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Veröffentlicht am 19.12.2025

Ein Krimi für Zwischendurch

Todesflut
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Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen. Der Krimi beginnt mit einem Auftrag: Die Privatdetektivin Emma Klar soll im Auftrag einer Staatsanwältin eine aus dem Gefängnis geflohene Frau finden, ...

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen. Der Krimi beginnt mit einem Auftrag: Die Privatdetektivin Emma Klar soll im Auftrag einer Staatsanwältin eine aus dem Gefängnis geflohene Frau finden, die dafür verurteilt wurde, ihren Ex-Freund auf offener Straße erstochen zu haben. Recht schnell schwant ihr jedoch, dass sehr viel mehr dahintersteckt.

Die Thematik, die sich dann entfaltet, ist eigentlich äußerst interessant: Obdachlose Frauen, eine vulnerabelsten Gruppen überhaupt, verschwinden in vielen Städten an der Küste. Die Taten scheinen zusammenzuhängen und wie steckte der ermordete Ex-Freund mit drin? Für mich war das Erzähltempo aber leider viel zu langsam.

Insgesamt hatte mir das Buch zu viele Längen. Emma – oder eigentlich viel eher ihr Mitarbeiter Padorn, der IT-Spezialist und eine Art Hacker ist – finden durch dessen „Programme“ und Hackereien immer wieder neue Spuren, denen dann nachgegangen wird. Etwas schade fand ich, dass einem als Leser:in die Erkenntnisse immer als gegeben präsentiert wurden, wie die „Programme“ die meisten Sachen gefunden haben, kann man nicht nachvollziehen. Denn ohne diese Unterstützung hätte Emma rein gar nichts aufgeklärt. Und ich frage mich, ob das alles vor Gericht überhaupt Bestand hat.

Am Ende ging mir dann aber alles viel zu schnell. Ratz fatz wurden die Hintergründe grob aufgeschlüsselt, meiner Meinung nach blieben aber viele Fragen ungeklärt. Bzw. war das Ende dafür, dass sich der gesamte Rest des Buches teilweise sehr zieht und jede Spur ausführlich behandelt, zu oberflächlich und vor allem hat mir gefehlt, wer wie mit drinsteckte und welche Strafen die Täter bekommen haben.
Somit fand ich das Ende etwas „wenig“. Also nicht in dem Sinne, dass kein großes Verbrechen aufgeklärt wurde, sondern WIE alles zusammengebracht wurde. Mir hat es im gesamten Buch schon an Spannung gefehlt, ich hätte mir darum zum Schluss nochmal etwas Action gewünscht.

Und ich habe wirklich lange kein Buch mehr gelesen, in dem SO viele Rechtschreibfehler waren! Das würde ich dringend für eine weitere Auflage korrigieren.

Sehr gut fand ich allerdings den Fokus auf Männer, die sich allein wegen ihres Geschlechts überlegen fühlen und auf Frauen – besonders sozial schwache – herabblicken bzw. sie verachten. Das ist ein sehr wichtiges Thema und ich finde es gut, dass es hier so viel Aufmerksamkeit bekommen hat!

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Viel Atmosphäre, wenig Inhalt

Knochenkälte
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Das Buch hinterlässt bei mir einen gemischten Eindruck. Besonders im letzten Abschnitt kommt zwar endlich Spannung auf, doch insgesamt kann das Tempo die langen, oft zähen Passagen zuvor nicht ausgleichen. ...

Das Buch hinterlässt bei mir einen gemischten Eindruck. Besonders im letzten Abschnitt kommt zwar endlich Spannung auf, doch insgesamt kann das Tempo die langen, oft zähen Passagen zuvor nicht ausgleichen. Für einen Thriller war es mir oft zu langatmig geschrieben, zu viele Naturbeschreibungen und zu wenig forensische Anthropologie (die David Hunter-Thriller ja eigentlich ausmacht).

Meiner Meinung nach wurde aus einem an sich recht klischeehaften aber durchaus vielversprechenden Setting (ein von der Außenwelt abgeschnittenes Dorf, Schneesturm, rivalisierende Männer) einfach nichts gemacht, Beckett schöpft hier das Potenzial nicht aus. Statt messerscharfer Analysen stapft unser „Profi“ mehr oder weniger kopflos durch den Schnee und folgt einer spontanen Eingebung nach der nächsten, statt analytisch zu ermitteln. Durch ausgedehnte Beschreibungen und weite Wege, wird die Spannung zusätzlich ausgebremst.

Auch die Figurenzeichnung war eher oberflächlich. Viele Charaktere bleiben zu eindimensional, ihre Motivationen und Hintergründe werden kaum vertieft.

Die losen Fäden werden alle erst ganz am Ende sehr ausführlich zusammengeführt, hier hätte ich mir vorab schon mehr wie zufällig eingestreute Informationen gewünscht, so war es am Schluss sehr viel auf einmal.

Positiv bleibt, dass einige sympathische Figuren am Ende zu ihrem Recht kommen und die Atmosphäre des abgeschiedenen Schauplatzes durchaus stimmig eingefangen wird. Wer jedoch auf tiefgründige Charaktere, starke Wendungen und ausgeprägte forensische Elemente hofft, wird hier eher enttäuscht sein.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Nicht der beste Thriller

Marta schläft
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"Liebes Kind" und "Perfect Day" von Romy Hausmann haben mir super gefallen, leider konnte "Marta schläft" da nicht ganz mithalten. Zunächst fällt es durch die verschiedenen Perspektiven und Handlungsstränge ...

"Liebes Kind" und "Perfect Day" von Romy Hausmann haben mir super gefallen, leider konnte "Marta schläft" da nicht ganz mithalten. Zunächst fällt es durch die verschiedenen Perspektiven und Handlungsstränge schwer, den Überblick zu behalten (zumal der Strang mit Nelly und Paul im Endeffekt irgendwie auch überflüssig war), und in der Mitte fand ich es stellenweise recht langatmig. Für wirklichen "Thrill" hätte es hier mehr Tempo gebraucht.

Stattdessen wird zu viel erklärt, geplant, und es geht immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Nadja wurde mit 15 Jahren für den Mord ihrer Mutter verhaftet und saß sieben Jahre lang im Gefängnis. Jetzt soll sie wieder für einen Mord verantwortlich gemacht werden. Die Auflösung am Ende war schlüssig, aber auch etwas langatmig, man erwartet irgendwie noch eine Überraschung am Ende, aber dann ist das Buch zuende.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Inhaltlich gut, mit der Erzählweise bin ich nicht warm geworden

Plant Lady
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Die Geschichte an sich hat mir sehr gut gefallen und hervorzuheben ist auch das schöne Cover, wodurch ich auf das Buch aufmerksam geworden bin!

Eine Frau,  Yu-hee, eröffnet einen Pflanzen-Shop, der sehr ...

Die Geschichte an sich hat mir sehr gut gefallen und hervorzuheben ist auch das schöne Cover, wodurch ich auf das Buch aufmerksam geworden bin!

Eine Frau,  Yu-hee, eröffnet einen Pflanzen-Shop, der sehr erfolgreich wird und Menschen von nah und fern anzieht. Irgendwann spricht sich herum, dass sie übergriffige Männer "beseitigt" und immer mehr Frauen mit solchen Problemen kommen auf sie zu. Dabei hat sie auch immer eigene Erlebnisse in der Vergangenheit im Hinterkopf.

Den Ansatz fand ich spannend, da so gut wie jede Frau solche Erlebnisse kennt und man manche Typen, die einem das Leben schwermachen, gerne einfach verschwinden lassen würde. Ich hätte mir auch (gerade, weil ihr irgendwann ein Ermittler auf die Schliche kommt) noch mehr Spannung gewünscht, stattdessen war die Erzählung weitgehend nüchtern und schon fast sachlich. Vielleicht lag das aber auch an den kulturellen Gegebenheiten?

Soweit ich informiert bin, ist Südkorea noch sehr viel mehr von patriarchalen Strukturen geprägt, sodass Frauen wahrscheinlich über die offiziellen Wege häufig kaum eine Chance haben, gegen solche Männer vorzugehen. Yu-hees Vorgehen war oft sehr brutal, man kann aber ahnen, was Frauen in Südkorea ertragen müssen und dass sie sich einfach irgendwann rächen wollen.

Mit dem Schreibstil bin ich aber nicht ganz warm geworden - ich weiß nicht ganz, woran es lag. Es war mein erstes aus dem Koreanischen übersetztes Buch, eventuell lag es manchmal an Formulierungen oder dem Satzbau, die sich sehr am Original orientiert haben und deshalb im Deutschen etwas unauthentisch/unnatürlich/gestelzt (?) klangen. Mir fehlt das richtige Wort, sprachlich fühlte sich der Text nicht ganz "rund" an.

Es wurde auch erwähnt, dass die Namen im Buch jeweils gut zu ihren Träger:innen passen, hier wäre eine deutsche Übersetzung sinnvoll gewesen. (Einige habe ich gegoogelt, so bedeutet Yu-hee beispielsweise "Helligkeit, Strahlen" oder "Schönheit" und "intelligent, weise" und Do-kyung "Weg" oder "Pfad", bzw. "Respekt", "Ehre".)

Teilweise wurden auch die Blickwinkel gewechselt, was nur durch einfacha Absätze vom restlichen Text getrennt wurde, sodass nicht direkt nachvollziehbar war, aus wessen Perspektive nun geschrieben wurde.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Kurze Dystopie

1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.
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Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll - ich denke, man muss es eher als eine Art Metapher sehen, weiß aber nicht, ob Jugendliche (die ja primäre Zielgruppe sein sollen), das so weit ...

Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll - ich denke, man muss es eher als eine Art Metapher sehen, weiß aber nicht, ob Jugendliche (die ja primäre Zielgruppe sein sollen), das so weit abstrahieren können.

Die Protagonistin "8" lebt in einer Art dystopischen Stadt. Jeder Tag ist gleich, aufstehen, mit tausenden anderen, die genauso aussehen wie sie, ins "Terminal" zur Arbeit fahren, stundenlang stupide Fragen beantworten, zurückfahren, schlafen.

Das alles wird begleitet von der permanenten Stimmer von "Evi", die pausenlos durchsagt, dass sie nicht zweifeln, zögern oder hinterfragen, sondern sich dem Willen der "Beseelten" unterwerfen sollen. Ständig präsent sind auch die "Seher" die ständig über der Stadt kreisen und nach "Abtrünnigen" Ausschau halten.

Anscheinend ist die Stadt "Surdus", in der 8 lebt, eine Art Trainingslager, in der den "Unbeseelten" ein eigener Wille, Gedanken, Gefühle etc. abtrainiert werden soll, damit sie irgendwann als Bedienstete auf die "andere Seite" hinter dem Meer übergehen, um den "Beseelten" (also "normalen" Menschen?) zu dienen. Eingeschlossen ist die ganze Stadt von einem hunderte Meter hohen Wall, sodass es kein Entkommen gibt.

So weit, so dystopisch. 8 merkt aber, dass sie "anders" ist, und Dinge fühlt oder denkt, die nicht da sein sollten. Da trifft sie "1000", die auch anders ist und Erinnerungen an eine andere Welt zu haben scheint. Gemeinsam wollen sie aus den Zwängen ausbrechen.

Die Prämisse des Buchs hat mir gut gefallen, dystopische (Jugend-)Romane, in denen die rebellischen Protagonist:innen aus dem unterdrückenden System ausbrechen wollen, habe ich schon einige gelesen. Da hier aber die gesamte Geschichte auf nur knapp 150 Seiten (wenn man die vielen leeren Seiten abzieht) stattfindet, bleibt sie dementsprechend flach und irgendwie inhaltslos.

Am Ende kommt eine Auflösung, die vor dem Hintergrund der aktuellen technischen Entwicklungen vorhersehbar war und irgendwie auch offen bleibt. Natürlich soll das Buch dazu anregen, zu hinterfragen, Dinge nicht als gegeben hinzunehmen und vor allem Entwicklungen wie KI kritisch zu sehen und die ethischen Aspekte zu hinterfragen. Durch den flachen Plot bleibt das aber irgendwie so vage und es passiert nichte Neues oder Spannendes. Das haben vergleichbare Bücher schon vor Jahren besser geschafft.

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