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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2026

Ein rundum gelungener, berührender und aufrüttelnder Roman

Da, wo ich dich sehen kann
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Jasmin Schreiber gehört zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Ihr gelingt wie kaum einer anderen Schriftstellerin, mich in schöner Regelmäßigkeit beim Lesen zum Weinen zu bringen. Das war bei ihrem ...

Jasmin Schreiber gehört zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Ihr gelingt wie kaum einer anderen Schriftstellerin, mich in schöner Regelmäßigkeit beim Lesen zum Weinen zu bringen. Das war bei ihrem neuen Roman „Da, wo ich dich sehen kann“ nicht anders. Diesmal hat mich das Thema aber noch mehr abgeholt als sonst, da ich mich mit Femiziden, Misogynie und der so häufig beobachtbaren Gleichgültigkeit der Politik hinsichtlich dieser Themen viel beschäftige. Dieser Roman ist für mich zugleich großartig geschrieben und berührend, aber auch in gewisser Hinsicht eine Anklage. Gewalt gegen Frauen, weil sie Frauen sind, wird schon viel zu lange hingenommen.

Der Roman erzählt die Geschichte eines Femizids: Emma, Mutter der 9-jährigen Maja, wird im gemeinsamen Haus in Hamburg von ihrem beruflich erfolgreichen Ehemann erdrosselt. Ein Mord, der nicht aus dem Nichts kam. Über Jahre muss Emma Gaslighting, Gewalt und Erniedrigung zuhause erleiden. Niemand aus ihrem Umfeld hat etwas bemerkt, zu bemüht war sie, die Fassade aufrecht zu erhalten.

Nach dem Femizid zeigt der Roman die Perspektiven der Hinterbliebenen auf. Kapitel aus der Sicht von Maja, Emmas bester Freundin Liv und Emmas Eltern Brigitte und Per beleuchten die Trauer, die Schuldgefühle, die Wut und die Hilflosigkeit, die bleiben. Nach der Gerichtsverhandlung kommt Maja zu ihren Großeltern mütterlicherseits; in der Nähe wohnt auch Liv mit ihrer Hündin. Sie alle leiden und geben doch alles, was sie haben, um klarzukommen und um Maja Sicherheit zu geben. Liv und Maja nähern sich im Laufe der Zeit an, auch weil Liv das Mädchen für ihre Passion, die Astrophysik, begeistern kann. Neben den täglichen Kämpfen ist auch das Sorgerecht für Maja nicht abschließend geklärt… Unterbrochen werden die Beschreibungen der Zeit DANACH von Erinnerungen und Kapiteln aus der Perspektive von Emma, VOR dem Femizid. Diese sind mit dem Wissen, was passieren wird, sehr bedrückend.

Alle ProtagonistInnen in dem Buch sind auf unterschiedliche Weise tief erschüttert und fragil. Jasmin Schreiber ist es auf großartige Weise gelungen, mit leisen Tönen tiefe Wut, Trauer und Hilflosigkeit spürbar zu machen – bei den ProtagonistInnen im Roman, aber auch bei mir als Leserin.

Für mich einer der besten, eindrücklichsten und schwer aushaltbarsten Romane, den ich in diesem Jahr gelesen habe. Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 02.11.2025

Gut geschriebener historischer Roman

Die Verlorene
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Als Änne, Ellens Mutter und Lauras Großmutter, in ihrem Haus stürzt und im Krankenhaus liegt, stößt Laura auf eine Kiste im Haus ihrer Oma. Sie findet Erinnerungsstücke aus Ännes Jugend in Schlesien. Laura ...

Als Änne, Ellens Mutter und Lauras Großmutter, in ihrem Haus stürzt und im Krankenhaus liegt, stößt Laura auf eine Kiste im Haus ihrer Oma. Sie findet Erinnerungsstücke aus Ännes Jugend in Schlesien. Laura und ihre Mutter stellen fest, dass Änne ihnen viel über ihr Leben während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit verschwiegen hat. Laura beschließt kurzerhand nach Schlesien zu reisen und sich auf die Suche nach Antworten auf Fragen zu machen, die sie sich ganz neu stellt. Ellen ist zunächst weniger angetan von der Recherche, beginnt sich aber mit zunehmendem Erkenntnisgewinn mit den Nachforschungen anzufreunden und letztlich auch ihre eigene Geschichte zu ergründen.

Der Roman hat zwei Zeitstränge: Zum einen begeben sich Laura (und Ellen) auf Spurensuche in Schlesien, zum anderen begleitet man als Leser:in Änne in Schlesien während des Zweiten Weltkriegs. Insbesondere der Zeitstrang in der Vergangenheit hat mich gepackt, was bei mir bei Romanen mit Gegenwarts- und Vergangenheitszeitschiene oft andersherum ist. Trotzdem habe ich auch die Kapitel, die sich mit Lauras Recherche befassen, gerne und mit Spannung verfolgt. Miriam Georg schreibt so fesselnd und detailliert über das Leben auf dem Hof in Schlesien, über die Schönheit, aber auch die Härte dort, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen mochte. Ich konnte mir den Pappelhof mit dem Rauschen der Blätter der Bäume vor den Fenstern so bildlich vorstellen, als ob ich ihn in einem Film gesehen hätte.

Ich hatte vor diesem Roman noch kein Buch von Miriam Georg gelesen, bin von „Die Verlorene“ aber wirklich sehr positiv überrascht. Von Beginn an fand ich die Geschichte fesselnd und die Charaktere werden langsam, aber authentisch, entwickelt. Ich habe einiges über die Zeit während des Zweiten Weltkriegs in Schlesien erfahren, was ich so noch nicht wusste. Interessant war auch die Schilderung der nicht unbelasteten Beziehungen zwischen Änne und Ellen, aber auch zwischen Ellen und Laura. Insgesamt hat der Roman in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken angeregt. Und auch nach Lesepausen war der Einstieg immer wieder schnell möglich.

Ich kann den Roman sehr empfehlen!

Veröffentlicht am 24.08.2025

Komplexer, stark geschriebener Thriller

Dunkle Sühne
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In der kleinen Stadt North Falls verschwinden beim Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertags zwei Teenager: Madison und Cheyenne. Emmy Clifton ist Deputy vor Ort und versucht, die Beiden zu finden. Für ...

In der kleinen Stadt North Falls verschwinden beim Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertags zwei Teenager: Madison und Cheyenne. Emmy Clifton ist Deputy vor Ort und versucht, die Beiden zu finden. Für sie ist das Verschwinden der Mädchen besonders brisant und persönlich, da Madison die Tochter ihrer besten Freundin ist. Emmy ermittelt gemeinsam mit ihrem Vater, dem Sheriff von North Falls, und muss feststellen, dass in der kleinen Stadt nicht alles so ruhig, klar und sicher ist, wie alle denken. Nicht nur die beiden verschwundenen Teenager haben Geheimnisse…

Ich mag Thriller von Karin Slaughter generell sehr gerne lesen und so war es auch dieses Mal. Sie hat einen sehr fesselnden Schreibstil, sodass ich von Seite eins an voll dabei war. Auch wenn sie sich in einigen Passagen viel Zeit nimmt, um die Beziehungen in North Falls, die Personen und die Ermittlungsschritte zu beschreiben, fand ich nie, dass es sich zog. Im Gegenteil, gerade das Gespür für die Komplexität der Ermittlungen und der Charaktere fand ich sehr überzeugend. Ganz besonders Emmy als Protagonistin wurde wirklich mehrdimensional mit vielen unterschiedlichen Facetten dargestellt.

Die Komplexität sowie die etwas längeren Kapitel erfordern vielleicht mehr Aufmerksamkeit als bei anderen Thrillern. Genügend Zeit und die Muße, sich auf einen auch emotional fordernden Thriller einzulassen, sollte beim Lesen mitgebracht werden.

Für mich ist „Dunkle Sühne“ ein rundum gelungener Thriller, der mich als Leserin sowohl gefesselt als auch gefordert hat!

Veröffentlicht am 23.06.2025

Sehr spannender Thriller mit interessanten Ermittler*innen

Aschesommer
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Nachdem ich den ersten Krimi „Krähentage“ um die Gruppe 4 nahezu verschlungen habe, hatte ich große Erwartungen an „Aschesommer“. Diese wurden nicht enttäuscht!

Bei sengender Sommerhitze werden in einem ...

Nachdem ich den ersten Krimi „Krähentage“ um die Gruppe 4 nahezu verschlungen habe, hatte ich große Erwartungen an „Aschesommer“. Diese wurden nicht enttäuscht!

Bei sengender Sommerhitze werden in einem aufwendig hergerichteten Kühlraum unter der Erde zwei Tote entdeckt. An der Wand steht geschrieben: „Das erste Sterben hat begonnen“. Offensichtlich hat es die Gruppe 4 um die Ermittler:innen Jakob und Mila erneut mit einer Mordserie zu tun. Unter schwierigen Bedingungen beginnen die Ermittlungen, die die Beiden gemeinsam mit ihrem Team in tiefe Abgründe führen.

Ich liebe Krimis, in denen ich als Leserin Ermittler:innen bei ihren Ermittlungsschritten folgen kann. Auch deshalb mag ich diese Krimi- bzw. Thrillerreihe. Gleichzeitig wird durch die Kapitel, die beispielsweise aus der Perspektive eines Opfers oder potenzieller Täter geschrieben sind, eine größere Emotionalität bei mir ausgelöst. Diese Mischung aus Perspektiven sorgt für eine stetig steigende Spannung, sodass ich den Thriller irgendwann gar nicht mehr aus der Hand legen mochte.
Auch zwischenzeitliche Spannungen im Team und die Päckchen, die die Ermittler:innen zu tragen haben, tragen zur Sogwirkung des Krimis bei. Auch hier gefällt mir die Ausgewogenheit zwischen Ermittlungsarbeit und Einblicken in die Leben der Ermittler:innen.

Insgesamt kann ich den Thriller und zweiten Band um die Gruppe 4 auf jeden Fall allen weiterempfehlen, die spannende Thriller und Krimis mögen. Einen dritten Teil lese ich bestimmt!

Veröffentlicht am 23.06.2025

Macht viel Spaß und adressiert gleichzeitig wichtige gesellschaftliche Themen

Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset
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Liv arbeitet inzwischen wieder in Vollzeit als Küchenplanerin, während ihr Ehemann Jörn zuhause bleibt und mehr oder weniger den Haushalt schmeißt. Ihr Job, die drei pubertierenden Kinder und die Schwiegereltern ...

Liv arbeitet inzwischen wieder in Vollzeit als Küchenplanerin, während ihr Ehemann Jörn zuhause bleibt und mehr oder weniger den Haushalt schmeißt. Ihr Job, die drei pubertierenden Kinder und die Schwiegereltern halten die 48-jährige Liv eigentlich schon genug auf Trab – sie hat allerdings auch noch mit den Auswirkungen ihrer Menopausenbeschwerden zu kämpfen, genauso wie mit der Tatsache, dass sie, ohne es zu wollen, zur Mörderin geworden ist.

Natürlich bleibt es nicht bei den bisherigen Vorfällen, im Gegenteil, die Situation um Liv spitzt sich zu.

Für mich war das Lesen des Buches ein großes Vergnügen. Der Roman trifft an vielen Stellen genau meinen Humor und ich habe des Öfteren lachen müssen bzw. dürfen. Gleichzeitig thematisiert die Autorin fast nebenbei und damit mit großer Leichtigkeit wichtige gesellschaftliche Themen, wie zum Beispiel die Frage nach Teilzeitbeschäftigungen bei Frauen, Vorurteilsbildung oder Gender Health Gap. Selbstverständlich erfährt man auch einiges über die Menopause, für mich war wieder einiges Neues dabei. Diese Mischung macht den Roman für mich so überzeugend.

Ansonsten habe ich natürlich gerne die Geschichte von Liv verfolgt, die sich unbeabsichtigt immer tiefer ins Schlamassel manövriert, gleichzeitig aber ihre Mitmenschen nochmal ganz neu kennen und schätzen lernt. Die Charaktere sind wirklich liebevoll beschrieben.

Ich empfehle den Roman sehr gerne weiter, würde aber dazu raten, Band eins vor dem zweiten zu lesen. Es gibt immer wieder Verweise auf die Geschehnisse aus dem ersten Teil, da der zweite direkt auf Band eins aufbaut. Mögliche weitere Bücher um Liv würde ich sehr gerne lesen!