Profilbild von Bookmark_mess

Bookmark_mess

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Bookmark_mess ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Bookmark_mess über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2025

Perfektion als Flucht

Madwoman
3

„Was passiert, wenn Perfektion nur eine Flucht vor Schmerz ist?“
Clove wächst in einem Zuhause auf, das von Angst und Gewalt geprägt ist. Als ihr Vater nach Jahren der Misshandlung stirbt und die Mutter ...

„Was passiert, wenn Perfektion nur eine Flucht vor Schmerz ist?“
Clove wächst in einem Zuhause auf, das von Angst und Gewalt geprägt ist. Als ihr Vater nach Jahren der Misshandlung stirbt und die Mutter ins Gefängnis kommt, flüchtet Clove mit neuem Pass in eine andere Stadt. Neustart – zumindest äußerlich. Alles durchgetaktet, clean, bewusst. Kontrolle über alles. Aber innerlich? Ein einziges Flimmern aus Trauma, Schuld und Sehnsucht.
Madwoman ist kein Wohlfühlbuch. Es ist roh. Wuchtig. Ehrlich – über Trauma, Mutterrollen, Überleben, Heilung. Und darüber, wie schwer es ist, sich selbst wirklich zu begegnen.
Meine Leserillen:
Ich hab beim Lesen durchgehend Anspannung und Wut gespürt – wie ein Ziehen im Bauch.
💭 Wie furchtbar, wenn dein ganzes Aufwachsen von Angst geprägt ist? Cloves Kindheit: eine Spirale aus Hoffnung, Angst, Gewalt und Enttäuschung. 🍃 Ihr Ausweg? Perfektion. Clean-Eating, Selbstoptimierung, Spiritualität – alles, um nicht zu fühlen. Kontrolle statt Chaos. So realistisch beschrieben, so nachvollziehbar.
🧠 Als Mutter quält sie die Angst, ihren Kindern könnte etwas passieren. Ihr Kopf malt Horrorszenarien, die niemand sieht. Also macht sie alles selbst. Kontrolle again. Ihr Mann? Hat Homeoffice. In der Garage.
🎭 Doch irgendwann bröckelt die Fassade. Das wahre Ich, die Vergangenheit, drängt an die Oberfläche. Und die Vertuschung kostet jede Kraft.
🫂 Hoffnung wirft sie schließlich auf eine Seelenverwandte. Endlich verstanden werden. Endlich loslassen. Aber – kann das gutgehen?
Der Schmerz, die Angst, die Wut – sie sitzen tief. Und man spürt sie auf jeder Seite.
Das Ende? Mitreißend, das ganze Kartenhaus wackelt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 08.08.2025

Schwarzwald-Atmosphäre funktioniert bei mir einfach sofort

Schattengrünes Tal
0

Mitten im Schwarzwald liegt das Hotel Zum alten Forsthaus – ein Haus, das seine besten Zeiten längst nur noch im Fotoalbum hat. Knarzende Dielen, Teppiche, die schon viele Geschichten gesehen haben, und ...

Mitten im Schwarzwald liegt das Hotel Zum alten Forsthaus – ein Haus, das seine besten Zeiten längst nur noch im Fotoalbum hat. Knarzende Dielen, Teppiche, die schon viele Geschichten gesehen haben, und eine Rezeption, an der die Uhr gefühlt ein paar Takte langsamer tickt. Nur selten verirrt sich noch jemand hierher – bis eines Tages Daniela auftaucht. Ein wenig verloren wirkend, als hätte sie den letzten Zug verpasst und keinen Plan B. Lisa, Tochter des Besitzers Carl, nimmt sie auf, fast so, als hätte sie ein Findelkind vor die Tür gesetzt bekommen. Doch während Daniela im Dorf aufblüht wie eine spät gepflanzte Sommerblume, schleicht sie sich auch in Lisas Leben – feine Risse hinterlassend, so leise, dass man sie erst bemerkt, wenn sie schon tief sind. Eine heimelige Mischung aus Schwarzwald-Charme, dörflicher Enge und unterschwelliger Spannung.

Meine Leserillen:
Dieses Buch hatte mich schon bei der ersten Seite – Schwarzwald-Atmosphäre funktioniert bei mir einfach sofort. Vielleicht, weil ich hier vor ein paar (hust, mehr als ein paar) Jahren meine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht habe. Ich konnte das Forsthaus sofort sehen, riechen, fühlen: den leicht modrigen Duft alter Holztreppen, die Wärme eines zu schwach glühenden Kamins, das leise Ticken einer Kuckucksuhr in der Ecke.
Carl und Margaret wirkten auf mich so lebendig, dass ich sie direkt an einem alten Holztisch im Frühstücksraum sitzen sah. Und das Hotel selbst? Fast schon eine in die Jahre gekommen Figur, voller Erinnerungen und mit einer melancholischen Schwere, die sich in jede Szene schleicht.
Danielas Ankunft bringt spürbar Bewegung in alles .Nicht laut, nicht schrill, sondern wie ein Fluss, der still seine Richtung ändert.
Sehr mochte ich Lisas Entwicklung: Anfangs fest verankert in ihrem Bedürfnis, gebraucht zu werden. Und dann, als sie erkennt, dass hier etwas gewaltig schiefläuft, dieses klare „Nein“. Dieses stille, aber starke Begreifen, dass Selbstwert nicht davon abhängt, ob andere dich brauchen.

Fazit:
Die erste Hälfte: stark, atmosphärisch, voller Subtext und feiner Spannungsfäden. In der zweiten Hälfte kam bei mir oft das Gefühl: Oh oh… ich ahne, wohin das führt. Und so war’s dann auch ein „Hoppla-wir-sind-fertig“-Ende, das zu schnell abgehakt wirkte und manche Figuren im Schwarz-Weiß stecken ließ.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein wilder Ritt durchs emotionale Ödland des 21. Jahrhunderts

Der Stich der Biene
0

Was, wenn alles gleichzeitig brennt – die Erde, die Familie, die eigene Birne?
> Willkommen bei den Barnes’. Sie haben das Geld verloren – und gleich noch die Fassung mit dazu.
> Paul Murray erzählt ihre ...

Was, wenn alles gleichzeitig brennt – die Erde, die Familie, die eigene Birne?
> Willkommen bei den Barnes’. Sie haben das Geld verloren – und gleich noch die Fassung mit dazu.
> Paul Murray erzählt ihre Geschichte klug, absurd, bitter-schön. Und das so intensiv, dass einem abwechselnd das Herz brennt und das Hirn schwirrt.

👨‍👩‍👧‍👦 Und wer sind diese Barnes?

- Dickie: Familienvater auf Wald-Sabbatical mit Bart und leichtem Realitätsverlust.
- Imelda: Zwischen Chanel und Kindheitstrauma – und das tut weh, auf jeder Seite.
- Cass: Teenagertochter mit Weltuntergangsgefühlen, Chaosenergie und kompletter Satzzeichenverweigerung.
- PJ: kleiner Bruder mit großem Fluchtbedürfnis – am liebsten in die Gaming Welt

Und alle haben Geheimnisse, die einen zum Verzweifeln bringen.

Das Ganze liest sich wie ein literarischer Roadtrip ohne Navi: mal Drama, mal kompletter Kontrollverlust. Überfordernd? Ja. Aber auch unfassbar menschlich.



Was du bekommst:
✨ Familiendrama, aber in episch.
🔥 700 Seiten Kapitalismuskritik mit minimalem Sprachwitz.
🌀 Stilchaos (looking at you again, Cass).
💔 Und am Ende: ganz viel von allem.



📚 bookmark_mess Fazit:
Ein wilder Ritt durchs emotionale Ödland des 21. Jahrhunderts – zwischen Apokalypse, Hoffnung und einem irischen Croissant.
Lang, laut, literarisch. Es hat wehgetan. Und ich hab’s trotzdem nicht aus den Händen legen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Es geht nicht um Liebe im klassischen Sinne – oder doch?

Morgen, morgen und wieder morgen
0

Dieses Buch hat mich überrascht. Und das nicht, weil es besonders laut war oder mit großen Twists um sich geworfen hätte – sondern weil es still war. Klug. Nachdenklich. Und irgendwie zart melancholisch.

Es ...

Dieses Buch hat mich überrascht. Und das nicht, weil es besonders laut war oder mit großen Twists um sich geworfen hätte – sondern weil es still war. Klug. Nachdenklich. Und irgendwie zart melancholisch.

Es geht um Sadie und Sam, die sich als Kinder im Krankenhaus kennenlernen, über Videospiele bonden und viele Jahre später gemeinsam Spiele entwickeln. Das Buch begleitet ihre Freundschaft über Jahrzehnte hinweg – durch kreative Höhenflüge, Missverständnisse, Verletzungen und diesen ganz eigenen Raum zwischen Nähe und Distanz, den es manchmal nur zwischen zwei Menschen gibt, die sich besser kennen, als ihnen selbst lieb ist.

Es geht nicht um Liebe im klassischen Sinne – oder doch? Denn was ist Nähe eigentlich, wenn sie nicht romantisch ist, aber trotzdem tief, verwirrend und manchmal schmerzhaft?

Besonders schön fand ich die Metaphern aus der Gaming-Welt: Level, Leben, Neuanfänge, Respawns – das Leben als Spiel, das manchmal unfair ist, oft komplex, aber immer wieder neue Chancen bietet.
Und obwohl ich keine Gamerin bin, wollte ich plötzlich eins: ein Spiel spielen.

Warum „nur“ 4 Bookmarks?
Weil sich manche Abschnitte für mich ein wenig zu ausufernd lasen. Der Plot hatte Längen, besonders in der zweiten Hälfte. Aber das tut dem Eindruck keinen großen Abbruch – dieses Buch ist kein Page-Turner, es ist ein langsames Wandern durch ein komplexes Beziehungsgeflecht. Und das darf es auch sein.

Fazit:
Wie ein Indie-Game mit wunderschönem Soundtrack: nicht laut, nicht perfekt, aber voller Herz, Tiefe und einer Melancholie, die hängen bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Ehrlich? Jeder braucht eine Greta

Pinguine fliegen nur im Wasser
0

✨ Kurzinhalt – ohne Spoiler, mit Herzklopfen:
Greta. Laut. Bunt. Übersprudelnd.
Vincent. Kontrolliert. Verloren. Misstrauisch.

Ein Taxi. Ein schräger Zufall.
Und plötzlich: zwei Leben, die sich kreuzen ...

✨ Kurzinhalt – ohne Spoiler, mit Herzklopfen:
Greta. Laut. Bunt. Übersprudelnd.
Vincent. Kontrolliert. Verloren. Misstrauisch.

Ein Taxi. Ein schräger Zufall.
Und plötzlich: zwei Leben, die sich kreuzen –
am Wendepunkt, wo alles möglich, aber nichts sicher ist.

Vincent hat alles verloren. Greta fährt Taxi.
Und da ist dieses Haus, das nicht nur renoviert werden will, sondern auch Wunden heilt, die niemand sieht.

Zimmer für Zimmer verändert sich die alte Villa und mit ihr verändern sich auch Greta und Vincent.
Was zählt eigentlich im Leben, wenn alles einmal stillsteht?

✨ Meine Leserillen:
Ein Buch wie eine Renovierung fürs Herz.
Erst bröckelt die Fassade, dann zeigen sich die Risse –
und plötzlich flutet alles mit Licht.

Ich mochte, wie Henriette Krohn mit Wärme und Witz erzählt,
ohne dabei das Schwere zu scheuen.
Denn hinter all den kleinen komischen Szenen
verstecken sich große Fragen:
Wer bin ich, wenn alles Bekannte wegbricht?
Wie lernt man, wieder zu vertrauen – sich selbst, dem Leben, einem anderen Menschen?

Greta ist laut, ja. Aber sie ist auch zart und mutig.
Vincent dagegen zurückhaltend, ein bisschen verloren
aber man spürt: da ist mehr, viel mehr.

Das Zusammenspiel der beiden?
Wie ein Tanz aus Nähe und Abgrenzung, voller Stolperer,aber auch voller echtem, echten Leben.

Und dann war da noch diese Szenen mit dem Taxi oder der Schildkröte –
ich hatte sofort Bilder im Kopf und musste laut auflachen.
So eine Mischung aus Komik und Gefühl, ich liebs.

Ehrlich? Jeder braucht eine Greta.
Und auch einen Vincent. Zum Wachsen, Stolpern, Loslachen und Festhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere