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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2025

Hinter der Idylle

Heimat
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Hannah Lühmanns „Heimat“ hat mich schnell gepackt. Die Geschichte beginnt relativ harmlos: Jana, Ende dreißig, zieht mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern von der Stadt aufs Land. Dort lernt sie ...

Hannah Lühmanns „Heimat“ hat mich schnell gepackt. Die Geschichte beginnt relativ harmlos: Jana, Ende dreißig, zieht mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern von der Stadt aufs Land. Dort lernt sie Karolin kennen, eine freundliche Nachbarin, überzeugte Tradwife und Mutter von fünf Kindern. Aus alltäglichen Gesprächen und gemeinsamen Nachmittagen entsteht langsam eine Verbindung, die Jana mehr verändert, als ihr selbst bewusst ist.

Erschreckend ist, wie still und unauffällig diese Veränderung geschieht. Niemand drängt sie mit Gewalt, es sind die kleinen Gesten, die ständige Wiederholung und das Gefühl von Gemeinschaft, die sie immer weiter in ein konservatives Rollenbild ziehen.

Der Autorin gelingt es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen, in der das Alltägliche unmerklich in etwas Beunruhigendes kippt. Die Sprache ist reduziert, präzise und beobachtend, und gerade in dieser Zurückhaltung liegt die Stärke des Romans. Politische und gesellschaftliche Fragen werden nicht frontal gestellt, sondern zwischen den Zeilen verhandelt, was die Wirkung noch verstärkt.

Die klare, reduzierte Sprache macht die Geschichte glaubwürdig und beklemmend.
„Heimat“ ist ein ruhiges, atmosphärisches Buch, das zeigt, wie leicht man sich mitreißen lassen kann.
Einziger Kritikpunkt ist der Schluss. Ich bleibe nämlich etwas ratlos zurück, weil ich nicht genau weiß, was am Ende wirklich passiert ist.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Zwischen Gefühl und Gebäck

Glück ist ganz nach meinem Geschmack
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„Kann man sich mit Mitte vierzig noch mal so richtig verlieben - und wenn ja, in wen bitte schön?“

Sam ist 43 und Grundschullehrerin in Hamburg. Ihr Leben ist stabil, aber eintönig – in ihrem Beruf fehlt ...

„Kann man sich mit Mitte vierzig noch mal so richtig verlieben - und wenn ja, in wen bitte schön?“

Sam ist 43 und Grundschullehrerin in Hamburg. Ihr Leben ist stabil, aber eintönig – in ihrem Beruf fehlt die Erfüllung, in der Liebe die Leichtigkeit. Ihre 6-jährige Tochter sowie Freundinnen geben ihr Halt, doch innerlich spürt Sam, dass etwas fehlt.
Beim Klassentreffen in Lüneburg begegnet sie Max, ihrem Jugendschwarm, wieder. Alte Gefühle flammen auf. Und gleichzeitig sorgt der junge, ambitionierte Direktor Finn für Wirbel an ihrer Schule – und in ihrem Leben.
Was Sam wirklich begeistert, ist das Macaron-Backen. In der Küche findet sie Freude und ein Stück Selbstbestimmung. Es wird immer deutlicher: Vielleicht ist es an der Zeit, den sicheren, aber frustrierenden Job hinter sich zu lassen.

Der Roman springt in einzelnen Kapiteln immer wieder zurück in die Vergangenheit. Rückblenden in Sams Jugend zeigen Unsicherheiten, Sehnsüchte und prägende Erfahrungen – sie bilden einen starken Kontrast zu ihrer heutigen Situation.

Es ist eine Lektüre, die mit einem leichten, humorvollen Ton, glaubwürdigen Figuren und einem echten Gespür für das Lebensgefühl von Frauen in der Lebensmitte überzeugt. Besonders Sams Beziehung zu ihrer Tochter und zu engen Freundinnen wirkt lebendig und berührend.

„Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ ist ein unterhaltsamer Roman über Neuanfänge, Selbstliebe und den Mut, alte Wege zu verlassen. Eine warmherzige Lektüre, die Lust macht, eigene Träume wieder ernster zu nehmen und sich vielleicht auch mal wieder selbst in den Mittelpunkt zu stellen – perfekt zum Abschalten zwischendurch.
Für alle, die gerne unterhaltsame Frauenromane lesen.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Zwischen Idyll und Abgrund

Schattengrünes Tal
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Wie gut kennst du die Menschen um dich herum wirklich?
Kristina Hauff nimmt uns in „Schattengrünes Tal“ mit in ein abgelegenes Dorf im Schwarzwald – ein Ort, an dem jeder jeden kennt. Oder zu kennen glaubt.

Worum ...

Wie gut kennst du die Menschen um dich herum wirklich?
Kristina Hauff nimmt uns in „Schattengrünes Tal“ mit in ein abgelegenes Dorf im Schwarzwald – ein Ort, an dem jeder jeden kennt. Oder zu kennen glaubt.

Worum geht’s konkret?
Lisa lebt mit ihrer Familie im Schwarzwald und arbeitet im Hotel ihres Vaters. Als eine fremde Frau zu Gast dort ist, verändert sich die Stimmung – im Dorf und in Lisas Umfeld. Was als Neuanfang wirkt, bringt alte Spannungen ans Licht und stellt vieles infrage.

„Schattengrünes Tal“ ist spannend und mitreißend erzählt – von der ersten Seite an gelingt es Kristina Hauff, eine dichte Atmosphäre aufzubauen, die einen regelrecht in die Geschichte hineinzieht. Die Figuren sind sehr plastisch gezeichnet, sodass man sie sich mühelos vorstellen kann – mit all ihren Ecken und Kanten. Besonders bleibt mir Daniela im Gedächtnis, wenn auch im negativen Sinn: Ihre Art ist extrem unangenehm, fast beängstigend.

Der Roman lebt stark von der Dynamik zwischen den Charakteren und der unterschwelligen Bedrohung, die sich nach und nach entfaltet.

Insgesamt ist die Lektüre ein intensives Leseerlebnis mit psychologischem Feingefühl und fesselnder Stimmung.
Lediglich das Ende wirkt auf mich etwas abrupt und lässt mich leicht unbefriedigt zurück – hier hätte ich mir mehr Tiefe oder einen runderen Abschluss gewünscht.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Ein Roman wie ein warmer Sommertag

Das Versprechen eines Sommertags
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Die Sonne auf der Haut, das Zirpen der Zikaden in den Bäumen und der Duft reifer Orangen, Zitronen und Mandarinen in der Luft.

Elena Sonnberg schafft es, uns das in ihrem neuen Roman so zu vermitteln, ...

Die Sonne auf der Haut, das Zirpen der Zikaden in den Bäumen und der Duft reifer Orangen, Zitronen und Mandarinen in der Luft.

Elena Sonnberg schafft es, uns das in ihrem neuen Roman so zu vermitteln, dass wir uns direkt vor Ort fühlen: in einem kleinen, idyllischen Dorf auf Mallorca.
Auf dieser Insel nämlich spielt „Das Versprechen eines Sommertags“.

Worum geht’s?
Isabelle reist mit ihrer Familie auf die Insel, um dort die Goldene Hochzeit ihrer Eltern zu feiern. Es soll eine Auszeit werden, aber unter der sommerlichen Oberfläche zeigen sich Risse: Isabelles Ehe ist angespannt, der Alltag hat Spuren hinterlassen, und sie merkt, wie sehr sie sich selbst aus dem Blick verloren hat. Als ein Jugendfreund plötzlich wieder auftaucht, wird Isabelle mit Fragen konfrontiert, die sie lange zur Seite geschoben hat.

Ohne große Dramen erzählt der Roman sehr berührend von Veränderungen, alten Gefühlen, Verantwortung und der leisen Hoffnung, dass es nie zu spät ist, ehrlich zu sich selbst zu sein.

„Das Versprechen eines Sommertags“ ist eine wunderschöne Sommerlektüre, die ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe - die 448 Seiten lassen sich nämlich richtig leicht und flüssig lesen.
Ich wollte einfach mal wieder eine Geschichte für zwischendurch, die mich in den Urlaub entführt, aber nicht flach ist. Und da kam dieses Buch gerade richtig. Es hat mich perfekt unterhalten.
Daher gibt’s von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Zwischen Stille und Sturm

Die Hummerfrauen
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Ann, Anfang 70, schweigsam, kantig, lebt allein mit einem Hummer als Haustier.
Julie, Mitte 50, laut, direkt, körperlich gezeichnet, innerlich nicht weniger verletzt.
Mina, Ende 20, still, wach, auf der ...

Ann, Anfang 70, schweigsam, kantig, lebt allein mit einem Hummer als Haustier.
Julie, Mitte 50, laut, direkt, körperlich gezeichnet, innerlich nicht weniger verletzt.
Mina, Ende 20, still, wach, auf der Suche nach einem Platz, der sich wie ihrer anfühlt.

Drei Frauen, drei Leben, ein Ort an der rauen Küste von Maine in den USA. Sie treffen aufeinander in einem Moment der Umbrüche. Was entsteht, ist keine große Freundschaft, kein Lebenswandel mit Knalleffekt. Aber etwas Echtes. Etwas, das bleibt.

Beatrix Gerstberger erzählt zurückhaltend, mit großer Nähe zu ihren Figuren und einem tiefen Gespür für das, was Menschen mit sich herumtragen, ohne es auszusprechen. Die Sätze sind klar, ohne Schnörkel. Vieles bleibt zwischen den Zeilen – genau dort wirkt es nach.

Ich mochte die drei Protagonistinnen, aber es hat ein wenig gedauert, bis ich mit ihnen warm wurde. Ich mochte die Sprache, das Tempo, die Landschaft in dem Roman.
Aber ich habe auch gemerkt: Manches zieht sich. Einige Passagen verlieren sich, werden beinahe zu langsam. Aber vielleicht ist das genau so gewollt.

Am Ende kann ich sagen, dass ich das Buch gerne gelesen habe, auch wenn ich dafür relativ lange gebraucht habe und mir das Ende ein wenig zu offen erscheint.

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