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Veröffentlicht am 14.12.2025

Jahres-Highlight!

The Tainted Cup
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anchmal stolpert man völlig unerwartet über ein Buch, das den eigenen Jahresrückblick spontan neu sortiert. The Tainted Cup ist für mich genau so ein Fund – ein spätes Jahreshighlight, das mich als Hörbuch ...

anchmal stolpert man völlig unerwartet über ein Buch, das den eigenen Jahresrückblick spontan neu sortiert. The Tainted Cup ist für mich genau so ein Fund – ein spätes Jahreshighlight, das mich als Hörbuch komplett gepackt hat.

Schon nach wenigen Minuten war klar: Hier wartet eine Fantasywelt, die vor Ideen nur so sprüht, verbunden mit einem Krimiplot, der richtig Spaß macht. Spannend, kreativ, voller cleverer Details – ein Buch, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat.

Besonders begeistert hat mich das Worldbuilding: eigenständig und ungewöhnlich zugleich. Eine Welt, in die man mühelos hineingleitet und die einen sofort mit ihrer Mischung aus urbaner Fantasy, seltsamen Kreaturen und feinen politischen Untertönen ansaugt.

Gleichzeitig erfüllt die Geschichte alle Erwartungen an eine richtig gute Murder Mystery: Rätsel, falsche Fährten, interessante Nebenfiguren – und im Zentrum ein Ermittlerduo, das charmant an eine Sherlock-Holmes-Dynamiken erinnert, aber ganz eigenständig funktioniert. Din und Ana haben Ecken, Kanten und schräge Eigenheiten, wirken aber nie überzeichnet. Genau diese Mischung macht sie so liebenswert!

Gehört habe ich den Roman als Hörbuch. Tim Gössler liefert eine großartige, atmosphärische Interpretation und ist für mich definitiv ein Sprecher, den ich mir künftig merken werde. Die Stimmführung, das Timing, die Stimmungen: alles sitzt.

Dass es sich hierbei um den Auftakt einer Reihe handelt, fühlt sich wie ein Geschenk an. Das Buch macht neugierig, es inspiriert, es unterhält – und hinterlässt dieses freudige Kribbeln, das man nur spürt, wenn man eine neue Lieblingsserie gefunden hat.

Wer Fantasy liebt, Spaß an cleveren Mysterien hat oder einfach ein starkes Hörbuch für dunkle Wintertage sucht, sollte The Tainted Cup unbedingt ausprobieren. Für mich ein echtes Jahresend-Highlight und eine klare Empfehlung.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Auf Entdeckungstour durch das Museum – Ein Wimmelbuch, das Lust auf mehr macht

Ein Tag im Museum. Das Wimmelbuch
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Ein Museumsbesuch ganz ohne Anstehen, Regenjacke oder Eintrittskarte – Cynthia Cliff nimmt uns in „Ein Tag im Museum“ mit auf eine kunterbunte Entdeckungstour durch die unterschiedlichsten Ausstellungsräume. ...

Ein Museumsbesuch ganz ohne Anstehen, Regenjacke oder Eintrittskarte – Cynthia Cliff nimmt uns in „Ein Tag im Museum“ mit auf eine kunterbunte Entdeckungstour durch die unterschiedlichsten Ausstellungsräume. Auf 14 großen, detailverliebten Seiten gibt es so viel zu sehen, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll: Dinosaurier, antike Schätze, Kunstwerke, alte Verkehrsmittel und sogar einen Skulpturengarten im Freien.

Was sofort auffällt: Die Vielfalt! In Cliffs Wimmelwelt treffen Menschen aus allen möglichen Lebensbereichen aufeinander. Manche staunen, andere diskutieren oder spielen – und überall gibt es kleine Geschichten zu entdecken. Wer schon „Wir fahren weg!“ kennt, wird sich freuen: Viele bekannte Gesichter tauchen auch hier wieder auf. Das macht das Wiedersehen besonders charmant, fast wie ein Treffen mit alten Bekannten.

Bei uns zu Hause kam das Buch richtig gut an. Wir haben es als Einstieg genutzt, bevor wir das erste Mal gemeinsam ins Naturkundemuseum gegangen sind – und das hat perfekt gepasst. Beim Blättern haben wir überlegt, was es in echten Museen wohl alles zu sehen gibt, und natürlich mussten wir gleich nach den Dinosauriern suchen. Besonders geliebt wurden die Seiten mit dem Garten und den Urzeitriesen – die werden hier regelmäßig wieder aufgeschlagen.

Die Illustrationen sind bunt, freundlich und angenehm übersichtlich. Es gibt viele kleine Details zu entdecken, aber es wirkt nie überladen. Auf jeder Seite spielt sich etwas Neues ab: der kleine Hund Pepe, der sich heimlich ins Museum geschmuggelt hat, die Zwillinge Rufus und Ronja, die Verstecken spielen, oder Tom, der selbst zwischen den Ausstellungsstücken nicht von seinem Buch lassen kann.

„Ein Tag im Museum“ ist ein liebevolles, fröhliches Wimmelbuch, das Lust auf echte Museumsbesuche macht – und gleichzeitig zeigt, dass Kultur und Staunen überall ihren Platz haben. Ein wunderbares Buch zum gemeinsamen Entdecken, Lachen und Lernen – für kleine und große Museumsfans ab 3 Jahren.

Veröffentlicht am 13.09.2025

Eindrucksvoll!

Die Geschichte der Lady Tan
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Mit Die Geschichte der Lady Tan legt Lisa See einen historischen Roman vor, der auf dem Leben der chinesischen Ärztin Tan Yunxian basiert, die im 15. Jahrhundert während der Ming-Dynastie lebte.
Im Zentrum ...

Mit Die Geschichte der Lady Tan legt Lisa See einen historischen Roman vor, der auf dem Leben der chinesischen Ärztin Tan Yunxian basiert, die im 15. Jahrhundert während der Ming-Dynastie lebte.
Im Zentrum steht die Frage, wie eine Frau in einer Gesellschaft, die von Konfuzius’ Ideal der „wertlosen gebildeten Frau“ geprägt ist, ihren Platz findet. Yunxian wächst nach dem frühen Tod ihrer Mutter bei ihren Großeltern auf. Ihre Großmutter, selbst eine der wenigen Ärztinnen Chinas, führt sie in die Heilkunst ein. Dort begegnet sie Meiling, der Tochter einer Hebamme. Trotz unterschiedlicher sozialer Herkunft entwickelt sich zwischen beiden eine enge Freundschaft, die jedoch immer wieder durch gesellschaftliche Schranken auf die Probe gestellt wird.
Besonders eindrücklich schildert See die kulturellen Normen, die das Leben von Frauen bestimmten: arrangierte Ehen, Fußbinden als Schönheitsideal und Symbol gesellschaftlicher Anerkennung, das Leben in den abgeschlossenen Frauengemächern. Yunxian versucht, diesen Einschränkungen entgegenzuwirken, indem sie ihr medizinisches Wissen weitergibt und anwendet – trotz des Verbots durch ihre Schwiegermutter, trotz der Erwartung, sich auf Hausarbeit, Poesie und Kindererziehung zu beschränken.
Die medizinischen Passagen des Romans sind faszinierend und zeigen ein tiefes Interesse an historischen Quellen. Heilmethoden, Behandlungen und sogar ein früher Ansatz einer Pockenimpfung werden thematisiert und machen das Buch zu einer Mischung aus kulturhistorischer Erzählung und Frauenbiografie.
Die Stärke des Romans liegt in der dichten Schilderung von Frauenfreundschaften und der subtilen Macht, die diese Verbindungen im Leben der Protagonistinnen entfalten. Dabei bleibt Yunxian eine ambivalente Figur: eine Frau, die Traditionen hinterfragt, aber auch fortführt – wie etwa das Weitergeben des Fußbindens an ihre Töchter.
Die Geschichte der Lady Tan ist weniger ein spannungsgeladener Roman als vielmehr eine detailreiche, bildstarke Annäherung an das Leben einer historischen Persönlichkeit. See gelingt es, die Atmosphäre der Ming-Dynastie einzufangen und zugleich eine universelle Erzählung über weibliche Stärke, Grenzen und Solidarität zu entwerfen.

Veröffentlicht am 22.08.2025

So aufregend!

Die acht Leben der Frau Mook
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Mirinae Lees “Die acht Leben der Frau Mook” ist ein ebenso erschütternder wie faszinierender Roman, der in Form miteinander verbundener Episoden die Lebensgeschichte der fast hundertjährigen Ms. Mook ...

Mirinae Lees “Die acht Leben der Frau Mook” ist ein ebenso erschütternder wie faszinierender Roman, der in Form miteinander verbundener Episoden die Lebensgeschichte der fast hundertjährigen Ms. Mook entfaltet. Den Rahmen allerdings bildet die Erzählung einer geschiedenen Frau, die in einem Pflegeheim arbeitet und die Aufgabe hat, Nachrufe für die Bewohner zu verfassen. Was zunächst wie eine nüchterne Pflicht erscheint, wird zu einer Reise durch das dramatische, wechselvolle Jahrhundert einer Frau, die sich immer wieder neu erfindet. Und ob auch alles stimmt?
Ms. Mook behauptet, in ihrem langen Leben acht Identitäten gelebt zu haben, unter anderem als Sklavin, Mutter, Mörderin, Spionin, Geliebte und mehr. Jede dieser Rollen wird in einer eigenen Episode erzählt, wobei die Geschichten weder chronologisch angeordnet sind noch immer aus ihrer direkten Perspektive stammen. So entsteht ein vielschichtiges Bild, das historische Realität, individuelle Erinnerung und mögliche Fantasie untrennbar verwebt. Sehr spannend, die am Ende alle zu verknüpfen.
Die Episoden greifen ineinander, enthüllen erst spät Verbindungen und eröffnen immer wieder neue Deutungen. Gerade die Passagen über Kriegsjahre, Besatzung, Gewalt und Ausbeutung sind schwer auszuhalten und führen die Leser tief in Koreas Geschichte, die in der Literatur noch immer viel zu selten aus weiblicher Perspektive erzählt wird. Besonders bewegend sind die Kapitel über das Schicksal der Trostfrauen, die durch Lees präzise Recherche und poetische Sprache eindringlich und unvergesslich werden.
Gleichzeitig bleibt Ms. Mook eine schillernde, manchmal unzuverlässige Erzählerin – ein Trickster, die mit ihren Identitäten spielt und sich nie völlig greifen lässt. Wahrheiten und Erfindungen verschwimmen, und gerade darin liegt die Stärke des Romans: Er zeigt, wie Erinnerung funktioniert, wie Geschichten Identität formen und wie Überleben oft nur durch das Erfinden neuer Rollen möglich ist. Ich habe es mit Begeisterung gelesen.
Das Ende überrascht und schließt den Erzählkreis auf eindrucksvolle Weise. Trotz der Bitterkeit und Schwere vieler Episoden bleibt eine leise Hoffnung bestehen – ein Ausblick, der diesen Roman zu einer lohnenswerten Lektüre macht.
Ein kraftvolles, literarisch anspruchsvolles Werk, das zu Recht auf der Women’s Prize Longlist stand und viel Aufmerksamkeit verdient.

Veröffentlicht am 02.08.2025

Super!

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Was für ein Buch! The Wedding People ist wie ein gut gemixter Cocktail aus bittersüßer Lebenskrise, schrägem Hochzeitschaos und ganz viel Herz. So traurig die Ausgangssituation ist – eine Frau am Rande ...

Was für ein Buch! The Wedding People ist wie ein gut gemixter Cocktail aus bittersüßer Lebenskrise, schrägem Hochzeitschaos und ganz viel Herz. So traurig die Ausgangssituation ist – eine Frau am Rande ihres Lebens, im wahrsten Sinne des Wortes – so humorvoll, ehrlich und herzerwärmend entwickelt sich diese Geschichte.

Phoebe Stone ist keine Heldin, sondern eine Frau wie viele von uns: müde, überfordert, emotional ausgelaugt. Gerade verlassen, vom Leben überrollt, landet sie mit nichts als einem grünen Kleid und goldenen High Heels in einem Luxushotel – und will eigentlich nur eins: gehen. Für immer. Doch dann trifft sie auf Lila, die perfekte Braut mit perfektem Plan – und einem Herzen, das nicht ganz so perfekt schlägt.

Was folgt, ist eine absurde, berührende, witzige Woche in Cornwall Inn, wo Hochzeitsgäste ihre eigenen Sorgen mitbringen und Phoebe plötzlich zur Seelsorgerin wider Willen wird. Sie hört zu, gibt Ratschläge, mischt sich ein – und merkt, dass sie vielleicht doch nicht fertig ist mit der Welt. Dass da noch was geht.

Espach schafft es, den Leser gleichzeitig zum Lachen und Weinen zu bringen. Die Dialoge sprühen vor Ironie, Witz und manchmal erschreckender Ehrlichkeit. Die Nebenfiguren (mit so einigen lustigen Spitznamen) sind so liebevoll und interessant gezeichnet, dass man sie nie wieder vergisst.

The Wedding People ist für alle, die sich schon mal gefragt haben, ob das Leben noch was zu bieten hat, wenn alles in sich zusammenfällt. Für alle, die glauben, es sei zu spät für Neuanfänge. Und für alle, die schwarzen Humor, emotionale Tiefe und liebenswert-schräge Figuren lieben.

Charmant, scharfzüngig und berührend – ein Roman, der Mut macht, ohne kitschig zu sein. Für mich ganz klar: eine der bewegendsten, witzigsten Geschichten des Jahres.