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Veröffentlicht am 24.08.2025

„Das Meer gibt, und das Meer nimmt“ – ein Roman über weibliche Stärke, Schicksal und Verbundenheit

Unbeugsam wie die See
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Das Cover hat mich sofort angesprochen: düster, mystisch und mit liebevollen Details versehen, die eine geheimnisvolle Unterwasserwelt andeuten. Auch die Haptik des Einbands - rau und ungewöhnlich - macht ...

Das Cover hat mich sofort angesprochen: düster, mystisch und mit liebevollen Details versehen, die eine geheimnisvolle Unterwasserwelt andeuten. Auch die Haptik des Einbands - rau und ungewöhnlich - macht das Buch nicht nur optisch, sondern auch physisch zu einem Erlebnis. In Kombination mit dem poetischen Titel Unbeugsam wie die See war meine Neugier geweckt – ich wollte wissen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.

Der Roman erzählt von zwei Schwesternpaaren in drei Zeitebenen:

2019 flieht die Journalistik-Studentin Lucy an die australische Küste zu ihrer Schwester Jess, nachdem sie im Schlaf ihren Ex-Freund gewürgt hat – eine beängstigende Erfahrung, deren Konsequenzen sie nun fürchtet. Doch Jess ist spurlos verschwunden und Lucy begibt sich auf Spurensuche. Dabei stößt sie auf die rätselhafte Geschichte der Küstenstadt: versunkene Schiffe, verschwundene Männer, ein in einer Höhle gefundenes Baby und Gerüchte über Frauengesang aus dem Meer.

1999 erleben wir die sechzehnjährige Jess, die sich in ihrer Andersartigkeit einsam und unverstanden fühlt. Sie spürt, dass ihre Familie ein Geheimnis verbirgt und findet Trost in der Malerei.

1800 begegnen wir Mary und Eliza – zwei Frauen, die nach einem Vorfall von Irland nach Australien deportiert wurden und auf einem Gefangenenschiff um ihre Zukunft bangen.

Doch Unbeugsam wie die See erzählt von so viel me(e)hr. Im Mittelpunkt steht die weibliche Selbstbestimmung in einer von patriarchalen Strukturen geprägten Welt. Themen wie Familie, Zusammenhalt, Gerechtigkeit, Anderssein, Schmerz, Liebe und eine Prise Magie ziehen sich durch die Erzählung.

Emilia Harts Schreibstil ist flüssig, angenehm zu lesen und schafft eine atmosphärische Stimmung in der das Meer eine zentrale, verbindende Rolle spielt. Besonders die Passagen in der Vergangenheit sind eindrucksvoll und emotional und haben mich tief berührt.

Auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar waren - hier hätte ich mir gelegentlich mehr Überraschung und Tiefe gewünscht - hat mich die Geschichte dennoch gefesselt.

Das Ende kam für meinen Geschmack etwas abrupt und ließ ein paar Fragen offen - ein etwas ausführlicher Ausklang hätte die Geschichte für mich runder gemacht.

Fazit:
Ein atmosphärischer, feministisch geprägter Roman über generationsübergreifende Verbundenheit, innere Stärke und das Meer als Symbol für Veränderung und Freiheit. Ich empfehle Unbeugsam wie die See allen Leserinnen und Lesern, die gerne tiefgründige, leicht mystische Geschichten über starke Frauenfiguren lesen.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Ein berührender Roman über Liebe, Verlust, Familiengeheimnisse und die Macht der Vergangenheit.

Ehemänner & Liebhaber
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Als Mallory erfährt, dass ihr Sohn dringend eine Spenderniere braucht, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert – denn weder sie noch ihre Schwester kommen als Spender infrage. Die einzige Hoffnung: ...

Als Mallory erfährt, dass ihr Sohn dringend eine Spenderniere braucht, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert – denn weder sie noch ihre Schwester kommen als Spender infrage. Die einzige Hoffnung: Monk Adams, der berühmte Sänger und Vater ihres Sohnes, der bislang nichts von seiner Vaterschaft wusste. Parallel dazu entfaltet sich die Geschichte der ungarischen Kriegsflüchtigen Hannah im Kairo der 1950er-Jahre – zwei Leben, zwei Zeiten, geschickt miteinander verwoben.

Der Schreibstil ist klar und flüssig. In der E-Book-Version sind mir jedoch einige grammatikalische Fehler aufgefallen, die den Lesefluss stellenweise etwas beeinträchtigt haben.

Trotz einiger vorhersehbarer Wendungen bleibt die Handlung fesselnd - vor allem dank der beiden Hauptfiguren Mallory und Hannah, die lebendig, nahbar und einfühlsam gezeichnet sind. Man leidet, hofft und fühlt mit ihnen – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war tief gerührt von ihren Geschichten. Besonders Hannahs Geschichte hat mich bewegt: Der historische Bezug und die vielen Schicksalsschläge, die sie erleiden muss, gehen unter die Haut.

Fazit:
Ein empfehlenswerter Roman für alle, die tiefgründige, gefühlvolle Liebesgeschichten mit einem historischen Hintergrund mögen. Emotionen, Familiengeheimnisse und ein Hauch Dramatik machen Ehemänner und Liebhaber zu einem bewegenden Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Wenn das Leben aus den Fugen gerät - und neu wurzelt

Wild wuchern
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Marie flieht aus ihrem wohlgeordneten Leben in Wien und sucht Zuflucht bei ihrer Cousine Johanna auf einer abgelegenen Alm in Tirol. Die beiden Frauen könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher ...

Marie flieht aus ihrem wohlgeordneten Leben in Wien und sucht Zuflucht bei ihrer Cousine Johanna auf einer abgelegenen Alm in Tirol. Die beiden Frauen könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein: Johanna lebt im Einklang mit der Natur, während Marie bislang ein privilegiertes Leben im Luxus in der Stadt geführt hat. Ihre Cousine hat sie bisher eher mitleidig betrachtet. Doch im Laufe der Zeit kommen die Gründe für Maries Flucht ans Licht, und die beiden Frauen beginnen, sich einander anzunähern und ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Dabei stellt sich für Marie zunehmend die Frage, ob Johanna tatsächlich das bemitleidenswerte Leben führt, für das sie es lange hielt.

Die Geschichte wird aus Maries Gedankenwelt heraus erzählt, was den Erzählstil mitunter sprunghaft oder schwer greifbar wirken lässt. Leider konnte mich gerade dieser Stil insgesamt nicht ganz überzeugen – stellenweise empfand ich ihn als zu wirr und wenig zugänglich.

Dennoch behandelt der Roman wichtige und aktuelle Themen wie emotionale und körperliche Gewalt, Selbstfindung, gesellschaftliche Zwänge und die Suche nach dem persönlichen Glück. Diese Aspekte fand ich sehr ansprechend und relevant.

„Wild wuchern“ empfehle ich allen Leserinnen und Lesern, die sich für gesellschaftskritische Romane interessieren und Texte schätzen, die auch sprachlich die innere Zerrissenheit ihrer Protagonistinnen widerspiegeln.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Komplex, sperrig, bewegend – aber nicht für jede:n

Alles ganz schlimm
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Der Einstieg in den Roman fiel mir nicht ganz leicht. Die vielen verschachtelten Sätze, schnellen Szenenwechsel und Zeitsprünge machen das Lesen zunächst recht herausfordernd. Es ist definitiv kein Buch, ...

Der Einstieg in den Roman fiel mir nicht ganz leicht. Die vielen verschachtelten Sätze, schnellen Szenenwechsel und Zeitsprünge machen das Lesen zunächst recht herausfordernd. Es ist definitiv kein Buch, das man „mal eben nebenbei“ lesen kann – dafür ist es sprachlich und inhaltlich zu anspruchsvoll. Der Erzählfluss wirkt anfangs sprunghaft und teilweise wirr, was das Nachvollziehen der Handlung erschwert.

Auch mit den Figuren hatte ich zu Beginn meine Schwierigkeiten. Viele von ihnen bleiben distanziert, wirken eher unsympathisch oder agieren in oberflächlichen, beinahe zweckmäßigen Beziehungen. Im Mittelpunkt steht Susanne, die von Anfang an einen zutiefst einsamen und unsicheren Eindruck macht. Ihre Freundschaften scheinen zu zerbrechen, und ausgerechnet Stella – ihre frühere Freundin – eignet sich Susannes Vergangenheit an, um daraus Anerkennung zu ziehen. Dass sich gleichzeitig das gesamte soziale Umfeld von Susanne abwendet, verstärkt ihr Gefühl der Isolation enorm.

Im weiteren Verlauf wird Susannes belastende Lebensrealität immer deutlicher: Ängste, Sucht, die Erfahrung sexueller Gewalt, das ständige Gefühl, nirgends dazuzugehören. Ihr tief verinnerlichter Selbstzweifel zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Die metaphorische Kraft, mit der Susanne beispielsweise alle Spiegel in der Wohnung verhüllt, hat mich besonders berührt – sie will sich selbst nicht mehr sehen, was sinnbildlich für ihren zerstörten Selbstwert steht.

Ein zentrales Rätsel des Romans bleibt lange unbeantwortet: Was ist wirklich mit Stella passiert? Hat sie sich das Leben genommen – und wenn ja, warum? Doch auch am Ende bleiben viele Fragen offen – nicht nur, was Nebenfiguren wie Oskar betrifft, sondern auch Susannes Entwicklung als Figur. Zwar wirkt sie gegen Ende etwas gefestigter, aber ein Gefühl der „Befreiung“ bleibt aus.

Der Roman behandelt hochkomplexe Themen wie: psychische Erkrankungen, soziale Ausgrenzung, Sucht, Gewalt, Manipulation, Identität, Schuld – all das wird aufgegriffen, jedoch meist nur angedeutet, fragmentarisch und bruchstückhaft erzählt. Genau darin liegt möglicherweise die Intention der Autorin: ein Roman, der keine klaren Antworten gibt, sondern die innere Zerrissenheit seiner Hauptfigur auch stilistisch widerspiegelt.

Insgesamt ist Alles ganz schlimm ein literarisch ambitionierter Roman, der mich zwar in einzelnen Momenten berühren konnte, mich aber als Ganzes nicht überzeugt hat. Zu vieles blieb mir zu vage, zu wirr, zu unaufgelöst.

Eine Empfehlung für alle, die sich auf psychologisch dichte, komplex erzählte Literatur einlassen wollen und keine schematischen Erzählstrukturen erwarten – sondern bereit sind, sich auf Widersprüche, Leerstellen und emotionale Ambivalenz einzulassen.

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