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Veröffentlicht am 03.09.2025

Nice to have :)

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Manchmal braucht man Bücher, die sich anfühlen wie eine warme Tasse Tee an einem kalten Abend. So ging es mir mit "Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei" von Lee Onhwa, einem Roman über eine junge ...

Manchmal braucht man Bücher, die sich anfühlen wie eine warme Tasse Tee an einem kalten Abend. So ging es mir mit "Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei" von Lee Onhwa, einem Roman über eine junge Frau, die eine geheimnisvolle Konditorei erbt, in der die Grenze zwischen Leben und Tod verschwimmt. Lee Onhwa, das Pseudonym einer preisgekrönte Bestsellerautorin aus Seoul, schreibt seit 2021 Romane, die weltweit Leser:innen begeistern. Sie lebt in Seoul und verrät, dass sie sich an traurigen Tagen mit süßem Essen tröstet – genau das spürt man auch in diesem Buch.

Worum geht’s?

Yeonhwa erbt von ihrer Großmutter eine Konditorei – allerdings mit ungewöhnlichen Regeln: Geöffnet ist nur von 22 bis 24 Uhr, und die Gäste sind nicht mehr unter den Lebenden. Mit Hilfe einer schwarzen Katze und ihren Gebäcken hilft Yeonhwa den Verstorbenen, letzte Botschaften an ihre Liebsten zu senden und Frieden zu finden. Nach und nach lernt sie nicht nur ihre Gäste kennen, sondern stößt auch auf Geheimnisse der eigenen Familie.

Meine Meinung

Zuerst: Das Cover ist ein absolutes Highlight – 10/10 – und auch die Innenseite des Buches ist wunderschön gestaltet. Schon der erste Satz hab ich mir direkt angestrichen: „Vom Leben mag man davonlaufen können, vor seinem Schicksal jedoch nicht.“ (S. 7). Genau dieses Spiel zwischen Schicksal, Trauer und Neubeginn zieht sich durch den ganzen Roman. Ebenso das Thema Liebe in Form von Eltern-Kind-Beziehung, romantischer Liebe, Freundschaft und Geschwisterliebe.

Yeonhwa als Protagonistin ist verletzlich, unsicher, manchmal unlogisch – etwa, wenn sie jemandem einfach eine Ohrfeige gibt, um zu prüfen, ob er noch lebt. Für mich passte das nicht ganz zu ihrem sonst sanften Charakter. Gleichzeitig macht genau diese Widersprüchlichkeit sie menschlich.

Die Konditorei selbst ist ein magischer Ort zwischen Tradition und Moderne. Immer wieder zeigt das Buch auch gesellschaftliche Themen auf: Individualismus und Vereinsamung (S. 10), Globalisierung, die traditionelle Backwaren verdrängt (S. 11), oder der Leistungsdruck in Korea: „Wer hart arbeitet, hat immer Essen auf dem Tisch.“ (S. 137), sozusagen stille Kritik an den Irrtümern des Kapitalismus.

Der Schreibstil ist eher nüchtern, typisch für viele koreanische Romane (so zumindest mein Eindruck auf Basis davon, was ich schon aus Korea gelesen hab), mit kleinen poetischen Einschüben. Schön fand ich Sätze wie: „Gegenüber Dingen, die sich einem mit der Zeit ganz von selbst offenbaren, braucht es keine Ungeduld.“ (S. 66) oder „Glück war etwas, das man umso deutlicher spürte, wenn man es nicht allein, sondern mit jemand anderem zusammen kreierte.“ (S. 197).

Nicht alles hat für mich funktioniert: Manche Logikfehler (wie ein lebender Gast während der „Geisterzeit“) haben mich irritiert. Auch einige Konflikte wirkten überzogen – etwa, dass Geschwister wegen einer Konsole in einen heftigen Streit geraten. Gleichzeitig gab es wunderbare Momente von Freundschaft, Geschwisterliebe und dem Mut, Gefühle auszusprechen. Dieses Zitat rundet den Kerngedanken des Buches perfekt ab: „…werde die Art Mensch, die die Gefühle jener, die sie nicht laut aussprechen können, liest und versteht.“ (S. 256).

Die Rezepte am Ende (via QR-Code) waren für mich ein tolles Extra und vielleicht werde ich ja tatsächlich was davon nachbacken :D

Fazit

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei ist ein Buch, das mit Atmosphäre, Herz und gesellschaftlichem Unterton überzeugt, aber auch Längen, kleinere Ungereimtheiten und einen nüchternen Stil hat, der nicht alle Leser:innen begeistern wird. Für Fans poetischer, ruhiger Geschichten mit einem Hauch Magie ist es eine schöne Lektüre für zwischendurch. Wer sehr stringente Logik und tiefgehende Charakterzeichnungen erwartet, könnte hier weniger glücklich werden.

Danke an @lovelybooks.de und den @fischerverlage für das Rezensionsexemplar! 💛

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Cozy Crime mit Küstencharme

Ostseedämmerung
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Eva Almstädt, 1965 in Hamburg geboren, gehört längst zu den erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen. Seit 2001 schreibt sie ihre beliebten Ostseekrimis rund um Kommissarin Pia Korittki. Mit "Ostseedämmerung" ...

Eva Almstädt, 1965 in Hamburg geboren, gehört längst zu den erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen. Seit 2001 schreibt sie ihre beliebten Ostseekrimis rund um Kommissarin Pia Korittki. Mit "Ostseedämmerung" erschien nun schon der 20. Band der Reihe – und wieder geht es an die Küste, zwischen Lübeck, Grömitz und Dahme.

Worum geht’s?

Beim Spielen an einem Dorfteich stoßen Kinder auf eine bronzene Fibel aus der Wikingerzeit. Das Schmuckstück hatte zuletzt eine Archäologiestudentin bei sich, die seit über einem Jahr vermisst wird. Kurz darauf findet man ihre Leiche – die junge Frau wurde ermordet. Pia Korittki und ihr Team rollen den Cold Case neu auf, geraten in ein Geflecht aus Dorfbewohner:innen, Archäolog:innen und alten Geheimnissen. Doch die Ermittlungen nehmen eine dramatische Wendung, als auch Pias Kollege Broders plötzlich verschwindet.

Meine Meinung

Ich habe die Reihe vor Jahren begonnen und seitdem tatsächlich jeden Band gehört – auch wenn ich mir nach jedem Teil schwöre, dass es „der letzte“ war. Irgendwie siegt dann doch die Neugier, wie es mit Pia weitergeht.

Wie immer habe ich auch diesen Band als Hörbuch mit Anne Moll gehört, die seit Beginn die Stimme der Reihe ist. Sie macht einen großartigen Job und schafft es, den Figuren Leben einzuhauchen – ohne sie überzeichnet wirken zu lassen. Für mich ist das ein klarer Pluspunkt.

Inhaltlich bleibt Almstädt ihrem Muster treu: ein spannender Fund, ein Mordfall und ein verschlossenes Dorfmilieu, das nicht alles preisgeben will. Gerade am Anfang baut die Geschichte viel Spannung auf – die Entdeckung der Fibel, das Wiederaufrollen des Cold Case, das Verschwinden von Broders. Leider hat diese Spannung für mich im Mittelteil spürbar nachgelassen. Es gab - zumindest für meinen Geschmack - zu viele Verdächtige, die ich stellenweise kaum auseinanderhalten konnte, und das hat meinen Lesefluss gebremst.

Trotzdem: Als klassischer Regionalkrimi mit Ostsee-Flair funktioniert das Buch. Man spürt beim Hören den Wind, riecht die salzige Luft und hat die kleinen Orte vor Augen. Außerdem ist es kein blutiger Thriller, sondern eher im Bereich „Cozy Crime“ angesiedelt – perfekt also für den Urlaub am Strand oder einen entspannten Abend.

Auch wenn man die Reihe nicht von Anfang an kennt, kommt man grundsätzlich mit. Aber am meisten Spaß macht sie, wenn man Pia und ihr Team schon länger begleitet – immerhin sind es inzwischen 20 Bände, und die Figuren haben ihre eigene kleine Entwicklung.

Fazit

"Ostseedämmerung" ist solide Krimiunterhaltung mit Ostsee-Atmosphäre, vertrauten Figuren und einem spannenden Einstieg. Für mich hätte es gern stringenter erzählt sein dürfen, weniger Verdächtige hätten der Klarheit gutgetan. Aber für Fans von cozy crime, die Lust auf einen deutschen Regionalkrimi haben und gerne länger an Figuren drangeblieben, ist auch dieser Band eine angenehme Lektüre oder wie in meinem Fall - Hörerlebnis.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Virtuelle Rätsel, reale Bedrohung

Erebos 3
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Erebos 3 ist ein Thriller, der mich direkt mit seinem Klappentext neugierig gemacht hat – auch wenn ich die beiden Vorgänger gar nicht gelesen habe. Autorin Ursula Poznanski zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen ...

Erebos 3 ist ein Thriller, der mich direkt mit seinem Klappentext neugierig gemacht hat – auch wenn ich die beiden Vorgänger gar nicht gelesen habe. Autorin Ursula Poznanski zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Jugendbuch- und Thrillerautorinnen, hat mit dem ersten Erebos-Band 2010 den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen und ist seitdem Stammgast auf den Bestsellerlisten. Ihre Fähigkeit, packende Geschichten an der Schnittstelle von Realität und digitalen Welten zu erzählen, prägt auch diesen Band.

Worum geht’s genau?
Nick Dunmore kennt Erebos – das Spiel, das mehr ist als nur ein Spiel – nur zu gut. Zweimal ist er ihm schon entkommen. Doch plötzlich erwacht die virtuelle Welt erneut auf seinem Computer. Wieder muss er in die Rolle des Dunkelelfen Sarius schlüpfen, Rätsel lösen, Aufträge erfüllen – ohne zu wissen, wozu. Klar ist nur: Es steht mehr als ein Leben auf dem Spiel, und die Uhr tickt. Zusammen mit alten und neuen Verbündeten beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem nicht nur der Ausgang des Spiels, sondern auch das Schicksal der realen Welt auf dem Spiel steht.

Meine Meinung
Ich kenne Ursula Poznanski bisher nur aus ihren Krimis (für Erwachsene) – und war gespannt, wie sie Gaming-Setting, KI und Thriller-Spannung verbindet. Das Cover spricht mich weniger an, auch wenn es perfekt zum Inhalt passt; der Farbschnitt dagegen ist ein echtes Highlight im Regal. Was mir direkt positiv auffiel: Die Handlung im Computerspiel bekommt viel Raum, die Grafik und Atmosphäre sind so lebendig beschrieben, dass ich mich fast selbst wie ein Teil des Spiels gefühlt habe.

Die Grundthematik rund um Daten, Überwachung und Kontrolle ist genau mein Ding, und das Setting bleibt durchgehend spannend. Trotzdem: Bis zur zentralen Erkenntnis und der Lösung dauert es lange, und in dieser Zeit zog sich die Handlung für mich etwas. Weniger Seiten hätten der Spannung gutgetan. Das Finale dagegen hat mich wirklich überrascht – ein realistischer Twist, den ich so nicht kommen sah.

Was die Serie angeht: Auch wenn am Ende das endgültige Ende von Erebos versprochen wird, wirkt es doch so, als könnte noch eine Fortsetzung drin sein – immerhin hat das Spiel uns schon dreimal überrascht. Stellenweise hatte ich jedoch das Gefühl, für die Story etwas zu alt zu sein. Erst später habe ich gecheckt, dass es ja eigentlich ein Jugendbuch ist – hätte ich wohl vorher genauer lesen sollen. Wahrscheinlich hätte ich auch insgesamt stärker mitgefiebert, wenn ich die ersten beiden Bände gelesen hätte. So blieb für mich trotz flüssigem, leichtem Schreibstil und cooler Atmosphäre immer eine kleine Distanz zu den Figuren.

Fazit
Ein spannender Thriller mit starkem Setting, der Gaming-Elemente und reale Bedrohung gekonnt verbindet – für mich aber eher ein gutes Jugendbuch als ein packender All-Ager. Wer Erebos schon kennt, wird hier sicher mehr emotionales Gewicht finden; Neueinsteiger:innen wie ich müssen sich darauf einlassen, dass der Weg zur Auflösung etwas Geduld erfordert.

Danke jedenfalls an lovelybooks.de und den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar :)

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ein poetisches Fragment über Liebe und Verlust

Die Geschichte des Klangs
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Was zurückbleibt, wenn Musik Erinnerungen trägt – und Worte nicht alles sagen.

Ben Shattuck erzählt in seinem kurzen Roman von einer zarten Verbindung zwischen zwei jungen Männern nach dem Ersten Weltkrieg ...

Was zurückbleibt, wenn Musik Erinnerungen trägt – und Worte nicht alles sagen.

Ben Shattuck erzählt in seinem kurzen Roman von einer zarten Verbindung zwischen zwei jungen Männern nach dem Ersten Weltkrieg – und einer Spurensuche, Jahrzehnte später, über den Klang, der alles bewahrte.

Was hat das Buch bei mir ausgelöst?
Der Einstieg in die Geschichte hat mich sofort gefesselt. Die erste Hälfte, in der Lionel und David gemeinsam durchs ländliche Amerika reisen, um Volksmusik mit alten Wachszylindern aufzunehmen, war für mich das stärkste Element des Romans. Besonders gelungen empfand ich, wie still, aber gleichzeitig intensiv die Gefühle zwischen den beiden Männern erzählt werden – ohne große Gesten, ohne Etiketten. Das hat mich berührt, auch weil queere Geschichten oft lauter erzählt werden müssen. Hier liegt die Kraft im Unausgesprochenen.

Trotzdem hat sich die zweite Hälfte für mich wie ein Bruch angefühlt. Mit dem Perspektivwechsel zu Annie ging für mich ein Großteil der emotionalen Tiefe verloren, die ich zuvor so stark empfunden hatte. Ich verstand zwar die Idee hinter der Rahmenhandlung, doch es fiel mir schwer, eine Verbindung zu Annies Erzählung aufzubauen. Ihre Perspektive wirkte im Vergleich nüchterner, sachlicher – sie erinnerte mich eher an eine literarische Brücke als an eine voll ausgearbeitete Figur.

Die Sprache ist fein, poetisch, und streckenweise wunderschön. Besonders in den Passagen zur Musik entsteht eine fast greifbare Sinnlichkeit – man hört nicht nur den Klang, man spürt ihn. Gleichzeitig empfand ich die Kürze des Romans als hinderlich. Viele Gedanken, Beziehungen und Entwicklungen blieben für meinen Geschmack zu angedeutet. Die Geschichte endet, bevor sie sich ganz entfalten kann – das erzeugt zwar eine gewisse Eleganz, ließ mich aber auch unbefriedigt zurück.

Für wen könnte das Buch besonders interessant sein?
Leser:innen, die Freude an poetischer, reduzierter Sprache und leisen Geschichten haben, in denen viel zwischen den Zeilen passiert, könnten in diesem Roman viel entdecken. Wer fragmentarische Erzählweisen mag, queer-literarische Themen ohne Label sucht und sich für musikalisch-symbolische Metaphern begeistert, findet hier möglicherweise genau die richtige Lektüre. Wer sich jedoch von emotionalem Tiefgang über längere Spannungsbögen mitreißen lassen will oder ausgearbeitete Nebenfiguren sucht, wird womöglich weniger mitgenommen.

Fazit
„Die Geschichte des Klangs“ hat bei mir einen starken ersten Eindruck hinterlassen, insbesondere durch die stille Beziehung zwischen Lionel und David. Sprache und Atmosphäre sind überzeugend – und doch blieb für mich am Ende ein Gefühl von Unvollständigkeit. Die Geschichte klingt eher wie eine literarische Skizze als wie ein ausformuliertes Werk.

Besonders geeignet für alle, die sich gerne in Zwischentönen und leiser Melancholie verlieren – aber vielleicht weniger für Leser:innen, die eine klassische Romanstruktur oder eine rund abgeschlossene Handlung suchen.

Danke an Netgalley.de und Hanser für das digitale Leseexemplar.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Kochen für den Alltag – ohne besonderen Anspruch

Quick & Tasty
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"Quick & Tasty" von Viviane Geppert versammelt 50 schnelle und unkomplizierte Afterwork-Rezepte, die sich mit wenigen Zutaten nach Feierabend realisieren lassen. Als berufstätige Mutter teilt sie neben ...

"Quick & Tasty" von Viviane Geppert versammelt 50 schnelle und unkomplizierte Afterwork-Rezepte, die sich mit wenigen Zutaten nach Feierabend realisieren lassen. Als berufstätige Mutter teilt sie neben Rezeptideen auch private Einblicke in ihr Familienleben und will zeigen, dass gutes, frisches Essen auch bei engem Zeitplan möglich ist. Viviane Geppert ist bekannt als TV-Moderatorin und Journalistin. Seit 2016 steht sie vor der Kamera, unter anderem für Formate wie "red" oder "taff". Mit "Quick & Tasty" legt sie ihr erstes Kochbuch vor und verbindet beruflichen Alltag, Familie und Esskultur in einem kompakten Werk.

Meine Meinung

Obwohl ich Viviane Geppert bisher nicht kannte, sprach mich das Konzept ihres Kochbuchs sofort an. Das Cover wirkt ansprechend, die Idee, schnelle Gerichte für den Feierabend zu liefern, ist absolut zeitgemäß. An dieser Stelle auch Danke an LovelyBooks und den ZS Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar!

Das Layout ist solide: funktional und passend für ein Kochbuch, aber ohne besondere Highlights. Die Fotografien sind schön, wenn auch recht gleichförmig inszeniert. Teilweise wirken sie etwas zu stark bearbeitet oder künstlich - besonders die Portraitbilder. Ich finde, wenn Geppert schon betont, sie sei eine "normale Frau" (S. 5) , wünschte ich mir mehr visuelle Authentizität. Positiv ist, dass sie sich selbst in der Bildsprache zurücknimmt – das Essen steht im Vordergrund.

Inhaltlich bleibt das Buch für mich leider hinter seinem Potenzial zurück. Die persönliche Einleitung ist gelungen, doch bei den Rezepten fehlt durchgängig der rote Faden. Mal gibt es eine kurze Anekdote, mal eine Unterüberschrift, mal nichts. Auch hätte ich mir eine sensiblere Wortwahl gewünscht – der Begriff "Soulfood" z. B. sollte rassismuskritisch reflektiert werden.

Einen schalen Beigeschmack hinterließ bei mir die starke Reproduktion klassischer Rollenbilder: Frauen als Küchenmanagerinnen, Männer als Empfänger der Kochkunst. Auch wenn Geppert sich liebevoll auf Mutter und Oma als Inspirationsquelle bezieht, bleibt das Bild für mich als Leserin traditionell.

Die angesprochenen Einflüsse aus dem Balkan oder ihre Liebe zu Südfrankreich (S.9) finden in den Rezepten kaum statt. Stattdessen dominieren italienische Begriffe und Gerichte – was in der Einleitung nicht erläutert wird. Die Kennzeichnung veganer, vegetarischer oder glutenfreier Gerichte fehlt ebenfalls komplett, was angesichts heutiger Standards unzeitgemäß wirkt. Mein Lieblingsrezept war die "Norma al forno" – in meiner eigenen veganisierten Version. Das Zutatenverzeichnis am Ende, das auch nach Zutaten filterbar ist, empfand ich als sehr hilfreich. Die Liste mit Vorräten hingegen überforderte mich eher, weil sie recht umfangreich ist.

Viele "Fresh-Up"-Tipps wiederholen sich, etwa das obligatorische "mit Kräutern toppen". Schade, dass auch hier wenig Variation geboten wird.

Fazit

"Quick & Tasty" ist ein optisch ordentliches und in Ansätzen inspirierendes Kochbuch für den Alltag. Wer keine großen Erwartungen an Vielfalt, Tiefgang oder zeitgemäße Gestaltung hat, wird hier fündig. Für mich bleibt es jedoch bei 3 von 5 Sternen, da viele Potenziale ungenutzt bleiben.

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