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Veröffentlicht am 07.09.2025

Elefanten

Das Geschenk
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Das Geschenk beginnt mit einer herrlich absurden, aber zugleich hochpolitischen Idee: Elefanten tauchen mitten in deutschen Großstädten auf – und es werden immer mehr. Schnell wird klar, dass sie kein ...

Das Geschenk beginnt mit einer herrlich absurden, aber zugleich hochpolitischen Idee: Elefanten tauchen mitten in deutschen Großstädten auf – und es werden immer mehr. Schnell wird klar, dass sie kein Zufall und schon gar keine Zootiere sind, sondern ein „Geschenk“ des Präsidenten von Botswana. Mit dieser spektakulären Aktion reagiert er auf das deutsche Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, das den Menschen in seiner Heimat ihre Lebensgrundlage entzieht. Seine Botschaft ist deutlich: „Wenn ihr Europäer uns vorschreibt, wie wir zu leben haben, dann probiert es doch selbst.“

Gaea Schoeters verpackt diese brisanten Fragen nach globaler Verantwortung, Machtverhältnissen und kulturellen Unterschieden in eine originelle und pointierte Erzählung. Besonders die Idee mit den Elefanten fand ich großartig – so ungewöhnlich, dass man sofort ins Nachdenken kommt.

Allerdings empfand ich manche Passagen als etwas zu ausführlich, wodurch die Dynamik gelegentlich gebremst wurde. Trotzdem überwiegt der positive Eindruck: Die Mischung aus Witz, Schärfe und politischer Relevanz macht den Roman zu einem spannenden Lese- und Denkvergnügen.

Fazit: Ein originelles, kluges Buch, das seine Botschaft mit einem einzigartigen Bild transportiert – und dafür von mir 4 Sterne bekommt.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Toll

Spät am Tag
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Spät am Tag erzählt die Geschichte von Johanne, einer jungen Schriftstellerin, die auf der Suche nach Ruhe ein Zimmer in einem abgelegenen weißen Haus mietet. Dort begegnet sie Mikael – und mit ihm nicht ...

Spät am Tag erzählt die Geschichte von Johanne, einer jungen Schriftstellerin, die auf der Suche nach Ruhe ein Zimmer in einem abgelegenen weißen Haus mietet. Dort begegnet sie Mikael – und mit ihm nicht nur einer Liebe, die ihr Leben über viele Jahre prägen wird, sondern auch seiner Ex-Frau, seiner Tochter und der kargen Landschaft, die bald zu ihrer Heimat wird. Als Johanne siebzehn Jahre später allein in diesem Haus zurückbleibt, blickt sie zurück: auf die Liebe, den Verlust und die leisen Verbindungen, die ihr Leben getragen haben.

Der Roman hat mich gut unterhalten – er ist stimmungsvoll, fein beobachtet und zeichnet Bilder, die lange nachhallen. Gleichzeitig plätschert die Handlung manchmal etwas dahin, fast so, als wolle sie die langsamen Jahreszeiten des Landes widerspiegeln. Das macht die Lektüre zwar atmosphärisch, erfordert aber auch Geduld.

Alles in allem ist es ein ruhiger, nachdenklicher Roman über Zeit, Beziehungen und die Orte, die uns prägen – kein lauter Pageturner, sondern eine Geschichte, die sich langsam entfaltet und im Nachklang ihre Stärke zeigen

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Toll

Aufsteiger
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Aufsteiger ist ein klug erzählter Roman über Macht, Ehrgeiz und den Preis, den man zahlt, wenn man alles einer Karriere opfert. Im Zentrum steht Felix Licht, der sein Leben lang auf den Chefredakteursposten ...

Aufsteiger ist ein klug erzählter Roman über Macht, Ehrgeiz und den Preis, den man zahlt, wenn man alles einer Karriere opfert. Im Zentrum steht Felix Licht, der sein Leben lang auf den Chefredakteursposten hingearbeitet hat – auf Kosten von Familie, Freundschaften und sich selbst. Doch im entscheidenden Moment wird er übergangen: Statt ihm bekommt Zoe Rauch den Job, jung, modern und genau die Frau, die ihn seit zwölf Jahren nicht loslässt.

Was folgt, ist ein Abstieg voller gekränkter Eitelkeiten, bröckelnder Lebenslügen und einer Medienwelt, die sich zwischen Fake News, Opportunismus und dem Ringen um moralische Überlegenheit selbst zerlegt. Besonders spannend fand ich, wie nah die Figuren an unserer Gegenwart gezeichnet sind: alte Seilschaften, die krampfhaft an Bedeutung festhalten, prallen auf eine neue Generation, die mit ganz anderen Ansprüchen auftritt.

Der Roman ist bissig, pointiert und zugleich sehr unterhaltsam. Er schafft es, gesellschaftliche Fragen in eine persönliche Geschichte zu verweben, ohne belehrend zu wirken. Nur manchmal hätte ich mir etwas weniger Überzeichnung gewünscht – aber gerade das macht die Lektüre auch so lebendig.

Insgesamt ein scharfzüngiges, intelligentes und zugleich packendes Buch, das zeigt, wie dünn der Lack von Macht und Selbstgewissheit sein kann

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Veröffentlicht am 17.08.2025

beeindruckend, wenn auch etwas bedrückend

Adlergestell
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Adlergestell von Laura Laabs ist ein Roman, der lange nachhallt. Die Geschichte von Lenka, Chaline und der Erzählerin beginnt in der Eigenheimgasse am Rand von Berlin, direkt am Adlergestell, jener großen ...

Adlergestell von Laura Laabs ist ein Roman, der lange nachhallt. Die Geschichte von Lenka, Chaline und der Erzählerin beginnt in der Eigenheimgasse am Rand von Berlin, direkt am Adlergestell, jener großen Ausfallstraße, die alles andere als Geborgenheit vermittelt. Gemeinsam wachsen die drei in den wilden Nachwendejahren auf – zwischen süßen Versprechen, elterlicher Überforderung und den Schatten der Vergangenheit.

Laabs erzählt mit scharfem Blick für soziale Brüche, feinem Humor und einer klaren Sprache, die einen sofort hineinzieht. Der Unfall auf dem Adlergestell markiert den Bruch in ihrem Leben – und 35 Jahre später blicken wir auf drei völlig unterschiedliche Wege, die vom Glamour einer Beauty-Bloggerin bis zur spirituellen Neuorientierung reichen.

Mich hat das Buch tief bewegt, gerade weil es die ernüchternde Erkenntnis transportiert, wie wenig man manchmal sein eigenes Leben steuern kann. Der Humor lockert die bedrückenden Passagen auf, aber die Grundstimmung bleibt eher melancholisch – und genau das macht es stark, auch wenn es manchmal etwas schwer auf der Seele liegt.

Ein Roman, der zeigt, dass ein Gestell eben keinen Halt gibt – aber Freundschaft und Erinnerungen umso mehr.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

tolle Geschichte

Deep Cuts
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Als jemand, der Geschichten über Musik einfach liebt, hat mich Deep Cuts sofort angesprochen. Der Roman nimmt uns mit in eine Studentenbar in Berkeley Anfang der 2000er-Jahre, wo Percy ihrer unbändigen ...

Als jemand, der Geschichten über Musik einfach liebt, hat mich Deep Cuts sofort angesprochen. Der Roman nimmt uns mit in eine Studentenbar in Berkeley Anfang der 2000er-Jahre, wo Percy ihrer unbändigen Leidenschaft für Musik nachgeht. Sie zerlegt Songs mit einer Intensität und Begeisterung, die ansteckend wirkt. Genau das ist es auch, was Joe, der Musiker neben ihr am Tresen, sofort fasziniert. Aus dieser Begegnung entsteht nicht nur eine kreative Zusammenarbeit, sondern auch eine intensive Liebesgeschichte, die zwischen Euphorie und Schmerz pendelt.

Mir hat besonders gefallen, wie sehr die Musik in diesem Roman mitschwingt. Man spürt in jeder Szene, dass sie mehr ist als nur ein Hintergrund – sie ist Herzschlag, Sprache und Verbindung zwischen den Figuren. Auch die Playlist zum Buch war für mich ein echtes Highlight und hat das Leseerlebnis wunderbar abgerundet. Die Dynamik zwischen Joe und Percy ist glaubwürdig und mitreißend erzählt, ihre Chemie hat mich sofort in den Bann gezogen.

Ein kleiner Punkt, der mich davon abgehalten hat, volle fünf Sterne zu geben: Manche Passagen waren mir etwas zu ausschweifend, gerade wenn es um musikalische Analysen ging. Das hätte an wenigen Stellen straffer erzählt werden können. Trotzdem überwiegt für mich das Positive deutlich.

Insgesamt ein berührender Roman über Musik, Liebe und die Intensität junger Leidenschaft. Für alle, die Musik nicht nur hören, sondern fühlen, eine klare Empfehlung!

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