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Veröffentlicht am 24.08.2025

Humorvoll, skurril und spannend

Vienna Falling
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Der Titel von Navarros neuem Roman hat mich neugierig gemacht und sofort an Falcos 'Vienna calling' denken lassen und tatsächlich haben Buch und Song auch Themen gemeinsam.

Der deutsche Tourist Jürgen ...

Der Titel von Navarros neuem Roman hat mich neugierig gemacht und sofort an Falcos 'Vienna calling' denken lassen und tatsächlich haben Buch und Song auch Themen gemeinsam.

Der deutsche Tourist Jürgen Weber stürzt in den Spalt vor dem Stephansdom, der sich nach einem starken, aber örtlich sehr begrenzten Erdbeben aufgetan hat. Die Ursache des Bebens gibt Rätsel auf. Jürgens Frau Renate fühlt sich von den Behörden allein gelassen und versucht einfallsreich und zielstrebig auf eigene Faust, ihren Mann wieder zu finden, nachdem sie den ersten Schock verarbeitet hat. Renate erhält bald doch noch Hilfe und Unterstützung durch den semi-seriösen Geisterjäger Reinhold, Elif von der Wiener Stadtverwaltung, Irina aus dem Landesarchiv und der Pfannenzauber Community, einem Koch- und Backforum, in dem auch Renate Rezepte und ihre unschönen Erfahrungen in Wien teilt. So unterschiedlich wie die Figuren sind auch die wechselnden Perspektiven, aus denen die schräge Geschichte erzählt wird. Sehr witzig fand ich, dass sich manche der Charaktere auch in ganz anderem Zusammenhang kennen, was sich erst allmählich erschließt.

Fabian Navarro macht in 'Vienna falling' die Stadt selbst zu einer Hauptfigur, vermittelt einen faszinierenden Aspekt der Wiener Stadtgeschichte, erklärt Kaffeehaus-Besonderheiten, teilt Rezepte, nimmt Wiener und Piefkes gleichermaßen aufs Korn, lässt die Protagonistin sich entwickeln und verleiht jeder Perspektive nicht zuletzt durch die jeweils passende Sprache Glaubwürdigkeit und Authentizität. Dabei bleibt der Schreibstil immer humorvoll, lebendig, bildhaft und angenehm zu lesen.
Obwohl für mich am Ende noch kleinere Fragen offen bleiben, hat mir 'Vienna falling' mit seinem auffälligen, passenden Cover und seiner ungewöhnlichen, skurrilen und überraschenden Geschichte gefallen und mich sehr gut unterhalten. Fabian Navarros erster Roman mit menschlichen statt tierischen Protagonisten ist gelungen und bekommt von mir 4,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Kann ein pandemischer Virus auch eine Chance sein?

All Better Now
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Die nächste Pandemie nach Corona hat eine höhere Sterberate, aber wer Crown Royale überlebt, ist glücklich und zufrieden, ist ein gütiger Mensch geworden, der in sich ruht und anderen mit Empathie begegnet. ...

Die nächste Pandemie nach Corona hat eine höhere Sterberate, aber wer Crown Royale überlebt, ist glücklich und zufrieden, ist ein gütiger Mensch geworden, der in sich ruht und anderen mit Empathie begegnet. Das Konsumverhalten der Genesenen ändert sich radikal, Sachen werden repariert statt neu gekauft, 2nd Hand ist angesagt. Wirtschaftsbosse und Ökonomen sind alarmiert und versuchen, die Genesenen zu diskreditieren, sie setzen Fake News und Gerüchte in die Welt, während Wissenschaftler im Geheimen an einem 'Gegenmittel' arbeiten.

Erzählt wird dieser Near Future Science Fiction Roman aus mehreren Perspektiven, die Crown Royale von verschiedenen Seiten beleuchten, seine Vorzüge, Risiken und mögliche Folgen aufzeigen. Die pragmatische Mariel hat ihre Mutter an den Virus verloren und würde sich auch gern anstecken, um endlich glücklich zu sein, der depressive Rón gehört zu einer Risikogruppe und ist das Sorgenkind seines reichen Vaters, die clevere und ehrgeizige Morgan hat sich das Ziel gesetzt, Crown Royale von der Erde zu tilgen.
Die Charaktere sind unterschiedlich glaubwürdig ausgearbeitet, die Liebesbeziehung der beiden Jugendlichen Mariel und Rón hat mich nicht überzeugt, anders als ihre Zweifel und Hoffnungen. Ihre Überlegungen regen mich an, über meinen eigenen Standpunkt nachzudenken.
Die Geschichte ist packend und überraschend, häufige Perspektivwechsel tragen zur Spannung bei. Neal Shusterman schreibt flüssig, bildhaft und mit feinem Humor, übt Gesellschaftskritik und spricht wichtige Fragen nach Glück, Zusammenhalt, einem wünschenswerten Miteinander an. Indem er Begriffe benutzt, die uns allen durch die Corona-Zeit geläufig sind, erscheint 'All better now' sehr realistisch und ich finde es mutig vom Autor, seine Geschichte in einer weiteren Pandemie anzusiedeln.

Nach der Vollendet-Reihe und der Scythe-Trilogie hat mir auch dieser Jugendroman mit seinem auffälligen blau-gelben und passenden Cover wieder sehr gut gefallen, ich vergebe 4,5 Sterne und freue mich auf den zweiten Teil der Dilogie.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Eine Auferstehung in zweifacher Hinsicht

Die Auferstehung
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Tracy Hitfield war sieben Jahre lang im Amazonas-Regenwald verschollen und taucht überraschend wieder auf. Die früheren drei ???-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, inzwischen in ihren ...

Tracy Hitfield war sieben Jahre lang im Amazonas-Regenwald verschollen und taucht überraschend wieder auf. Die früheren drei ???-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, inzwischen in ihren 50ern, bekommen auf verschiedenen Wegen mit der Rückkehr der jungen Frau zu tun, deren Familie sie kennen. Justus, Peter und Bob haben kaum noch Kontakt zueinander und so ermittelt zunächst jeder für sich und aus unterschiedlichen Gründen.

Andreas Eschbach schreibt wie gewohnt klar, einfach zu verstehen und angenehm zu lesen, mit lebendigen Dialogen. Die erwachsenen Protagonisten sind authentisch, hadern auch mal mit dem Alter, und es gelingt dem Autor, immer wieder einen nostalgischen und auch melancholischen Bezug zur Vergangenheit der Charaktere herzustellen, der berührt. Ich finde die verschiedenen Lebenssituationen der Erwachsenen, zu den die drei ??? geworden sind, von Eschbach einfallsreich, realitätsnah und glaubhaft dargestellt. Die detektivischen Fähigkeiten aus der Jugend werden reaktiviert und es macht Spaß, bei den Ermittlungen zur wieder aufgetauchten Tracy mit zu rätseln. Der Fall ist komplexer, als es zunächst scheint und nach kleinen Längen im Mittelteil steigt die Spannung, bis zur letztendlich logischen Auflösung, wie es sich für die drei ??? gehört.

Das Cover ist aufwendig und passend gestaltet, der schwarze Schnitt und das Lesebändchen tragen zum hochwertigen Erscheinungsbild des Hardcovers bei.

Andreas Eschbach ist es gelungen, die drei ??? in einer ganz anderen Lebensphase wieder auferstehen zu lassen und hat mir so ein besonderes Lesevergnügen bereitet. Ich kann das Buch sowohl langjährigen Fans der drei ??? als auch Krimilesern ohne 'Vorkenntnisse' empfehlen.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Spannend, bedrückend und tiefgründig

Himmelerdenblau
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Als sich das spurlose Verschwinden von Julie Novak zum 20. Mal jährt, nimmt die Podcasterin Liv Keller Kontakt zu Julies Vater Theo auf, sie würde ihn gern interviewen und den Fall wieder ins Zentrum des ...

Als sich das spurlose Verschwinden von Julie Novak zum 20. Mal jährt, nimmt die Podcasterin Liv Keller Kontakt zu Julies Vater Theo auf, sie würde ihn gern interviewen und den Fall wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken. Theo leidet an Demenz und die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr schwierig. Je mehr Liv zum Verschwinden der damals 16jährigen Julie recherchiert, um so entschlossener versucht sie, den Fall aufzuklären.

Erzählt wird abwechselnd aus mehreren, überwiegend Ich-Perspektiven, wobei mich Theos Sicht sehr berührt hat, ich finde seine Erinnerungslücken und falschen Erinnerungen, die Suche nach Worten, seine Selbstbeobachtung, Verzweiflung und die Angst, seine verstorbene Frau und Julie zu vergessen, eigentlich alle Begleiterscheinungen seiner Demenz, sehr realitätsnah beschrieben, Romy Hausmann hat hier gründlich recherchiert und stellt den Demenzkranken überzeugend dar. Auch die anderen Charaktere sind gut ausgearbeitet und erscheinen authentisch. Es gelingt der Autorin, die psychischen Folgen eines so gravierenden Ereignisses wie das Verschwinden eines Kindes für alle Beteiligten psychologisch glaubwürdig darzustellen.
Romy Hausmanns Schreibstil ist fesselnd, wortgewandt und distanziert, weckt durch seine Genauigkeit dennoch Emotionen. Für mich war 'Himmelerdenblau' ein sehr intensives Leseerlebnis.
Die Autorin thematisiert neben Theos Demenz auch die Bedingungen in der Pflege und das rücksichtslose, auf Steigerung der Hörerzahlen angelegte Vorgehen von True-Crime-Podcastern, die sich der Konsequenzen für Betroffene entweder nicht bewusst sind oder denen die möglichen Folgen ihrer auch haltlosen Mutmaßungen egal sind.

Romy Hausmann lockt auf falsche Fährten, klärt Zusammenhänge erst spät und hat einen spannenden Thriller geschrieben. Ich fand manche Podcast-Kapitel, die nichts mit dem Fall der Familie Novak zu tun haben, überflüssig, sogar störend, und die Geheimnisse von zwei Charakteren werden am Ende geballt abgehandelt, was die Autorin vielleicht eleganter hätte lösen können.
Das blau-graue Cover mit dem Negativ eines Familienfotos und den verlaufenden Farben passt sehr gut zur atmosphärisch bedrückenden Geschichte. Der tiefgründige Thriller hat mir gut gefallen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Spannender Thriller mit origineller Idee und filmreif geschrieben

Sein Wille geschehe
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Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten und seiner Vizepräsidentin wird ein 20 Jahre alter Cold Case gelöst. Der junge Ben Danvers und sein Zwillingsbruder wurden damals entführt und Ben ...

Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten und seiner Vizepräsidentin wird ein 20 Jahre alter Cold Case gelöst. Der junge Ben Danvers und sein Zwillingsbruder wurden damals entführt und Ben jetzt durch einen Zufalls-DNA-Abgleich gefunden. Er ist der leibliche Sohn der zukünftigen Vizepräsidentin. Sein ganzes Leben gerät aus den Fugen und er setzt sich ab und versucht, Hinweise zu finden in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist.

Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven Bens, des Special Agent Briar Metcalf, der den Entführungsfall damals nicht lösen konnte, und seiner neuen Partnerin Special Agent Emma Noble. Die Kapitel enden oft mit Cliffhangern, so dass es schwierig ist, eine Lesepause einzulegen.

Andrew Bridgemans Schreibstil ist fesselnd, bildhaft und ironisch, kann aber auch nüchtern und distanziert sein bei den Aktionen der Antagonisten, die jetzt einen vor Jahrzehnten geschmiedeten Plan zum Abschluss bringen wollen. Das Umfeld für den perfiden Plan könnte nicht besser sein angesichts des aktuellen politischen Klimas, das der Autor in den Gesprächen seiner Protagonisten auch thematisiert.

Die Figurenzeichnung ist gelungen, die verschiedenen Charaktere sind vielschichtig und glaubwürdig. Emma überrascht mit einem speziellen familiären Hintergrund und Ben erfährt eine rasante und nachvollziehbare Entwicklung.

Die Handlung ist temporeich, spannend und komplex, es gibt viele unerwartete Wendungen, gegen Ende waren mir die Twists fast etwas zu viel. Ich hätte mir außerdem mehr Informationen zum Drahtzieher des Komplotts gewünscht. Dennoch hat mich 'Sein Wille geschehe' sehr gut unterhalten, Andrew Bridgeman ist ein überzeugendes Debüt gelungen.

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