Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2025

Spannend und von hervorragenden Sprecherinnen vorgetragen

Eine von uns
0

"Eine von uns" beginnt schleppend. Es dauert eine Weile, bis es Fahrt aufnimmt. Die Story handelt von einem Ehepaar Gina und Mats, mit zwei Kindern, deren Haus durch einen Brand unbewohnbar wurde. Eine ...

"Eine von uns" beginnt schleppend. Es dauert eine Weile, bis es Fahrt aufnimmt. Die Story handelt von einem Ehepaar Gina und Mats, mit zwei Kindern, deren Haus durch einen Brand unbewohnbar wurde. Eine ihrer Freundinnen gewährt ihnen Unterschlupf. Sie versuchen aus ihrem Unglück das beste zu machen und sich über das Angebot der Freundin zu freuen. Das gelingt aber nur so lange, bis es an der Haustüre klingelt. Eine junge Frau namens Mary steht dort und erklärt freundlich, dass sie die Haushälterin sei. Wenn auch nur widerwillig, so findet sich Gina dann doch damit ab. Sie möchte nur noch ihre Ruhe haben und möglichst keine weiteren Katastrophen erleben.

Schon nach wenigen Tagen wird Gina misstrauisch. Sie glaubt nicht, dass es sich bei Mary um eine Haushälterin handelt. Es gibt zu viele Ungereimtheiten. Kann es sein, dass sie etwas über Sara weiß? Eine Freundin von Mary, die vor vielen Jahren spurlos verschwand? Immer skeptischer wird sie und fühlt sich überhaupt nicht mehr wohl im Haus. Ihr Mann Mats kann sie nicht verstehen und das wiederum regt sie noch ein Stück mehr auf.

Spannend und mit vielen Wendungen liest sich das Buch. Ja, es war bald klar, worum es der Haushälterin geht. Aber wer denkt, dass sich damit die Story erledigt hat, der irrt gewaltig. Ja, ich auch. Das Ende ist so überraschend, dass ich jetzt noch Gänsehaut kriege, wenn ich daran denke. Und dann die beiden Sprecherinnen. Einfach nur gennial. Sie nahmen mich von ersten Wort an gefangen und ich tauchte in diese gute Story ein. Hören und genießen, so war es für mich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.08.2025

Die Autorin ist eine Meisterin ihres Fachs

Dunkle Sühne
0

Es ist der 04. Juli und Madison Dalvymple wird 15 Jahre alt. Aber nicht nur das. Gleichzeitig ist es auch ein Feiertag. Die Bürger der Vereinigten Staaten feiern ihre Unabhängigkeit. Etwa 200 Gäste kamen ...

Es ist der 04. Juli und Madison Dalvymple wird 15 Jahre alt. Aber nicht nur das. Gleichzeitig ist es auch ein Feiertag. Die Bürger der Vereinigten Staaten feiern ihre Unabhängigkeit. Etwa 200 Gäste kamen zum Fest. Sie folgten der Einladung von Madisons Eltern. Spät am Abend warten alle auf das imposante Feuerwerk. Das Geburtstagskind nicht. Sie ist mit ihrer besten Freundin Chayenne Baker verabredet. Emmy, eine junge Polizistin ist ebenfalls anwesend und redet Madison ins Gewissen. Aber das Gesagte stößt auf taube Ohren. Emmys Vater ist Sheriff der Kleinstadt und achtet stets darauf, dass es bei Feierlichkeiten nicht zu Schlägereien oder ähnlichen Ereignissen kommt. Nur wenige Stunden nach Beendigung des Festes werden die Fahrräder der Freundinnen gefunden. Und nicht nur das. Eine große Blutlache befindet sich neben einem der Räder. Eine groß angelegte Suchaktion beginnt.

Die Bücher der Autorin mag ich sehr. Auch wenn sie langatmig und mit weniger Seiten auskommen würden, sie sind spannend und immer für Überraschungen gut. "Dunkle Sühne" zeigt, wie sich eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Ermittlern auswirkt. Emmy und ihr Vater tauschen sich über den Fall aus und das hilft ihnen, ihre Ermittlungen erfolgreich abzuschließen. Es gibt Sackgassen und fehlerhafte Verdächtigungen. Aber das macht doch einen guten Thriller aus.

Wieder einmal ist Karin Slaughter ein spannender und lesenswerter Thriller gelungen. Die Autorin versteht perfekt, wie sie Überraschungen einbaut und für unablässige Spannung sorgt. Dabei ist auch dieses Buch viel mehr als ein oberflächlicher Thriller. Es belegt unter anderem, wie sehr sich Menschen hinters Licht führen lassen. Sie sehen nur das, was sie sehen möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.08.2025

Ein Wohlfühlbuch aus Japan

Die Bibliothek meines Großvaters
0

Der Autor Masateri Konishi lebt in Japan und mit "Die Bibliothek meines Großvaters" brachte er seinen ersten Roman heraus. Die Hauptfiguren sind Kaede und ihr dementer Großvater. Sie haben ein gemeinsames ...

Der Autor Masateri Konishi lebt in Japan und mit "Die Bibliothek meines Großvaters" brachte er seinen ersten Roman heraus. Die Hauptfiguren sind Kaede und ihr dementer Großvater. Sie haben ein gemeinsames Hobby: das Lesen. Und trotz seiner kognitiven Beeinträchtigung verfügt der Senior über eine großartige Kombinationsgabe. Er und Kaede lösen gemeinsam Kriminalfälle, deren Ursprung die junge Frau in Form von Zeitungsausschnitten fand.

Der Sprachstil japanischer Autoren unterscheidet sich von jenen aus Europa. Sehr blumig und von einzigartiger Zurückhaltung, so empfinde ich ihn. Die Gespräche zwischen Großvater und Enkelin sind geprägt von Liebe und Verständnis. Gut zu erkennen, dass Herr Konishi eigene Erfahrungen im Umgang mit seinem dementen Vater einfließen ließ.

Ganz besonders ist auch die Aufmachung des Buches. Das schöne Cover sowie ein farbiger Buchschnitt machen es zu einem außergewöhnlichen Werk. Dank der gehobenen Sprache und der sehr guten Übersetzung ist das Buch auch für Leser empfehlenswert, die gute Literatur zu schätzen wissen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2025

So grausam können Kinder sein

Gerächt sein sollst du
0

Eine Leiche treibt auf dem Wasser und Eevi filmt und fotografiert fleißig. Bis ein recht junger Polizist sie energisch anspricht. Er möchte sie davon abhalten und hat so gar nicht mit ihrer Reaktion gerechnet. ...

Eine Leiche treibt auf dem Wasser und Eevi filmt und fotografiert fleißig. Bis ein recht junger Polizist sie energisch anspricht. Er möchte sie davon abhalten und hat so gar nicht mit ihrer Reaktion gerechnet. Sie fühlt sich nämlich im Recht. Schließlich ist sie Journalistin und arbeitet für eine Zeitschrift vor Ort. Es ist doch wohl normal, dass Menschen wissen möchten, was sich in ihrem Heimatort ereignet. Und ein Toter ist ja wohl nicht ganz uninteressant. Bevor dieser Zwist eskaliert, tritt Mats dazwischen. Er ist ein guter Freund Eevis und die beiden freuen sich über ein Wiedersehen.

Ein junger Mann wurde tot geborgen. Es handelt sich um Jonas Snellmann. Seine Mutter ist fassungslos und kann nicht glauben, dass er ermordet wurde. Auch seine Tante ist davon überzeugt, dass er Suizid beging. Gründe dafür hatte er genug. Er wurde ständig gemobbt und niemand half ihm bei den Ungerechtigkeiten, die er täglich hinnehmen musste. "Gerächt sein sollst du" zeigt sehr gut, was Mobbing in jungen Menschen auslöst.

Sehr lange lässt die Autorin ihre Leser im Ungewissen. Ist es ein Suizid oder handelt es sich doch um Mord? Beides ist möglich und erst kurz vor dem Ende des Buches kommt die Aufklärung. Und die ist absolut nicht vorhersehbar. Spannend, kurzweilig und keine Längen, so sollte jeder gute Kriminalroman geschrieben sein. Dieser erfüllt alle Erwartungen und ich empfehle ihn ohne Einschränkung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2025

Nur ein von vielen Tragödien; geschehen im 2. Weltkrieg

Die Verlorene
0

Lauras Handy klingelt. Sie meldet sich. Ihre Mutter ruft an und Laura versteht nur Bruchstücke. „Gefallen, Epilepsie, bewusstlos und Krankenhaus“. Sie eilt zur Klinik. Denn bei der Patientin handelt es ...

Lauras Handy klingelt. Sie meldet sich. Ihre Mutter ruft an und Laura versteht nur Bruchstücke. „Gefallen, Epilepsie, bewusstlos und Krankenhaus“. Sie eilt zur Klinik. Denn bei der Patientin handelt es sich um ihre Großmutter Änne. Die hatte wohl einen epileptischen Anfall. Ellen, Lauras Mutter wartet im Krankenhaus auf sie. Was zur Bewusstlosigkeit führte, erfahren die Frauen erst nach und nach. Der erste Hinweis zeigt sich, als Laura die Wohnung ihrer Großmutter betritt. Hier findet sie Schriftstücke, mit denen sie zunächst nichts anfangen kann. Um Licht ins Dunkel zu bringen, muss sie den Heimatort Ännes besuchen. Nur dann, so ist sich Laura sicher, wird sie auf die vielen Fragen über ihre Herkunft Antworten finden.

Schlesien war Heimat etlicher slawischer und germanischer Volksgruppen. Hier lebten Menschen zusammen, deren Muttersprache deutsch war. Mit der Machtergreifung Hitlers änderte sich das Zusammengehörigkeitsgefühl. Gutshöfe wurden geplündert und Bewohner aus ihren Häusern vertrieben. Es gab nur wenige Soldaten, die sich an ihren Auftrag erinnerten und Frauen nicht als willkommenes Objekt der Befriedigung ihrer Lust ansahen.

Die Erzählung wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Im Damals wird das Leben in Schlesien geschildert. Auf dem Gutshof sind Zwangsarbeiter untergebracht und nicht alle fühlen sich hier wohl. Dass es immer mal wieder zu Konflikten zwischen den Menschen kommt, ist wohl normal.

Die Gegenwart ist geprägt von Erinnerungen und der Hoffnung Lauras, dass sie die Geburtsstätte ihrer Großmutter findet. Vielleicht kann sie ebenfalls herausfinden, warum Änne oft so abweisend war. Oder warum sie niemals über ihre Vergangenheit sprach und sogar ihre Tochter darüber im Unklaren ließ.

"Die Verlorene" zeigt, wie die Traumata des Krieges in den künftigen Generationen nachwirken. Nur dann, wenn Kinder und/oder Enkel sich intensiv mit der Historie ihrer Großeltern bzw. Eltern befassen, werden sie erfahren, auf welche Weise sie die Vergangenheit prägt. Dass nicht nur Schlesier aus ihren Häusern vertrieben wurden und nicht wussten, wo sie nach ihrer Flucht leben würden. Dabei waren sie viele Jahre Gutsbesitzer mit Personal auf ihren Anwesen. Niemals hätten sie erwartet, auf welche Weise der Krieg sie ihrer Heimat beraubt.

Das Buch zeugt von umfangreicher Recherche und trotz einiger Längen empfehle ich es ausdrücklich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere