Beklemmend, verstörend und poetisch
Mit beiden Händen den Himmel stützenDieser Roman erzählt eine emotionale Geschichte über Identität, Verlust und das Umgehen mit einer traumatischen Kindheit. Die Protagonistin Lale wächst im Berlin der 80er-Jahre als Pflegekind ...
Dieser Roman erzählt eine emotionale Geschichte über Identität, Verlust und das Umgehen mit einer traumatischen Kindheit. Die Protagonistin Lale wächst im Berlin der 80er-Jahre als Pflegekind in einer Männer WG einer linken, antiautoritären Kommune auf, da ihre Mutter suchtkrank ist und ihr Vater im Gefängnis. Hier gibt es zwar keine Regeln für sie, aber gleichzeitig wächst sie zwischen Partys, Saufgelagen, Drogen und Orgien auf. Ihre Kindheit ist ein komplexes Zusammenspiel aus Freiheit zur Selbstentfaltung, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch.
Dieses Buch ist wirklich keine leichte Lektüre und teilweise sehr verstörend und abstoßend, da es auch um sexuellen Missbrauch geht. Trotzdem schafft es die Autorin eine mitreißende Geschichte zu erzählen, ohne dass irgendetwas romantisiert wird. Trotz der schweren Themen ist nichts schwarz-weiß und die Komplexität von Lales Leben und ihren Gefühlen wird gut dargestellt. Es wird zwar aus einer erwachsenen, rückblickenden Perspektive erzählt, dennoch erfahren wir die Gedanken und Gefühle eines unschuldigen, unwissenden Kindes.
Der Schreibstil hat mir extrem gut gefallen, denn er ist klar und doch auch poetisch und schafft es einen richtig mitfühlen zu lassen durch treffende Metaphern, die einem durch Mark und Bein gehen. Die vielen Beschreibungen und Medienreferenzen bringen einen auf eine Zeitreise durch die 80er und 90er Jahre.
Alles in allem wirklich ein Buch was mich sehr bewegt hat und was noch lange in mir nachhallen wird! Auf jeden Fall sehr zu empfehlen, allerdings wahrscheinlich eher nicht für jüngere LeserInnen.