Profilbild von MissDaisy

MissDaisy

Lesejury Star
online

MissDaisy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MissDaisy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2025

Hat mich nicht richtig gecatcht

All Better Now
0

Gerade hat die Welt Corona und die Folgen halbwegs verkraftet, da erlebt sie die nächste, noch schlimmere Pandemie. Crown Royale endet oft tödlich. Aber wer es überlebt, kennt keine negativen Gefühle mehr. ...

Gerade hat die Welt Corona und die Folgen halbwegs verkraftet, da erlebt sie die nächste, noch schlimmere Pandemie. Crown Royale endet oft tödlich. Aber wer es überlebt, kennt keine negativen Gefühle mehr. Das klingt nach Dauerglücklichsein, birgt aber auch unerwartete Risiken. Vor allem aber gibt es Gründe, dieses vermeintliche Glück aufzuhalten. Manche der Gründe sind gut, viele aber eben nicht. Mariel und ihre Mutter sind obdachlos und hangeln nicht von einem Tag zum nächsten. Ron und sein Vater sind unermesslich reich. Der Zufall bringt diese beiden Familien zusammen und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Denn Mariel und Ron ergeben zusammen etwas, mit dem niemand gerechnet hatte.

Eindeutig bin ich aus dem Alter der Zielgruppe raus, dennoch lese ich gern hin und wieder Jugendbücher. Hier hatte ich leider immer wieder das Gefühl, durch zähen Sirup zu waten. Trotz allem Potenzial der Story ging es nur lahm voran und vieles, das intensiver behandelt hätte werden müssen, blieb leider oberflächlich. Es wird gegendert, was ich weder gut noch schlecht finde. Hier aber hatte ich den Eindruck, dass gewisse Komponenten eingeflochten wurden, um nur ja jedes Klischee zu vermeiden oder auch zu bedienen, je nach Sichtweise, um politisch auf alle Fälle korrekt zu bleiben und der Zielgruppe klare Wegweiser zu geben. Ganz so plump mag ich das überhaupt nicht gern.

Gut gelungen dagegen fand ich, wie gezeigt wurde, dass in einfach jedem Bereich früher oder später jemand auftaucht, der Stimmung macht durch bewusste Falschinformationen, Aufstellung von unwahren Behauptungen, die aber im Gegensatz zur Wahrheit geglaubt werden, Manipulation auch durch entsprechende Sprache und dem Ausnutzen der Leichtgläubigkeit und Angst der Menschen. Man sieht schnell, dass es niemals Einigkeit gibt und es immer und überall Quertreiber und Gegner gibt.

Auch ist es richtig gut gelungen, es gar nicht so eindeutig sein zu lassen, ob jemand oder auch etwas gut oder böse bzw. schlecht ist, wenn man genug Abstand halten kann, um es in Ruhe zu betrachten. Selbst die vermeintlich fiesen Charaktere haben immer wieder sympathische Züge. Umgekehrt zeigen aber auch die vermeintlich guten Figuren immer wieder fiese Seiten.

Der Mittelteil zieht sich enorm in die Länge, um dann zu einem Ende zuzusteuern, das einen fulminanten Showdown bringt und einige Fadenenden noch etwas aufdröselt, um guten Stoff für den zweiten Band zu liefern. Dass dies eine Dilogie ist, habe ich erst gemerkt, als ich den Hinweis auf Band zwei im Herbst 2027, also in zwei Jahren, im Buch gefunden habe. Das finde ich, gerade bei Jugendbüchern, eine enorm lange Wartezeit. Zudem weiß ich es gern schon vor dem Lesen. Auch hat das Lektorat gerade im letzten Drittel sehr schlecht gearbeitet.

Fazit ist also, dass ich von einigen Dingen im Buch enttäuscht war, mir aber vorstellen kann, dass das die Kids nicht ganz so sehr stört wie mich. In meinen Augen ist dies ein Geht-So-Buch, also gerade noch drei Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2025

Schwierig

Furye
0

Die Ich-Erzählerin nannte sich in ihrer Jugend Alec und so lernt der Hörer oder Leser sie auch kennen. Dabei bleibt aber eine Gefühlsdistanz, denn sie lässt eindeutig nicht zu, dass man sich ihr zugeneigt ...

Die Ich-Erzählerin nannte sich in ihrer Jugend Alec und so lernt der Hörer oder Leser sie auch kennen. Dabei bleibt aber eine Gefühlsdistanz, denn sie lässt eindeutig nicht zu, dass man sich ihr zugeneigt zeigen möchte. Sie ist an einem Punkt angekommen, an dem die Vergangenheit sie einholt und sie daran zu zerbrechen droht, als sie eine Nachricht erhält, die ihr den Boden unter den Füßen entzieht. Sie setzt sich kurzentschlossen in ihr Auto und fährt in ihre alte Heimatstadt am Meer, lässt die Erinnerungen zu und driftet auf ein Ende zu, das vielleicht ein Anfang sein könnte.

Der Wechsel zwischen der Zeit, als Alec 17 war, und der Gegenwart ist oft sehr hart und abrupt. Oft ist die Sprache das auch, dann wieder sehr poetisch. Für meinen Geschmack grenzt die Story häufig an der Jugendfreiheit, so detailliert werden pseudo-erotische Szenen immer wieder und inflationär eingestreut und beschrieben. Das brauche ich persönlich nicht. Das hat nichts mit Prüderie zu tun. Diese Szenen hätten auch angedeutet ihre Wirkung nicht verfehlt und vielleicht sogar eher dafür gesorgt, dass man die Protagonisten wenigstens ansatzweise mag.

Alecs Herkunft aus einer Immigrantenfamilie mit wenig Geld lässt ihre Karriere besonders toll aussehen, aber schnell wird klar, dass sie einen nicht geringen Preis dafür gezahlt hat. Ihre Freundinnen in der Jugend waren vielleicht wohlhabend, aber weder glücklich noch behütet. Ein Drama folgt auf das nächste und damit zieht die Story mental schon echt runter. Inwieweit Alecs erkennbar große, unsterbliche Liebe ihre Gefühle verdient hat, ist nicht ganz so eindeutig. Das Ende ist ein Knaller und lässt mich grübelnd zurück.

Ich kann nicht behaupten, dass mir das Hörbuch gar nicht gefallen hat. Wirklich gefallen hat es mir aber ebenfalls nicht. Die Aussage ist krass, aber das Gesamtbild stimmig und die Story räumt mit Märchenphantasien schonungslos auf. Das ist nicht schön, das ist nicht entspannend, das ist nicht tröstlich. Aber es ist ehrlich. Die ab und an aufkommenden Längen, unnötige Szenen, fehlende Sympathieträger und dass ich mich manchmal zwingen musste, weiter zuzuhören lassen mich insgesamt zu einer Wertung von drei Sternen kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2025

*Extravagantes Leben und einfache Küche*

Einfach zu gut
0

Da ich bekennende Social-Media-Verweigererin bin, kannte ich Gina Kaas bisher nicht. Dieses Buch beschäftigt sich vor den Rezepten zunächst ausgiebig mit der Autorin und ihrem Hof. Sind wir mal ehrlich: ...

Da ich bekennende Social-Media-Verweigererin bin, kannte ich Gina Kaas bisher nicht. Dieses Buch beschäftigt sich vor den Rezepten zunächst ausgiebig mit der Autorin und ihrem Hof. Sind wir mal ehrlich: Das ist ein Leben, das nur extrem privilegierte Menschen so leben können. Ich gönne es ihr, frage mich aber, wer sich damit identifizieren kann. Also ignoriere ich das alles einmal geflissentlich und beschäftige mich mit dem, was mir wichtig ist, den Rezepten.

Die Kapitel sind hier Hauptgerichte für jeden Tag – geht immer, weil lecker; Klassiker – liebt jeder; Salate – mal eben fix gezaubert; Snacks – und andere Kleinigkeiten; Kuchen und Süßes – zum Reinlegen.

Hier fällt auf, dass neben den Angaben für die Zubereitungszeit und der Zutatenliste keine Nährwertangaben zu finden sind. Wenn zutreffend, ist am unteren Seitenrand angegeben, ob ein Gericht vegetarisch ist, frei von raffiniertem Zucker, laktosefrei, glutenfrei o.ä. Die Zubereitungsschritte sind im Fließtext gehalten, wobei die zu verwendenden Zutaten aus der Liste fett gedruckt sind. Mich spricht dieser Stil nicht wirklich an, auch wenn der Text gut verständlich und nachvollziehbar ist. Für mich ist es nicht übersichtlich genug und ich bevorzuge Absätze zwischen den Angaben anstelle der fettgedruckten Punkte.

Die Zutaten sind nicht allzu exotisch, aber teilweise nicht alltäglich, also nicht zwingend im Vorrat zu finden. Zumindest habe ich nicht standardmäßig Reismehl oder Sojamehl in der Vorratskammer. Auch den Einsatz von Trüffel finde ich nun nicht wirklich alltagstauglich. Dass Schmelzkäse zum Einsatz kommt, erstaunt mich. Die Schmelzsalze sind mir doch zu ungesund. Einfach sind die Rezepte allerdings im Großen und Ganzen schon und lassen sich so auch von Anfängern oder Ungeübten und vor allem Leuten mit wenig Zeit nachkochen. Die blitzschnelle Lasagne ist für mich dann aber eher ein Eintopf und gebacken wird hier auch nichts.

Natürlich muss ein Kochbuch nicht das Rad neu erfinden, dennoch finde ich in diesem hier wenige neue Anregungen, Kniffe, Tricks, Abwandlungen, Interpretationen für mich. Für Kochanfänger und alle, die wenig geübt sind und lieber einfach kochen, ist dieses Buch bestimmt der Hit schlechthin. Vermutlich bin ich nur nicht Teil der Zielgruppe. Und ich stelle fest, dass ich Kochbücher, die sich auf die Rezepte fokussieren und nicht auf das Leben der Autorin, sei es auch noch so wundervoll, bevorzuge. Drei sehr gute Sterne, weil mir die Backrezepte dann teils doch ganz gut gefallen, das Drumrum aber zu viel ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 18.07.2025

Ein etwas zäher Start der Trilogie

Der Trailer
0

Frieda Stahnke ist Kommissarin in Hamburg und aktuell suspendiert. Sie nimmt an einem True-Crime-Podcast teil, weil dieser sich um das Verschwinden von Lisa Martin vor 14 Jahren dreht. Frieda kannte sie ...

Frieda Stahnke ist Kommissarin in Hamburg und aktuell suspendiert. Sie nimmt an einem True-Crime-Podcast teil, weil dieser sich um das Verschwinden von Lisa Martin vor 14 Jahren dreht. Frieda kannte sie und möchte helfen, den Fall doch noch zu lösen. Auch Wout Meertens hört diesen Podcast. Er hatte Lisa damals auf dem Campingplatz gesehen und hat eine gewisse Vorstellung, was passiert sein muss. Doch er hat seine Gründe, nicht mit der Polizei zu reden. Sein Freund und Türsteher Tayfun und seine Mieterin Kathinka sind an seiner Seite, um mit ihm hinter das Geheimnis von Lisas Verschwinden zu kommen. Doch dann werden Menschen ermordet, die etwas wissen könnten und die drei geraten in die Schusslinie.

Der Plot ist einfach nur klasse. Eigentlich. Denn leider verläuft sich Linus Geschke immer mal wieder in der Konstruktion vermeintlich besonders gelungener Phrasen und verliert dabei den Spannungsfaden. Das ist besonders deshalb schade, weil er es besser kann. Da dies jedoch der Auftakt des Dreiteilers ist, hoffe ich einfach mal, dass der Rest alles wieder wettmacht.

Die Figuren sind klug angelegt, ähneln aber denen aus Geschkes Anfangszeiten. Alle haben ihre Besonderheiten und Geister. Das ist in Summe ein wenig zu viel des Guten. Der Cliffhanger am Ende ist für Geschke schon dramatisch konstruiert. Auch das kann er besser! Seine ersten Bücher waren einfach nur genial. Inzwischen schwankt die Qualität leider stark. Das erinnert mich an Sebastian Fitzek. Bei dem ist es auch immer ein Glücksspiel, ob das Buch eine Enttäuschung oder eine Offenbarung ist. Dass Geschke anfangs Reisereportagen geschrieben hatte, merkt man diesmal besonders stark. Er beschreibt die Landschaften sehr klar und eindringlich, für meinen Geschmack sogar etwas zu ausführlich.

Da ich aber neugierig bin, werde ich mindestens noch den zweiten Band lesen. Es muss ja einen Grund geben, warum der Leser so viel über die Figuren erfährt, sowohl beruflich, als auch privat, und doch interessante Punkte schön umschifft wurden. Das große Ganze muss also einem Plan folgen. Und den würde ich gerne kennen!

Die Spurensuche und Wendungen sind gar nicht so übel, dennoch war schnell klar, wohin die Reise gehen wird. Unbemerkt ist Frieda Stahnke zur Hauptfigur geworden und zerrt den Leser geradezu über das Ende des Buches hinaus mit sich mit. Also warten wir es ab. Bis dahin bin ich nur halb zufrieden. Also drei Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2025

Toni und Antonia

Im Leben nebenan 
0

Toni wacht eines Tages nicht in ihrer vertrauten Umgebung und ihrem Leben auf, sondern in einem alternativen Leben in ihrem alten Heimatdorf, verheiratet mit ihrem Jugendfreund, Mutter einer kleinen Tochter. ...

Toni wacht eines Tages nicht in ihrer vertrauten Umgebung und ihrem Leben auf, sondern in einem alternativen Leben in ihrem alten Heimatdorf, verheiratet mit ihrem Jugendfreund, Mutter einer kleinen Tochter. Dieses Leben ist das Gegenteil von dem, das sie gerade noch hatte.

Im einen Leben ist sie die kinderlose Toni, die mit Jacob zusammen ist, der gerne Vater werden würde. Toni macht das volle Programm mit der Kinderwunschbehandlung mit, inklusive aller Rückschläge und auch einer Fehlgeburt. Im anderen Leben hat sie mit Adam ein Baby und ein völlig anderes Leben. Die Perspektive wechselt immer wieder von Antonia zu Toni und da auch gern in die Vergangenheit und die Gegenwart. Das ist ein wenig anstrengend, ergibt am Ende dann aber ein großes Bild. Und dennoch bleibe ich zum Schluss mit vielen Fragen zurück.

Die beiden Leben sind in meinen Augen beides nicht das, was Antonia/Toni wirklich glücklich macht. Nach und nach erfährt man, wie sie fühlt, woran sie hadert, dass sie selbst komplett unsicher ist. Doch sind die beiden Leben nicht wirklich getrennt. Als Antonia weiß sie von ihrem Leben als Toni. Sie kann mit niemandem darüber reden und auch keine Spuren zu ihrem Toni-Leben finden. Das strengt an. Nicht zuletzt, weil man ebenso hilflos ist wie Toni/Antonia.

Ja, und dann bin ich am Ende angelangt und weiß, ich hab trotz allem gern zugehört, weil Chantal Busse das super gelesen hat. Aber ich weiß überhaupt nicht, was ich nun tun, denken, fühlen soll. Ich weiß auch nicht, welches Leben Toni/Antonia führen möchte und was Verlust und was Gewinn für sie ist. Das macht mich traurig und ich bin nicht gern traurig. Daher werden es hier nicht mehr als drei Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere