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Veröffentlicht am 25.08.2025

Leider hat der Autor in vielen Dingen recht

FASCHOLAND
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"Fascholand" ist kein gewöhnliches Buch. Es legt den Finger in eine Wunde, die von vielen Menschen gar nicht als solche erkannt wird. Der Autor reist durch die Republik und spricht mit Menschen von denen ...

"Fascholand" ist kein gewöhnliches Buch. Es legt den Finger in eine Wunde, die von vielen Menschen gar nicht als solche erkannt wird. Der Autor reist durch die Republik und spricht mit Menschen von denen er sich mehr verspricht, als das Herunter leiern von Parolen. Zugleich berichtet er von alltäglichem Rassismus, dem er immer wieder ausgesetzt ist. Gerade weil er als Kind von Gastarbeitern noch immer als „Ausländer“ angesehen wird. Dabei waren es doch genau diese Menschen, die Deutschland nach diesem unsäglichen Krieg mit aufbauten und aus diesem Grund eingeladen wurden. Was wurde ihnen alles versprochen? Unglaublich, dass sie bis heute unter Ressentiments zu leiden haben.

Der Ich-Erzähler spricht häufig mit seiner Freundin Otto. Bei ihr kann er genau das sagen, was er empfindet. Er muss sich nicht verstellen und/oder befürchten, dass sein Gegenüber ihn nicht versteht oder gar verachtet. Aufgebaut ist das Buch wie eine Ermittlungsakte. Etliche Zeugen werden befragt und diese Befragungen genauestens protokolliert. Sehr direkt und ohne Umschweife. Das mag zuweilen erschreckend sein, aber es rüttelt auf. Und ja, er hat in so vielen Dingen recht.

Den Inhalt des Buches mochte ich und es gab für mich nichts zu bemängeln. Was mich störte, das war die „gendergerechte“ Sprache. Mich irritierte es sehr, wenn immer wieder dieses :innen Teil von Sätzen war. Aber das ist nur meine Meinung und hat nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun. Dieser ist sehr gut und Raschid Daniel Sidgi ist als Sprecher perfekt.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Rilke und Clara ganz privat

Lebe nahe bei dir Tag um Tag
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Clara und Paula sind Freundinnen. Sie verstehen sich blendend und hin und wieder fallen sie durch Streiche auf. Nein, nicht jeder kann darüber lachen. Als der junge Rainer in den Ort kommt, sind beide ...

Clara und Paula sind Freundinnen. Sie verstehen sich blendend und hin und wieder fallen sie durch Streiche auf. Nein, nicht jeder kann darüber lachen. Als der junge Rainer in den Ort kommt, sind beide von ihm beeindruckt. Paula noch mehr als Clara. Die ist schüchtern und zeigt nur ganz selten, wie es in ihrem Inneren ausschaut. Als sie sich jedoch klar darüber wird, dass sie sich in den Dichter verliebte, übernimmt sie Initiative. Zumal sie sich sehr sicher ist, dass einige seiner Gedichte ausschließlich für sie geschrieben wurden.

"Lebe nahe bei dir Tag um Tag" wurde im Sprachstil geschrieben, der zur Zeit Rilkes und seiner Frau üblich war. Also für heutigen Geschmack ein wenig gestelzt. Aber gerade das macht für mich die Glaubwürdigkeit der Geschichte aus. Der Autor berichtet über die Jahre des Zusammenlebens von Rainer und Clara. Und auch darüber, wie beiden klar wurde, dass sie nicht dauerhaft Tisch und Bett teilen können. Auch ihre Tochter kann nicht verhindern, dass sie getrennte Wege gehen.

Ich bin immer wieder erfreut, wenn ich Bücher lese, die mir berühmte Persönlichkeiten aus vergangener Zeit nahe bringen. Zumal der Autor Ronald Fricke hier etliche Passagen aus den Werken Rilkes einfügte. Auch wenn Kennern der Materie zu jeder Zeit klar war, wie die Ehe Claras und Rainers zustande kam. Das Buch ist dennoch lesenswert. Beide waren Kinder ihrer Zeit und ihr Dasein lässt sich in keiner Weise mit der Gegenwart vergleichen. #

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Das Buch regt zum Nachdenken an

Eden
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Tobias soll ein Referat halten. Thema: „Das lustige Taschenbuch“. Wie gut, dass seine Mitschülerin Sofie Stenger einen Vater hat, der alle Ausgaben sammelte. In seinem Keller befinden sich unzählige Bücher ...

Tobias soll ein Referat halten. Thema: „Das lustige Taschenbuch“. Wie gut, dass seine Mitschülerin Sofie Stenger einen Vater hat, der alle Ausgaben sammelte. In seinem Keller befinden sich unzählige Bücher rund um Dagobert Duck und seine Verwandtschaft. Herr Stenger hilft beim formulieren des Referats und gibt ihm wertvolle Tipps für den Inhalt. Am Tag des Vortrags beendet Tobias das Referat nicht. War es gut, mittelmäßig oder gar schlecht? Das wurde sofort unwichtig, als er vom Tod Sofies hörte.

"Eden" beschreibt sehr eindringlich, was es heißt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Nein, nicht durch Krankheit, sondern durch Terror. Und das, so denke ich, macht den Roman so besonders. Der Autor schreibt zudem aus verschiedenen Perspektiven. Der Vater, der die Hand seiner Tochter hielt, kämpft mit seiner angeblichen Schuld. Der Schulfreund fragt sich, warum er nicht schon viel früher mit ihr befreundet war.

Dass der Autor sich auch mit der Familie des Attentäters befasst, das war für mich außergewöhnlich. Wie mag es Müttern gehen, deren Söhne für den Tod unschuldiger Menschen verantwortlich sind? Das wird niemand nachvollziehen können, der es nicht erlebte.

Trotz einiger Längen gefiel mir das Buch gut. Hin und Wieder war ich verwirrt, weil der Wechsel zwischen den Betroffen häufig übergangslos stattfand. Nicht immer leicht zu lesen aber ein wertvolles Buch, das zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Der Schein trügt

Heimat
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Jana, Ende 30, zieht mir ihrem Mann Noah und den beiden Kindern Ella und Luis aufs Land. Sie möchten dem Trubel und dem Lärm der Stadt entfliehen. Jana kündigt ihre Arbeit und freut sich auf die freie ...

Jana, Ende 30, zieht mir ihrem Mann Noah und den beiden Kindern Ella und Luis aufs Land. Sie möchten dem Trubel und dem Lärm der Stadt entfliehen. Jana kündigt ihre Arbeit und freut sich auf die freie Zeit. Als Noah das erfährt, ist er wütend. Er versteht es nicht, da das Geld künftig knapp bemessen ist. Nur ein Versorger scheint ihm zu wenig, zumal Jana schwanger ist. "Heimat" lässt früh erahnen, dass es mit der Ehe nicht zum besten steht.

Jana fühlt sich auf dem Land sehr wohl. Sie lernt Menschen kennen, die bald ihre Freundinnen werden. Mit Karolin versteht sie sich am besten. Sie bewundert, wie sie lebt und mit den Problemen des Alltags umgeht. Aber auch hier, wie bei vielen anderen Familien gilt, dass der Schein oft trügt. Jana lässt sich von Karolin dazu überreden, bei Werbeaktionen für die AfD mitzumachen. Leider wird das Thema nicht vertieft.

Was bringen viele Follower bei Instagram, wenn die Idylle nur gespielt ist? Mit der Zeit schaut Jana hinter die Fassaden und merkt, dass es ihr eigentlich recht gut geht. Die Story plätscherte dahin und ich wartete immer auf den Höhepunkt sowie die Lösung einiger Rätsel. Die kam nicht und das Ende war abrupt. Mir kam es vor als seien der Autorin plötzlich die Ideen ausgegangen. Die Sprecherin Heike Warmuth wiederum gefiel mir sehr gut. Das Hörbuch ist eine digitale Ausgabe und nicht als CD erhältlich.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Auch lange nach dem Krieg hatten Menschen zu kämpfen

Wer ins Licht treten will
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Renate Schwarz verfolgt das Fußballspiel ihres Verlobten und ist völlig aus den Häuschen. Gefangen von seinen Paraden aufs Tor des Gegners kann sie erst nach Minuten nachvollziehen, was unten auf dem Platz ...

Renate Schwarz verfolgt das Fußballspiel ihres Verlobten und ist völlig aus den Häuschen. Gefangen von seinen Paraden aufs Tor des Gegners kann sie erst nach Minuten nachvollziehen, was unten auf dem Platz vor sich geht. Matthias liegt auf dem Rasen und krümmt sich vor Schmerzen. Sofort eilt sie zu ihm und muss dennoch ratlos stehen bleiben. Er wird in die Uniklinik gebracht. Wäre ihr Onkel und Ziehvater nicht bei ihr, um sie zu trösten, sie wäre zusammengebrochen.

Auch der zweite Band um Renate Schwarz gefiel mir gut. Melanie Metzenthin verstand es wieder einmal hervorragend, Fakten und Fiktion zu verknüpfen. Der Krieg war noch in den Köpfen der Hamburger präsent und dazu gehörte auch die Gesinnung der Nationalsozialisten. Es gab zu viele Anhänger Hitlers, die sich ihren „Persilschein“ holten. Sie wollten so weitermachen, wie während des Krieges.

Nur gut, dass es Menschen wie Renate und ihren Onkel gab. Für beide war es nicht leicht, sich gegen die Anfeindungen und Intrigen durchzusetzen. Zum Glück fanden sie in den Verwandten von Matthias Hilfe. "Wer ins Licht treten will" zeigt eindrucksvoll, welchen Kampf nicht nur Frauen ausfechten mussten, damit unser Dasein lebenswert werden und bleiben konnte.

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