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Veröffentlicht am 19.08.2025

Literatur, die unter die Haut kriecht

Lilianas unvergänglicher Sommer
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Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen erst fassungslos macht, dann wütend, dann traurig – und schließlich so sehr berührt, dass man es nie wieder loswird. Genau so ging es mir mit Lilianas unvergänglicher ...

Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen erst fassungslos macht, dann wütend, dann traurig – und schließlich so sehr berührt, dass man es nie wieder loswird. Genau so ging es mir mit Lilianas unvergänglicher Sommer. Klingt pathetisch? Mag sein. Aber Cristina Rivera Garza hat hier ein Werk geschaffen, das nicht einfach nur Literatur ist, sondern ein Aufschrei, eine Hommage und gleichzeitig ein verdammt mutiger Versuch, das Unaussprechliche in Worte zu fassen.

Die Autorin reist zurück nach Mexiko, fast drei Jahrzehnte nach dem Mord an ihrer Schwester Liliana. Und plötzlich ist da nicht nur die Trauer, nicht nur die Wut auf den Ex-Partner, der bis heute nicht verurteilt wurde, sondern auch diese Sehnsucht, die Person Liliana wieder aufleben zu lassen. Nicht als Opfer, nicht als Akte in einer staubigen Schublade, sondern als junge Frau, die lachte, schwamm, tanzte, studierte und einfach ihr Leben liebte.

Dieses Buch ist kein Krimi, kein Thriller, kein trockener Bericht. Es ist Literatur, die bebt, die weh tut, die gleichzeitig so poetisch leuchtet, dass man sich fragt: Wie schafft man es, Schmerz so schön zu beschreiben, ohne dass er an Schärfe verliert? Rivera Garza schreibt gegen das Vergessen an, gegen die Sprachlosigkeit und gegen eine Gesellschaft, die lieber wegsieht.

Ganz ehrlich: Selten hat mich ein Text so direkt erwischt. Da sitzt man da, denkt an die eigene Familie, an das, was bleibt, wenn jemand nicht mehr da ist – und plötzlich merkt man, dass man längst Teil dieser Geschichte geworden ist. Ein Buch, das bohrt, brennt, flüstert und schreit. Und das man nicht weglegen kann, ohne dass es Spuren hinterlässt.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Vorlesezeit mit Herz, Hund und Happy Tears

Mein größter Wunsch
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Kaum schlägt man die erste Seite auf, ist man mittendrin in einer Welt voller Sehnsucht, Mut und ziemlich viel Herz. Und ich sage es gleich: dieses Buch hat mich eiskalt erwischt! Meine Nichte wollte eigentlich ...

Kaum schlägt man die erste Seite auf, ist man mittendrin in einer Welt voller Sehnsucht, Mut und ziemlich viel Herz. Und ich sage es gleich: dieses Buch hat mich eiskalt erwischt! Meine Nichte wollte eigentlich nur „ein bisschen vorgelesen bekommen“, und am Ende saßen wir beide wie zwei begossene Pudel da – Tränen, Lachen, Herzklopfen, alles gleichzeitig. Das ist nicht einfach nur eine Geschichte über ein Mädchen und einen Hund, das ist ein kleiner Reminder fürs Leben, dass Wünsche nicht einfach Blödsinn sind, sondern manchmal die stärkste Kraft der Welt.

Der Schreibstil von Barbara O’Connor ist federleicht, ohne kitschig zu werden, und Alexandra Ernst hat das Ganze so gut übersetzt, dass man denkt, die Figuren reden direkt mit einem. Die kleine Heldin in der Geschichte ist ein bisschen stur, ziemlich mutig und so herrlich echt, dass man sich sofort in sie verliebt. Und dann dieser Hund! Ein richtiger Kämpfer, der trotzdem so viel Wärme ausstrahlt, dass man am liebsten sofort ins Tierheim rennen würde, nur um auch so einen treuen Fellfreund zu finden.

Meine Nichte hing mir quasi am Arm und wollte gar nicht, dass ich aufhöre vorzulesen. Immer wieder kam dieses: „Noch ein Kapitel! Nur eins!“ – was dann natürlich nie bei einem blieb. Wir haben gelacht, wir haben mitgefiebert, und am Ende hat sie ganz ernst gesagt: „Das war das beste Buch, das du mir je vorgelesen hast.“ Ganz ehrlich? Sie hat recht.

„Mein größter Wunsch“ ist kein Buch, das man mal eben so wegschnupft und dann vergisst. Es bleibt kleben – im Herzen, im Kopf und ein bisschen auch im Alltag. Es macht Mut, an die eigenen Träume zu glauben, egal wie verrückt sie klingen. Und es zeigt, dass Freundschaft manchmal aus den unerwartetsten Begegnungen entsteht. Wer dieses Buch nicht liest, verpasst eine Geschichte, die mehr ist als nur eine nette Hunde-Story. Es ist ein Stück Hoffnung zum Vorlesen, Weitergeben und Behalten.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Ein Liebesbrief an Wien, der satt macht

Wiener Küche
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Wer glaubt, Wiener Küche sei nur Schnitzel mit Kartoffelsalat und Strudel auf Omas Spitzendeckchen, wird hier gnadenlos eines Besseren belehrt. Dieses Buch macht keine halben Sachen – hier wird geklotzt, ...

Wer glaubt, Wiener Küche sei nur Schnitzel mit Kartoffelsalat und Strudel auf Omas Spitzendeckchen, wird hier gnadenlos eines Besseren belehrt. Dieses Buch macht keine halben Sachen – hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Schon beim ersten Durchblättern hatte ich das Gefühl, direkt in einem Wiener Kaffeehaus zu sitzen, umgeben von Mehlspeisen, Kellnern mit grantigem Charme und einem Hauch Melange in der Luft.

Susanne Zimmel – oder wie Insider sagen: Frau Ziii – serviert hier eine Sammlung, die einfach mehr ist als ein Kochbuch. Es ist ein Liebesbrief an Wien und an den Genuss. Dabei kriegt man nicht nur die Klassiker wie Tafelspitz oder Kaiserschmarrn aufgetischt, sondern auch herrlich schräge Neuinterpretationen, die man so schnell nicht vergisst. Krautfleckerl karamellisiert? Ja, bitte! Und dann gleich noch die Ingwer-Nuss-Variante hinterher.

Das Beste: Die Rezepte sind nicht abgehoben oder kompliziert. Man muss keine Michelin-Sterne im Ärmel haben, um loszulegen. Die Anleitungen sind so geschrieben, dass man sich beim Kochen fast begleitet fühlt – als würde Frau Ziii einem zwischendurch ins Ohr flüstern: „Trau dich, das wird was!“ Dazu die Fotos, die einem beim Anschauen schon das Hemd verkleckern lassen – so schön, dass man das Kochbuch eigentlich ins Wohnzimmerregal stellen möchte, nur um ständig reinzugucken.

Und weil’s eben nicht nur ums Essen geht, sondern auch ums Lebensgefühl, gibt’s kleine Anekdoten aus Wien obendrauf. Das macht das Ganze so charmant, dass man am Ende fast automatisch in den Schmäh verfällt. Kurzum: Dieses Buch ist ein Must-have für alle, die Wien lieben, essen lieben oder beides gleichzeitig. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss Palatschinken machen.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Taschentücher, Tränen und Zeitreisen – unser Chaos mit Smaragdgrün

Liebe geht durch alle Zeiten (3). Smaragdgrün
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Herzschmerz, Zeitreisen und ein bisschen Weltuntergangs-Vibes – das war unser Rezept beim gemeinsamen Lesen von Smaragdgrün. Während andere Teenager in dieser Situation vermutlich Netflix durchbingen oder ...

Herzschmerz, Zeitreisen und ein bisschen Weltuntergangs-Vibes – das war unser Rezept beim gemeinsamen Lesen von Smaragdgrün. Während andere Teenager in dieser Situation vermutlich Netflix durchbingen oder tonnenweise Schokolade inhalieren, stolpert Gwendolyn mal eben wieder ins 18. Jahrhundert, kämpft mit Intrigen, geheimen Logen und natürlich mit diesem verflucht charmanten Gideon. Meine Tochter und ich haben beim Lesen mindestens genauso viel diskutiert wie Gwendolyn mit ihrer besten Freundin. "Hätte sie das jetzt wirklich so machen müssen?" – "Ja, aber sonst wäre es doch langweilig!" – "Oh mein Gott, Gideon, ernsthaft?" So ungefähr klang es regelmäßig auf unserem Sofa.

Besonders gefeiert haben wir die frechen Dialoge. Kerstin Gier schafft es einfach, dass selbst in den düstersten Momenten ein Spruch kommt, der uns beide prusten ließ. Und dann wieder diese Szenen, die einen mitten ins Herz treffen – ich sag’s euch, meine Tochter hat mich ausgelacht, als ich die Taschentücher zückte. Aber ganz ehrlich: So soll das sein! Wer will schon eine Zeitreise ohne Gefühlschaos?

Das exklusive Zusatzmaterial war für uns ein echtes Highlight. Gideons Sicht bringt noch mal einen völlig neuen Blickwinkel rein, und das Vorwort von Kerstin Gier hat uns das Gefühl gegeben, direkt neben ihr zu sitzen und über ihre Figuren zu quatschen.

Kurz gesagt: Smaragdgrün ist eine rasante Mischung aus Abenteuer, Humor, Herzschmerz und Fantasy – und im Buddyread hat es gleich doppelt Spaß gemacht. Wir haben uns durch die Jahrhunderte gezickt, gelacht und gefiebert und am Ende beschlossen: Zeitreisen sind gefährlich, aber extrem unterhaltsam. Und ja, Gideon darf bleiben – auch wenn er uns zwischendurch ordentlich Nerven gekostet hat.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Ein Garten voller Geschichten und Trost

Der Gärtner und der Tod
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Manchmal reicht ein Satz, um mitten ins Herz zu treffen: »Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.« – Zack, erwischt. Wer das liest und noch keine kleine Träne verdrückt hat, muss vermutlich aus ...

Manchmal reicht ein Satz, um mitten ins Herz zu treffen: »Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.« – Zack, erwischt. Wer das liest und noch keine kleine Träne verdrückt hat, muss vermutlich aus Stein sein oder braucht dringend mehr Kirschblütenduft im Leben. Gospodinov schreibt hier nicht nur über seinen Vater, er pflanzt ihn quasi zwischen die Seiten. Und während man liest, wachsen überall kleine Erinnerungssträucher im eigenen Kopf.

Das Schöne ist: Trotz des Themas – Abschied, Vergänglichkeit, Tod – hängt über dem Buch kein grauer Trauerschleier, sondern eher ein buntes Flatterband. Da wird gelacht, da wird geflucht, da wird ein Leben gefeiert, das nach Erde riecht und nach Geschichten schmeckt. Der Vater, dieser unverbesserliche Gärtner, hackt und gräbt sich selbst im Krankenhaus noch durchs Leben. Und ich? Ich hab beim Lesen ständig gedacht: Bitte lass mich irgendwann auch so stur, lebenshungrig und voller Witz sein.

Man sollte meinen, so ein Buch macht traurig. Tut es aber gar nicht (okay, ein bisschen schon, aber auf die gute Art). Es tröstet, es stupst einen an, wieder öfter die Hände in die Erde zu stecken oder die eigenen Eltern anzurufen, solange man kann. Gleichzeitig ist es ein großes Dankeschön an alle, die uns beigebracht haben, wie man lebt – und wie man loslässt.

Kurz: Gospodinov hat nicht nur einen Roman geschrieben, er hat einen Komposthaufen fürs Herz angelegt. Alles, was schwer ist, verwandelt er in etwas Fruchtbares, aus dem Hoffnung wächst. Und wenn ich könnte, würde ich diesem Buch nicht fünf, sondern gleich sieben Gänseblümchen-Sterne geben.

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