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Veröffentlicht am 04.11.2025

Stimmen nach der Stille

Da, wo ich dich sehen kann
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Jasmin Schreiber widmet sich in ihrem neuen Roman „Da, wo ich dich sehen kann“ einem Thema von bedrückender Aktualität: dem Femizid. Statt eine vermeintliche „Beziehungstat“ oder „Familientragödie“ zu ...

Jasmin Schreiber widmet sich in ihrem neuen Roman „Da, wo ich dich sehen kann“ einem Thema von bedrückender Aktualität: dem Femizid. Statt eine vermeintliche „Beziehungstat“ oder „Familientragödie“ zu erzählen, wie es in Medienberichten oft verharmlosend heißt, benennt sie das Verbrechen klar – als das, was es ist: die Ermordung einer Frau, weil sie eine Frau ist.
Im Zentrum steht Emma, die von ihrem Mann getötet wird. Doch Schreiber wählt keinen klassischen Erzählansatz. Stattdessen entfaltet sie die Geschichte aus sehr vielen Perspektiven. Diese multiperspektivische Struktur macht das Buch zu einem Mosaik aus Stimmen: die kleine Tochter, die beste Freundin, Eltern, das Opfer, sogar der Hund erhält eine eigene Stimme. Jede dieser Perspektiven beleuchtet einen anderen Aspekt des Geschehens, der Trauer und der Schuld.

Diese Vielfalt ist zugleich Stärke und Schwäche des Romans. Auf der einen Seite ermöglicht sie einen beeindruckend vielschichtigen Blick auf das Geschehen: Wir erleben, wie unterschiedlich die Menschen mit Emmas Tod umgehen, wie sie Schuldgefühle entwickeln oder versuchen, das Unbegreifliche zu rationalisieren. Auf der anderen Seite ist der Roman stellenweise überfrachtet, es sind zu viele Abzweigungen, die der emotionalen Wucht manchmal im Weg stehen. Statt zerstörerischer Trauer bleibt beim Lesen gelegentlich eine gewisse Distanz.

Besonders gelungen ist Schreibers Einsatz unterschiedlicher Textformen. Zwischen die Erzählstimmen mischen sich fiktive Zeitungsartikel, Notrufprotokolle und andere Dokumente, die nicht nur Authentizität erzeugen, sondern auch zeigen, wie Femizide medial verzerrt oder verharmlost dargestellt werden. Dadurch entsteht ein vielschichtiges literarisches Dossier über Gewalt gegen Frauen und über die Nachwirkungen solcher Taten.

Wie schon in früheren Werken verknüpft Schreiber auch hier ihre biologische und naturwissenschaftliche Perspektive mit der Erzählung. Diesmal spielt die Astrophysik eine zentrale Rolle. Nicht immer wirkt diese Verbindung ganz stimmig, manchmal etwas überladen, doch häufig gelingt Schreiber eine poetische Balance zwischen wissenschaftlicher Metapher und emotionaler Tiefe.

Trotz kleiner Schwächen bleibt „Da, wo ich dich sehen kann“ ein starkes, mutiges Buch, das literarisch und gesellschaftlich Relevantes leistet. Es bricht das Schweigen über Femizide, ohne voyeuristisch zu werden, und zeigt, wie vielschichtig das Leid der Zurückgebliebenen ist.
Fazit:

Ein vielstimmiger, bewegender Roman über Gewalt, Trauer und Erinnerung. Stellenweise überfrachtet, aber von großer erzählerischer und moralischer Kraft.
Leseempfehlung: Ja, unbedingt.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Familiengeschichte

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Wo die Moltebeeren leuchten von Ulrika Lagerlöf ist der Auftakt einer dreiteiligen Reihe, die sich an Leserinnen und Leser richtet, die ruhige Familienromane mit starkem Naturbezug mögen.

Die Geschichte ...


Wo die Moltebeeren leuchten von Ulrika Lagerlöf ist der Auftakt einer dreiteiligen Reihe, die sich an Leserinnen und Leser richtet, die ruhige Familienromane mit starkem Naturbezug mögen.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen begleiten wir die 17-jährige Siv, die in den schwedischen Wäldern als Köchin für Waldarbeiter arbeitet. Anfangs widerwillig, entdeckt sie in der Abgeschiedenheit ein neues Gefühl von Freiheit. Zum anderen gibt es Eva, die in der Gegenwart lebt und als PR-Beraterin in einem Konflikt zwischen Umweltschützern und einem Flusskraftwerksbetrieb vermitteln muss. Für sie wird die Arbeit zugleich zu einer Reise in die eigene Vergangenheit.

Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie Ulrika Lagerlöf die Natur beschreibt. Die Wälder, die Gerüche und die Atmosphäre werden so lebendig, dass man sich mitten hineinversetzt fühlt. Gleichzeitig greift die Autorin wichtige gesellschaftliche Themen auf, etwa den Umgang mit den Samen oder Fragen des Klimaschutzes. Die Verbindung von Naturbildern, familiären Geschichten und gesellschaftlicher Relevanz macht den Roman besonders.

Auch wenn es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt, bietet das Buch einen runden Abschluss, sodass man es unabhängig von den Fortsetzungen lesen kann.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Ruhig, nachdenklich, eindringlich

Der Krabbenfischer
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Ich habe Der Krabbenfischer von Benjamin Wood als Hörbuch gehört. Das Buch erscheint im Oktober und ich durfte es vorab über NetGalley hören. Besonders im Hörbuch hat mir die ruhige Art und die Atmosphäre ...


Ich habe Der Krabbenfischer von Benjamin Wood als Hörbuch gehört. Das Buch erscheint im Oktober und ich durfte es vorab über NetGalley hören. Besonders im Hörbuch hat mir die ruhige Art und die Atmosphäre der Geschichte gut gefallen.

Die Handlung ist eher still und langsam erzählt. Manche empfinden das als zu ruhig, doch ich konnte es sehr genießen und in die besondere Atomsphäre abtauchen. Große Empfehlung für den Herbst!

Im Mittelpunkt steht ein Krabbenfischer, der mit seinem Leben nicht zufrieden ist. Er hat zwar Träume, aber er schafft es nicht, ihnen nachzugehen. Alles ändert sich, als ein Regisseur in die Stadt kommt, um am Strand einen Film zu drehen. Der Fischer soll ihn als Guide begleiten, und diese Begegnung bringt eine Veränderung in sein Leben.

Der Hörbuchsprecher Raschid Daniel Sidgi ist übrigens die perfekte Besetzung, er macht einen ganz tollen Job.

Fazit: Der Krabbenfischer ist ein ruhiges, nachdenkliches Buch. Es braucht Geduld, entfaltet aber eine eigene Wirkung, wenn man sich darauf einlässt.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Ein fesselndes Abenteuer mit Mystery und Magie

Irida 1. Irida und die Stadt der Geheimnisse
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Meine Tochter und ich haben zusammen Irida und die Stadt der Geheimnisse gelesen und können diesen Reihenauftakt nur weiterempfehlen!

Irida lebt in Hohenburg und führt ein ganz normales Leben, bis plötzlich ...

Meine Tochter und ich haben zusammen Irida und die Stadt der Geheimnisse gelesen und können diesen Reihenauftakt nur weiterempfehlen!

Irida lebt in Hohenburg und führt ein ganz normales Leben, bis plötzlich unheimliche Dinge passieren: nachts schleichen Schatzgräber durch die Stadt, nur um spurlos zu verschwinden. In den dunklen Schlossberghöhlen wird jemand vermisst. Irida und ihre Freunde, die sich selbst „die Furchtlosen“ nennen, beginnen zu ermitteln.

Besonders gut gefallen haben uns die Figur Jinjin. Sie ist klug, mutig und bringt mit ihrer halb chinesischen Herkunft eine besondere Perspektive in die Geschichte. Überhaupt sind die Figuren sehr lebendig und verschieden, was das Lesen spannend macht.

Auch die Welt, die Markus Heitz erschaffen hat, hat uns beeindruckt. Jeder Ort, ob groß oder klein, wirkt durch die detailreiche Beschreibung lebendig und wichtig für die Geschichte. Man hat beim Lesen richtig Bilder im Kopf.

Die Handlung ist gleichzeitig spannend und an vielen Stellen auch humorvoll. Wer Fantasy liebt, gewürzt mit viel Spannung und jeder Menge Abenteuer, sollte dieses Buch unbedingt lesen.