, war ich umso schneller wieder mitten im Geschehen und habe gebannt Emmys Tun verolgt.
Karin Slaughter überzeugt durch einen fesselnden Schreibstil, interessante Figuren, nachvollziehbare Entwicklungen, komplexe Zusammenhänge, die logisch aufgebaut werden und durch überraschende Twists.

Ich bin begeistert und hoffe, dass weitere Fälle aus North Fall folgen werden!

Veröffentlicht am 02.09.2025

Erschreckende Schilderungen

Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich
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Im Club lernt Vivian den attraktiven und charismatischen Pascal kennen. Zunächst freut ihre Mitbewohnerin und Freundin Lola sich für Vivi, da diese eher eine Außenseiterin war. Doch nach wenigen Wochen ...

Im Club lernt Vivian den attraktiven und charismatischen Pascal kennen. Zunächst freut ihre Mitbewohnerin und Freundin Lola sich für Vivi, da diese eher eine Außenseiterin war. Doch nach wenigen Wochen verändert sich Vivi so stark, dass Lola sich Sorgen macht. Vivi verändert ihr Optisches, ist ständig unterwegs und fragt Lola nach Geld. Als Vivian nach einem Streit die Wohnung verlässt und auch nach Tagen nicht wiederkommt, ist Lola klar, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Sie meldet Vivi bei der Polizei vermisst, doch die tut erstmal nichts. Als Elias, Vivians Hallbruder, in der WG auftaucht, weil er Vivi nicht erreichen kann, und die beiden weitere Hinweise in der Wohnung finden, die besorniserregend sind, machen sie sich selbst auf die Suche nach Vivi und Pascal.

Antonia Wesseling hat sich ausführlich mit der Loverboy-Masche und den Dynamiken innerhalb dieser Beziehungen und der Machtmechanismen auseinandergesetzt. Dass es in dem Buch darum geht, verrät ja schon der Titel.
Der Schreibstil ist flüssig und packend, die Perspektivwechsel sind da, aber hauptsächlich wird aus Lolas und Elias' Perspektive erzählt. Während der Suchaktionen kommen die beiden sich näher, was für explizite spicy Szenen sorgt. Ansonsten sind die Beschreibungen ebenfalls sehr explizit geschildert, was jedoch weniger spicy und vielmehr erschreckend ist.
Mich konnte die Suche nach Vivi und alles, was dahinter steckt, schnell in den Bann ziehen. Ich wusste vor der Lektüre schon sehr vieles über Loverboys und empfinde Antonia Wesselings Roman dahingehend sehr gelungen.

Veröffentlicht am 13.08.2025

Alte Geheimnisse

Der dunkle Sommer
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Die Architektin Tilda kauft für einen symbolischen Euro eine alte, verfallene Villa in einem verlassenen Dorf auf Sardinien. Sie erhofft sich dort einen Neuanfang, renoviert die Villa und freut sich über ...

Die Architektin Tilda kauft für einen symbolischen Euro eine alte, verfallene Villa in einem verlassenen Dorf auf Sardinien. Sie erhofft sich dort einen Neuanfang, renoviert die Villa und freut sich über ihren Glückskauf. Doch angeblich liegt auf ihrem Haus ein Fluch, seit in den 1980 dort ein tragisches Massaker stattgefunden hat. Das Dorf ist bis auf den alten Nachbar und seine Pflegerin verlassen, doch auch von ihm erfährt Tilda nicht viel.

Alles, was ich bisher von Vera Buck gelesen habe, mochte ich. Sie überzeugt mich mit einem sehr angenehmen, atmosphärischen Schreibstil und vor allem durch die vielen Plottwists und unvorhersehbare Geschehnisse. Erzählt wird hier einerseits aus Tildas Sicht, aus Enzos Sicht, einem Journalisten, der die Geschichte des Dorfes ergründen möchte, und aus Francas Sicht, die in den 1980er Jahren in dem Dorf gelebt hat und kapitelweise erzählt, was zu dem damaligen Massaker geführt hat.
Neben den Figuren und den Entwicklungen mag ich auch die Einblicke in die Familiengeschichte, die Vorfälle, die damals stattgefunden haben und die für Sardinien nicht unüblich waren - ohne hier zu spoilern.
Für mich ein sehr spannendes Buch, das ich in einem Rutsch gelesen habe.